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Astacus fluviatilis

Der Astacus fluviatilis ist ein kleines, wenig erforschtes Mittel, das im Boericke kurz beschrieben ist. Warum also diese Arbeit und das Interesse für den Flußkrebs? Hp Andreas Krüger wurde im Namen der Boller Schule aufgefordert, sich mit diesem bisher unbekannten homöopathischen Mittel auseinanderzusetzen, und es zeigte sich, daß seine Heilwirkung weitaus umfangreicher sein kann, als es bisher in der Literatur beschrieben ist.

An der Samuel-Hahnemann-Schule wurde eine Arzneimittelprüfung über 3 Wochen durchgeführt (die Probanden wußten nicht, was sie prüften), wobei in der ersten Woche die D6, in der zweiten die D12 und in der dritten die C30 verabreicht wurde. Die Ergebnisse waren überaus interessant, und es ließen sich ohne weiteres Verbindungen herstellen zwischen dem Typus des Tieres und den Prüfungssymptomen.

Da es sich um eine kleine Prüfergruppe (4 Personen) handelte, können die Resultate zwar keinen Anspruch auf Repräsentativität erheben, aber die AMP förderte Themen und Ideen zum Wesen des Astacus deutlich zutage, und sie hat es möglich gemacht, dies Mittel besser zu verstehen und es erfolgreich in der Praxis anzuwenden.

Bei den Erfahrungen und Erlebnissen mit Astacus kristallisierte sich ein Gedanke, eine Idee besonders deutlich heraus: Wie gehe ich mit meinem Panzer um, d.h. wie schütze ich mich gegenüber meiner Umwelt vor Verletzungen und Entblößung, ohne eine mich unbeweglich machende Struktur aufrecht zu erhalten? Der Flußkrebs scheint ein lieber Helfer zu sein, der uns umhüllt, wenn wir uns in Zuständen großer Verletzbarkeit befinden.

Ich hoffe, Ihr Interesse für ein "so kleines Mittel" wecken zu können und wünsche viel Spaß bei der Beschäftigung mit diesem höchst spannenden Wasserbewohner, dem Astacus fluviatilis.

"Geliebt wirst du einzig dort, wo du schwach dich zeigen darfst, ohne Stärke zu provozieren!" (Ardono)

Das Tier

Allgemeines:
Der Flußkrebs ist ein Süßwasserkrebs, der noch in unseren Flüssen, Bächen und Seen lebt. Er ist ein guter Indikator für den Grad der Umweltverschmutzung: je höher sie ist, desto seltener treffen wir ihn an. Wasser in dem noch Flußkrebse leben, kann man ohne Bedenken trinken. Unser Flußkrebs liebt seicht fließende, kühle Gewässer. Außerdem müssen sie kalkhaltig sein, damit der Aufbau seines Panzers gewährleistet ist.
Es existieren 500 verschiedene Arten des Flußkrebses auf der Welt. In unseren Gewässern gibt es 4 Arten der Gattung Astacus (oder Potamobius) und eine Art der Gattung Cambarus (oder Oreoneates). Der bei uns bekannteste ist wohl der Astacus astacus oder Astacus fluviatilis oder ganz einfach Edelkrebs. Aus dieser Gattung wird auch das Arzneimittel hergestellt. Es wird aus dem ganzen Krebs gewonnen und heißt Astacus fluviatilis oder Cancer astacus oder Astacus potambius.
Den Flußkrebs findet man fast in der ganzen Welt, v.a. in Europa, Nordamerika und auf der südlichen Halbkugel (Südamerika, Australien). Aber auch in Madagaskar gibt es ihn, obwohl er eigentlich in Afrika nicht lebt, weil er die Hitze nicht gut verträgt.
Der Krebs sieht aus wie ein kleiner Hummer, wobei der Hummer ein Meeresbewohner und der Flußkrebs wie gesagt, ein Bewohner von Flüssen ist. Außerdem ist er viel kleiner (16-25cm lang).
Will man heute noch den Astacus astacus finden, so muß man viel Glück haben; am Tage nämlich läßt er sich kaum sehen, da er das Licht und die Wärme scheut. Außerdem mußte er eine Krebspest überstehen, eine Pilzerkrankung so um 1870 herum, die seinen Bestand ganz erheblich dezemierte.
Es wurde eine nordamerikanische Art in unseren Breiten ausgesetzt, da sie immun ist gegen die erwähnte Pest und nicht so empfindlich auf die Umweltverschmutzung reagiert. Allerdings ist sie nicht für den Verzehr geeignet, weil sie noch kleiner ist als unsere Art. Dem einheimischen Astacus wird es immer schwerer, wieder Fuß zu fassen, da seine Biotope nun auch noch von einem anderen besetzt sind.

Die Anatomie des Astacus:

Der Flußkrebs gehört zu der Gruppe der Diantennata, d.h. er ist im Besitz zweier Antennenpaare. Die Antennen dienen dem Tast- und Chemosinn. Am basalen Stielglied der Antennen liegt die Statocyste als Schweressinnesorgan (Gleichgewichtsorgan). Man kann sich die Statocyste als kleine Höhle vorstellen, die mit vielen kleinen Sinneshärchen ausgestattet ist. Das Tier sammelt Steinchen aus der Umgebung auf und steckt sie in die Höhlen. Kommt er aus dem Gleichgewicht, so rollen die Steinchen zur Seite und reizen die Sinneshärchen. Das kann er spüren und gleicht seinen Zustand durch strampeln mit den Beinen wieder aus. Der Krebs ist ein beliebtes Versuchstier, besonders sein Gleichgewichtssinn wurde aufs genaueste ausgetestet. So hat man z.B. all seine Sandkörner entfernt und ihn auf Eisenspäne gesetzt. Nachdem er Eisenspäne eingesammelt hatte, setzte man ihn auf einen Magneten. Er verzweifelte!!
Am Ende der anderen Antennenpaare liegt das Exkretionsorgan.

Die Beine des Krebses und ihre Funktion:

Der Flußkrebs hat 10 Beinpaare, davon 5 am Cephalothorax und 5 am Abdomen.
Beginnen wir mit dem größten und schönsten Beinpaar: Den Scheren. Sie gehören zwar zu den Beinpaaren, mit ihnen kann der Krebs aber nicht laufen. Sie dienen zum Ergreifen und Zerkleinern der Beute, und er stellt sie bedrohlich auf, wenn man ihn angreift. Es bestehen geschlechtliche Unterschiede in der Scherengröße, die der Weibchen sind kleiner als die der Männchen.
Er hat vier Paar Schreitbeine. Mit ihnen kriecht und stelzt der Krebs über den Boden. Die ersten beiden Paare haben noch Scheren an ihren Enden, d.h. sie werden auch zur Nahrungsaufnahme verwendet. Schließlich sind noch die 5 Paar Gliedmaßen an der Unterseite des Abdomens zu nennen. Hier handelt es sich um Schwimmfüße, wobei beim Männchen das erste Paar zu Gonopoden (Besamungswerkzeug) umfunktioniert wurde, während es beim Weibchen wichtig ist für die Eiablage sowie zum Festhalten für die Kleinen. Eigentlich jedoch sind es Schwimmfüße, und 4 Paare werden auch als solche genutzt, wenn man den Krebs überrascht bzw. erschreckt. Dann biegt er heftig und ruckartig seinen Schwanzfächer ein und schnellt zurück.

Der Carapax:

Der Carapax entsteht durch Verwachsungen der Kopf-, Brust- und aller Thoraxsegmente. Er ist hart und besteht aus Chitin und Kalksalzen. Chitin ist ein Abscheidungsprodukt aus der äußeren Hautschicht. Es ist ein Polysaccharid, ähnlich wie Pflanzenzellulose, leblos und vor allem Wasserundurchlässig. Denn der Flußkrebs muß sehr darauf achten, daß sein Salzgehalt im Körper stimmt. Er ist marinen Ursprungs und seine Körpersäfte haben noch ähnlichen Salzgehalt wie das Meer. Er ist also einem hohen osmotischen Druck ausgesetzt. Zum Schutz vor zuviel Salzverlust dienen ihm folgende Mechanismen:

1. Er kann in seinen Exkretionskanälen Ionen aus dem Primärharn rückresorbieren.

2. Er kann über seine Kiemen aktiv Ionen aufnehmen.
In der Unterhaut befindet sich eine Pigmentschicht. Dadurch ist der Krebs zu aktiven Farbwechselsn fähig. Farbzellen (Chromatophoren), die sich im Unterhautgewebe ausbreiten oder zusammenziehen, bestimmen sein Äußeres. Die Art der bläulichen Töne ist temperaturabhängig. Beim Erhitzen zerfallen sie; deshalb werden Flußkrebs wie Hummer rot, wenn man sie kocht. Entscheidend für die Farbanpassung sind Hormone. Normalerweise ist unser Astacus bräunlich bis olivgrün.

Nahrungsaufnahme und Verdauung:

Der Flußkrebs ist ein Allesfresser. Er frißt nachts, am Tage zieht er sich lieber zurück. Die Speisekarte des Tieres könnte so aussehen: Insektenlarven, Würmer, Kaulquappen, Aas, Wasserflöhe, Süßwasserkrabben, Muscheln, Blutegel, Schnecken und auch Pflanzen. Mit seinen großen Scheren packt er sich seine Beute und zerdrückt sie. Der Krebs kaut nicht, schneidet nicht, er zerreißt seine Beute. Während er das Opfer zerzupft, führt er sich Stück für Stück die Teilchen zu den Mundgliedmaßen, wo sie zerkleinert werden. Dann folgt im Vorderdarm ein Kauprozeß. Dieser Kaumagen ist mit äußerst harten Wänden ausgestattet und zermalmt die Nahrung vollends.

Atmung:

Der Krebs ist ein Kiemenatmer. Die Kiemen sitzen an den Basen der Beine. Das Wasser fließt dort ein und wird am Ansatz der Fühler wieder ausgepreßt. Das ist auch für die Exkretion sehr vorteilhaft, denn auch die Antennendrüsen sitzen am Ende der Fühler. In die Kiemen ragt ein blattförmiger Anhang, der ständig wippende Bewegungen macht, um das Wasser einzuleiten. Der Wasserstrom kann auch von unten nach oben gehen. Das ist z.B. wichtig, wenn der Krebs sich eingräbt.

Die Häutung:

Ein aüßerst komplizierter Vorgang, bei dem viele Krebse sterben! Die Häutung vollzieht sich in 4 Abschnitten:

1. Kalksalze des alten Panzers werden in den Blutkreislauf zurückgenommen. Die Haut wird weich und blass.

2. Sprengen! Querriss der Haut zwischen Cephalothorax und dem ersten Hinterleibsegment. Er pellt sich mühsam aus seiner alten Haut.

3. Der körper schwillt an, da er Wasser aufnimmt. Während dieses Prozesses befindet sich der Krebs in seiner Höhle, denn er ist nun absolut funktionsunfähig. In dieser Zeit wird er auch Butterkrebs genannt. Er kann seine Muskeln nicht bewegen, kann keine Nahrung aufnehmen, hat keinerlei Schutz vor Feinden und außerdem macht ihm der osmotische Druck zu schaffen.

4. Einlagerung des Kalkes in den neuen Panzer. Die Häutung dauert ca. 6 Stunden, und nach drei Wochen ist der neue Panzer wieder völlig rekonstruiert.
Bei der Häutung wird alles erneuert, was aus Chitin besteht, und das ist eine ganze Menge:
- der Panzer des Körpers und der Gliedmaßen
- Außenschicht der Fühler, Augen , Kiemen
- Vorder- und Hinterdarm
- Magenhaut (Zähne).
Der Krebs macht das viele Male mit, denn der Panzer kann nicht mitwachsen. Er häutet sich im ersten Lebensjahr 8mal, im zweiten 5mal, im dritten 3mal und jedes weitere Jahr einmal.

Befruchtung und Brutpflege:

Die beiden Geschlechter finden sich mit Hilfe des chemischen Sinnes. Paarungszeit ist im Herbst. Wie gesagt sitzen Chemorezeptoren an den Antennen. Der Kopulation geht eine Häutung des Weibchens voraus. Das Männchen jagt nun das Weibchen, und wenn er sie erwischt hat, packt er sie mit seinen Scheren und wirft sie auf den Rücken. Dann setzt er den Samen auf die Brust und formt mit seinen Begattungswerkzeugen etwa 1cm lange "Würstchen". Die Spermien liegen in einer Kapsel (Spermatophoren). Diese "Würstchen" klebt er in die Nähe der Geschlechtsöffnung des Weibchens. Nun verbuddelt sich das Weibchen, so daß nur noch ihre Scheren und ihr Kopf rausgucken. In 1 1/2 Monaten reifen ihre Eier aus und werden dann gelegt. Der dabei mit austretende Schleim löst die Spermatophoren, und die Eier werden befruchtet. Rund 200 Eier legt sie, davon werden aber nur knapp 20 befruchtet. 6 Monate lang bleiben die Eier an ihrem Hinterleib haften. Die Kleinen sind sofort fertige Krebse, sie durchlaufen kein Larvenstadium wie all ihre Verwandten. Die erste Häutung erleben die Kleinen noch im Schutz der Mutter, aber dann geht es schon alleine weiter. Nach 4 Jahren erreicht ein Astacus die Geschlechtsreife und ist ausgewachsen. Die Lebenserwartung liegt bei ca. 20 Jahren.

Der Typus:

Der Flußkrebs führt wahrlich ein schweres Leben. Er ist am liebsten allein, am Tage und im Winter zieht er sich zurück. Er scheut das Licht und die Wärme, braucht zum Leben nicht mehr als kalkhaltiges, kühles Wasser und seine Nahrungsansprüche sind ja auch nicht allzu hoch. Kurzum, er symbolisiert das, was man anspruchslos oder leicht zufriedenzustellen nennt.
Aber man läßt ihm keine Ruhe!
Nicht nur, daß er jährlich großen Gefahren ausgesetzt ist wegen seiner Entblößung, daß er Umweltverschmutzung aushalten muß und auch als Versuchstier und Nahrungsmittel mißbraucht wird, nein, zu guter Letzt überfällt ihn auch noch die Pest. Es scheint keine Lichtblicke im Leben des Krebses zu geben, nicht einmal die Paarung sieht in unseren Augen besonders liebevoll und erfüllt aus. Doch er gibt nicht auf und interessanterweise könnte man ihn trotz seiner großen Empfindlichkeit gegenüber Umweltreizen auch mit chemischen Mitteln nicht loswerden - falls man es wollte. Das Leben dieses Krebses ist nicht leicht, aber Unglücklichkeit möchte ich ihm nicht unterstellen.

Die Prüfungsergebnisse

Cancer fluviatilis wurde in der Samuel-Hahnemann-Schule in drei Verschiedenen Potenzen (D6, D12, C30) über drei Wochen geprüft. Die Prüfungsergebnisse von 4 Prüfern sollen hier dargestellt werden. Aus Gründen der Übersicht wurde darauf verzichtet, die Ergebnisse der einzelnen Potenzen getrennt voneinander aufzuführen. Es soll aber doch betont werden, daß sich der überwiegende Teil der körperlichen Symptome in den ersten zwei Wochen einstellte, als die niedrigen Potenzen geprüft wurden, während die Geistes-, Gemüts- und Traumsymptome nach der C30 deutlich auftraten.
Besonders deutliche Symptome sind kursiv gedruckt, die wiederholt aufgetretenen unterstrichen.

Geistes- und Gemütssymptome

-Denken fällt schwer -Keifende,genervte Atmosphäre
-Konzentrationsschwäche -bematscht
-wie Gummi im Kopf -umständlich
-Unfähigkeit alltägliche Dinge -introvertiert
zu erledigen -keine Lust auf Menschen
-jede Tätigkeit ist anstrengend -keine Lust auf Unterhaltung
-lustlos und gleichgültig und Diskussion
-Geichgültigkeit -fühlt sich nicht liebenswert
-keine Gefühlsausbrüche -neigt zu Übertreibungen
trotz Anspannung -aufbauschen von Ärgerlich-
-innere Anspannung keiten
-Stress und Ärger berühren -alles auf einem angstfreien,
aber machen nicht zu depressionslosen Niveau
schaffen -verwirrt, aber pflichtbewußt
-Gefühl, in die Enge getrieben und daher gestresst
zu sein -Gefühl als sei man in Watte
-fühlt sich "neben der Kappe" gepackt
-steht neben sich -einigermaßen Wohlbefinden
-Aufhellung düsterer Zukunfts- -Sehnsucht nach Ruhe und Klar-
gedanken heit
-optimistische Schübe -Abneigung, die Prüfung weiter-
-knickerig, kleinmütig zuführen
-genervt
-abwesend

Nachwirkungen

-alles dringt ohne Kontrolle -Zweifel
in die Tiefe -an sich selbst,
-große Verletzlichkeit -am Ehrlichsein
-Empfindlichkeit - bloßgelegt
-Empfänglichkeit
-nie mehr zeigen wollen
-nie mehr sich öffnen wollen

Traumthemen und Begebenheiten

-Gefühl, Düfte antidotieren -Schutt und Asche
-Träume wenig, geht um Erledi- -Schlaf nach den schweren
gung von Alltäglichkeiten Träumen erschöpfend
-sachliche Träume -Schlaf nach D6 u. D12 erholsam
-Belanglosigkeitgefühl im Traum -verliebt - man hat sich ge-
trotz schlimmer Geschichten zeigt, ist abgeblitzt, man
z.B. Gruselfilme fühlt sich verletzt, bloßge-
-schwere Träume gelegt
-Vergewaltigung -Umzugssituation
-Sekten -Verlangen, Scheren zu kaufen
-in U-Bahn gefangen genommen -Unfall von Anfang an beobach-
-New York, Future story tet
-alles grau, alles dunkel -keine Verletzten
-Smog, Umweltverschmutzung -Totalschaden
-Liebe mit einem Italiener -Auto dreht sich um eigene
-auseinandergehen während Achse
des Liebesaktes -keine Luft zum atmen

Körperliches Befinden

-Fließschnupfen mit wäßrigem -fiebriges Gefühl
Sekret -Bauchschmerzen
-Erkältung -Unverträglichkeit von Fleisch
-Nase wund und rot -Verlangen nach schlechtem
-Lippen wund und aufgesprungen Essen
-große Hautfetzen lösen sich -"steht gern fröstelnd an einer
von den Lippen Bude im naßkalten Wind mit
-Spannunggefühl in den Lippen Cola und Pommes"
man kann nicht lachen! -frösteln
-nach 2 Tagen völlige Häutung -Beine schmerzen, keine Kraft
der Lippen in ihnen
-Ohren sind zu -Wärzchen im Genitalbereich
-Stimmen und Geräusche verschwunden
aus der Ferne, wie durch -Zähneknirschen nachts, so
Wasser! stark, daß Zahn zerbrochen
-Stuhl klebrig, 20 - 30mal -allg. Lahmheit
wischen -Verlangen, kalt zu duschen
-Juckreiz und Schorf im Gesicht, -Errötet leicht, nach Astacus
auf beiden Wangen verschwunden
-linke Achselhöhle
-linkes Schlüsselbein

-Boericke:
Haut: Nesselsucht über den ganzen Körper
Erysipel u. Leberbeschwerden mit Nesselsucht
Schwellung der Halsdrüsen

Fieber: Inneres Frösteln
heftiges Fieber mit Kopfschmerzen

Zusammenfassung der deutlich erlebten Themen

Auffällig an der Arzneimittelprüfung war, daß es jedem Prüfer zu Beginn gut mit Astacus ging. Man fühlte sich beschützt, aber nicht reaktionsunfähig. Auch wenn Begebenheiten stark beeindruckten oder beeinflußten, so spielte sich die Auseinandersetzung im Bewußtsein ab und nicht verborgen in tiefsten Gefühlen. Um so stärker war die Erfahrung für einige, als sich nach der C30 ein Gefühl der absoluten Schutzlosigkeit einstellte (Butterkrebs). Einfache Schutz- und Kontrollmechanismen schienen ausgeschaltet: "Alles dringt ohne jegliche Kontrolle in die Tiefe".

Ein Gefühl der Schutzlosigkeit und des Ausgeliefertseins scheint im Vordergrund zu stehen, wobei sich die Frage nach dem auslösenden Moment stellt. Und dieser beruht nicht auf einer Verletzung, die von außen kommt, sondern eher auf einem zu schnellem Lösen eigener Schutzstrukturen, was die Person mit einer plötzlichen, ungekannten Freiheit konfrontiert. Das Öffnen und Sich-Lösen von Schutzschildern kann sehr schön sein, bereitet man sich jedoch nicht darauf vor und geschieht dies in einer Umgebung oder einem Rahmen, die bzw. der das nicht zuläßt, so kann man dann tief verletzt werden.

Die Aufgabe des Flußkrebses scheint es nicht zu sein, uns unserer Panzer bewußt zu werden, er könnte uns vielmehr lehren, wie wir bewußt und liebevoll mit dem Aufbrechen unserer alten Schutzstrukturen umzugehen haben.

In unserer heutigen Zeit werden sich immer mehr Menschen ihrer "Panzer" bewußt und sie wollen sie aufbrechen, sich auf den Weg machen, sich unlebendiger Lebenssituationen entledigen. Man könnte fast sagen, daß, genauso wie der Flußkrebs nur durch seine Häutung wachsen kann, auch der Mensch sich dann und wann seiner alten Hülle entledigen muß, um zu wachsen.

Viele Therapien werden genutzt, um alte Panzer schnell zu sprengen. Aber was passiert, wenn alle Hüllen gefallen sind? Alle Begrenzungen, Schutzschilder sind endlich weg, aber man ist ersteinmal ohne Halt und hat das Gefühl zu zerfließen. Es fehlt noch die Struktur, die Hülle, das Flußbett - alles, was einen auffängt und trägt. In diesem Zustand könnte uns der Flußkrebs mit den Erfahrungen, die er in sich trägt, vielleicht weiterhelfen. Der Weg vom Butterkrebs zum "Struktur-Krebs" ist beschwerlich und man kann ihn nur ganz allein gehen. Könnte der Flußkrebs hier nicht ein wichtiges Mittel der Homöopathie sein und helfen? Diese Gedanken sollen Tendenzen zeigen zur möglichen Heilwirkung des Astacus astacus. Einen Anspruch auf Allgemeingültigkeit kann man sicherlich nicht erheben. Es wäre schön, wenn der Astacus weiter erforscht und geprüft würde, so daß man ihn vielleicht bald häufiger in seiner Praxis anwenden kann.

Fälle aus der Praxis

1. Fall

Der Patient befindet sich im Zustand großer Unsicherheit. Alles wird in Frage gestellt. Er hat das Gefühl in ihm wirkten Orkane, die er besonders im Becken fühlt. Dieses Gefühl macht ihm Angst. Er spürt, durch diesen Zustand offen und erreichbar für alles und dadurch sehr verletzbar zu sein.
Er soll sich in der nächsten Zeit der Öffentlichkeit präsentieren, aber die Angst vor Verletzung ist so groß, daß er überlegt, sich dem nicht auszusetzen.

Calc. C30 bleibt ohne Wirkung.

Danach 2mal an Astacus C30 riechen lassen.

Es stellt sich ein Gefühl von "Umhüllt-Sein" ein, mit der angenehmen Gewißheit, auch diesen neuen Mantel wieder abstreifen zu können.

(Astacus, eine helfende Hand, wenn wir uns wie Buterkrebse fühlen)

2. Fall

Der Patient macht seit vier Jahren Bioenergetik. Nach einer Woche eines Intensiv Workshops ist er völlig ausgepowert in die Praxis gekommen.
Er weiß: diesmal war es zuviel!
Er hat das Gefühl, er habe sich alle Schutzschilder abgerissen, was in der Gruppe ein tolles Gefühl war, aber jetzt, wo er allein mit sich und ohne Gruppe ist, bekommt er Angst. Er hat sich noch nie so verletzlich, allein und hilflos gefühlt. Die Gruppe war toll, und die Rüstung ist endlich weg, aber wie geht's weiter?
Er muß ständig weinen und traut sich nicht mehr unter Menschen zu gehen.
Er bringt deutlich das Gefühl zum Ausdruck, sich nie mehr aufmachen zu wollen, wenn es sich um einen schmerzhaften Prozeß handelt.

Astacus, alle 2 Stunden 2 Tabletten C30, bis Besserung eintritt.

Begleittherapie: Mesmerismus

Spontan tritt eine große Ruhe bei dem Patienten ein. Er hat das Gefühl, etwas Warmes, Schützendes legt sich um ihn und er kann sich in diese imaginäre Decke so richtig einkuscheln.
Nach 10 Stunden ist er völlig ruhig und angstfrei.
Insgesamt hat er Astacus 3mal genommen und in dieser Zeit gelernt, daß er ruhig sanfter mit sich umgehen kann. Panzer müssen langsam gelockert werden, bevor man sie ablegt, und sie sollten nicht abgesprengt werden.

Am Ende der Behandlung zitierte er Laotse (bezogen auf die Homöopathie): "Das Zarte wird das Starke besiegen."

"Don't push the river - it flows by himself", Friedrich Salomon Perls 1893-1970.

3. Fall

Patient seit 6 Jahren in Freudscher Analyse.
Spontanbericht:
Der Patient ist immer müde, traurig, oft verzweifelt, Trost tut ihm nicht gut. Er kommt nicht von alten Gedanken los. Alles begann, als vor 12 Jahren seine Mutter starb, die er sehr liebte. Er war schon immer ein sehr verletzlicher Mensch und hat sich zum Schutz eine harte Schale zugelegt.
Er möchte nicht nochmals verletzt werden, fühlt sich aber fest und starr. Über Nackenschmerzen klagt er und sein äußerer Hals tut weh. Dort sitzen die ungeweinten Tränen.

Natrium mur. M 1mal

1 Woche später:
Patient fühlt sich völlig aufgelöst, weint nur noch. Der Panzer ist wie weggesprengt, und der ganze Körper tut weh. Die plötzliche Freiheit macht ihm Angst. Er fühlt sich wie aus Butter und jeder kann reindrücken. Er kann sich nicht gegen negative Gefühle abgrenzen. Sein Gefühl ist völlige Schutzlosigkeit, und er traut sich nicht mehr, unter Menschen zu gehen. Die Situation (ohne Panzer) ist derart extrem, daß er überlegt, in die Klinik zu gehen. Der Gedanke, frei zu sein gefällt ihm, aber in diesem augenblicklichen, nackten Zustand erträgt er die neue Freiheit nicht. Er möchte etwas Schutz, um sie leben zu können.

Astacus C30 2mal riechen

2 Stunden später:
Eine enorme Erleichterung für den Patienten! Er fühlt sich wie umhüllt, so, als ob sich ein Seidenschal um seine Nacktheit gelegt hat. Ein warmes und sicheres Gefühl. Er weiß jetzt, eine Häutung ist schmerzlich, aber es gibt die Homöopathie, die einem eine neue Jacke strickt, damit man erstmal nicht ganz nackt dasteht.

4 Wochen später:
Dem Patienten geht es gut. "Es war eine harte Geburt, schmerzlich und angstbesetzt, aber Astacus war ein guter Begleiter."

7 Wochen später:
Der Patient fühlt sich glücklich.

"Das Ziel der Ausübung der Heilkunst ist es, Menschen glücklich zu machen". G. Vithoulkas

Literaturliste:

- Urania Tierreich "Wirbellose Tiere 2"
Verlag Harri Deutsch, 1969 Leipzig, Jena, Berlin

- "Holles Tier - Enzyklopädie"
Andreas Verlag, 1973, Salzburg

- "Nacht voller Leben"
Jane Burton, Kim Taylor, Kosmos Verlag 1983, London

- "Signale in der Tierwelt"
Verlag Moos und Partner, München 1987

- "Kones Tierreich in Farbe"
1960 München, Zürich

- "Das Königreich der Tiere"
Maurice und Robert Buton, 1977, München

- "Die Tiere der Welt", "Insekten und andere Wirbellose"
Mosaik Verlag, Band 10, 1988 Gütersloh

- "Das neue Tierreich nach Brehm"
Gütersloh 1986

- "Der große Natur- und Landschaftsführer"
1979 Mairs Graphic Center

Andreas Krüger, Heilpraktiker
Ulrike Müller, Heilpraktiker-Schülerin
Samuel-Hahnemann-Schule, Mommsenstr. 45,
10629 Berlin