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Calcium Carbonicum Hahnemanni

Calcium Carbonicum ist eines unserer größten Polychreste. Calcium-Menschen sind jedoch nicht nur die so oft beschriebenen Dummen, Doofen und Dicken. Der Stoff Calcium ist die Grundlage dafür, daß die Meeresbewohner überhaupt an Land gehen konnten, und so sind auch Calcium-Menschen oft die Grundlage von Gesellschaftssystemen. Kein Volk könnte lange existieren, wenn sich niemand um die Kinder kümmern würde, oder wenn die Bauern nicht die Nahrung anpflanzen würden.
Auch im menschlichen Organismus ist das chemische Calcium lebensnotwendig, wo es formgebend, abdichtend und hemmend wirkt. Calcium-Menschen haben es heutzutage nicht leicht. Erfolg, Fortschritt und Macht sind nicht so sehr die Ziele, die sie anstreben, und deshalb werden sie oft nicht ernst genommen, gar ausgelacht oder auch einfach nur übergangen. Da Calcium-Menschen ein sehr starkes Harmonie-Bedürfnis haben, trifft sie ein solches Verhalten natürlich besonders stark.
Zum Schluß der Einleitung noch ein kleines Gedicht, das von einer Theateraufführung der Samuel-Hahnemann-Schule stammt.:

Engel des Lichts (hier war noch Phosphor ist gemeint)
in den Höhen mag es schön sein,
jedoch nur der stete Tropfen höhlt den Stein!


Ich bin das unbezwingbare, verwurzelte,
sich ständig wiederholende Prinzip,
in dem die Weisheit liegt.

Meine in tiefstem Herzen verwurzelte Liebe zum Leben
macht mein Herz so weich und weit
und schenkt mir tiefste Dankbarkeit.

Sorglos und bedenkenlos
der Zeit ihre Zeit lassen,
einfließen und ausfließen in gemächlichem Rhythmus
...Ruhe ausstrahlen,
darin liegt meine Kraft.

Der chemische Stoff Calcium

Das Arzneimittel Calcium Carbonicum Hahnemanni besteht nicht aus chemisch reinem Calcium, da es aus den inneren, schneeweißen und zerbrochenen Teilen der Austernschale gewonnen wird. Da Calcium jedoch der wirksamste Bestandteil ist, ist es interessant, sich die Bedeutung des Calciums auf der Erde und insbesondere im menschlichen Organismus anzusehen. Bevor wir uns diesem Teil widmen, möchte ich ein paar einleitende Gedanken darauf verwenden, wie das Calcium in unsere Organismen hineingekommen ist.

Vor vielen Millionen von Jahren zerstörten die Kräfte der Erosion die Sedimentgesteine, in denen Calcium überwiegend in Form von Calciumcarbonat (CaCo3) vorhanden war. Dieser gelöste Kalk wurde ins Meer geschwemmt, wo er sich in Bänken oder Platten absetzte und bei seiner Versteinerung vieles mit einschloß, was in diesem Moment im Meer lebte. Eine besonders wichtige Folge jedoch war,daß sich die Weichtiere mit Hilfe des Kalkes auf den Weg machen konnten, das Land zu erobern. Sie bauten sich ein Knochengerüst auf, welches ihnen innere Festigkeit und Struktur verlieh, und/oder sie lagerten es als Panzer und Schutz um sich herum an (z.B. die Austernschale). Ohne diese Festigkeit und diesen Schutz wären die weichen Lebewesen in der Brandung getötet und zerschlagen worden oder bei Sonne und Wind ausgetrocknet. Das Calcium schützte sie durch seine Fähigkeiten; das Leben auf dem Land konnte beginnen.


Heutzutage besteht noch ca. 1/3 der Erdoberfläche aus Sedimentgesteinen. Dabei sind überwiegend 3 verschiedene Formen vorhanden:
1. das schon erwähnte Calciumcarbonat,
2. kristallines Carbonat, bekannt als Calcit oder auch Islandspat (bzw. die seltenere Form des Aragonits)
3. die mikrokristallinen Formen des bekannten Marmors sowie die Kreide, die nach neuesten Erkenntnissen nicht aus den Schalen früherer Meereskleinlebewesen entstanden ist, sondern aus chemischen Fällungsvorgängen.

Calcium steht im Periodensystem in der 4.Periode zwischen Magnesium und Strontium. Magnesium ist sehr "lebendig", z.B. beim Blitzlicht, während Strontium kaum reaktionsbereit ist. Calcium liegt genau zwischen ihnen, und so verhält es sich auch. Es ist nicht so lebendig wie Magnesium, aber auch nicht so "träge" wie Strontium. Während Magnesium und Calcium im Körper vorhanden sind, kommt Strontium nicht im menschlichen Organismus vor. Als weitere Nachbarn liegen links neben Calcium das Kalium, welches "zu den Alkali-Metallen der 1. Gruppe und somit zu den elektropositiven und reaktionsfähigsten Metallen gehört" (Leeser S.175), rechts neben Calcium Scandium, das im Vergleich zu Calcium oder Kalium keine große Bedeutung hat.

Das Calciumcarbonat ist in Wasser fast vollkommen unlöslich, während es in Anwesenheit der Kohlensäure das schwach saure Bicarbonat ( Ca(HCO3)2 ) bildet. Ob das Calcium sich also in Wasser auflöst oder nicht, hängt von der Kohlensäure ab, bzw. davon, ob das Wasser kalt oder eher warm ist, da kaltes Wasser mehr Kohlensäure aufnehmen kann als warmes. "Der Kalk ist ein ausgesprochen kaltes Mittel im geologischen Zusammenhang" (Leeser S.176). Leeser schreibt in diesem Zusammenhang, daß bei einer Azidose im menschlichen Organismus die Calcium-Depots vermehrt aufgelöst werden und es bis zu einer Osteoporose kommen kann. In einem neutralen bis alkalischen Milieu findet eine Fällung statt, die sich als Niederschlag am Skelett lokalisiert.

Durch den Regen (kohlendioxidhaltiges Wasser) gelangen ca. 1,3 Milliarden Tonnen Kalk jährlich über die Flüsse in das Meer. Der kohlensaure Kalk ist als Mineral sehr verbreitet. Er wird in Form von Marmor, Travertin (ein gelblicher Baustein), Muschelkalk u.s.w. zum Haus-, Mauer- und Straßenbau (Schotter, Kies) verwendet. Ein erheblicher Teil wird durch Brennen zu gebranntem Kalk verarbeitet (Calciumoxid, Ätzkalk ). Gebrannter Kalk bildet in reinem Zustand harte, weiße Brocken, die begierig Wasser und Kohlensäure aus der Luft aufnehmen. Der technisch gebrannte Kalk, aus Kalksteinen gewonnen, ist wichtig als Ausgangsmaterial für gelöschten Kalk. Dieser entsteht durch Zusatz von Wasser zu gebranntem Kalk. Die Reaktion läuft unter erheblicher Wärmebildung ab. Man verwendet gelöschten Kalk hauptsächlich zur Zubereitung von Mörtel, als Anstrichmittel, zur Schädlingsbekämpfung und Desinfektion von Ställen mit Kalkmilch sowie zur Gewinnung von Natronlauge aus Soda.

In den Pflanzen besitzt Calcium die Funktion des Ionentransportes. Je älter eine Pflanze wird, desto höher ist in ihr die Calcium- Konzentration. Besonders viel Calcium ist in den Holzteilen von Pflanzen enthalten. Bei Untersuchungen des Einflusses von Calcium auf den Anbau von Kartoffeln und Buchweizen gab es erstaunliche Resultate: wurden die Kartoffeln mit Calcium gedüngt, so stieg der Stärkegehalt fast um das Doppelte an. Beim Buchweizen erhöhte sich Kornertrag und Korngewicht um fast 1oo% (Leeser S.178).

Calcium in der Nahrung

Die wichtigste Calcium-Quelle ist unsere Nahrung. Besonders viel Calcium enthält unsere Milch mit 120mg/100ml, wobei es keinen Unterschied macht, ob wir Vollmilch oder Magermilch zu uns nehmen (Calcium-Menschen trinken leidenschaftlich gerne Milch, oder aber sie vertragen sie gar nicht). Weitere an Calcium reiche Nahrungsmittel sind Quark mit 200mg/100g, Käse mit ca. 90mg/100g und Gemüse mit 120mg/100g Frischmasse. Außerdem kommt Calcium in Vollkornprodukten und in Eiern vor. Über den täglichen Bedarf des Menschen gibt es unterschiedliche Aussagen. Im Duchschnitt braucht der erwachsene Mensch 0,5-1,0 g täglich. Die Nahrung der Eskimos enthält jedoch nur Spuren von Calcium, und trotzdem sind keine Mangelerscheinungen festzustellen. Kinder und Jugendliche brauchen im Durchschnitt 1,0-1,2 g täglich. Das meiste Calcium brauchen Schwangere und stillende Frauen, da über die Placenta bis zu 625 mmol und über die Muttermilch bis zu 2000 mmol Calcium zum Einbau in das Skelett an das Kind abgegeben werden. Deshalb tritt häufig ein Calcium-Mangel in der Schwangerschaft und Stillzeit auf. "Calcium-Mangel ist weit verbreitet. Die verhältnismäßig geringe Körpergröße der japanischen Bevölkerung ist vor allem auf ungenügende Calcium-Zufuhr zurückzuführen. Die Kinder japanischer Einwanderer in den USA übertreffen ihre Eltern im Duchschnitt um mehr als 12 cm Körperlänge" (Leeser S. 178 ).

Calcium im menschlichen Organismus

Calcium ist überlebenswichtig für alle tierischen Lebewesen. Es erfüllt mehrere wichtige Aufgaben, und wir sollten uns deshalb näher mit dem Stoffwechsel, der Regulation und den entsprechenden Funktionen beschäftigen. Außerdem kann man schon aus den physiologischen Funktionen des Calciums einige körperliche Störungen des Calcium-Menschen ableiten.

Der Calcium-Bestand im Körper liegt bei ca. 2% des Körpergewichtes, bei einem 70 Kilogramm schweren Menschen sind es dementsprechend 1-1,5 Kilogramm. Davon befinden sich 99% im Knochen und 1% in den Körperflüssigkeiten. Die Konzentration von Calcium im Plasma ist dabei so konstant, daß es weder nennenswerte Schwankungen im Tagesryhthmus noch im Lebensrhythmus gibt.
Im Serum kann man 2 verschiedene Formen des Calcium unterscheiden:

1) 60% sind frei vorliegende Calcium-Ionen, d.h. sie sind durch die Kapillarwand filtrierbar. Davon ist wiederum 1/5 in Komplexe eingebunden (z.B. Calciumphospat) und 4/5 liegt als freies, ionisiertes Calcium 2+ vor.
2) 40% sind proteingebunden und damit nicht frei filtrierbar. Wieviel Calcium jedoch an Proteine gebunden ist, hängt vom jeweiligen Blut-pH-Wert ab. (Erinnert sei hierbei an die Löslichkeit von Calcium in Verbindung mit der Kohlensäure.) Liegt eine Acidose vor, so kann nur wenig Calcium gebunden werden, bei einer Alkalose hingegen wird viel Calcium gebunden. Bekommt man eine Alkalose, z.B. durch Hyperventilation, so kann dies zu einer Tetanie führen, da das ionisierte Calcium durch vermehrte Bindung an Proteine vermindert wird. Ebenso kann man Muskelkrämpfe infolge einer Hypocalcämie bekommen, die z.B. durch eine Schwangerschaft ausgelöst wird.

Calcium liegt im Knochen in einer komplexen CO3- und PO4-Verbindung vor. Der Knochen dient auch als Speicherorgan für Calcium. Bei Nichtbelastungen, z.B. beim Tragen eines Gipsverbandes, kommt es zu deutlichen Calcium-Verlusten des Skelettes. Bei Stoffwechselstörungen, die die normale Mineralisation des Knochens verhindern, entstehen Krankheiten wie Rachitis oder Osteomalazie. Bei der Osteoporose gehen die Ansichten auseinander, "ob es sich
- um einen beschleunigten Abbau des Knochengewebes
- um eine Hemmung der Neubildung von Knochengewebe
- oder um eine Störung der Calcium-Resorption im Darm handelt." (Leeser S. 179).

Die Calcium-Resorption

Calcium wird im oberen Dünndarmbereich durch einen aktiven Transportmechanismus resorbiert. Während z.B. von Natrium und Kalium immer so viel aufgenommen wird, wie in der Nahrung vorhanden ist und der jeweilige Überschuß wieder von den Nieren ausgeschieden wird, verhält es sich mit Calcium anders. Die aufgenommene Menge richtet sich nicht nach dem Angebot, sondern nach dem Bedarf des Organismus, wobei Parathormon, Calcitonin und Vitamin D an der Regulation beteiligt sind. Ein Säugling resorbiert rund 8o% des Nahrungs-Calciums, ein elfjähriges Kind nur noch rund 45% und ein Erwachsener im Durchschnitt 20%. Die Muttermilch stellt für den Säugling die größte Calcium-Quelle dar, und "die enthaltene Lactose ist für die Entstehung und Aufrechterhaltung einer geeigneten Darmflora des Säuglings wichtig und fördert außerdem die Calcium-Resorption" (Thews S. 307). Gehemmt wird die Calcium-Resorption durch:
- Oxalsäure, die z.B. im Spinat und anderen Blattgemüsen enthalten ist,
- durch die Pythinsäure,
- durch Vitamin-D-Mangel
- und durch Zuflußbehinderungen der Galle, weil dadurch die freien Fettsäuren nicht richtig resorbiert werden können und diese mit Calcium unlösliche Seifen bilden.

Da die Pythinsäure überwiegend in Vollkornprodukten vorkommt, behaupten einige Autoren generell, Vollkornprodukte würden die Calcium-Resorption hemmen. Dies ist aber insofern falsch, daß die Pythinsäure beim Erhitzen, beim Keimen von Getreide und durch Vitamin C zerstört wird und wir Menschen kein rohes ungekeimtes Getreide zu uns nehmen.
Für den erfolgreichen Ablauf der Resorption ist es entscheidend, daß spätestens an der Serosa-Oberfläche der Darmmukosa ein aktives Transportprotein das Calcium in das Blut befördert. Das Vitamin D fördert die Synthese dieses Transportproteins und wirkt somit in physiologischen Konzentrationen fördernd auf die Calcium-Resorption im Darm.

Die Calcium-Ausscheidung

Über die Niere und den Darm wird Calcium wieder ausgeschieden, in geringen Mengen auch über die Haut, nämlich beim Schwitzen. Resorbiert wird das Calcium im ganzen Nephron, parallel zur Natrium-Resorption. Deswegen wirken Diuretika auch auf den Calciumhaushalt. Die Feineinstellung des Calciumhaushalts findet im distalen Tubulus statt. Parathormon (PTH) und 1,25-Dihydroxykalziferol vermindern dabei die Ausscheidungsmenge. Die durchschnittliche Ausscheidungsmenge über die Niere beträgt ca. 150- 450 mg/24 Stunden. Wird die maximale Ausscheidungsmenge überschritten, so kann Calcium in Form von Nierensteinen ausfallen.

Da im Darm nur so viel resorbiert wird, wie der Organismus benötigt, schwankt die Ausscheidungsmenge im Stuhl entsprechend der mit der Nahrung aufgenommenen Calciummenge. Eine Erhöhung des Calcium-Spiegels im Serum gibt uns nur wenig Informationen. Von Bedeutung für den Calciumhaushalt ist hingegen die Wanderungsrichtung des Calciums. Handelt es sich um eine verstärkte Aufnahme oder Ausscheidung und/oder werden die Calcium-Speicher in den Knochen mobilisiert, und wenn ja, weshalb?

Die Calcium Regulation

Die Regulation des Calciumhaushaltes wird von 3 Hormonen reguliert: Calzitonin, Parathormon (PTH) und Vitamin D3.
PTH wird in der Nebenschilddrüse gebildet und ausgeschüttet, wenn die Konzentration des freien Calciums im Plasma sinkt. PTH wirkt auf drei Organsysteme: den Knochen, den Darm und auf die Niere. Im Knochen bewirkt es eine Aktivierung der Osteoklasten, die ja den Knochen abbauen und dadurch Calcium freisetzen. In der Niere wird die Calciumresorption erhöht, und im Darm wirkt es indirekt, indem es die Vitamin D-Bildung in der Niere fördert; PTH kann bei der Resorption von Calcium im Darm nur zusammen mit Vitamin D wirken. Durch den in Großstädten häufig vorkommenden UV-Licht-Mangel kann bei Säuglingen das Vitamin D nicht gebildet werden, und die Calcium-Resorption aus dem Darm kann nicht stattfinden. Da aber ein Calcium-Mangel vorliegt, wird vermehrt PTH abgegeben, welches auch den Knochen abbaut. Das typische Krankheitserscheinungsbild ist die Rachitis.
Calcitonin wird in den parafollikulären Zellen der Schilddrüse gebildet und senkt generell den Blutcalcium-Spiegel, indem es das Calcium in die Knochen einlagert; außerdem erfolgt eine vermehrte Ausscheidung über die Niere.

 

Die Hauptwirkungsstellen von Calcium im menschlichen Organismus.

Allgemein

Calcium besitzt die Eigenschaften der Formgebung, Stabilisierung und Abgrenzung: " Es bildet einen Widerstand gegen den sonst hemmungslosen Austausch von Kolloid-Elektrolyt-Ladungen" (Leeser S. 180). Calcium besitzt außerdem ein antagonistisches Verhältnis zu Kalium, Natrium und Magnesium: "Der physiologische Calcium-Widerstand stellt erst das Gefälle her, welches eine Vorbedingung für die Ausnützung der Zellenergien zu geregeltem Ablauf der Lebensvorgänge ist" (Zitat Leeser S. 180).

Calcium an der Zellmembran

Die Konzentrationen von Calcium-Ionen liegen im Extrazellularraum (EZR) höher als im Intrazellularraum (IZR). Calcium wird durch aktive Transportprozesse aus der Zelle hinaus befördert, die unter anderem durch den Natrium-Gradienten beeinflußt werden.
In die Zelle gelangt das Calcium überwiegend durch zwei Prozesse:
1. Baut sich ein Aktionspotential auf, so öffnen sich die Calcium-Kanälchen und Calcium kann in die Zelle einströmen.
2. Treffen Transmitter-Substanzen auf eine Zelle, die für diese Stoffe Rezeptoren besitzt, so öffnen sich auch hier die Calcium-Kanälchen.
Während die Calcium-Konzentration im EZR höher ist, ist die von Kalium im IZR höher. Dadurch, daß Calcium in der Zellmembran den Quellungszustand und die Ladungsdichte beeinflußt, wirkt es auf die Durchlässigkeit von Ionen-kanälchen für Kalium und Natrium. Liegt viel Calcium in der Zellmembran, so kann nur wenig Kalium oder Natrium hindurchtreten. Hier spielt Calcium die Rolle des Antagonisten von Kalium und Natrium. Ist die Calcium-Konzentration im EZR erniedrigt, so wird eine erhöhte Natrium-Permeabilität erreicht, so daß die Erregbarkeitsschwelle erniedrigt ist. So kann schon eine kleine Depolarisation eine Erregung auslösen, die im Extremfall zur Tetanie führt.
Ist die Calcium-Konzentration hingegen erhöht, so ist die Erregbarkeit der Zelle vermindert. Dies ist das gewünschte Resultat von wirksamen Lokalanästhetika und einigen Pharmaka.
Bekannt ist dieser Effekt auch bei allen möglichen Allergieformen. Da bei einer Allergie die Zellen zu leicht erregbar sind, wird Calcium zur Herabsetzung ihrer Erregbarkeit gespritzt.

Calcium am Herzmuskel

Das Charakteristische an der Herzmuskulatur ist, daß sich nach der Depolarisation eine Plateauphase anschließt, bevor die Rückkehr zum Ruhepotential erfolgt. Das Plateau entsteht durch einen langsamen Calciumeinstrom, während gleichzeitig ein Kaliumeinstrom stattfindet. Dadurch dauert das Aktionspotential der Herzmuskulatur fast 1oo mal länger als der Erregungsvorgang einer Nervenzelle. Die Herzmuskulatur ist während des Aktionspotentials absolut refraktär, d.h. eine Neuerregung ist in dieser Zeit nicht möglich. "Die Kontraktionskraft des Herzens kann durch die Dauer des Aktionspotentials variiert werden, was durch wechselnden Calcium-Einstrom in die Zelle gesteuert wird"(Silbernagel S. 42). Wird die extrazelluläre Calcium-Konzentration erhöht, so wirkt dies positiv inotrop. Calcium-Antagonisten werden hingegen zur Senkung der diastolischen Füllung angewandt. Außerdem befinden sich Calcium-Ionen in IZR-Depots, den longitudinalen Tubuli des sarkoplasmatischen Retikulums. Wird die Herzmuskelfaser erregt, so wird Calcium aus diesen Depots freigesetzt und gelangt über Diffusion zu den Aktin-Myosin-Filamenten. Dort aktiviert es diejenigen Prozesse, die zur Verkürzung der Fasern führen. Das Aktionspotential erfüllt also zwei Aufgaben:
- es löst die Kontraktion durch Freisetzung der Calcium-Ionen aus (Triggereffekt) und
- sorgt durch den Calcium-Einstrom vom EZR (Plateauphase) für eine Auffüllung der intrazellulären Speicher.
Calicum dient somit als Vermittler zwischen elektrischem Reiz und Kontraktion.

Calcium an der quergestreiften Muskulatur

In der quergestreiften Muskulatur dient das glatte endoplasmatische Retikulum der Calcium-Speicherung. Cal-cium wirkt als Vermittler zwischen den bioelektrischen Erregungsprozessen an der Zellmembran und den kontraktilen Elementen (= elektromechanische Koppelung ). Wird eine Muskelzelle erregt, so werden die longitudinalen Tubuli kurz durchlässig für Calcium-Ionen, welche nun in die Muskelzelle einströmen. Die Calcium-Konzentration ist dann um das 1ooo-fache höher als im Ruhepotential.Im IZR stößt es dann auf das Protein Troponin, das, wenn es nicht an Calcium gebunden ist, eine hemmende Wirkung auf die Wechselwirkung von Aktin- und Myosin-Filamenten hat. Verbindet sich Troponin mit Calcium, so ist seine hemmende Wirkung aufgehoben, und der Muskel kann sich kontrahieren. Anschließend wird das Calcium durch einen aktiven Transport wieder in die longitudinalen Tubuli zurückgepumpt. Dabei wird für zwei Calcium-Ionen ein Molekühl ATP verbraucht.
In der glatten Muskulatur ( Magen, Darm etc.) erfolgt die Kontraktion auch durch den Einfluß von Calcium, das hier aber aus dem EZR in die Zelle einströmt. Anstelle des Troponins (im Skelettmuskel) wirkt hier das Kalmodulin.

Calcium an Nerven

An praesynaptischen Nervenenden öffnet ein AP Calcium Poren. Trifft Calcium in der Zelle ein, so aktiviert es die Freisetzung von Neurotransmittern oder die Ausschüttung von Hormonen z.B. am Hypophysenhinterlappen. Calcium wirkt also hemmend wie auch fördernd auf Nervenzellen.

Weitere Funktionen von Calcium

Calcium spielt eine wichtige Rolle bei der Blutgerinnung. Der aktivierte Faktor 10 wandelt zusammen mit Phosphorlipiden, Plasmafaktor 5 und Calcium (= Faktor 4) das Prothrombin zu Thrombin um. Es ist somit an der Aktivierung des extra- und des intravasculären Systems der Blutgerinnung beteiligt.
Weiterhin ist Calcium bei einigen Prozessen beteiligt, deren genauer Ablauf noch nicht genügend erforscht ist. Z.B ist es an der Steuerung der Exocytose des Pankreas beteiligt, oder es spielt eine Rolle beim Zellwachstum, und es dient mehreren Enzymen als Co-Faktor.
Die reguliernden und verbindenden Funktionen des Calcium im Organismus können z.T. Hinweise auf die "Idee des Arzneimittels" Calcium Carbonicum liefern.

Calcium und Haushaltszucker

Nach den neuesten Forschungsergebnissen des Professors Katase in Japan raubt der raffinierte Haushaltszucker dem Körper Calcium. Dies soll sich besonders an den Zähnen bemerkbar machen. Seiner Ansicht nach entsteht Karies nicht dadurch, daß man sich nicht genügend seine Zähne geputzt hat, sondern weil der Körper einen latenten Calcium-Mangel aufweist. Daß Karies besonders gehäuft nach dem Verzehr von Süßigkeiten auftritt, hängt also damit zusammen, daß beim Verzehr von Süßigkeiten dem Körper Calcium "geklaut" wird. Dies erklärt auch, warum manche Zähne von innen her anfangen zu faulen.

Die Calciumverwendung in der allopathischen Medizin

Schon früher wurde Calcium in Form von Eierschalen, Krebsaugen und Kreide bei einigen Krankheiten angewandt. So wurde z.B. Tuberkulosekranken hohe Gaben von Calcium gegeben, was allerdings dazu führen mußte (s.o.), daß sie es nicht aufnahmen, sondern im Gegenteil nur noch mehr entkalkten. Heutzutage wird Calcium intravenös bei einer erhöhten Durchlässigkeit der Gefäßwände gegeben, z.B. bei allergischen Erscheinungen. Calcium wirkt hierbei stabilisierend auf die Zellmembran (s.o.).

Am Herzen bewirkt es eine Senkung des diastolischen Blutdruckes und eine Vergrößerung des Schlagvolumens, d.h. die Wirkung ist ähnlich der von Digitalis. Außerdem wird es zur Entgiftung von Schwermetallen in Form des Calciumedetat-Natrium eingesetzt, das mit Metallen komplexe Verbindungen eingeht und diese dadurch ihrer giftigen Wirkung beraubt.


Sieht man von der lokalen Wirkung des Ätzkalkes einmal ab, ist Calcium nicht wirklich toxisch.

Die Auster

Befassen wir uns nun mit der Auster (lateinische Bezeichnung Ostrea edulis), aus der ja das eigentliche Arzneimittel hergestellt wird.
Wir alle kennen sie von der Speisekarte her, doch in ihrem eigentlichen Lebensumfeld bekommen wir sie fast nie zu Gesicht. Und so langweilig, wie manche denken, ist die Auster ganz bestimmt nicht. Sie gehört zu den Weichtieren (Mollusken), der Familie der Acephalas. Ihr Körper ist weich und gedrungen; er ist in einen Kopf- und Rumpfteil gegliedert. Sie besitzt auf der Rückenseite einen Keimsack, den Herzbeutel und den Verdauungstrakt, während auf der Bauchseite die Muskelpartien liegen. Das feste und dichte Schließen der Muschel wird duch je einen vorderen und hinteren kräftigen Muskel bewirkt. In diesem Schließmuskel gibt es eine Teilung der Aufgaben: die Arbeitsfasern vermögen sich schnell zusammenzuziehen und die Schale zuzuklappen, die "Sperrfasern" hingegen arbeiten langsam und können bei geringem Kräfteverbrauch die Schale wochenlang geschlossen halten (Man denke hierbei an die Sturheit von Calcium-Carbonicum-Menschen). Außerdem besitzen die Austern Kiemen, die sie jedoch nicht zum Atmen, sondern zum Filtern ihrer Nahrung benutzen. Die Kiemen sezernieren einen Schleim, an dem alles kleben bleibt, wobei keine Rolle spielt, ob es sich um Nahrungsstoffe oder einfachen Sand (unverdaulich) handelt. Zunächst gelangt alles nur nach Teilchengröße sortiert in den Verdauungstrakt, wo dann entschieden wird, was verdaulich ist und was nicht (Auch Calcium-Kinder essen oft Unverdauliches wie Sand oder Kreide). In einer Stunde werden so ca. 12 Liter Wasser durchsortiert, mit der Ausbeute von ungefähr 1/20 g Nahrung. Austern geben allerdings nicht andauernd Schleim ab, d.h. sie fressen nicht immer.

Zum Glück hängt das Überleben einer Art nicht immer von Stärke, Schnelligkeit und der jeweiligen Intelligenz ab, sondern die Zahl ihrer Nachkommen ist es, die auf Dauer zählt. Da Austern sich nicht viel bewegen können, haben sie viel Energie für die Produktion ihrer Nachkommen. Eine einzelne Auster hat nur eine verschwindend geringe Chance, bis zur Fortpflanzung zu überleben. Es werden aber pro Saison ca. 10 Millionen Spermien und Eier erzeugt, eine Größenordnung also, die der Auster letztendlich eine ähnlich große Überlebenschance bietet wie uns Menschen.
Die Larven besitzen ein Minimum an Sinnes- und Nervenzellen, und doch müssen sie sich innerhalb weniger Tage nach dem Schlüpfen einen Standort aussuchen, auf dem sie den Rest ihres Lebens bleiben werden. Mit Glück werden sie den passenden Ort finden, der ihnen das bietet, was sie bis zur Fortpflanzung brauchen. Trocknet der Platz während der Gezeiten aus oder wechseln die Strömungen, so bedeutet dies ihr Todesurteil.

Austern sind zwittrige Tiere, die männlichen und weiblichen Keimzellen jedoch reifen bei ein und demselben Tier in der Regel nicht gleichzeitig, wodurch eine Selbstbefruchtung weitgehend ausgeschlossen ist. Umso wichtiger ist es, daß die Eier oder Samenzellen der verschiedenen Einzeltiere einer Austernbank möglichst zum gleichen Zeitpunkt reifen, denn nur so ist es gewährleistet, daß eine ausreichende Menge befruchtet wird. Diese zeitliche Angleichung wird bei der Auster, wie wir heute wissen, durch den Mond gesteuert. Man hat herausgefunden, daß die ca. 8 Tage alten Austernlarven alljährlich zwischen dem 26. Juni und dem 10 Juli ausschwärmen, und zwar jeweils etwa 10 Tage nach Voll- oder Neumond. Demnach müssen die Eier jeweils 2 Tage nach Voll-oder Neumond in der Auster abgelaicht und befruchtet worden sein. Daß die Austern nicht bei jedem Voll- oder Neumond ablaichen, sondern nur in den Sommermonaten und bevorzugt in dem angegebenen, eng begrenzten Zeitraum Ende Juni bis Anfang Juli, muß noch weitere Ursachen haben, die jedoch noch nicht näher bekannt sind. Vermutet wird, daß es mit dem vermehrten Lichteinfall zu tun haben könnte. Hauptsache ist jedoch, daß die zeitliche Abstimmung gewährleistet ist, so daß die laichenden Austern genügend Samenzellen mit dem Atem- und Nahrungsstrom in ihren Körper aufnehmen können, wo dann die Eier befruchtet werden.
Hat die Larve sich auf einem Platz niedergelassen, so heftet sie sich mit Hilfe ihrer Haftfäden am Untergrund fest. Während sie hochkant auf den Schalenrändern steht, preßt die Jungauster eine kittartige Absonderung aus einer Drüse und läßt sich auf diese Klebmasse fallen, wodurch sie mit ihrer Schale fest auf den Untergrund gedrückt wird (Calcium-Kinder fallen oft sehr plump hin).

Heutzutage gibt es die Europäische Auster von Natur aus an der gesamten europäischen Küste von Norwegen bis zum Schwarzen Meer. Die früheren Massenvorkommen, sogenannte natürliche Austernbänke, gibt es allerdings nur noch sehr selten in felsigen Gegenden. Sie wurden meist durch massiven Raubbau durch den Menschen vernichtet. In für sie weniger günstigen Lebensräumen, wie an der deutschen Nordseeküste, bilden sie lockere Kolonien. Da sie sich in geringer Wassertiefe ansiedeln, ist es nicht schwierig, sie in großen Anlagen zu züchten. So hat man in England, Holland, Belgien und Frankreich große Austernzuchten aufgebaut. Als Ansiedlungsflächen dienen große Holzgestelle, an denen besonders hergerichtete Ziegel, Herzmuschelschalen oder andere für das Anheften geeignete Gegenstände in mehreren Stockwerken angebracht werden. Wenn sich die Jungaustern daran festgeheftet haben, werden sie abgenommen und in riesige Aufzuchtbecken überführt, die einerseits gegen das offene Meer durch einen Damm abgeschirmt, andererseits aber durch Schleusen mit ihm verbunden sind.
Während des Heranwachsens kämmt man die Austernansammlungen regelmäßig mit Rechen durch, womit verhindert wird, daß sich die Jungtiere zu mehreren zusammenballen. Austern können 20 Jahre alt werden, sind aber schon im Alter von 3-4 Jahren "eßreif". Vor dem Versand zum Bestimmungsort kommen die Tiere in Reinigungsbecken, wo sie durch den Atemwasserstrom sich selbst von Schlamm reinigen und ihren Darminhalt entleeren. Dann werden die lebenden Tiere tafelfertig und appetitlich in Kisten verpackt und verschickt.

Die Auster gehört zu den Perlmuscheln. Sie besitzt die Fähigkeit, Fremdkörper (Sandkörner, schmarotzende Würmchen usw.), die entweder durch kleine Wunden oder durch Umschließung des Mantelepithels (Perlsäckchen) in sie hineingedrungen sind, abzukapseln. Um diese Fremdkörper wird nun unablässig Perlstoff (92% Kalziumkarbonat, 6% organische Substanz, 2% Wasser) gelagert. Dieser Vorgang dauert mehrere Jahre. Man kann also sagen, daß die Auster durch ein Sandkorn stimuliert wird, um in sich eine kostbare Perle zu entwickeln. Ohne dieses Sandkorn würde aus ihr nicht mehr als eine "gewöhnliche, wohlschmeckende Miesmuschel" werden.

Die Essentia von Calcium carbonicum

Calcium Carbonicum, das Heilmittel für die Haltlosigkeit und Gottesferne unserer Zeit. Eine runde Sache, für runde mondhafte Menschen.

Das Heim

Befassen wir uns jetzt mit dem eigentlichen Mittelbild, so gibt uns die Auster viele Ideen, die auch mit dem Calcium-Menschen zusammenhängen.
Stellen wir uns einmal vor: Eine kleine Auster wächst in einer Austernbank zwischen all den Millionen von anderen Austern auf. Sie ist noch nie in ihrem Leben wirklich alleine gewesen, und auf einem festen Untergrund unverrückbar haftend, besteht ihr Tagewerk darin, sich ein wenig zu öffnen, um sich das Essen in den Mund spülen zu lassen. Nun wird sie von ihrem Platz im Meer weggerissen; das ist zwar sehr beunruhigend und ängstigend für sie - weil ihr der feste Halt fehlt - aber sie ist noch zusammen mit all den anderen Austern. Sie kommt in klares Süßwasser, in dem allerdings keine Nahrung mehr vorhanden ist. Die Auster bekommt Hunger und versteht ihre Welt nicht mehr. Wie kann es passieren, daß sie, die sie doch mindestens schon 2-3 Jahre lang an ein und demselben Platz lag, nun woanders hinkommt? Genauso geht es oft Calcium-Menschen. Sie sind sehr an ihr Zuhause und ihre Heimat gebunden. Die Familie bedeutet für sie Geborgenheit und Schutz, die Welt "draußen" ist dagegen voll von Gefahren und Unsicherheiten, besonders was die Zukunft betrifft. Auch ihren Urlaub wollen sie fast immer im eigenen Land machen, und außerdem istes wichtig, daß sie ihre Familie dabei haben. Calcium-Menschen gehören auch zu jenen, die 20 Jahre lang an ein und denselben Urlaubsort fahren. Wie sie nicht gerne an neue Orte verreisen, so ziehen sie auch nicht gerne um und bleiben jahrzentelang in einer Wohnung wohnen. Calcium-Menschen werden oft dann krank, wenn sich ein Wechsel aus dem Gewohnten oder eine Trennung ereignet hat; wenn sie also z.B. eine neue Arbeit beginnen, zum Studieren in eine andere Stadt ziehen müssen, ihre Heimat, wo sie aufgewachsen sind, oder einen geliebten Menschen verlieren. Für Phosphor ist Heimat dort, wo es geliebt wird. Tuberkulinum würde sagen: "Heimat ist in mir drin und nicht an Äußeres gebunden." Für Calcium ist jedoch wirklich der Ort wichtig. Calcium erinnert sich an jeden Baum und Strauch, den er in seiner Heimat kennt, und diese Dinge vermitteln ihm ein Gefühl der Sicherheit und Geborgenheit.

Doch zurück zur Auster. Die Auster wird mit all ihren anderen Artgenossen in große Kisten verpackt und nach Deutschland geschickt. Vor Angst würde sie sich fast in die Hose machen können, wenn sie noch was in ihrem Darm hätte. Nun gelangen die Kisten in irgendeinen Lebensmittelladen, wo sie zur Schau gestellt werden. Die Auster klappt natürlich ihre Schalen zu, denn von Menschen so angestarrt zu werden, verkraftet sie kaum. (Auch Calcium-Menschen fühlen sich sehr unwohl, wenn sie im Mittelpunkt stehen und von mehreren Menschen angeguckt werden, da sie Angst haben, sich zu blamieren.) Außerdem wird sie noch auf Eis gelegt, und ihr ist fürchterlich kalt. Frierend und voller Angst blickt sie der Zukunft entgegen. Und dann passiert das Schreckliche: Eine kurze, stumpfe Metallklinge schiebt sich zwischen ihre schützenden Wände. Wie mit einem Brecheisen versucht sich jemand Zutritt zu ihrer Wohnung zu verschaffen. Nackt und schutzlos liegt sie da, die Arme schmerzen ihr von dem verzweifeltem Versuch, die "Tür" geschlossen zu halten. Ihr Herz klopft, die Muskeln zucken noch einmal zusammen und das Gewebe strafft sich, als der Zitronensaft ihre Fasern berührt. Dann wird sie bei lebendigem Leibe aus ihrer Wohnung geschlürft und zerkaut. Kein anderes Tier wird auf diese barbarische Weise lebend verzehrt. Zurück bleiben die Schalen, an denen noch die Stummel ihrer abgerissenen Arme haften.
So fühlen sich oft Calcium-Menschen. Werden sie einmal von ihrer Heimat fortgerissen, oder verlieren sie ihre Familie, so blicken sie nur noch angstvoll in die Zukunft, werden krank und ziehen sich immer mehr in sich selbst zurück. Dies kann sich bei Kindern bis zum Autismus entwickeln. (Ich habe hier bewußt die Auster vermenschlicht, da auch dieser Charakterzug für Calcium typisch ist.) Calcium-Kinder verstecken sich sehr gerne hinter den Röcken ihrer Mütter, halten sich krampfhaft fest, wenn man versucht, sie davon loszumachen; sie verstecken sich am liebsten vor fremden Menschen. Heutzutage ist ihnen diese Möglichkeit meistens genommen, da man sich hinter Miniröcken und Hosen nicht mehr so gut verstecken kann wie hinter langen wallenden Röcken.

Die Kinder und das Essen

Calcium ist eines unserer wichtigsten Kindermittel. Es sind vor allem die bequemen und lieben Kinder, jene, die kaum schreien und mit allem gleich zufrieden sind. Sie sind sehr pflegeleicht, selbstgenügsam und selten aggressiv. Man kann alles mit ihnen machen, vor allem ältere mit jüngeren Kindern. (Calcium spielt lieber mit Jüngeren.) Aber die Kinder können auch sehr eigensinnig sein. Sie wollen alles selbst machen. Alle Widerstände müssen sie selbst überwinden ohne fremde Hilfe, sie nehmen keinen Rat an und müssen alle Erfahrungen selbst machen. Dies verleiht ihnen natürlich eine gewisse Hartnäckigkeit.
Dorcsi meint, jedes Kind sollte am Anfang seines Lebens eine Calcium-Gabe bekommen. Ich denke jedoch, daß man nur dann ein Arzneimittel geben sollte, wenn es nach der vorliegenden Symptomatik auch wirklich angezeigt ist.
Die Kleinen, Dicken, Süßen, jeder ist am Anfang so. Voller Urvertrauen, nichts Böses ahnend, weich, formbar, hilflos dem anderen ausgeliefert. Calcium-Kinder sind meist dicklich, weich, aber nicht besonders schwabbelig. Dorcsi sagt: "Wenn's en Kinderpopo sehen und se wollen reinbeißen, geben's Calcium." Der Popo sieht wirklich so richtig wie ein reifer praller Apfel aus. Die Beschaffenheit der Haut kann von aufgedunsen und schlaff bis knubbelig reichen. Sie werden auch als plump, weich, phlegmatisch oder aufgedunsen bezeichnet, wobei letzteres wohl nur selten vorkommt. Sie besitzen oft einen großen Kopf, mit einer dicken Oberlippe und Nase. Ihre Pupillen sind häufig geweitet. Sie sehen wie eine umgestülpte Untertasse aus, d.h. ihr Mittel- und Oberbauchbereich sind stark hervorgewölbt.
Charakteristisch ist, daß diese Kinder oft ein blasses und kalkiges Aussehen haben, wie das innere Weiß der Austernschale. Ihre Haut fühlt sich meist kühl und feucht an, und sie schwitzen sehr viel. Man sollte jedoch immer bedenken, daß es auch Ausnahmen gibt. Passen ansonsten die Symptome auf Calcium, ist die Haut aber z.B warm und trocken, so kann trotzdem Calcium das richtige Mittel sein.

Es gibt vom Äußeren her gesehen noch zwei andere Varianten des Calcium-Typus, die häufiger auftreten. Einmal gibt es die grauen, faltigen Greisenkinder (ähnlich Lycopodium-Kindern) mit dickem Bauch und ansonsten stark abgemagerten Körper. Vithoulkas sagt, sie seien häufig mit feinen Fältchen bedeckt, die horizontal und vertikal verliefen, so daß kleine Rechtecke entstünden. Sie sehen aus wie Menschen, die viel gelitten haben. Von ihrem Wesen sind sie aber genauso wie die Calcium-Typen. Die zweite Variante stellen die Kinder mit geschwollenen Drüsen dar; sie haben eine feine, zarte Haut, lange Wimpern und seidige glatte Haare. Sie sind sehr dünn, haben jedoch auch einen dicken Bauch. Sie sehen also, man kann sich auf das Bild vom dicken, plumpen Typus nicht immer verlassen. Wie oft wurde Calcium Carbonicum bei der Arzneimittelwahl ausgeschlossen, weil der Mensch schlank war? Auch hier kann man sehen, daß das Wesen eines Menschen das Entscheidende ist, und nicht die Körperbeschaffenheit.

Gibt man einem Carboniker die Hand, so hat man das Gefühl, als ob man die Auster selber anfassen würde. Sie fühlt sich weich, lasch, feucht und kühl an. Die Erwachsenen haben häufig große Pullover, Baumwollhosen, Wollstrümpfe und Birkenstock-Schuhe an. In einem Traum bei einer Calcium-Prüfung trugen sogar die Engel Birkenstock-Schuhe. In knallengen Jeans wird sich ein Carboniker wohl nicht besonders wohl fühlen.
Generell sehen Calcium-Kinder oft wie "Rauschgoldengel" aus, und so benehmen sie sich auch. Sie sind sehr liebe Kinder und können stundenlang mit sich selber spielen. Wichtig ist für sie dabei nur, daß sie immer was zum Essen oder Schnullern haben. Calcium-Menschen sind sehr orale Menschen, das fängt schon bei den ganz kleinen Babys an. Für Calcium-Babys ist es besonders wichtig, gestillt zu werden, am liebsten mehrere Jahre. (Nach dem Stillen wird ewig geschnullert oder am Daumen gelutscht.) Beim Stillen schmatzen die Babys so richtig genüßlich (auch die Erwachsenen schmatzen noch) und schlafen dann zufrieden an der Mutterbrust ein. Versucht die Mutter, die Brust wegzuziehen, so schnappt das Baby sofort wieder danach und hält die Brustwarze fest. Den Müttern kann man für ihre geschundenen und überstrapazierten Brüste empfehlen, sie zur Schmerzlinderung mit Zitrone einzureiben.
Überhaupt ist Zitronenöl ein gutes Mittel für alle Carboniker. Bei Calcium-Prüfungen ist das Verlangen aufgetreten, sich mit Zitronenöl einzureiben, da die Zitrone das Bindegewebe strafft (welche Ähnlichkeit auf einer ganz andereren Ebene!) und das Gewebe zusammenzieht. Auch Zitronenölbäder haben eine hervorragende erfrischende Wirkung und antidotieren nach den bisherigen Erfahrungen nicht die Arznei.

Für Calcium ist es eine mittlere Katastrophe, nicht gestillt zu werden, während es für andere Arzneimittelbilder nicht in diesem Ausmaße wichtig ist. Das Gestilltwerden ist auch deswegen für Calcium so wichtig, weil die Kinder sehr abwehrschwach sind und die Muttermilch trotz belastender Werte immer noch das beste Mittel ist, die Abwehrkräfte aufzubauen und zu stärken.
Interessanterweise vertragen Calcium-Babys oft keine Milch, selbst die der Mutter nicht. Sie bekommen Verdauungsstörungen mit einem grünlich-wäßrigen Stuhl, teilweise mit unverdauten Milchklumpen, den sogenannten Kalk-Seifen-Stühlen, oder die Milch wird sauer erbrochen. Alle hier genannten Störungen verschlechtern sich natürlich nach dem Stillen und können bis zu einer chronischen Enteritis führen, die einhergeht mit einer starken Abmagerung. Auch die Abneigung gegen Milch kommt häufig vor. Da die Milch eine unserer größten Calcium-Quellen ist, besteht hier ein direkter Zusammenhang zu Calcium Carbonicum. Einige Gaben haben schon oft bei diesem Problem helfen können.
Bleiben wir beim Eßverhalten, so stellen wir fest, daß Calcium, ähnlich wie die Auster, nicht gerne kaut. Am besten ist es, den Mund nur aufzumachen und herunterzuschlucken, was manche Autoren auch als "essen wie ein Schaufelbagger" bezeichnen. Es wird am liebsten mit einem Löffel gegessen und alles vorher zermanscht. Die Kinder sind überall bekleckert, nicht aber, weil sie wie Sulfur mit dem Essen spielen, sondern weil sie einfach nicht ihren Mund treffen. Karlchen sitzt dann auf seinem Kindersitz, vor sich seinen Bananenbrei, quieckt voller Freude, greift etwas tolpatschig nach seinem Löffel und... der Löffel landet nicht in seinem Mund, sondern an Nase oder Wange. Aber das macht ja nichts. Karlchen probiert es so lange, bis der Bananenbrei an seinem Bestimmungsort angekommen ist. Schon hier zeigt sich eine der Fähigkeiten von Calcium-Menschen: Ausdauer und Geduld, die sich in krankhafter Form allerdings auch bis zu Sturheit entwickeln können.

Am liebsten essen Calcium-Menschen süße Mehlspeisen wie Kaiserschmarrn, Palatschinken, Eierkuchen, "Arme Ritter", Pudding etc. Das Verlangen nach Eiern ist besonders ausgeprägt und stellt eines der Leitsymptome dar. Am allerliebsten werden weichgekochte Eier verspeist.Im großen und ganzen wird neutrales Essen bevorzugt, z.B. Saucen, Nudeln, Milch, Käse usw.; manche Feinschmecker würden das Essen sicher als fad bezeichnen. Calcium-Menschen sind häufig Vegetarier, und zwar eher wegen der Grausamkeit den Tieren gegenüber, als aus gesundheitlichen Gründen - und weil man beim Fleisch so viel kauen muß. Gerne lädt Calcium seine Freunde zu einem einfachen Essen ein, z.B. zu einem großen Eintopf, denn Liebe geht ja durch den Magen. Aber auch Suppen (kann man so schön mit einem Löffel essen, ohne viel kauen zu müssen) werden gerne gegessen und alle Kartoffelgerichte, besonders, wie könnte es anders sein, Kartoffelbrei. Calcium ist das einzige Mittel, das ein Verlangen nach rohen Kartoffeln hat. Ein weiteres passendes Symptom ist das Essen von unverdaulichen Dingen wie z.B. Sand, Kohle, Kreide etc.. (Man denke daran, daß auch die Auster nur nach der Größe der Partikel aussortiert und nicht nach dem Nährwert oder Geschmack.) So sitzen Kinder oft in der Buddelkiste, in der einen Hand eine Birne, in der anderen eine Handvoll Sand, und dann gibt es abwechselnd einmal Birne und einmal Sand in den Mund. Wen wundert's, daß bei dieser Art der Nahrungsaufnahme auch mal Verstopfung auftritt? (Calcium-Menschen leiden auch unter "normalen" Umständen an Verstopfung oder Durchfall.) Das Besondere dabei ist, daß das Kind sich wohlfühlt, wenn es verstopft ist, während es ihm schlechter geht, wenn es Durchfall hat. Oft bemerken erst die Eltern, daß das Kind schon 2-4 Tage lang keinen Stuhlgang mehr hatte und machen sich Sorgen. Das Kind dagegen fühlt sich pudelwohl. Genau umgekehrt ist es bei den Erwachsenen: Sie fühlen sich besser, wenn sie Durchfall haben, schlechter wenn sie verstopft sind.
Zum Schluß des Abschnitts über die Eßgewohnheiten noch ein weiteres Leitsymptom: Calcium ißt löffelweise Zucker. Die Kinder naschen den Zucker aus der Zuckerdose, die Erwachsenen machen sich gerne 2-3 Teelöffel Zucker in den Kaffee oder Tee. Ich kenne einen Calcium-Jungen, der sich den ganzen Tag lang nur von Zuckerbroten ernähren könnte, wenn seine Eltern es ihm erlauben würden. Dabei wird ein Butterbrot mit Zucker (oder auch mit Schoko-streusel) bestreut und mit Genuß verzehrt. Werden die Butterbrote mit in die Schule gegeben, so werden sie oft von den Eltern geachtelt, so daß das Kind sie nur noch in den Mund schieben muß.

Kommen wir zu einem anderen Thema des Calcium-Kindes: Alles kommt in seinem Leben zu spät.
Dies ist bedingt durch die Störungen im Calcium-Haushalt. "Der Grundzug der Störungen im Calcium-Haushalt ist ein allgemeines Übermaß dieses Zell- und Gewebewiderstandes, eine allgemeine Verlangsamung des Reaktionsablaufes, namentlich auch des Lymphstromes" (Leeser)

Calcium ist einfach langsam im Denken und Bewegen. Dadurch wirkt er oft sehr tolpatschig, weshalb ihn die anderen auslachen. Da dies für Calcium eines der schlimmsten Dinge ist, die ihm widerfahren können, wird er noch unsicherer und tolpatschiger, ist zutiefst verletzt und zieht sich in sich selbst zurück, was bis zur Apathie führen kann; der Kreislauf wird geschlossen. Bernhardiner-Welpen sind ein schöner Vergleich (Bernhardiner sind DIE Calcium-Hunde!). Sie sehen wirklich tolpatschig aus, Beine und Pfoten sind noch viel zu groß für den restlichen Körper, und die Menschen lachen über sie und amüsieren sich.

Normalerweise ist Calcium jedoch nur zurückhaltend. Sie schauen den anderen lieber zu, als daß sie selber mitspielen wollen, da sie leicht ermüden und jede körperliche Anstrengung, die sie sofort ins Schwitzen bringt, meiden. Am liebsten sitzen sie auf dem Spielplatz auf dem Schoß ihrer Mutter und sehen den anderen Kindern beim Spielen zu. Da sie sowieso nicht besonders sportlich und schnell sind, nehmen sie in der Schule ungerne am Sportunterricht teil. Besonders schlimm ist es für sie, wenn z.B. Fußball oder Volleyball gespielt wird und die Mannschaften gewählt werden. Sie bleiben meistens bis ganz zum Schluß übrig, weil keiner sie in seiner eigenen Mannschaft haben möchte. Finden Einzelübungen, wie z.B. Joggen oder Turnen, statt, so werden sie häufig ausgelacht, weil sie sich sehr plump bewegen. So kommt es dann, daß Calcium-Kinder immer dann, wenn sie Sportunterricht haben, krank werden und nicht zur Schule gehen wollen oder können. Um ihnen die Hänseleien zu ersparen, befreien die Eltern ihre Kinder vom Sportunterricht, so daß diese dann kauend und zufrieden auf der Bank sitzen und den anderen zuschauen können.

Das Langsame und Späte findet sich natürlich auch auf der körperlichen Ebene: Die Fontanellen (besonders die vorderen) schließen sich sehr spät, die Zähne kommen später und verursachen beim Zahnen z.T. Krämpfe, und das Kind lernt sehr spät laufen und sprechen. Frau Coulter beschreibt in diesem Zusammenhang, daß die Kinder oft Wissen zurückhalten, plötzlich ganz überraschend gleich richtige Sätze sprechen können. Setzt man sie jedoch unter Druck, können sie äußerst dickköpfig und stur werden und gar nichts mehr machen wollen. Die Kinder werden manchmal krank, wenn sie gerade etwas Neues, wie z.B. die ersten Schritte oder die ersten Worte, gelernt haben. Es scheint so, als sei der Körper überfordert und könne seine Abwehr bei solchen Anstrengungen nicht genügend aufrechterhalten. Außerdem können durch den gehemmten und behinderten Stoffwechsel spasmophile Zustände oder Hautprobleme wie Milchschorf, Windeldermatitis oder Ekzeme auftreten.

Ein weiteres charakteristisches Symptom sind die Schweiße von Calcium. Sie schwitzen schon bei der geringsten Anstrengung, besonders am Nacken, am Kopf und im Gesicht. Kinder schwitzen selten im unteren Körperbereich - im Gegensatz zu den Erwachsenen, die am gesamten Körper schwitzen können. Die Kinder schwitzen besonders in den ersten 1o Minuten des Schlafes. Das ganze Kopfkissen kann sehr schnell durchnäßt sein. Da sie stark schwitzen, decken sie sich oft auf und kühlen dann sehr ab, was bei einer hinzukommenden Abwehrschwäche schon zu einer Erkältung führen kann. Calcium-Menschen sind generell oft erkältet. Obwohl sie eine sehr robuste Konstitution besitzen und nur selten wirklich schwere Krankheitsbilder entwickeln, haben sie doch in fast regelmäßigen Abständen ihre Erkältungen, besonders im Winter. Ihre Lymphdrüsen sind dann sehr dick, hart und fest. Die Erkältungen treten v.a. bei Wetterwechsel auf oder durch naßkalte Füße. Überhaupt sind sie sehr empfindlich gegen feuchte Kälte. Auch Waschen verschlechtert ihre Symptome. Was Calcium jedoch sehr gern tut, ist, mit viel Schaum in einer warmen Badewanne zu sitzen, ab und zu ganz unterzutauchen und dabei Blasen zu machen. Andreas Krüger sagte mal: "In Calcium kann man sich suhlen wie ein kleines Schweinchen in der Pfütze."

Für Calcium ist es wichtig, sich wohl, behaglich und zu Hause zu fühlen. Die Kinder bauen sich daher liebend gern Höhlen, in denen sie sich verkriechen und verstecken können. Ein kleines Mädchen versteckte sich manchmal unter ihrer Babybadewanne, kroch damit in der Wohnung umher und wollte dann gesucht werden. Dies war eine typische Calcium-Situation. Calcium möchte gerne ein Häuschen bauen, mit einem kleinen Obstgarten dabei, Hasen züchten, eine Familie gründen und heiraten. Calcium will gerne kuscheln, essen und hält sich am liebsten in der Küche auf. Da Essen eine so große Bedeutung hat, kochen sie leidenschaftlich gerne, und während sie kochen, singen sie gemütlich vor sich hin. Das Besondere dabei ist, daß sie zwar sehr gerne und laut singen, daß sie aber des öfteren den richtigen Ton nicht treffen; ihnen selber macht das nichts aus. Hochtragische Opern sind nichts für Calcium. Calcium singt lieber einfache Volks- oder Kirchenlieder.

Überhaupt geht Calcium gerne in Kirchen, besonders in einfache, kleine, nicht so sehr in große protzige Dome. Sie zünden dort Kerzen an und besprenkeln sich mit Weihwasser. Schon früh entwickeln die Kinder einen Sinn für Fragen nach Gott. Sie stellen Fragen wie z.B.: Wer ist Gott? Was hat Gott mit uns vor? Wer sind die Engel? Was kommt nach dem Tod? Welche Aufgaben haben Engel? Es ist für sie selbstverständlich, daß es Gott gibt, und sie sind auf einfache und vertrauensvolle Art mit ihm verbunden. Auch für außersinnliche Wahrnehmungen sind sie sehr empfänglich. So kann es passieren, daß ein Calcium-Kind seine Mutter eines Tages fragt: "Mammi, darf heute mein Zwerg neben mir sitzen?" Wenn man nun als Erwachsener sagt: "Red doch keinen Unsinn, es gibt überhaupt keine Zwerge!", kann das Kind sich für den Rest seines Lebens dafür schämen und nie wieder über solche Dinge mit jemandem reden.
Die Kinder mögen Geschichten von Engeln und Zwergen und v.a. solche, die mit einem Happy End enden. Man kann einem Calcium-Kind Kraft und Vertrauen in seine Qualitäten geben, indem man ihm immer wieder solche Geschichten vorliest. Ein typisches Calcium-Märchen ist das Märchen vom treuen Johannes oder das Buch: "Die 3 Lichter der kleinen Veronika". Auch der kleine Häwelmann ist eine schöne Calcium-Geschichte. Weitere typische Calcium-Figuren sind der fliegende Elefant Jumbo (oder auch die Elefanten im Dschungelbuch), die Hobbits, Heinzelmännchen, Bruder Tuck von Robin Hood, Obelix und Charly Brown von den Peanuts.

Der Glaube

Calcium-Menschen bilden oft das Fundament von Glaubenssystemen. Sie werden nie die Führer oder Propheten sein, aber sie sind sehr gute Apostel. So sagte auch Jesus zu Petrus: "Du bist der Fels, auf dem ich meine Kirche aufbaue." Vertrauen Calcium-Menschen erst einmal jemandem, so sind sie treu bis zum Letzten. Sie sind teilweise so "treudoof", daß sie sich selbst die Füße für ihren Führer abhacken lassen würden. Ihre Obrigkeitsgläubigkeit kann bis zum Fanatismus gehen, wobei sie kritiklos alles befolgen, was ihnen ihr Führer befohlen hat.

Verabredet man sich mit einem Calcium-Menschen und kann den Termin nicht einhalten, so warten sie stundenlang, bevor sie wieder vom verabredeten Platz fortgehen. Auch als Therapeut sollte man sich gut überlegen, was man einem Calcium-Menschen an Übungen aufgibt. Oder man sollte es sich zumindest selber aufschreiben, denn sollte man es vergessen, so kann man ziemlich sicher sein, daß der Calcium-Patient die Übung bis in alle Ewigkeiten machen würde. (Silicea ist in dieser Hinsicht noch extremer. Sie macht die ihr einmal gesagten Dinge wirklich bis an ihr Lebensende.)
Calcium-Menschen haben oft das Verlangen, gesegnet zu werden. Sie unterwerfen sich gerne jemandem, dem sie einmal vertraut haben, und oft ist Gott ihr einziger Trost in einer Welt, in der ihre Werte kaum mehr zählen. Man findet viele Carboniker in Klöstern, da sie dort einen geschützten Rahmen vorfinden, der ihnen Anleitung und Struktur gibt und sie trotzdem nicht unter Druck setzt. Die Calcium-Spiritualität ist eine ganz einfache, naturverbundene. Sie sind auf kindlich-naive Art am Himmel dran und müssen ihn nicht erst durch Geistesforschung und Meditation neu erschließen, was ja ein sehr schwieriger und hochgeistiger Schritt wäre. Sie brauchen keine tausend Stufen, bis sie endlich zur Erleuchtung kommen, sie machen keine umständlichen Meditationsformen wie z.B. im Zen, sondern für sie gibt es das Gute und Böse, den Vater und die Mutter im Himmel. Calcium lebt seine Beziehung zu Gott durch Rückerinnerungen, durch Hinaufnehmen des Unterbewußten, z.B. durch die Arbeit mit seinen Träumen. Der liebe Gott ist ein alter Mann mit einem Rauschebart. Die Ostkirchen mit ihren runden Kuppeln ziehen Calcium sehr an. Das russische Volk hat viel mit Calcium zu tun. Es ist fromm, stark und träge. Sie beten gerne das Herzensgebet, in dem immer wieder der gleiche Satz wiederhohlt wird: "Herr, vergib meiner sündigen Seele, Herr, vergib meiner sündigen Seele,...." u.s.w.. Sie können keine Konflikte ertragen und nehmen sich alles zu Herzen, weshalb sie später auch Herzkrankheiten bekommen können. Auch Ikonen spiegeln die Calcium-Religiosität wider. Sie stellen sie sich in die Wohnung und richten sich voller Hingabe einen kleinen eigenen Altar her. Calcium feiert gerne Weihnachten und sonstige Jahresfeste. Dort wird immer schön gesungen und gegessen, und man ist mit seiner Familie zusammen. Wenn Calcium seinen Kindern etwas schenkt, so schenkt es gerne große einfache Dinge. Sie schenken gerne die riesengroßen Teddys, oder eine große Kiste voller Bauklötze. Dabei ist es nicht wichtig, wie teuer die Sachen waren, sondern daß sie vom Herzen geschenkt wurden. Calcium ist auch gerne für Krimskramssachen zu haben. Wird man von einem Calcium-Menschen besucht, so bringet er immer eine kleine Nettigkeit mit, z.B. Konfekt oder "kleine Staubauffänger". Auf Briefe kleben sie kleine Aufkleber und Bildchen, und ihre Wohnung ist voll von kleinen Andenken. Sie besitzen oft sehr bürgerliche Wohnungen, in denen die Kissen mit Omas Häkelspitze bezogen sind und jedes Andenken im Schrank steht. Sulfur würde diese Dinge als kitschig bezeichnen.

Das Gemüt

Calcium ist sehr rührselig und weint bei den trivialsten Gelegenheiten. Sie können nur Filme mit Happy End sehen, und in Filme, in denen viel Gewalt vorkommt, gehen sie am liebsten gar nicht hinein. Geraten sie doch einmal in solch einen Film, so bekommen sie Alpträume oder können erst gar nicht einschlafen. Auch wenn sie sich am Tage mit ihrem Partner gestritten haben, müssen sie sich wieder vertragen, bevor sie ins Bett gehen, sonst können sie nicht einschlafen. Das Harmoniebedürfnis ist so stark, daß es oft für den Partner nicht ganz einfach ist, damit umzugehen, da es in manchen Situationen bestimmt besser wäre, erst einmal "drüber zu schlafen".

Unter Geschwistern haben Calcium-Kinder viel zu leiden. Sie sind oft diejenigen, die sich verprügeln lassen, weil sie so friedlich sind. Dabei wären sie von ihrer Kraft her durchaus in der Lage, sich zu wehren; sie sind selten schwach. Reicht es den Calcium-Kindern doch einmal, so werden sie nicht wirklich böse, sondern sie werfen sich einfach auf das andere Kind drauf und "walzen es platt". Dann sagen sie oft: "Wenn du wieder lieb bist, laß' ich dich auch wieder los," woraufhin das Ganze von vorn anfängt.

Ich selbst besitze eine Bernhardiner-Mischlingshündin, die sehr groß ist, aber vor jedem anderen Hund, und sei es ein Dackel, Angst hat. Kommt es doch einmal zu einem Kampf, so ist sie meistens die Gewinnerin, da sie einfach aufgrund ihrer Größe und Kraft den anderen besiegt. Sie selber ist darüber am meisten erstaunt, und trotz mehrmaliger guter Erfahrungen macht sie am liebsten immer noch einen großen Bogen um jeden anderen Hund. Auch beim Fahrradfahren zeigt sie ein typisches Calcium-Verhalten. Ich kann mit ihr stundenlang Fahrrad fahren, aber nur in ihrem Tempo. Habe ich es einmal eilig und möchte schneller fahren, so guckt sie mich nur treu an und behält genau das gleiche Tempo bei wie zuvor. Wenn Calcium sich bewegt, dann nur in seinem Tempo.

Oft macht Calcium wegen seiner Sturheit und Gelassenheit den Eindruck, teilnahmslos und unempfindlich zu sein; in Wirklichkeit gehören sie aber zu den empfindsamsten Geschöpfen der Welt, und wenn sie einmal etwas beeindruckt hat, so bleibt dieser Eindruck für immer haften. So vergessen sie es nicht, wenn sie einmal von einem Menschen tief verletzt wurden, sie sind aber nicht auf Rache aus, wie Sepia z.B.. Sie wollen dann einfach nichts mehr mit diesem Menschen zu tun haben. Sie nehmen Einzelheiten zu wichtig. Während Pulsatilla sich wegen wahrer Kleinigkeiten zurückzieht und so lange schmollt, bis sich jemand um sie kümmert, sind es bei Calcium-Menschen allgemeinere Dinge, die sie zu wichtig nehmen. Wenn sie z.B. eine Gemeinheit sehen, kommen sie zu dem Schluß, daß die ganze Welt voller Gemeinheiten sei (Natrium muriaticum empfindet es so ähnlich). Sie ziehen sich dann noch mehr von der Welt zurück, entwickeln sich jedoch nicht zu wirklichen Einzelgängern. Calcium-Menschen sind an sich sehr soziale Menschen, d.h. sie sind gerne mit Menschen zusammen, die sie kennen und kümmern sich oft um sozial Schwache. Calcium braucht einfach seine Familie um sich herum. Trotz allem finden wir Calcium im Repertorium in der Rubrik: "Abneigung gegen Familienmitglieder" 3wertig.

Eine ähnliche Polarität gibt es hinsichtlich der Fähigkeit zu arbeiten und zu lernen: Entweder sie sind total träge, oder sie besitzen die absolute Arbeitswut. Dabei kann es durch Überarbeitung zu Anorexie kommen. Wichtig für Calcium ist, einen Anfang zu machen. Sie sind oft unfähig, eine Arbeit zu beginnen, weil sie Schwierigkeiten haben, ihre Energie zusammenzubekommen. (Was du heute kannst besorgen, das schiebe gern auf übermorgen.) Sie lenken sich mit Tausenden von Dingen ab, kochen sich einen Tee oder etwas zu essen, telefonieren zwischendurch oder beginnen, die Wohnung aufzuräumen, nur um nicht mit der eigentlichen Arbeit anfangen zu müssen. Damit verzetteln sie sich natürlich mit ihrer Zeit und schaffen es nicht, zum gegebenen Zeitpunkt fertig zu werden.

Es sind häufig die Calcium-Kinder, die in Prüfungen immer noch eine halbe Stunde länger brauchen. Auch wissen Carboniker nie, wie spät es ist, so daß sie des öfteren zu spät kommen. In der Schule sind sie oft nicht fähig, dem Tempo der Klasse zu folgen, da sie nur langsam begreifen und verstehen. Sie haben ein schlechtes Gedächtnis, und die geistige Arbeit ist für sie so anstrengend, als würden sie sich körperlich betätigen. Sie kommen dabei richtig ins Schwitzen. Versucht man, diese Kinder in der Schule anzutreiben, so werden sie nur bockig, unkonzentriert, trotzig und stur. Genauso können Calcium-Kinder aber auch sehr gut in der Schule sein, wenn sie einen verständnisvollen Lehrer haben, der es versteht, die Qualitäten der Kinder zu fördern. Sie versetzen die anderen dann in Erstaunen, und ihre Grundveranlagung zu einem guten Gedächtnis können sie dann z.B. in einem sogar öffentlichen Vortrag unter Beweis stellen. So benutzen sie z.B. sehr wenig schriftliche Unterlagen, in denen sie sich mit ihrer großen runden Schrift nur Stichpunkte notiert haben. Sie können auch hervorragend in der Lage sein, einen Vortrag zu halten, den sie woanders schon mal selber gehört haben. Sie entwickeln bei ihren eigenen Vorträgen zwar keine großartigen eigenen Gedanken, sind aber in der Lage fremde Gedanken zu reproduzieren. Calcium träumt ständig davon, was er alles leisten will, er traut sich nur nicht. So sind sie leider oft die Sitzenbleiber, die, die es nicht schaffen.
In ihrer Sprache benutzen sie oft die Endung ...chen, z.B. Engelchen, Füßchen, Kindchen usw.; sie sprechen überhaupt vorwiegend eine niedliche runde Sprache. Gerne schreiben sie mit einem dicken Füller mit großer, runder Schrift. Sie haben oft Lese- und Rechtschreibschwierigkeiten, und ihre mündliche Mitarbeit in der Schule ist meist nicht besonders gut, da sie Angst haben, sich vor der Klasse zu blamieren. In Mathematik sind sie entweder sehr gut, oder sie kommen damit überhaupt nicht zurecht. Calcium-Kinder wollen auch um keinen Preis mit ins Schullandheim fahren. Sie weinen beim Abschied und klammern sich verzweifelt an ihren Eltern fest. Sie haben so dolles Heimweh, daß ihnen die ganze Klassenfahrt keinen Spaß macht. Man kann den Kindern helfen, damit zurechtzukommen, indem man ihnen Bilder von der Familie sowie andere kleine persönliche Dinge mitgibt. Die sehen sie sich abends vor dem Schlafengehen noch einmal an, und ihr Heimweh wird ein bißchen gelindert. Natürlich kann dies nicht das Händchenhalten ersetzen, das normalerweise zu Hause zum Einschlafen notwendig ist.

In der Anamnese kommen diese Menschen nicht leicht aus sich heraus, wenn aber doch, dann tragen sie ihre Beschwerden strukturiert vor.
Sie haben Angst vor Strukturverlust, d.h. sie haben Angst, die Kontrolle zu verlieren und sich mit irgend etwas lächerlich zu machen. Sich nicht mehr unter Kontrolle zu haben und den anderen womöglich hilflos ausgeliefert zu sein, ist ein Alptraum für sie. Genauso haben sie große Angst vor der Zukunft, vor drohendem Unglück und vor dem Erfolg (da sie wegen ihres Mangels an Selbstvertrauen nicht gerne im Rampenlicht stehen), auf der körperlichen Ebene besonders vor Herzkrankheiten, weil sie sich immer alles zu Herzen nehmen, und vor Infektionskrankheiten. (So ist es möglich, daß ein über 8o Jahre alter Mann, der in seinem ganzen Leben nur mit seiner Frau geschlafen hat, panische Angst vor Aids bekommen hat.) Obwohl Calcium sehr tierlieb ist, hat es große Angst vor Mäusen, Würmern, Spinnen, Marienkäfern und Maikäfern. Interessant hierbei ist, daß der Elefant, der viel mit Calcium zu tun hat, nur vor Mäusen Angst hat. Was kann eine Maus einem Elefanten schon antun?
Weitere Tiere; die viel mit Calcium zu tun haben, sind die Büffel, Wale, Bären, Elche und Nilpferde. Man braucht sich nur einmal das friedliche Verhalten der Wale anzugucken, selbst wenn sie abgeschlachtet werden. Wird ein Wal von der Harpune getroffen, so bleiben alle anderen Tiere bei dem verletzten Tier und helfen ihm, an der Wasseroberfläche zu bleiben - trotz der Gefahr ebenfalls abgeknallt zu werden. Auch das soziale Verhalten der Wale entspricht dem Calcium-Typus. Sie tun keinem anderem Tier etwas zuleide, obwohl sie mit ihrer enormen Größe ohne weiteres mit anderen Tieren den Kampf aufnehmen könnten. Sie beschäftigen sich den größten Teil des Tages mit der Nahrungsaufnahme, indem sie diese quasi in sich hineinschwimmen lassen, oder sie schmusen mit ihren Partnern. Dabei bevorzugen sie das gegenseitige Aneinanderreiben ihrer Körper. Ähnliches lieben auch die Calcium-Menschen.
Auf dem Land entsprechen die Büffel der Calcium-Mentalität am ehesten. Sie zogen ruhig und gemächlich ihre Bahn, und als die Weißen sie abknallten, rannten sie erst davon, wenn das Leittier getroffen wurde. Dann aber setzte sich die Herde in Bewegung, und alles, was sich unter ihren Hufen befand, wurde platt getreten. Mit dem Büffel starb der Indianer, für den der Büffel das oberste Totemtier und ihr Beschützer war. Der heilige Geist offenbarte sich bei ihnen immer in Form eines weißen Büffels. Im IndianerTarot bedeutet die Büffelkarte, sich ganz dem großen Geist anzuvertrauen, was demjenigen, der es tut, eine große Kraft verleiht. Genauso verhält es sich mit Calcium-Menschen. Wenn sie sich "dem großen Geist" anvertrauen, so erhalten sie damit innere Stärke und Vertrauen, was ihnen enorm hilft, mit der heutigen Zeit fertigzuwerden. Auf dem Weg zum Gesundwerden ist es für Calcium-Menschen sehr wichtig, einen eventuell verlorenen Glauben wieder zurückzugewinnen. Ohne einen festen Glauben ist es für Calcium sehr schwer, mit dieser Welt zurechtzukommen.

Calcium Carbonicum kann aber auch in anderer Hinsicht helfen. Das Mittel bewirkt oft, daß sich die Menschen wieder aus sich herauswagen, daß sie mehr Rückhalt in dieser Welt fühlen. Sie sind dann weniger verletzbar durch ihre Mitmenschen und können sich besser wehren; sie können mehr ihre eigenen Interessen vertreten und tun nicht immer nur das, was die anderen von ihnen wollen.
Eine Möglichkeit, sich gegen eine Überforderung zu wehren, besteht darin, sich als Kind z.B. schlecht zu benehmen. Das Kind bekommt plötzlich schlechte Laune, nichts geht mehr, es inszeniert ein Riesentheater, und es weiß eigentlich gar nicht, was es im Moment will. Es rastet aus, schlägt auch mal zu (aber nicht sehr doll), unterbricht ständig seine Eltern und nimmt keine Rücksicht mehr auf andere. Ein solches Verhalten stellt bei Calcium-Kindern die schlimmste Form von Notwehr dar, zu der sie fähig sind. Am nächsten Tag kann alles wieder vergessen sein, und das Kind tut, als sei nichts gewesen. Normalerweise leisten sie eher stillen Widerstand, als daß sie um eine Sache kämpfen würden. Sie können dabei störrisch "wie ein Maulesel werden", oder sie wehren sich dadurch, daß sie sich dumm stellen oder einfach abschalten. Sie tun dann oft so, als ob sie das Gesagte gar nicht hören würden. Oder man sagt ihnen tausendmal etwas, und sie tun es trotzdem nicht, während Sulfur z.B. erstmal eine heftige Diskussion anfangen würde.

Ritter besitzen viele Calcium-Eigenschaften. Sie sind ihrem König oder Kaiser treu ergeben, riskieren ihr Leben für ihn und bewachen treu und brav seine Burg. Sie selber besitzen gar nicht das Verlangen zu führen oder ein großes Reich zu besitzen. Sie sind treu ihrem Land ergeben und besitzen auch etwas wie Vaterlandsliebe, aber es geht ihnen dabei um das Wohlergehen der Menschen und nicht um Prinzipien oder Macht. Calcium-Menschen sind oft die Untergebenen von lycopodischen Führern. Sie haben meist Angst vor Lycopodium-Menschen, werden krank, fühlen sich dann dumm und befürchten, den Anforderungen nicht gewachsen zu sein; Sie bewundern sie aber auch, und, einmal Vertrauen gefaßt, folgen sie kritiklos.

Calcium-Mütter machen sich ständig Sorgen um die Zukunft ihrer Kinder. Sie können oft den jetzigen Zustand nicht genießen, weil sie um die Zukunft besorgt sind. Sie denken, sie seien zu dick und machten immer alles falsch. Sie bekommen Höhenschwindel, der ein Leeregefühl im Magen verursacht und ein Gefühl, als ob die Seele den Körper verlasse. Außerdem entwickeln sie panische Angst, daß andere ihren Zustand bemerken könnten, denn das würde sie ja lächerlich machen. Besonders bei einer Art von Epilepsie, bei der die Menschen nachts schreiend aufwachen und die besonders bei Voll- oder Neumond auftritt, hat Calcium gut helfen können. Sie wissen nicht, was sie wollen, nörgeln aber ständig herum und sind unzufrieden. Sie können in diesem Falle zu einer wahren Qual für ihre Familie werden. Sie besitzen dann keinerlei Interessen mehr, werden richtig faul und fühlen sich einsam und verlassen. Schon kleine Tätigkeiten sind für sie so anstrengend, daß sie anschließend fix und fertig sind. In den meisten Fällen verschwinden die körperlichen Beschwerden, wenn die psychischen Symptome auftauchen.

Diese Menschen bekommen durch die homöopathische Calcium-Gabe ein warmes, tiefes Gefühl und das Vertrauen, daß sie doch richtig sind, wie sie sind. Sie sind so sehr gerührt, daß sie weinen müssen aus Dankbarkeit. Sie bekommen das Bedürfnis, mit der Hand zu arbeiten und haben das Gefühl, vom Herzen her befreit zu sein. Sie sind ihrem Gott wieder nähergekommen und werden kindlich begeistert ihren Glauben kundtun. Sie haben das Gefühl, ihre innere Heimat gefunden zu haben, und ihre Umwelt kann sie nicht mehr so sehr beeinflussen. Auch ihr Übergewicht stört sie nicht mehr. In gesundem Zustand träumen diese Menschen oft von Engeln (mit den Birkenstockschuhen), Walen, dem Mond, sich im Wind bewegenden Weizenfeldern und davon, daß sie gesegnet würden. Sie leben aus ihrem Herzen und Hara heraus und können genial und kreativ werden.

Geht die Heilung einmal nicht so gut voran, so ist Tuberkulinum ein bewährtes Zwischenmittel, um den Prozeß wieder in Gang zu bekommen. Auf Calcium folgt gut Aurum.

Ein weiteres Symbol für Calcium ist die Linde. Die Linde steht meist in der Mitte eines Dorfplatzes, umgeben von Bänken, auf denen man sitzen kann. Oft sind diese mit allerlei Schnitzereien bedeckt, mit denen jemand seine Liebe zu einem anderen Menschen verewigen wollte. Calcium-Menschen haben oft das Bedürfnis, etwas zu konservieren. Sie sagen häufig: "Jetzt soll es so bleiben und nicht mehr anders werden." Sie wollen gerne festhalten und bewahren. Aus Lindenholz schnitzt man häufig die Symbole der Volksfrömmigkeit wie Engelchen und Kreuzchen. Stellt man sein Auto unter einen Lindenbaum, so ist er zu bestimmter Jahreszeit von einer dicken, klebrigen Lindenschweißschicht bedeckt. Der sogenannte Schweiß stammt vom Kot der Lindenläuse, aus dem man auch den Lindenblütenhonig macht. Das Lindenblatt hat die Form eines Herzen. Der Samen sieht aus wie ein geöffneter Uterus, von der Seite gesehen jedoch eher wie ein Embryo, er fliegt sanft segelnd und kreisend zur Erde.

Calcium-Menschen arbeiten gerne mit Holz. Sie sollten einen Beruf erlernen, in dem sie mit ihren Händen arbeiten können. Sie sind sehr gute Masseure, Gärtner, Steinhauer u.s.w.. Auch in der naturheilkundlichen Richtung sind sie gut aufgehoben. Sie sind gut ansprechbar für einfache Anwendungen wie Kneippsche Kuren, Chiropraktik, Akupressur und Mesmerismus. Die Homöopathie ist ihnen viel zu kompliziert; wenn sie sie als Therapeuten aber doch anwenden, so verordnen sie ihre Arzneimittel meistens aus der Intuition und dem Herzen heraus. Man sollte Calcium-Menschen nicht zu einem Philosophie- oder Jurastudium zwingen, wenn sie es nicht von sich aus wollen. Sie könnten dabei ernst erkranken. (Ein Calcium-Patient, der von seinem Vater gezwungen wurde, Jura zu studieren, wurde unglücklich und erkrankte. Nach einigen Gaben Calcium war er in der Lage seinen eigenen Weg zu gehen; er hörte mit dem Studium auf und machte eine Gärtnerei auf.) Da Calcium-Menschen Tiere und Pflanzen lieben, haben sie oft den sogenannten grünen Daumen, sie pflegen ihre Schützling sehr liebevoll. Ein Calcium-Mensch wird selten einen Massenbetrieb haben, eher klein und herzlich. Weitere gute Berufe sind solche, in denen sie etwas reproduzieren können. So sind sie gute Grundschullehrer, Pfarrer, Bäcker oder Köche.

Es sei jedoch erwähnt, daß Calcium meistens sehr lange braucht, um zu wirken - ganz der Langsamkeit des Calcium-Menschen entsprechend. Man sollte nicht zu früh das Mittel wechseln und es auch nicht zu häufig geben, besonders nicht bei älteren Menschen, da beobachtet wurde, daß auf Calcium-Gaben die Knochen entkalkten. Ebenso sollte man vorsichtig bei Tuberkulosekranken sein, weil auch bei ihnen eine Entkalkung der Tuberkel beobachtet wurde.

"Die Perle"

Calcium-Menschen suchen Führer, die sie immer wieder ermutigen und ihnen eine Aufgabe geben, da sie oft Schwierigkeiten haben, aus eigenem Antrieb etwas zu unternehmen. Für Calcium-Kinder ist aus diesem Grunde in der Erziehung besonders der Vater wichtig, da er in den meisten Fällen doch mehr der Teil ist, der richtungsweisend und korrigierend wirkt. Coulter beschreibt Calcium als eine Treibhauspflanze, die gehegt und gepflegt werden muß, damit aus ihr etwas wird. Sie würde, wenn sie auf der Straße oder in freier Natur aufwachsen müßte, wahrscheinlich eingehen, da sie mit den Grobheiten und Prüfungen der Welt nicht ohne Unterstützung zurechtkommen würde. Calcium braucht, um seine Fähigkeiten entwickeln zu können, eine strukturierte und individuelle Betreuung. Als Beispiel nennt Coulter das Leben von Mozart und Helen Keller. Beide sind nur deshalb berühmt geworden, weil sie im Hintergrund immer jemanden hatten, der sie ständig antrieb und forderte. Aber trotzdem behielt Mozart bis an sein Lebensende eine gewisse Unreife, was das Gestalten seines Lebens anging. Er machte sich bis zum Schluß keine Gedanken um die Zukunft, und finanziell blieb er naiv. Mozart konnte stundenlang arbeiten, tagein, tagaus; wenn er einmal am Klavier saß, saß er.

Helen Keller verlor mit 18 Monaten durch einen Fieberanfall ihr Seh- und Hörvermögen. Bis zu ihrem 5. Lebensjahr war ihre Welt stumm und dunkel, und sie zeigte kaum ein Interesse an dieser Welt. Man hielt sie sogar für geistig zurückgeblieben. Mit 5 Jahren kam sie zu ihrer Lehrerin Annie Sullivan, bei der sie am Anfang stundenlang schrie und auf jede erdenkliche Art versuchte, Widerstand zu leisten, bis sie verstand, welcher Zusammenhang zwischen dem Druck auf ihrer Hand und ihrer Umwelt bestand. "Nachdem sie jedoch einmal angefangen hatte, hörte sie ihr Leben lang nicht mehr auf, sich Wissen anzueignen - unter der systematischen Anleitung von Annie Sullivan. Sie lernte mehrere Sprachen, legte ein hervorragendes Examen am Radcliffe College ab, korrespondierte und hielt Vorträge in aller Welt - Leistungen, die vor ihr noch niemand erbracht hatte, der blind und taub war" (Coulter, S.105)

So können Calcium-Menschen schon große Leistungen vollbringen, man muß ihnen nur die nötige Zeit lassen und sie immer wieder anleiten. Calcium arbeitet Stein auf Stein. Wie die Auster, die erst dann eine Perle bildet, wenn ein störendes Sandkorn in ihr Inneres gelangt ist, so benötigt auch der Calcium-Mensch einen "störenden Impuls" (die Anforderung), damit sich seine Fähigkeiten entwickeln können. Calcium-Menschen wachsen unter dem nötigen Druck einer Aufgabe. Sie bringen oftmals ihre angefangenen Dinge nicht zu Ende, arrangieren sich mit den Gegebenheiten, und ihre eigentlichen Fähigkeiten bleiben unentdeckt. U.u. kann die homöopathische Arznei als der nötige Impuls bewirken, daß die eigentliche Kraft und die Qualitäten dieser Menschen zum Vorschein kommen. Calcium Carbonicum wirkt hierbei wie das störende Sandkorn, welches erst den Anstoß dazu gibt, etwas Außergewöhnliches hervorzubringen. Calcium-Menschen äußern mitunter direkt den Wunsch nach Disziplin, Herausforderungen und strenger Struktur. (Natrium muriaticum sucht sie ebenfalls, Arsen besitzt diese Disziplin sowieso.) Sie wissen, daß ihr Wesen nach Anleitung und Struktur verlangt, da sonst die Diagnose lauten könnte: "Krank durch Unterforderung".

Wichtig ist jedoch, daß Calcium-Menschen auch nicht überfordert werden. Sie werden krank, wenn sie zu viel arbeiten, langfristig unter Streß geraten oder versuchen, Streß langfristig zu unterdrücken. Man muß Calcium-Menschen in Ruhe arbeiten lassen, dann leisten sie von alleine eine ganze Menge; man darf sie nicht unter Druck setzen. Wenn Calcium-Menschen allerdings zur Ruhe kommen, werden sie absolut träge. Sie sind wie das spontane, selbstvergessene Kind, das jeden Tag neu und frisch erlebt. Calcium resigniert, wenn es seine Qualitäten nicht leben kann, und es wird noch passiver und träger. So ist es eine wichtige Aufgabe für alle die, die Calcium-Menschen erziehen (z.B. Eltern) oder sie therapeutisch begleiten, für ein entsprechendes Mittelmaß an sinnvoller Anforderung zu sorgen, ohne zu überfordern!
Haben sie für sich selbst dieses Mittelmaß gefunden, werden sie selbstsicher, unermüdlich und unaufhaltsam ihrem selbst gestecktem Ziel entgegengehen. Dabei kann man davon ausgehen, daß die Calcium-Menschen weder ihre Ruhe noch ihre Geduld und Menschenliebe verlieren. Sie sind offen, herzlich und ein "Fels", auf den sich andere verlassen können.

Als eine der am höchsten erlösten Form des Calcium-Menschen können wir Buddha ansehen. Er wuchs in verschwenderischer Üppigkeit, als Sohn eines Fürsten, im Vorland des nepalesischen Himalajas auf. In seiner Kaste wohlgeborgen, von seiner Familie behütet, konnte er den "Strom des Essens und Genießens" in sich "hineinspülen" lassen. Eine seiner Legenden behauptet, daß er bis zum Erwachsenenalter keinen Fuß außerhalb seines geschützten Palastes gesetzt hat. (Ein durchaus üblicher Verlauf einer Erziehung in indischen und chinesischen Adelshäusern.) Er heiratete seine Kusine, die ihm auch einen Sohn gebar. Dann soll er, der Legende zufolge, eines Tages sein Haus verlassen haben, um sich in der Stadt umzusehen. Er war betroffen über den immensen Unterschied zwischen seinem satten Leben und der Armut und dem Leid außerhalb seiner Mauern. Carbonische Menschen können Armut und Leid weder sehen noch ertragen, ohne daß sie diese Bilder und Gedanken noch lange beschäftigt. Hier drang dem zukünftigen Buddha vielleicht das "Sandkorn" unter die Haut. Mit 29 Jahren verließ er seine Familie, wanderte sechs Jahre als Bettelasket umher, unterzog sich harten Kasteiungen und ließ die "Perle" in sich wachsen, bis er in Uruwela bei Gaja die Erleuchtung fand. Kernstück seiner Lehre ist der Grundsatz vom Leiden - d.h. daß das Leben unablässigem Leiden unterworfen sei - und die Absage von allen Leidenschaften. Trotzdem predigt Buddha nicht die Armut und Askese an sich. Auf seinen Abbildungen sehen wir ihn oft in carbonischer Fülle, mit dem typisch mondhaftem Gesicht, aber in sich ruhend mit einem Lächeln, das Zufriedenheit und Glückseligkeit verspricht.

Die Astrologie

Astrologisch betrachtet wird die Calcium-Mentalität durch das Zeichen des Krebses widergespiegelt. (8o% aller Fälle, in denen Calcium Carbonicum gut geholfen hat, waren vom Sonnenzeichen her Krebs, 2o% gar Doppelkrebs, d.h. auch ihr Aszendent stand im Zeichen des Krebses.) Der dazugehörige Planet ist der Mond. Das Symbol des Krebses stellt die Zangen des Krebses dar, ist Symbol geheimer Dinge, des weiblichen, ernährenden Prinzips. Die Stärken des Krebses sind Unermüdlichkeit, Beharrlichkeit, Bewußtheit, Sinnlichkeit, Magie, Erleuchtung, die Kraft des Mondes, die Quelle der Intuition. Die Katze symbolisiert ein anderes, höheres Symbol für den Krebs. Wird die Krebsenergie nicht harmonisch gelebt, so kann sich dies in einer extremen Zurückgezogenheit zeigen - andere vergessend, verstrickt in Gefühle, ohne mit ihnen sorgfältig umzugehen, voller Entschuldigungen, ausweichend. Der Krebs gehört den Wasserzeichen an; er ist schöpferisch, ruhig, nach innen schauend, die Mutter, das Mondkalb, es sind die seelischen Qualitäten. Er kann der Herr der unter- und überbewußten Kräfte sein, der Magier und die Hexe. Der Krebs-Mensch findet das Glück in sich selbst, in seinem Heim, seiner Familie; er findet die Antworten auf seine Fragen in diesen Bereichen, in sich selbst.

Auch der Mond spiegelt ähnliche Eigenschaften wieder wie der Krebs. Er ist Symbol für Eingebungen, Emotionen, Spiegel des verborgenen Seins, die seelische Energie, das Unbewußte, Geheimnisvolle, die Verschmelzung mit allem Sein. Schon immer konnten die Menschen all die Qualitäten nicht in eine einzige Mondgöttin hineinprojizieren, weshalb es immer mehrere Mondgöttinnen gab. Im Rider-Tarot ist die Mondkarte die Karte der Imagination, der Intuition, des Unbewußten. Da der Mond nicht selber das Licht produziert, das er ausstrahlt, hat er schon immer seltsame Gefühle bei Menschen und Tieren ausgelöst. Das englische Wort für Verrücktheit, "lunacy", stammt von "luna", dem lateinischen Wort für Mond, und im Mittelalter glaubten die Menschen, daß die Seelen der Geisteskranken zum Mond fliegen würden. Auch heute beobachten einige Ärzte und Polizisten bei Vollmond ein gehäuftes Auftreten von Selbstmorden und andere Anzeichen für aufgewühlte Emotionen. Der Mond hat etwas, was Angst und Befremden auslöst, während uns die Sonne entspannt und tröstet. Wir spüren etwas in uns, aber wir können nie genau erkennen, was es ist. Wenn wir mit Hilfe entsprechender Vorbereitung oder auch Mut die Wildheit akzeptieren, die von der tiefsten Imagination hervorgebracht wird, dann bringt der Mond Frieden, der Schrecken läßt nach, und die Phantasie führt uns, bereichert um ihre Wunder, wieder zu uns selbst zurück. Um jedoch an dieses Wissen herankommen zu können, muß man erst einmal leer und empfangend werden können. Es ist wie mit einem Gefäß, das darauf wartet, gefüllt zu werden. Interessant ist, daß wir in der deutschen Sprache "der Mond" und "die Sonne" sagen, obwohl es eigentlich "die Mond" und "der Sonne" heißen müßte. Der Mond war schon immer das Symbol des Weiblichen, während die Sonne das Symbol für das Männliche war. Die Frau besitzt einen 28-Tage-Zyklus, und früher wurde der Mond für die Fruchtbarkeit als der entscheidende Faktor angesehen. Man ging früher sogar so weit zu verlangen, daß Frauen sich nicht ohne Bekleidung den Mondstrahlen aussetzten, da man annahm, daß die sie durch die Mondstrahlen schwanger werden würden.

Die Mondgottheiten stellten die Beziehung zu den Naturweisheiten her, sie hüteten die jungfräuliche Reinheit und schützten und pflegten das junge Leben. Und so sind auch Calcium-Menschen sehr naturverbunden; sie sind sehr fürsorglich, und Calcium ist eher ein Mittel des Landes und der Bauern als eines des höheren Managements. Sie leben mit der Natur und folgen möglichst ihrem Rhythmus. Sie stehen früh, mit der Sonne auf, verrichten fürsorglich und unentwegt ihr Tagewerk und gehen früh zu Bett. Geht es ihnen mal nicht so gut, so gibt ihnen der Schlaf Erholung und Kraft. Weitere "Kraftquellen" sind das Beten oder das Holzhacken.

Antroposophisches:

Zum Schluß möchte ich kurz Aspekte des Calciums aus der anthroposophischen Sicht nach den Lehren Rudolf Steiners anfügen.
Das Calcium gibt den Tieren ihr Skelett, ihre Hülle. Je entwickelter ein Lebewesen ist, desto mehr Kalk nimmt es in sich hinein. Je mehr Kalk im Gehirn vorhanden ist, desto höher sind unsere denkerischen Fähigkeiten. Im Kopf haben wir Menschen uns als letztes verschlossen (beim Säugling ist er am Anfang noch offen), er ist der einzige Bereich des Körpers wo der Knochen außen liegt. Solang ein Kind seine Fontanellen noch nicht geschlossen (verknöchert) hat, erlebt es sich noch nicht als Individuum, sondern eher als "Gruppenseele". Übertrieben ausgedrückt sind wir durch das Hineinnehmen des Kalkes am Ende unseres Lebens verkalkt. Hier stellen sich die zwei Pole des Calcium-Stoffwechsels dar:
1. Wir haben zu wenig Kalk in uns, wie es beim Carboniker der Fall ist. Zu wenig bedeutet in diesem Fall, daß sich Entzündungen entwickeln können, bedeutet Ausdehnung. Es ist der untere Pol des Menschen, mit seinen Gefühlen, dem Stoffwechsel und seiner Sexualität. Bei zu wenig Kalk sind all diese Bereiche übermächtig. Das ganze Denken und Handeln dreht sich nur um Essen und Sex. Die Menschen sind schlecht strukturiert, besitzen einen übermäßigen Stoffwechsel und sind dementsprechend korpulent. Diesen Zustand finden wir natürlicherweise bei Kindern, da sie noch nicht so viel denken.
2. Wir haben zuviel Kalk in uns, es kommt zu sklerotischen, zusammenziehenden Prozessen. Hier ist der obere Pol des Menschen (das Ich, das Prinzip und das Denken) dominant. Jeder Nervenimpuls ist immer ein zusammenziehender Prozeß, und beim Denken sterben jedesmal ein paar Zellen. Dieser Zustand überwiegt beim Erwachsenen und alten Menschen.
Die Aufgabe des Menschen ist es nun, ein Gleichgewicht zwischen diesen beiden Polen herzustellen und zu leben. Denn nur wenn diese Pole im Gleichgewicht sind, kann der Mensch gesund sein. Die Mitte ist hierbei das Herz. Man soll den Geist nicht ausschalten, aber man sollte immer wieder Momente erreichen, in denen die alte Weisheit zutrifft: Laßt es im Kopfe dunkel werden, damit es sich im Herzen erhelle.
Das Ziel ist das sogenannte "durchdachte Fühlen", wozu beide Pole sich gegenseitig ergänzen. Calcium hilft hierbei, die Mitte, das Herz zu finden und zu leben.

 

Schlagwörter zu Calcium Carbonicum

Treue,verwurzelt sein, beständig, beharrlich, stur, platt walzen, überhäufen, Dickschädel, wonnig-warmen Herzens, Knecht, Soldat, Mönch, Mond, Krebs, Familie, Kinder, Wale, Schildkröte, Linde, Suppe, Küche, singen, lieber Gott, beten, festigend, einfältig, intuitiv, Ostpreußen, Birkenstockschuhe, Wollsachen, Zwerge, Engel, segnen, Sykosis, Bauern, Geduld, Ausdauer, kleine Seen mit Enten, kitschig, konservativ, konfliktscheu, bescheiden, schüchtern, originell, dienen.

Zum Abschluß dieses Arikels nocheinmal 2 Sätze, die die Qualitäten des Carbonikers gut ausdrücken:

Reich: "Es ist viel wichtiger, daß man Wahrheiten erfühlt, als sie nur zu verstehen."

Saint-Exupéry: "Man sieht nur mit dem Herzen gut, das wesentliche ist für das Auge unsichtbar."

Literaturangaben:

1) Anatomie, Physiologie, Pathophysiologie von Thews, Mautschler, Vaupel, 2.Auflage, Wissenschaftliche
Verlagsgesellschaft mbh, Stuttgart
2) Innere Medizin von Brüschke und Schulz, 2.Auflage, VEB Gustav Fischer Verlag, Jena 1971
3) Taschenatlas der Physiologie, Silbernagl, Despopoulos, Thieme Verlag, 3.Auflage
4) Wunder primitiven Lebens, Wells, Fischer Verlag 6217, von 1973
5) Grzimeks Tierleben, dtv Verlag, Band 3, 1979
6) Astrologie und Homöopathie T.M.N.
7) Tarot, Pollack, Knaur Verlag 4132
8) Astrologie,Psychologie und die 4 Elemente, Arroyo, Hugendubel Verlag, 4.Auflage
9) Gesichtete Homöopathische Arzneimittellehre, Mezger, Haug Verlag, 1950
10) Essenzen Homöopathischer Arzneimittel, Vithoulkas, übersetzt von Faust, Haug Verlag
11) Leitsymptome in der homöopathischen Therapie, Nash, 15.Auflage, Haug Verlag
12) Portraits homöopathischer Arzneimittel, Coulter, Haug Verlag, 1988
13) Homöopathische Arzneimittellehre für die Praxis, Charette, 4.Auflage, Hippokrates Verlag, Stuttgart
14) Charakteristika homöopathischer Arzneimittel mit Repertorium der Charakteristika, Barthel, Organon Verlag, 1984
15) Unterrichtsmaterialien von Andreas Krüger, Samuel Hahnemann Schule Berlin
16) Seminar in Bad Boll, Andreas Krüger, 16.09.1989 und 12.10.1988, auf Toncassetten.
17) Leeser, Haug Verlag

Andreas Krüger, Heilpraktiker
Annette Langmandel, Heilpraktiker-Schülerin
Samuel-Hahnemann-Schule, Mommsenstr. 45,
10629 Berlin