Der Sepia-Mann
Männlichkeit im Zeitalter der Wasserfrau
Da in der letzten Ausgabe Sepia ausführlich behandelt wurde, gehe
ich nicht mehr auf das bekannte Arzneimittelbild ein. Ich berichte hier
von meinen Erfahrungen, Erlebnissen und Einsichten, die ich im letzten
Jahr als Mann mit Sepia hatte.
Der Untertitel dieses Artikels erschien mir sehr wichtig. Zur Wasserfrau
kam ich, weil es mir auf den Ausgleich zwischen männlichen und
weiblichen Kräften ankam. Ausgleich - ein Stichwort, das mir als
zentrales Thema dieses Mittels im Zusammenhang mit Männern bewußt
wurde. Und das Wasserzeitalter als ein Stichwort für
Bewußtwerdung, die wir dringend brauchen, und die angeblich ein
Grundthema für die nächste Zeitepoche ist. Bewußtwerdung, Ausgleich
und Benutzen der Anima-Kräfte beim Mann - wie sollte es auch
anders sein bei Sepia. Erst einmal eine gewagte Behauptung - aber ich
erzähle einfach meine Erfahrungen.
Sepia begegnete mir gleich am Anfang meiner homöopathischen
Laufbahn, als ich im ersten Jahr auf der selbstverwalteten
Heilpraktikerschule in Berlin Astrologieunterricht bei einer sehr
interessanten Lehrerin hatte. Sie arbeitete schwerpunktmäßig mit der
Astrologie von Liz Greene, einer Astrologin und jungianischen
Analytikerin aus England, die diese beiden Gebiete miteinander
verbindet. Ganz ausgeprägt bei dieser Schule ist die Animus-Anima-Lehre
nach C.G. Jung. Sie besagt, daß in allen Menschen, gleichgültig ob
Mann oder Frau, männliche und weibliche Kräfte wirken. Was das
jeweilige Geschlecht ausmacht, ist hierbei der bewußte Umgang mit der
geschlechtsspezifischen Kraft. Die komplementäre Energie ist wichtiger
Bestandteil der menschlichen Psyche. Ohne sie wäre keine Spannung, kein
Ausgleich und keine Beziehungsfähigkeit möglich. Wie in der
asiatischen Lebens-anschauung besteht das Leben aus diesen beiden
Kräften: Yin (weiblich) und Yang (männlich). Das eine entsteht aus dem
anderen - würde man sie trennen, wäre keine Wandlung mehr möglich.
Der Mensch bzw. die Psyche wären tot. Das heißt, wenn wir von der
Anima reden, reden wir nicht gleich über Frauen, sondern über die
weibliche Yin-Kraft, die Frauen bewußt und Männer unbewußt leben. Es
geschieht oft irrtümlich, daß die Anima mit der Frau identifiziert
wird. Irrtümer, die z.B. auch in der Homöopathie auftreten, wenn von
sogenannten "Frauenmitteln" oder "Männer-mitteln"
die Rede ist, wobei die Frauen schon lange die angeblich männlichen
Mittel in Anspruch nehmen.
Die Qualitäten der Anima werden mit dem emotionalen Bereich, der
Intuition und der Vision, sowie dem bildhaften zirkulären Denken
definiert. Der Animus denkt linear und gehört dem Bereich des Logos an.
Der Mann lebt seine weiblichen Anteile (Mond und Venus im Horoskop)
hauptsächlich über seine Beziehungen zu Frauen und umgekehrt (1). Da
die weiblichen Anteile beim Mann vornehmlich im Unbewußten schlummern,
besteht die Gefahr, diese ausschließlich auf Frauen zu projizieren und
sich damit von den eigenen Anteilen dieser Anima-Kräfte regelrecht
abzuschneiden. In einem ihrer Bücher geht Liz Greene auch auf die
mythologische Ent-stehungsgeschichte dieser weiblichen und männlichen
Kräfte ein (1). Interessant ist hier der Zusammenhang zwischen beiden
Kräften. Das männliche Prinzip entsteht aus dem weiblichen und
umgekehrt.
Uranos, der Urgöttervater, wird von seinem Sohn Kronos
(= Saturn) entmachtet (dieser später von Zeus). Dabei entmannt
Kronos seinen Vater zum Zeichen für dessen Machtverlust. Das
abgetrennte Geschlechtsteil fällt ins Meer, und aus den sich bildenden
Schaumwirbeln entsteht Venus. Mars, das Symbol für die männliche
Triebkraft, wird allein von Hera ohne Mitwirkung männlicher Kräfte
geschaffen (aus sich selbst heraus). Hera ist die Muttergöttin des
Olymp (2).
Nach anfänglicher Skepsis, besonders gegenüber der
Animus-Anima-These, öffnete ich mich mehr und mehr dieser Idee. Skepsis
deswegen, weil zu schnell der Rückschluß aufkommt (wenn man
schwarz-weiß malt), daß bei homosexuellen Menschen dieses
Kräfteverhältnis verschoben sei und damit Homosexualität durch ein
Ungleichgewicht entstehe. Man muß nur bei Männern den Animus stärken
(oder die Anima bei Frauen) und schon, wie auf Knopfdruck, wäre der
Homosexuelle von seiner angeblichen "Krankheit" geheilt. Gott
sei Dank ist dem nicht so! Wie jede Art der Liebe ist die
gleich-geschlechtliche Beziehung ein absolut eigenständiger, spezieller
und gesunder Impuls auf dieser Welt. Unsere Welt ist bunt, und Animus
und Anima können für Mann und Frau auf viele Arten lebbar, erfahrbar
und erfüllbar sein (3). Wie ein Mensch in seiner Mitte steht,
entscheidet über seine Gesundheit. Seinen Grad an Erlösung erkennt man
daran, was er für seine Umgebung bedeutet, und wie er sich gegenüber
Minderheiten verhält. Bei der Animus-Anima-These entscheidet die Idee
über den Wert, und nicht das, was daraus gemacht wird, oder was der
Impulsgeber, in diesem Fall C.G. Jung, für eine Moral hatte.
Ich arbeite auch mit Homoöpathie, obwohl ich die Biographie Hahnemanns
kenne, oder benutze die Arzneimittellehre von Vithoulkas, obwohl er
teilweise verachtende Thesen entwickelt, mit denen ich keineswegs
einverstanden bin. "Prüfet! Und das Gute behaltet!"
Zurück zu meiner bereits erwähnten Astrologielehrerin. Sie war eine
der ersten Frauen, die auf eine für mich sehr beeindruckende Art über
Matriarchat, Anima-Kräfte, Göttinnen und eine sogenannte Einweihung in
diese Kräfte sprach. So erzählte sie auch, daß diese Einweihung für
Frauen über das homöopathische Mittel Sepia erfahrbar sei. Sie
erzählte von der Herkunft des Mittels aus der Tintenfischtinte und der
Analogie des Lebensraumes dieses Tieres - die Tiefen der Unterwasserwelt
- zu dem tiefsten unterbewußten Wissen der Frau, die zu einer tiefen
Einweihung in die Anima-Welten führt. Ich war fasziniert von dieser
Idee, blieb aber als Mann erst einmal draußen. Als ich dann nach einem
Jahr an die Hahnemann-Schule wechselte (wegen deren Schwerpunkt auf
Homöopathie), übernahm ich zusammen mit einer Freundin ein Referat
über das Matriarchat, als wir Sepia behandelten.
Ich war plötzlich mitten im Thema von Sepia und verstand langsam,
daß dieses Thema auch für Männer wichtig ist. Von Anfang an war
dieses Mittel auch für uns bestimmt. So wurde Sepia für die
Homöopathie von einem männlichen Kunstmaler (Kreativität) entdeckt -
ohne Männer kein Matriarchat (genauso umgekehrt) -, und nicht zuletzt
wissen wir überhaupt nicht, ob die verschüttelte Tinte männlichen
oder weiblichen Ursprungs ist. Und dies sind erst einmal die
offensichtlichsten Gründe, die einen direkten Bezug zu Männern
herstellen. So wurde mein Interesse immer größer, diesen Zusammenhang
zu untersuchen. Ich wollte mich nicht länger mit dem von Herrn
Vithoulkas und Frau Coulter entwickelten Bild eines unterdrückten
Hausmannes oder eines unzufriedenen widernatürlichen Homosexuellen
zufriedengeben, die "die Weiden auf der anderen Seite des Zaunes
saftiger finden" (Originalzitat Coulter (4)).
Ich stellte mir zunächst die Frage, worum es bei Sepia eigentlich
geht.
Themen:
- Verletzung der Würde (Stichwort Vergewaltigung)
- Probleme mit dem Bauch (Kopffüßler)
- Unnahbarkeit (strahlt diese aus sowie große Würde)
- Matriarchat (Anima-Mittel)
- Pferde (tauchen sehr oft in Träumen und Gesprächen auf;
in letzter Zeit auch der Dreizack)
- die unzufriedene Mutter und Hausfrau (kann sich nicht verwirklichen,
sondern muß sich aufopfern)
Da ich durch den Astrologieunterricht viel mit Mythen gearbeitet
hatte, fiel mir zu diesen Themen die Geschichte der Gorgo Medusa ein.
Medusa war ursprünglich eine sehr schöne Priesterin, die von dem
Meeresgott Poseidon (Meeresgott = Unbewußtes, Triebhaftes; Symbol
Dreizack) in einem Tempel der Göttin Athene vergewaltigt wurde. Durch
diese Verletzung wurde Medusa zu dem Monster mit dem Schlangenhaupt
(Symbol für die Rache der Frau). Wer sie ansah, erstarrte zu Stein.
Schließlich wurde sie von Perseus, einem griechischen Helden, erlöst.
Er schlug ihr den Kopf ab, und als Zeichen der Erlösung entstieg ihrem
enthaupteten Körper das weiße, geflügelte Pferd Pegasos. Perseus
wendete bei seinem Kampf eine List an: Um der Gefahr der Erstarrung zu
entgehen, spiegelte er die Gestalt der Gegnerin in seinem Schild. (Bei
meinen Sepia-Nachforschungen stieß ich auf das Bild griechischer Helden
mit Schildern aus Tintenfischen - abgebildet auf antiken Vasen im
Louvre.)
In diesem Mythos sind sämtliche Sepia-Thematiken enthalten. Ich
neige mehr dazu, von einer Verletzung der Anima, als von einer
Verletzung der Würde zu sprechen. Medusa ist nach dieser Verletzung
verständlicherweise unnahbar und gefährlich. Sie sinnt nach Rache.
Schließlich folgt die Erlösung durch die Animus-Gestalt des Perseus.
Durch ein Sich-Spiegeln (Perseus spiegelt Medusa in seinem Schild) in
die Tiefe seines Wesens wird schließlich die Erlösung möglich, das
Monster bzw. die Rache werden erlöst, im Endeffekt die Verletzung
verarbeitet. Als Symbol entsteigt das uns bekannte Sepia-Motiv, das
Pferd, als Zeichen für die Bewältigung dieser Verletzung und dadurch
das Verständnis für die eigene triebhafte Natur; es vollzieht sich der
Wandel zur gesunden Sinnlichkeit. Die dunkle Seite kann nicht vernichtet
werden. Sie muß umgewandelt werden durch Reflektion und Bewußtwerdung.
Bezogen auf den Mann sehen wir in Perseus den Animus, der durch eine
übermächtige, verletzte Anima bedroht wird. Alles Lebendige, was sie
anstarrt, versteinert und wird leblos. Forschen wir in der Mythologie
nach Perseus' Herkunft, ergibt sich folgendes:
Perseus wurde von seiner Mutter ohne Vater großgezogen (Sein Vater,
Zeus, war als Göttervater abwesend auf dem Olymp). Sein Großvater, ein
König, verstieß Mutter und Sohn, da ihm prophezeit wurde, daß ihn
sein Enkel töten würde. Mutter und Sohn wurden in eine Art Holztruhe
gesperrt und auf dem Meer ausgesetzt. Diesmal ist der Meeresgott
Poseidon wohlgesinnt und sorgt für die Rettung der beiden. Eine Art
Wiedergutmachung seiner Tat (Vergewaltigung der Medusa) - er trägt
damit auch zu der Erlösung der Gorgo bei.
Dieser Sachverhalt ist vielleicht ein Hinweis auf Männer, die ohne
Kontakt zu Vater und Großvater von der Mutter großgezogen werden, und
deshalb Schwierigkeiten haben, ihren Animus zu entwickeln. Die Rolle der
Mutter ist zu stark, und die Anima kann unter Umständen als zu
bedrohlich erlebt werden.
Zurück zu meiner persönlichen Sepia-Erfahrung. Ich entschloß mich,
mit der Begleitung einer guten Freundin Sepia zu prüfen, da Aspekte wie
Mangel an Bauch, Unnahbarkeit und Anima-Aufarbeitung mir wichtige Themen
waren. Ich nahm Sepia über ein Jahr lang von der C30, C200, C1000 zur
C10000 und machte eine Prüfung mit ein paar Männern, von der ich im
folgenden berichte.
Die erste große Erfahrung war der Bauch. Ich fühlte meinen Bauch so
stark und machtvoll wie nie zuvor. Ich bekam ein großes Bedürfnis nach
Zärtlichkeit und sehnte mich nach einem Bauch zum Kuscheln. Nach
längerer Zeit begann ich mich wieder zu verlieben und den Bauch zu
leben. Eine Freundin erzählte mir einen Traum, der mich sehr
beeindruckte. Sie lag auf einem Rollbrett und hatte keinen Rumpf. Sie
bestand nur aus Kopf und Gliedmaßen. In ihrer damaligen Problematik
half dann auch ihr Sepia weiter.
Meine wichtigsten Träume in dieser Zeit:
1."Ich befinde mich in einer dunklen Kammer und weiß, daß
überall Ratten versteckt sind und mir auflauern (Sepia hat Angst vor
Ratten). Ich habe schwere Stiefel an, mit denen ich sie zertreten
will, denn es geht ums Überleben. Ich rufe sie auf, sich zum Kampf zu
stellen."
2."Ich sehe, wie eine weiße Lilie langsam vor mir
aufblüht."
3."Ich laufe mit einem Pferd untergehakt und streichle es. Es
läuft auf zwei Beinen und küßt mich."
4."Wiederholte Träume von Aufräumen in großen neuen Zimmern,
in denen es ein großes Durcheinander gibt."
5."Mein Vater baut einen neuen Swimming-pool (Gefühle) in
seinem Garten. Er hat das alte Becken (Unterleib) abgerissen. Ich sehe
den neuen Aushub und wundere mich, da ich denke, daß der alte gut genug
war."
6."Ich fahre mit meiner Familie in den neuen Bundesländern im
Auto. Dabei sind zwei schweineartig aussehende Pudel. Es kommt zu einem
Unfall auf einer Brücke. Wir können uns samt Hunden retten, indem wir
von der Brücke in einen Fluß springen. Wir schwimmen ans Ufer. Mein
Vater trocknet einen Hund ab und ich den anderen. Mein Pudel blutet am
Hals - aber nicht weiter gefährlich. Ich denke mir, daß ich sie jeden
Tag spazieren führen werde."
Diese Träume sind alle sehr offensichtlich und treffen auch die
Kernpunkte meiner Erfahrungen. Der Kampf mit den Ratten als Symbol für
die Auseinandersetzung mit der dunklen, triebhaften Natur in einem ganz
unterbewußten Teil (dunkle Kammer) meiner Psyche, der eine lange Zeit
von mir abgelehnt wurde. Dann die angedeutete Integration dieser Kraft
im Aufblühen einer Lilie (vielleicht Blüte des Sakral-Chakras) und die
Begegnung mit dem Pferd (Symbol für Sinnlichkeit). Schließlich das
Entdecken neuer Zimmer (Anteile und Ebenen in mir), in denen es noch
viel zu tun gibt (Arbeit an sich selbst). Dann die Begegnung mit meinem
Vater, der den Schlüssel zu meiner Animus-Kraft darstellt. In meiner
Erziehung nahm mein Vater eine schwache Position ein, da ich in starkem
Maße von einer übermächtigen Großmutter beansprucht wurde und so
erst einmal eine schwache Animus-Prägung erlebte. Jetzt taucht mein
Vater mit Sepia in Träumen auf und möchte an seinen Gefühlen arbeiten
(Swimming-pool). Die schweineartigen Pudel wiederum als Symbol für die
niederen, unbewußten, animalischen Triebe tragen eine Verletzung in
sich (Pudel blutet am Hals; Hals steht für Selbstwert), aber die
Verletzung ist nicht lebensgefährlich, und mir wird bewußt, daß es
wichtig ist, mich mit dieser Geschichte auseinanderzusetzen (täglich
spazieren gehen).
Diese erste Phase meiner Erlebnisse mit Sepia möchte ich als den
konstitutionellen Teil des Sepia-Mannes bezeichnen. Diese Ebene ist auch
die, welche wir in der Literatur sehr unglücklich beschrieben finden.
Es handelt sich um die animus-schwächeren Männer, die eine starke
Anima leben - entweder nach außen durch Beziehungen zu starken Frauen,
oder nach innen, indem sie selbst eine starke Anima entwickeln. Der
Animus wird in seiner Entwicklung geschwächt, z.B. durch fehlende
männliche Vorbilder und damit erfährt der Mann oft eine überstarke
Prägung durch die Anima. Dies betrifft Männer, die hauptsächlich von
Frauen aufgezogen wurden oder deren Väter in der Erziehung eine
schwache Position hatten. Auch eine als bedrohlich erlebte emotionale
Erfahrung mit einer solchen überstarken Frauenfigur kann dazu führen
(z.B. sexueller Mißbrauch in der Kindheit, der zwar bei Jungen durch
Frauen seltener ist, den es aber dennoch gibt; in der Natur werden
Sepia-Männchen übrigens oft durch Weibchen vergewaltigt (5)). Diese
Männer fühlen sich hingezogen zu starken oder älteren, erfahrenen
Frauen, oder sie fühlen sich auf der Suche nach dem Animus zu Männern
hingezogen. Dies soll aber keine Wertung sein, und ich möchte an dieser
Stelle noch einmal ausdrücklich darauf hinweisen, daß ein solcher Mann
ebenso in seiner Kraft stehen kann und ein seelisch, geistig und sozial
erfülltes Leben hat wie jeder animus-bewußte und anima-erlöste Mann
(falls es so etwas überhaupt gibt). Sogar noch mehr; Impulse von
solchen Männern haben eine vollkommen andere Qualität als Impulse von
Männern, die diese Kräfte anders leben. Unser Leben soll und muß
vielfältig sein, und alle Erfahrungen müssen möglich sein, um sich in
seiner Entwicklung weiterzubringen.
Einen krankhaften Zustand eines solchen Mannes erkennt man an der uns
bekannten Sepia-Pathologie. Es sind Männer, die Probleme mit ihrem
Bauch haben. Sie haben Schwierigkeiten mit ihrem Gefühl und ihrer
Sexualität.
Man erkennt sie an ihrer Unnahbarkeit und an dem Stolz, den sie
ausstrahlen und den wir von Sepia-Frauen kennen. Sie können sehr kühl
sein, und - was sehr wichtig ist - sie sind auch sehr wehrhaft. Es sind
Männer, die keine Angst und Panik bekommen, wenn sie von starken Frauen
oder sogar einem Frauen-Kollektiv angegriffen werden, sondern sie
können sich sogar in ihrem Element fühlen, und der Kampf kann als Lust
erlebt werden. Die Kehrseite davon wäre die Empfindung von Lust bei
Demütigung durch Frauen, z.B. beim sexuellen Verkehr (Ein Prüfer
erinnerte sich bei der Prüfung von Sepia an Träume in der Pubertät,
in denen er beim gefesselten Sex mit einer Domina große Lust empfand.)
Diesen Männern kann Sepia helfen, ihren verletzten Bauch
wiederzubeleben, und zurückzufinden zu ihrer Sinnlichkeit. Interessant
ist im Zusammenhang mit Sexualität der Bezug Sepias zu den männlichen
Geschlechtsorganen, wo es laut Arzneimittellehre ein wichtiges Mittel
für Impotenz, Prostatitis und Entzündung der Samenbläschen ist.
Darüberhinaus kann Sepia bei solchen Männern ein Bewußtsein dafür
schaffen, sich wieder der Erfahrung zu öffnen, seinen "inneren
Helden" zu suchen. Doch darauf werde ich später noch eingehen.
Dem zweiten Teil meiner Erfahrungen möchte ich das Thema geben: "Möglichkeiten
neuer Erfahrungen durch bewußten Umgang mit den Anima-Kräften für
Männer." Diese Phase begann im zweiten Halbjahr meiner
Sepia-Prüfung.
Wir hatten an der Schule zu dieser Zeit Psychologie-Unterricht bei
Frau Catterfeld-Richter, der mir einen weiteren tiefen Einblick in die
Psychologie C.G.Jungs gab - speziell in den Umgang mit Träumen. Damals
nahm ich Sepia C 10.000 und bemerkte, wie mich der Umgang mit der
unbewußten Psyche zu fesseln begann. Es erstaunte mich zunächst, wie
gut ich den Gedankengängen dieser Psychologie-Schule folgen konnte,
weil ich zuvor nicht soviel von diesen Themen wissen wollte und sie mir
immer ab einem gewissen Punkt verschlossen blieben (Sex).
Es war, als öffnete sich eine Türe hin zu einem neuen Bewußtsein. In
der Realität sah dies so aus, daß ich es schon nach ein paar
Unterrichtstagen verstand, Träume von mir und anderen spielerisch von
allen Seiten zu betrachten (zusammen mit den Träumern). Mir und meiner
Arbeit wurden dadurch vollkommen neue Perspektiven gegeben.
Eine Frau, die ich nur flüchtig kannte, rief mich an und wollte von
mir behandelt werden. Sie war im 3. Monat schwanger und hatte seither
unerträgliche Brustschmerzen, so daß sie vor Schmerzen weinen mußte.
Da ich damals noch keine Prüfung hatte, lehnte ich eine homöopathische
Behandlung ab. Als ich sie nach ihren Träumen fragte, erzählte sie mir
einen Wiederholungstraum, welcher der Schlüssel zu ihren Problemen war.
Sie träumte, daß sie ein Baby in den Armen hält, das sie nicht
nähren kann. Obwohl das Thema in diesem Fall nicht schwer zu erkennen
ist, wunderte ich mich später, mit welcher Selbstverständlichkeit mir
ihre Problematik bewußt wurde und ich gleich mit ihr ein Gespräch
begann. Ich ließ sie das Thema zeichnen und forderte sie auf, sich
darüber klar zu werden, ob und wie sie ihrem Kind die Liebe geben kann,
die es braucht. Eine Woche später erfuhr ich, daß die Schmerzen stark
zurückgegangen waren. Ihr waren wichtige Dinge klar geworden. Meine
erste Heilung ohne Kügelchen über eine Findung des Themas durch
Träume.
Seit dieser Zeit ist für mich die Arbeit mit dem Unbewußten und mit
Träumen kein Buch mit sieben Siegeln mehr und ein zentraler Punkt
meines Lebens und meiner Arbeit geworden. Es entstand eine Verbindung
mit einem tieferen Wissen in mir, das man sich nicht anlesen oder über
Worte erfahren kann. Dieses Wissen muß man erleben! Für mich ist es
ganz eindeutig, daß ich dieses Erlebnis Sepia zu verdanken habe. Also
Sepia auch als ein Einweihungsmittel für Männer in die tiefsten Tiefen
unseres Wesens. Sepia als Möglichkeit der Welt der Visionen zu
begegnen, einer bestimmten Seelenqualität aller Menschen (Frauen und
Männer), die der rechten Gehirnhälfte zugeordnet wird, wo der Sitz des
bildhaften intuitiven Denkens ist. Sepia eröffnet Kräfte, die der
Anima zugeschrieben werden und die gerade auch wir Männer brauchen, um
mit diesen Qualitäten in Verbindung zu kommen - wichtig für eine
Weiterentwicklung hin zur Ganzheit.
Wenn mich jemand nach einem Beispiel für einen bekannten Sepia-Mann
fragen würde, so wäre meine Antwort ganz klar: C.G.Jung. Der Mann, der
diese Kräfte und Qualitäten für die moderne Psychologie erschlossen
hat.
Die dritte Phase meiner Sepia-Nachforschungen begann mit der
Freundschaft zu Angela L., die an der Hahnemann-Schule ab dem nächsten
Schuljahr mit Supervision und Traumreisen arbeiten wird. In Gesprächen
und durch Buchempfehlungen von ihr eröffneten sich mir weitere
Einblicke in das Reich der Animus-Anima-Theorie. In dem Buch "Die
Psyche des Tarot" (7) befindet sich die Beschreibung der Tarotkarte
"Die Kraft". Hier wird genau das Thema beschrieben, das ich
mit Sepia in bezug auf Männer entwickelte. Ich werde im folgenden,
teils im Originaltext, die Beschreibung der Tarotkarte wiedergeben. Auf
dieser Karte ist eine Frau abgebildet, die einem Löwen das Maul
öffnet, ohne mit ihm zu kämpfen. Auf dem Kopf trägt sie einen Hut,
der die ewige Lemniskate darstellt.
Das Tarotspiel wird im Ganzen als ein Bewußtseinszyklus dargestellt.
Eine Reise zur Individuation. Die Karte der Liebenden leitet diesen
Zyklus ein mit der Findung der Ich-Identität. Der Prunkwagen als
Findung des Bestimmungsortes in der Welt, die Auseinandersetzung mit
Moralproblemen in der Gerechtigkeit, Suche nach spiritueller Einsicht im
Einsiedler und schließlich am Ende des ersten Zyklus das Glücksrad,
welches den Beginn einer neuen Bewußtheit einleitet. Mit dieser
Umdrehung im Glücksrad erfährt der Held eine Revolution. Sein
Interesse schwenkt um von außen nach innen. Kräfte, die früher
hauptsächlich im Konkurrenz- und Überlebenskampf eingesetzt wurden,
beginnen nun, sich auf Einheit und Weiterentwicklung zuzubewegen. Nach
Problemen, die zur männlichen Seite des Lebens gehören, zur Seite des
Logos, werden Grundfragen der triebhaften Natur Raum geben, die dem
Bereich des Eros, dem weiblichen Prinzip, angehören. Nach Meinung der
Autorin wird diese Wandlung auf der Karte der Stärke abgebildet. Sie
bezeichnet die abgebildete Frau als die archetypische Anima, welche die
unbewußte, weibliche Seite des Helden symbolisiert. Ihr Lemniskate-Hut
erinnert an den Hut des Magiers - sie muß also Zauberkräfte besitzen.
Sie braucht keinen Taktstock, wie der Magier. Ihre Kraft liegt in den
Händen, mit denen sie furchtlos die Kiefer des Löwen festhält, womit
sie darauf hinweist, daß ihre Magie menschlicher, persönlicher und
direkter ist, als jene ihres männlichen Gegenstücks. Mit ihrer Hilfe
wird der Held triebmäßige Kräfte in sich erschließen. Er wird
lernen, die Kraft des Ego einer anderen Art der Stärke zu opfern. Sein
männlicher Trieb wird durch eine mehr weibliche Einstellung gewandelt
werden. Diese neue Handlungsweise ist sehr machtvoll und weit davon
entfernt, weibisch zu sein. Diese furchtlose Anima-Gestalt existiert
in einem tieferen Bereich der Psyche des jungen Mannes, der ihm selbst
relativ unbekannt ist. Sie steht nicht unter der bewußten Kontrolle des
Ich, so daß sie sich frei in seinen Träumen und Visionen bewegt. Sie
wird es sein, die ihn mit den dunklen Wäldern seines Seins in
Berührung bringt und mit den wilden Tieren, denen er dort begegnen
wird. Sie wird ihm helfen, seine animalische Natur zu bezähmen, so daß
er nicht länger gänzlich unter dieser Kraft steht.
C.G. Jung selbst behauptet, daß der Löwe die Gefahr symbolisiert, vom
Unterbewußten verschlungen zu werden. Aniela Jaffé, eine jungianische
Analytikerin, sagt folgendes (6):
"Der verdrängte und verwundete Instinkt ist die Gefahr des
zivilisierten Menschen, die ungehemmte Triebhaftigkeit, diejenige des
Primitiven. In beiden Fällen ist das Tier seiner eigentlichen Natur
entfremdet, und für beide ist Bewußtmachung und Annehmen der Tierseele
Voraussetzung zu einem voll gelebten Leben. Der eine hat das Tier in
seiner Seele zu heilen und sich mit ihr zu befreunden, der andere muß
es zähmen, um es zum hilfreichen Gefährten zu machen."
Ein Weg, mit dem Tier in uns selbst in Kontakt zu kommen, führt
über unsere Träume. Vielleicht kommen unsere verwundeten und
verlorenen Tierseelen in unseren Träumen zu uns, um menschliche Hilfe
zu suchen (mein verwundeter Pudel).
Nachdem ich diese ganze Thematik erst einmal verarbeitet hatte, kann
ich heute für mich sagen, daß Sepia ein sehr wichtiges Mittel ist,
Männer bei diesen angesprochenen Prozessen zu begleiten. Für mich
umschließt Sepia das zentrale Thema der Anima-Kräfte, ob bewußt bei
der Frau oder unterbewußt beim Mann. Sepia bringt die Anima ins Lot -
bei Frauen und Männern.
Interessanterweise meldete sich nach meinen Sepia-Erfahrungen der
Animus in mir und forderte sein Recht in Form eines Buches. Ein Buch,
das man jedem Mann empfehlen kann (der an sich arbeiten will), ist der
"Eisenhans" (8). Der Autor sieht es als großes Übel unserer
Zeit, daß die Männer nicht mehr mit ihren "wilden Energien"
in Verbindung stehen und deswegen von der Quelle ihrer Kräfte getrennt
leben. Verantwortlich macht er dafür hauptsächlich die an der
Erziehung kaum beteiligten Väter und Großväter. Eine symbolische
Schlüsselfigur für diese Kräfte findet er in dem Märchen der
Gebrüder Grimm, dem Eisenhans.
Ich möchte hier nur ansatzweise auf diese Thematik eingehen, da ich
noch am Anfang der Bearbeitung dieser Geschichte bin, die für mich
einen deutlichen Bezug zu unserem Mittel Ferrum metallicum hat. Es geht
in dem Märchen um die Entwicklung eines jungen Königssohnes. Der wilde
Mann - der Eisenhans - wurde, nachdem er in den Wäldern des
Königreiches sein Unwesen getrieben hatte, in einen Käfig im
Schloßhof eingesperrt. Er fordert bei Abwesenheit der Eltern den
Königssohn auf, ihn zu befreien. Der Schlüssel zur Befreiung liegt, wo
sollte es auch anders sein, unter dem Kopfkissen der Mutter - der
Königin (Sepia).
Die Freundin eines jungen Mannes, der lange Zeit mit Sepia behandelt
wurde, erzählte mir einen Traum, der einen direkten Bezug zu diesem
Märchen hat. Sie träumte, daß ihr Freund von seiner Mutter einen
Schlüssel bekommt. Er steht auf einer Brücke und wirft diesen
Schlüssel einem Tintenfisch ins Maul. Darauf ärgert sich dessen
Mutter, daß man ihm nichts anvertrauen kann. Der Freund wird sehr
traurig. Er läuft zurück zur Brücke, und der Tintenfisch taucht
wieder auf und spuckt den Schlüssel zurück in seine Hände.
Dieser Traum ist ganz unglaublich und wieder einmal ein Beweis, daß das
kollektive Unbewußte sich einem öffnet, wenn man selber dafür offen
ist. In bezug auf die Partnerschaft der Träumerin zu ihrem sepischen
Freund wäre es erst einmal falsch zu behaupten, daß der Freund seinen
Animus finden muß und deswegen Sepia als Mittel nicht mehr angesagt
ist. Vielleicht fühlt er sich sehr wohl und im Zentrum seiner Kraft. Da
der Traum von der Freundin kam, geht es primär um ihr Verhältnis zu
ihm. Sie sehnt sich nach einer Entwicklung seiner Kräfte, die nichts
mit der Sepia-Thematik zu tun hat (vielleicht aber mit dem Eisenhans).
Sie sucht, was vielen Frauen heute fehlt und was ich in einigen
Gesprächen mit Frauen bestätigt fand: eine Stärke des Mannes, die aus
dem Reich des wilden Mannes, einer archetypischen Urkraft, kommt.
Vielleicht müssen aber Frauen auch immer mehr selbst zu diesen bei
ihnen unbewußten Kräften vordringen. Ich weiß es nicht!
Bevor ich über die Arzneimittelprüfung berichte, möchte ich noch
kurz auf die Beziehung Sepia/Staphisagria beim Mann eingehen und auf die
Problematik von Sepia bei Machos.
Nach Sepia zeigte sich bei mir deutlich eine Staphisagria-Ebene. Nach
Absprache mit meiner Sepia-Begleiterin, Angie Moewis, der ich an dieser
Stelle noch einmal recht herzlich danken möchte, nahm ich dann
Staphisagria C30, C200 und C1000. Der Hauptunterschied zwischen beiden
Mitteln liegt für mich auf der Gefühlsebene. Staphisagria hat das
Zentrum "Unterdrückung der Gefühle" mit dem Kennzeichen,
diese gestaute Kraft in die Entwicklung überstarker Bilder von
übersteigerter Liebe zu unerreichbaren Menschen zu stecken. Es geht um
eine romantische Traumwelt, die nichts mit der Realität zu tun hat.
Konstitutionell sind diese Männer alles andere als wehrhaft - es sind
Männer, die sich demütigen lassen. Wie schon erwähnt, sind
konstitutionelle Sepia-Männer sehr wehrhaft bis sogar kampflustig (Perseus).
Sie können aber im Bereich der Gefühle nichts unterdrücken, da zuerst
einmal die Entdeckung des Bauches überhaupt ansteht. Mit Sepia wird der
Bauch entdeckt, und Staphisagria hilft bei der Auslebung der
Bauchqualitäten. Wieder einmal schloß sich ein Kreis, als ich in den
"homoöpathischen Einblicken" einen Artikel über Staphisagria
las, in dem der Verfasser auf Jürgen Becker hinwies, der einen
Zusammenhang zwischen Staphisagria und Perseus herstellte.
Nun zur Problematik von Sepia bei Machos. Man muß sich hier unser
Schichtmodell, die Zwiebel, zu Hilfe nehmen. Genauso wie bei einer
Sepia-Frau, die unter einer der nächsten Schichten eine
Pulsatilla-Hingabe-Ebene hat, muß man sich z.B. einen Merkur-Mann
vorstellen, auf den irgendwann Sepia wartet. Eine zu frühe Aktivierung
dieser Ebene führt zu dem sogenannten Dampfüberdruck-Phänomen. Ein
solcher Mann wäre absolut überfordert mit einem Aufsteigen der
unbewußten Anima-Kräfte. Er muß sie ablehnen, um sich zu schützen.
So ist dies bei einer Arzneimittelprüfung in der Hahnemann-Schule
geschehen. Es kam dort zu dem Prüfungssymptom eines Mannes, der auf
Sepia eine große Abneigung gegen schwule Männer bekam. Ganz logisch,
denn diese sind erst einmal im Außen die Verkörperung einer starken
Anima im Mann.
Als unterstützende Therapie bei Sepia-Menschen empfehle ich Tanzen -
Amethyst-Kette - Shiatsu.
Tanzen: vor allem Tänze, die einen in den Bauch bringen, z.B.
Afro-Dance.
Amethyst-Kette: Der lila Amethyst (Lila = Sepia-Farbe) ist der Stein
des dritten Auges auf der Stirn über den Augen und hilft bei der
Introspektion, Meditation und auf dem Weg zu Visionen.
Shiatsu: Beim Shiatsu ist das Hara (der Bauch) das Zentrum allen
Handelns. Shiatsu ist Bauch-Körperarbeit.
Was ich zum Thema "das Leben des Tintenfisches" noch
ergänzen möchte, sind die folgenden neuen Erkenntnisse: Das
Sepia-Weibchen kümmert sich sehr wohl nach Ablegen der Eier um ihre
Brut. Dies geht sogar soweit, daß sie ihre Brutstätte überhaupt nicht
verläßt und ihre Eiergelege ständig umspült, so daß sich keine
Algen absetzen können. Nach dem Schlüpfen der Brut stirbt schließlich
die Sepia aufgrund von monatelangem Nahrungsmangel an Unterernährung
(Ignatia). Sie opfert praktisch ihr Leben für ihre Nachkommenschaft.
Ich möchte noch einmal allen Männern, die an sich arbeiten
möchten, das Buch "Eisenhans" (8) und außerdem
"Homosexualität im Mann" (3) empfehlen (bei letzterem werden
die Beziehung und neue Lernmuster zwischen Heteros und Schwulen
behandelt)! Für alle Therapeuten und Therapeutinnen sind diese Bücher
Grundlektüre.
Arzneimittelprüfung:
Prüfer 1 (C30):
Verstärkte Sensibilität für Emotionales beim Musikhören.
Verminderung der Leistungsbereitschaft. Angst vor Verlust der
Kunst/Kitsch-Kriterien. Angst vor Schutzverlust und gleichzeitig
emotionale Hingabe bei Auseinandersetzungen. In Beziehung mit seiner
Freundin weniger Angst, seine Grenze bzw. Kontrolle aufzugeben.
Insgesamt weicher, offener, weiblicher, ohne Verlust der
"Männersachen". Angst vor Beeinflussung, die nicht aus ihm
selber kommt. Glücklich in Beziehung - Flattern im Bauch (eventuell
Verliebtheit). Will den Dingen auf den Grund gehen (neue Methode: mehr
mit Gefühl und weniger mit Kopf). Ist jetzt mehr in den Dingen drin und
nicht mehr daneben. Braucht weniger Anerkennung. Zugang zu den Emotionen
ganz anders - Kontrolle nicht mehr nötig.
Prüfer 2 (C30, C200, C1000):
Anfangs große Unzufriedenheit und viel Streß mit seiner Freundin (er
schreit sie zum ersten Mal an). Es ging um Grundsätzliches in der
Beziehung. Es wurden aber trotz der harten Auseinandersetzung die Punkte
klar, um die es ging und neue wichtige Impulse gesetzt. Innerhalb seines
Architektur-Studiums stieß er auf die Grabeskirche in Jerusalem und
beschäftigte sich eingehend mit deren Geschichte. Ganz besonders
faszinierte ihn das ausgeprägte unterirdische Gangsystem dieser Kirche.
Träume:
Wiederholt von U-Bahnschächten und unterirdischen Tunneln (Unterbewußtes),
durch die er sich zwängen muß, und wo er immer wieder auf größere
und kleinere Räume stößt.
Insgesamt bekommt er neue Impulse, privat und beruflich.
Prüfer 3 (C30, C200):
Fühlt sich anfangs sehr träge. Dann Steigerung des Selbstvertrauens
und große Zuversichtlichkeit. Er ist sehr müde und hat intensive
Tagträume, die er sonst nicht so kennt.
Träume:
1.Erotische Träume
2.Traum von einer fremden Welt - einer fremden Stadt ohne Autos - einer
leeren Stadt.
3.Geht mit seiner Schwester ins Freibad. Dort entwickelt sich ein Krimi.
Es kommt zu einer Verfolgungsjagd und am Ende schießt seine eigene
Freundin auf ihn. Sie kann ihn aber nicht verletzen.
4.Der schönste Traum seines Lebens. Ein Wunsch, den er schon
abgeschrieben hat, geht im Traum in Erfüllung (er will aber nicht
darüber sprechen).
Er fängt zu dieser Zeit an, sich mit seiner Schwester, die eine
wichtige Rolle in seiner Kindheit spielte, über ihre Beziehung
auseinanderzusetzen.
Prüfer 4 (C30, C200, C1000):
Optimale, sehr sensitive Prüfungsperson. Gefühl wie unter Drogen. Er
fühlt sich am ganzen Körper weich und warm. Er hat ein großes
Bedürfnis nach Umarmung und Zärtlichkeit. Er spürt eine intensive
Bewußtseinsveränderung. Er hat keinen Hunger.
Träume (C30):
1. Von Wasser und großen Fischen, vor denen er Respekt hat.
2. Träume von Gewalt und Erotik.
3. Mit Schlauchboot auf dem Meer. Große Wale umkreisen das Boot. Er hat
das Gefühl, als ob die Wale warten. Es ist ihm dabei unheimlich.
4. Er trifft seine große Jugendliebe und unterhält sich mit ihr.
Während dieser ersten Phase fühlt er sich wie in einem
Reinigungsprozeß. Er hat keinen Hunger und schwitzt viel. Er arbeitet
mit Computern und kann sich schlecht auf abstrakte, logische Arbeiten
konzentrieren. Er hat die ganze Zeit ein erotisches Hautgefühl. Er
fühlt sich seelisch sehr ausgeglichen und hat ein großes
Schlafbedürfnis (Fast alle Prüfer hatten dieses auffallend gesteigerte
Schlafbedürfnis - als ob sich das Unbewußte mehr Raum schaffen wollte,
um über die Träume zu arbeiten.).
Träume (C200):
5. Er liegt im Halbschlaf im Bett. Er hat das Gefühl, als ob er in
einem großen, unterirdischen Raum liegen würde. Er spürt die
Anwesenheit einer unheimlichen Macht. Plötzlich springt blitzschnell
ein schwarzes Wesen durch ihn hindurch. Er ist sehr erschrocken und
sofort wach.
Während der zweiten Phase (Sepia 200) besucht er seine Eltern. Er hat
eine Katzenallergie, die bei seinen Besuchen ein schwieriges Thema sind,
da die Eltern drei Katzen besitzen. Jeder Besuch führte vom ersten bis
zum letzten Tag zu schweren Allergieausbrüchen. Diese Mal setzte die
Allergie erst am vierten Tag ein, aber sehr heftig. Er träumte in
dieser Nacht nur von Gewalt. Er mußte gegen grausame Gegner kämpfen,
die sich immer wieder erneuerten. Am nächsten Tag wurde die Allergie
sehr heftig. In der zweiten Nacht wurden die Träume immer brutaler, bis
er zum Schluß so wütend wurde, daß er seine Gegner endgültig
vernichtete. Am nächsten Morgen war die Allergie verschwunden und
kehrte bis zum Ende seines Besuches nicht wieder
Träume (C1000):
6. Phallische Träume: Er bestaunt ehrfürchtig einen Riesenphallus.
7. Traum von der Kindheit. Seine Cousine, die viel älter ist als er,
mißbraucht ihn sexuell.
(Auf diesen Traum hin wird ihm bewußt, daß er im Alter von sechs
Jahren von seiner elfjährigen Cousine sexuell mißbraucht wurde. Er
erinnert sich daran, daß er in der Pubertät oft träumte,daß ihn
Frauen fesseln und mit ihm schlafen.)
8. Er trifft seine Cousine. Sie weint, und er nimmt sie in seine Arme.
Sie schlafen miteinander. Er erlebt den Traum sehr harmonisch - er
vergibt ihr.
9. Viele Träume über die Kindheit. Vor allem spielt der Vater dabei
eine große Rolle, zu dem er nie eine tiefere Beziehung hatte.
10. Er liegt nackt im Bett. Zuerst kommt ein Kaninchen zum Kuscheln und
schließlich viele Ratten. Er bekommt Panik.
Er setzt sich in dieser Phase mit seiner Kindheit auseinander. Er ist
mit drei Frauen aufgewachsen, die sich immer gegen ihn verbündet haben.
Er reagierte darauf mit Rückzug, der ihn heute noch stark prägt. Er
fühlt sich seit Sepia zufriedener und gelassener. Er ruht viel mehr in
seinem Mittelpunkt. Er geht liebevoller und gelassener an die Dinge
heran. Er fühlt sich an den Wurzeln seiner Thematik. Es ist, als ob er
vorher halb gewesen ist und jetzt ganz.
Prüfer 5 (C30):
Träume:
1. Er fährt in einem Aufzug, und plötzlich rast der Aufzug nach unten.
Er schlägt auf dem Boden auf, aber er bleibt unverletzt. Es öffnet
sich die Türe, und der Hausmeister beschwert sich. Es gibt viele
Gänge, die ihn an die Uni erinnern.
2. Er befindet sich in einer kalten, verlassenen Stadt. Er kommt zu
einem verfallenen Fabrikgebäude. Er findet in dem Gebäude einen Raum,
der sich vor ihm öffnet. Hier ist es sehr warm und angenehm. viele
unterschiedliche Menschen, die er kennt und die sich sonst nicht
verstehen, unterhalten sich in einer harmonischen Atmosphäre.
Vor Sepia hatte er immer Probleme mit seiner Freundin. Er war ständig
eifersüchtig und mußte immer an ihr herumkritisieren. Er wollte alles
mit ihr gemeinsam machen. Mit Sepia kam es zum Rollenwechsel. Jetzt ist
seine Freundin ständig auf ihn eifersüchtig und kritisiert ihn. Er hat
nach einem Jahr wieder das Bedürfnis, sich auch eigene Bereiche zu
schaffen, die er nicht mit ihr teilt.
Peter Krauss, Heilpraktiker
Gneisenaustr. 16, 1000 Berlin 61