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Eine Studie über Drosera rotundifolia, den Sonnentau

(Drosos (Gr.) = Tau).

Der rundblättrige Sonnentau wächst - wie auch andere "fleischfressende" Planzen - nicht auf "gewöhnlicher" Erde, d.h. auf den Abbauprodukten der die Erdkruste bildenden Mineralien, sondern auf dem Moor, d.h. auf Abbauprodukten pflanzlicher Herkunft. So schreibt Pelikan (Wilhelm Pelikan, Heilpflanzenkunde, Dornach 1958, S.129): "Aus der eben skizzierten Anschauung fällt auch ein Licht auf das, was in der Auswahl der den carnivoren Pflanzen zusagenden Bodenbeschaffenheit und in ihrer Verbreitung über die Erde hin zum Ausdruck kommt. Sie lieben nämlich nicht die mineralisierte Erde. Ihre Wurzeln sind überhaupt als verkümmert anzusehen. Wie leicht bleibt ein Fettkraut, ein Sonnentau einem an den Fingern, wenn man sie nur berührt. Moore, Sümpfe, allenfalls von täglichen tropischen Regengüssen durchweichter Boden - von Wäßrigem durchquollenes Erdiges, Entmineralisiertes: Das ist ihr Lebengebiet. Gewisse Arten haben sich ganz als Wasserpflanzen gehalten, schwimmen frei in stehenden Gewässern. Die Würzelchen sind zart und klein, und so haftet die Pflanze nur leicht auf ihrem Grund. Geringe Kraft ist nötig, um sie zu entwurzeln, sie bleibt durch ihre klebrigen Blätter schon an dem hängen, der sie berührt."

Am Boden bildet sich eine Rosette von zahlreichen haarigen, grünen oder roten Blättern, die sich schmal stempelartig von dem eigentlich völlig fehlenden Stengel der Pflanze gleich oberhalb der Wurzel kreisförmig am Boden liegend ausbreiten und sich ihrem Ende zu löffelförmig erweitern. Dort bilden sich dann am Rand braunrote, reizbare Haare, die am Ende aus einer Drüse tauglänzende Tropfen absondern, die jedoch nicht an der Sonne vergehen, wie das "anständige" Tautropfen tun (deshalb Sonnentau). Die Tropfen zeigen insofern noch weitere Eigenschaften tierischer Drüsenabsonderungen als sie keinesfalls so harmlos wäßrig sind, wie sie aussehen, sondern zäh und klebrig wie vielleicht frischer Uhu-Klebstoff. Nähert sich diesen verlockend glänzenden "Tautropfen" ein "süßen Nektar" ahnendes (oder vielleicht seinen Durst löschen wollendes) Insektentierchen, so wird es alsbald gewahr, wem es da auf den Leim gekrochen ist: Unschuldig und schön ist das kleine, harmlose Pflänzchen, das zu allem Überfluß noch kleine, weiße Blütchen auf zarten Blütenstengelchen zwischen seiner Blattrosette bildet, womit es seine Harmlosigkeit doppelt kundtut, und nun das: Man klebt nicht nur fest, sondern nun beginnt das Pflänzchen, an seinen Drüsenhaaren zu wachsen; sie wachsen unaufhaltsam auf das kleine Tierchen zu, bedecken es ganz und gar und entwicklen dazu noch die Fähigkeit, dasselbe sozusagen bei lebendigem Leibe mit Hilfe von Verdauungssekret aufzulösen. Die Eiweißprodukte werden aufgesogen, lediglich der Chininpanzer bleibt wie ein fleischloses Gerippe zurück. Nach der "Sättigung" richten sich die "Haare", die sich zum Mahl tief herabgebeugt hatten wie fressende Tiere, wieder auf und erscheinen so unschuldig wie zuvor. Wenn man das Sekret auf die Haut bekommt, so brennt es.

Die vorhin schon erwähnten kleinen weißen, sternförmigen Blüten stehen in einseitwendiger, anfangs schneckenförmig aufgerollter Scheintraube. Sie blühen nur einen Tag im Juli und August (Hochsommer) und werden von Insekten bestäubt; auch Selbstbestäubung kommt vor. Die Frucht ist eine vielsamige, eiförmige Kapsel. Das Pflänzchen kommt in den gemäßigten bis arktischen Zonen von Europa , Asien und Nordamerika vor. Volkstümliche Namen: Himmelslöffelkraut, Widdertod, Red-Rot = Rotfäule, Youth-Wort = Jugendkraut, Moorgras. Es wächst auf toten Pflanzen (Pflanzenleichen) = Moor.

Merken wir uns die wichtigsten äußeren Zeichen: Leicht entwurzelt, scheinbare Taufrische, klebrige Absonderung, tierische Gier, fleischfressend, Reizbarkeit, Bewegungsfähigkeit, Drüsenbildungen mit Verdauungsferment bildenden Zellen in den Blättern, löffelartige Blätter, auf taktile Reize reagierende Blätter, wundmachendes Sekret. Dies ist eine ganze Reihe von Eigenschaften, die "normalerweise" bei Tieren vorkommt.

In der Volksheilkunde wurde Drosera arzneilich verwendet: bei Husten, Lungenleiden, Schwindsucht, Epilepsie, Geisteskrankheit, Nieren- und Blasenleiden und Keuchhusten. Dabei konnten die Ärzte feststellen, daß diejenigen Lungenschwindsüchtigen, die den Droserasaft einnahmen, rascher starben als jene, die ihn nicht nahmen. In Schweden benutzt man die verdauungsfermentartigen Säfte von Drosera auch dazu, aus frischer Milch sogenannte Zäh- oder Langmilch zu machen, ein säuerlich schmeckendes, schleimiges Getränk mit langer Haltbarkeit (Leeser, S. 759/I). Widdertod heißt es, weil Schafe, die es gefressen haben, davon einen tiefklingenden Husten bekommen, an dem sie eingehen. Wie die Leute auf Himmelslöffel gekommen sind, ist nicht überliefert, aber der Name erinnert an ein Märchen, auf das wir später zu sprechen kommen. Die Toxikologen haben sich auch mit Drosera beschäftigt, was bei Leeser zu finden ist und was ich im folgenden einfach abgeschrieben habe:
"Plumbagin besitzt, ebenso wie Quercetin, eine spasmolytische Wirkung. Experimentell konnte die Wirkung mit Drosera-Extrakten bei myogenen, neurogenen und durch Histamin erzeugten Krämpfen in einer Verdünnung von 5 x 10-6 nachgewiesen werden. Auch durch elektrische Reizung des N.laryngeus bei narkotisierten Tieren erzeugter Husten konnte durch Drosera-Extrakte deutlich unterdrückt werden (GORDONOFF (3), KRAHL (6) ). Der Erlanger Pharmakologe HEINZ und sein Mitarbeiter SCHOTTENHEIM (5) untersuchten bereits 1920 die Wirkung von Drosera-Extrakten; subkutane Verabreichung führte bei Mäusen, Kaninchen und Meerschweinchen zu erkältungsähnlichen Erscheinungen an den oberen Luftwegen mit Schwellungen der Tracheal-, Bronchialschleimhaut, sowie lymphatischer Organe (Lymphknoten und Milz). Bei Arzneiversuchen an Gesunden zeigte sich nach subkutaner Injektion von Thymipin, einem Dialysat aus Drosera, Thymus vulgaris und Pinguicula alpina, binnen 24 Stunden ein wäßriger Katarrh der Nasenschleimhaut (zit. nach SCHOELER (12) ).
Für manche Tiere besitzt Drosera offenbar eine toxische Wirkung. Die Gattung Drosera ist nach LEWIN (7) für Schafe ein tödliches Gift. Auch über Drosera rotundifolia wird von verschiedenen Autoren Ähnliches berichtet (vgl. Namensbezeichnung "Widdertod"). Die Pflanze soll zunächst Husten und im weiteren Verlauf Auszehrung bis zum tödlichen Ausgang herbeiführen. Die proteolytische Fähigkeit der Pflanze bei der Verdauung gefangener Insekten konnte auch tierexperimentell an Fröschen bestätigt werden; bei intramuskulärer Verabfolgung der Drosera-Enzyme zeigte sich eine Wirkung, die derjenigen von Pepsin entsprach. Auf der menschlichen Haut führt längerer Kontakt mit Drosera-Blättern zu entzündungsähnlichen Erscheinungen (vgl.Gutti). Nach DENOEL (zit. b. SCHINDLER (10)) wirken Naphthochinone wachstumshemmend auf Tuberkelbakterien sowie Strepto-. Staphylo- und Pneumokokken. Neuerdings haben auch verschiedene Autoren eine bakteriostatische Wirkung des Plumbagins auf Mycobacterium und Haemophilus pertussis beschrieben."
Dem sind noch die Ergebnisse der Tierversuche an Katzen hinzuzufügen, die M. Tyler in ihrem Buch Homoeopathic Drug Pictures erwähnt (Quelle s. Hughes/Dake, A Cyclopedia of Drug Pathogenesy, New Dehli, 1979, Vol. II Seite 541/42). Dort wird aus einer französischen Zeitschrift vom November 1861 zitiert, daß Eugene Curie folgende Versuche anstellte: Er nahm Katzen als Versuchstiere, da dieselben am wenigsten leicht spontan mit Tuberkulose anzustecken sind. Er meint sogar, daß man Tbc bei Katzen vorher nie entdeckt habe. Er gab drei Versuchstieren in verschieden langer Zeit Drosera Trituratio und Drosera Dilutio in unterschiedlicher Dosierung und stellte bei den nachher getöteten Versuchstieren organische Veränderungen tuberkulöser Natur an verschiedenen Organen, vor allem an Lunge und Pleura fest, aber auch Schwellung der Mesenterialdrüsen und anderer Drüsen.

An diesen Artikel wurde ich durch eine Übersetzung erinnert, die im Band 8 /I des Deutschen Journals für Homöopathie erschien. Dort sagt M. Tyler im Wesentlichen das gleiche, was sie schon in Drug Pictures über Drosera ausgeführt hat. Aber ich hatte gerade Probleme mit unserem Haustier, einem total schwarzen Kater, 7 Jahre alt, der schon allerhand schwere Verletzungen und eine Vergiftung hinter sich hatte und zäh, wie Katzen nun mal sind, dieses alles mit homöopathischem Beistand überwunden hatte. Nun war er trotz guter Pflege zunehmend abgemagert, appetitlos und verlor sein schönes Fell: Er sah aus wie ein räudiger Hund und hatte am Unterkiefer einen exophytisch wachsenden Tumor, der ihm zwar immer wieder bei Kämpfen abgerissen wurde, der aber mit immer breiter werdender Basis nachwuchs. So ein "schwindsüchtiger Zustand" schien mir gut auf Drosera zu passen, und ich gab dem Tier ein Globulum Drosera C 30. Von da ab gedieh er wieder, zeigte sich bald im schönsten schwarzen Fell, der Tumor ging zurück, und er verlor seine große Scheu vor früher gerne akzeptierten Personen (deren es nur 4 gibt, nämlich meine Frau, meine Kinder und mich). Dieses Ergebnis und ein anderer gutgelaufener Droserafall bei einer tuberkulinischen Patientin weckten mein Interesse an dem Mittel.

Das Moor, auf dem Drosera wächst, ist mir gut bekannt aus Worpswede bei Bremen, das vom Teufelsmoor umgeben ist. Dort bin ich aufgewachsen. Worpswede liegt auf einem 50 m hohen Sandberg inmitten dieser Moorniederungen, die vor ca. 200 Jahren von entlassenen Sträflingen kultiviert worden waren: den Moorbauern. Auf dem Berg siedelte sich dann um die Jahrhundertwende ein Völkchen von Malern an, die Worpswede berühmt machten, insbesondere Paula Becker-Moderson, die so früh nach der Geburt ihres Kindes sterben mußte. Die Maler waren von dem eigentümlichen Licht über den Moorniederungen fasziniert. Das ist auch eine Besonderheit. Ein Licht, das eine sehr klare Landschaft entstehen läßt, klare Farben, helle Himmel mit sehnsüchtig ziehenden Wolken. Romantisch, etwas dekadent. Jugendstil. Tuberculinische Verhältnisse einer Bohème besonderer Art, für die v.a. der Name Heinrich Vogler steht. Vögel haben etwas mit Tuberculinum zu tun, da die Reiselust, die Leichtigkeit, der Leichtsinn, das Flüchtige, das Lustige, das feurige Blut, der rasche Puls viel davon enthalten. Es gibt auch Vogeltuberkulose und Tuberculinum aviaire. "Die Natur ist unsere Lehrerin, und danach müssen wir handeln", notierte Otto Moderson, der Mann von Paula Becker-Moderson. Auch hier der Name Moder-Son, der Sohn des Modrigen, des Moores, wie unsere Drosera eine Tochter des Moores ist. Das Verlangen dieser Künstler war, hinaus in die Natur zu gehen, sie zu malen, ihr Spiel mit Licht und Schatten, die sich in ihr widerspiegelnde Sehnsucht nach dem Licht, so viel tausendfach von jedem Naturwesen verwirklicht, einzufangen. Weg von der akademischen Malerei des Ausgangs des 19.Jahrhunderts, weg vom Rationalismus der Wissenschaft und der aufkommenden Industrialisierung. Fritz Overbeck schreibt 1985: "Worpswede ist ein bescheidenes Örtchen, zwischen Bremen und Hamburg gelegen, in einer Gegend, deren landschaftliche Reize Baedecker, so viel mir bekannt ist, mit keinem Wort Erwähnung tut. Ein Hauch leiser Schwermut liegt ausgebreitet über der Landschaft. Ernst und schweigend umgeben weite Moore und sumpfige Wiesenpläne das Dorf, das, als suche es einen Zufluchtsort gegen unbekannte Schrecknisse, sich an den steilen Hängen einer alten Düne, dem Weyerberg zusammendrängt. Wirr und regellos durcheinander zerstreut, liegen Häuser und Hütten, beschirmt von schwerer Last, von moosüberkleideten Strohdächern und knorrigen Eichen, an deren weitausladenden Wipfeln sich machtlos die Stürme brechen. Von der einsamen Höhe schweift weithin der Blick ins Land hinaus, über Moor und Heide, Felder und Wiesen. Dunkle Eichenkämpe, die in ihrem Schatten spärliche Gehöfte der Bauern bergen, unterbrechen hin und wieder die Monotonie der großen Ebene. Wasserläufe blitzen auf und der Spiegel der schlangengleich gewundenen Hamme, darauf in stiller, geheimnisvoller Fahrt schwarze Segel durchs Land ziehen. Darüber spannt sich der Himmel aus, der Worpsweder Himmel . . . Was hülfen uns unsere Strohhütten, Birkenwege und Moorkanäle, wenn wir diesen Himmel nicht hätten, welcher alles, selbst das Unbedeutendste, adelt, ihm seinen unsagbar coloristischen Reiz verleiht, der Worpswede schließlich erst zu dem macht, was es ist."

So eine Landschaft entringt sich dem Moor, dessen Schwere die Moorbauern hinabzieht in ihre Natrium- Sulfuricum-Welt. Aber die Landschaft erhebt sich über das Moor wie Drosera, sie lebt nur leicht verwurzelt auf den Pflanzenleichen, und sie fängt die leichtlebigen Insekten ein, um sich ihre Fähigkeiten einzuverleiben, nämlich abzuheben und wie ein Vogel davonzuschweben, was ihr letztlich nicht gelingt.

Eine Dichterin, Annette von Droste-Hülshoff, hat auch die Silbe Dros in ihrem Namen. Sie litt an Tuberculose und wurde von Bönninghausen homöopathisch behandelt. Leider ist der Briefwechsel, der ihre Korrespondenz mit Bönninghausen enthält, nicht vollständig veröffentlicht; sie schickte in zahlreichen Briefen genaue Symptomschilderungen an Bönninghausen, aus denen man vielleicht ihre homöopathische Krankengeschichte rekonstruieren könnte. Vielleicht war Drosera eines ihrer Mittel, wer weiß! Sie selbst schrieb jedenfalls ein Gedicht, in dem sie das Unheimliche dieser Welt eingefangen hat: die Welt der Moorgeister, die für den Menschen tödliche Gefahren in sich birgt.

 

Wahnideen aus dem Repertorium nach Kent:

Angst beim Alleinsein
Angst vor Gespenstern
Träume vom Trinken
glaubt wird verfolgt
Angst mit Furcht
Gegenstände erscheinen länger
glaubt, ihm würde von Feinden nachgestellt
glaubt, daß jemand ruft "Ho, ho, meine arme Seele!"
Angst um die Zukunft
Angst, es könne sich ein Unglück ereignen

 

 

Der Knabe im Moor


O schaurig ist`s, übers Moor zu gehn,

Wenn es wimmelt vom Heiderauche,
Sich wie Phantome die Dünste drehn
Und die Ranke häkelt am Strauche,
Unter jedem Tritte ein Quellchen springt,
Wenn aus der Spalte es zischt und singt,
O schaurig ist`s, übers Moor zu gehn,
Wenn das Röhricht knistert im Hauche!

Fest hält die Fibel das zitternde Kind
Und rennt, als ob man es jage:
Hohl über die Fläche sauset der Wind -
Was raschelt drüben im Hage?
Das ist der gespenstische Gräberknecht,
Der dem Meister die besten Torfe verzecht;
Hu, hu, es bricht wie ein irres Rind!
hinducket das Knäblein zage.

Vom Ufer starret Gestumpf hervor,
Unheimlich nicket die Föhre,
Der Knabe rennt, gespannt das Ohr,
Durch Riesenhalme und Speere;
Und wie es rieselt und knittert darin!
Das ist die unselige Spinnerin,
Das ist die gebannte Spinnlenor`,
Die den Haspel dreht im Geröhre!

Voran, voran! Nur immer im Lauf,

Voran, als wollt es ihn holen!
Vor seinem Fuße brodelt es auf,
Es pfeift ihm unter den Sohlen
Wie eine gespenstige Melodei;
Das ist der Geigenmann ungetreu;
Das ist der diebische Fiedler Knauf,
Der den Hochzeitheller gestohlen!

Da birst das Moor, ein Seufzer geht
Hervor aus der klaffenden Höhle;
Weh, weh, da ruft die verdammte Margret:

Der Knabe springt wie ein wundes Reh;
Wär nicht Schutzengel in seiner Näh,
Seine bleichenden Knöchelchen fände spät
Ein Gräber im Moorgeschwele.

Da mählich gründet der Boden sich,
Und drüben, neben der Weide,
Die Lampe flimmert so heimatlich,
Der Knabe steht an der Scheide.
Tief atmet er auf, zum Moor zurück
Noch immer wirft er den scheuen Blick:
Ja, im Geröhre war`s fürchterlich,
O schaurig war`s in der Heide!

 

 

Die Annette hat wahrscheinlich diese Zwischenwelt, die von der Ver-Wesung lebt, wo die phosphorischen Irrlichter entstehen, beschrieben. Im Brief an Clemens Maria von Bönninghausen schreibt sie 1830 (Brief Nr. 75 der historisch-kritischen Ausgabe VIII,1, Briefe 1805 - 1838 (Niemaier Verlag) ):" Seit gestern, lieber Vetter, haben sich einige Symptome bey mir eingestellt, die vielleicht bey Bestimmung der passenden Arzney Einfluß haben könnten, - bin nämlich, nach dem ich, wie sie wissen, schon einige Tage Husten gehabt, gestern Abend so heiser geworden, daß ich eine Stimme habe, wie der beste Bassist".

Einige Züge der Annette von Droste-Hülshoff , aus ihrer Biographie entnommen: verträumt, lebhafte Phantasie, Hang zum Übersinnlichen (sie las gerne im "Liber Mirabilis"), musikalisch, Gespenstergeschichten, exzentrisch, gefühlsüberschwenglich, erstes Gedicht mit 7 Jahren, Fernweh, wechselvolle Stimmungen, romantische Todessehnsucht, unentschieden (zwischen zwei Männern), Angst vor Hunden, Verlangen nach frischer Milch, Heimweh, Eifersucht, Stolz, hochmütig, liebt Tiere und Pflanzen, Mineraliensammlung.

 

Drosera

Klinische Erkrankungen: Amblyopie, Asthma, Bronchitis, Katarrh, Tuberkulose, Husten, Coxalgie, Epilepsie, Blutungen, Kopfschmerzen, Laryngitis, Masern, Übelkeit, Lungentuberkulose, Ischias, Erbrechen, Keuchhusten.

Charakteristika: Ein Hauptzug von Drosera ist der spastische Husten, der dem Keuchhusten so ähnelt, bei dem es eines der führenden Mittel ist.

RAL (Reine Arzneimittellehre): So reicht z.B. eine einzige solche Gabe zur homöopathischen, völligen Heilung des epidemischen Keuchhustens. Die Heilung erfolgt sicher binnen 7 oder 9 Tagen, bei unarzneilicher Diät. Man hüte sich, unmittelbar nach der ersten eine zweite Gabe davon zu reichen (und ebenso wenig, irgendein anderes Mittel), denn sie würde unfehlbar nicht nur den guten Erfolg hindern, sondern auch beträchtlichen Schaden anrichten, wie ich aus Erfahrung weiß.
Aber es ist ebenso bei spastischem Husten der Tuberkulose angezeigt. Der charakteristische Husten ist: häufige Anfälle von bellendem Husten, schlimmer abends und nach Mitternacht; der Patient hält sich die Seiten, er erbricht, wenn er den Schleim nicht hochbringt; jede Anstrengung, auch nur ein bißchen Schleim hochzubringen, endet in Würgen und Erbrechen. Es bestehen blutige Absonderungen.
RAL Symptom 50: Beim Husten Schmerz in den Hypochondern, als wenn diese Gegend mit Gewalt zusammengeschnürt würde.
Symptom 53: Die Gegend unter den kurzen Rippen (Hypochondern) leidet einen zusammenziehenden Schmerz, welcher den Husten hemmt; er kann vor Schmerz nicht husten, wenn er nicht mit der Hand auf die Herzgrube drückt.
Symptom 57: Ganz tief aus der Brust kommender Husten. Symptom 58: Husten, dessen Stöße so herftig aufeinanderfolgen, daß er kaum zu Atem kommen kann.
Symptom 62: Abends, beim Liegen im Bette, wenn er ausatmet, ein jelinges Zusammenziehen des Unterbauchs, welcher ihn gleichsam wie zum Brechen heben will und Husten erregt.

Die Indikationen, die Drosera bei einem Vorstadium der Tuberkulose indizieren, sind: Blässe, Schwäche, Appetitverlust, trockener Husten, Abmagerung.

Drei laryngoskopische Indikationen sind :
1. Anämie und Blässe des Kehlkopfes;
2. Die Stimmbänder schließen nicht wegen einer funktionellen Schwäche der Cricoarytaenoidmuskeln.
3. Röte und Schwellung der Schleimhäute, die die Stimmbandknorpel bedecken.

Unter den Charakteristika von Drosera sind folgende zu nennen: spastische und zusammenziehende Schmerzen in Bauch, Larynx, Hals, Brust, Hypochondrien. Krabbeln im Kehlkopf, Gefühl einer weichen Substanz, die im Kehlkopf ist wie eine Feder. Schwieriges Schlucken von festen Speisen. Die Stimme versagt. Stechende Schmerzen in der Brust und allen Teilen; stechende Schmerzen im Hirn. Stiche aus der linken Leiste in den Penis; stechende Schmerzen in der Glans penis. Blutungen von hellrotem Blut aus Nase und Mund (blutiger Speichel); im Erbrochenen und Stuhl, im Auswurf. Nagende, stechende Schmerzen in Gelenken und langen Knochen. Drosera hat viele Schmerzen in den Hüftgelenken, und es hat Ischias mit folgenden Charakteristika geheilt: pressende Schmerzen, schlimmer durch Druck, vom Bücken und Liegen auf der schmerzhaften Seite, besser nach dem Aufstehen aus dem Bett.

Ausschläge wie Masern, prickelndes brennendes Jucken; schlimmer durch Ausziehen; besser durch Kratzen; blutende brennende Ulcera mit schneidenden Schmerzen.
Epileptische Anfälle mit Rigidität; mit Zucken der Gliedmaßen.
Bewegen der Augen verschlimmert Kopfschmerzen. Bewegung bessert das Stechen in Brust und Gelenken und den Fieberschauder.

Beziehungen: Antidotiert durch Kampfer.
Komplementär: Nux vomica.
Gut verträglich: Calcium carbonicum, Pulsatilla, Veratrum, Gnaphalium.
Vergleiche: Belladonna, Corallium, Cuprum, Hyoscyamus, Ipec., Sambucus, Mephites, Opium, Coccus cacti .
Bei Unfähigkeit zu expektorieren: Causticum, Sepia, Arnica, Kalium carbonicum.
Teste
betrachtet Menyanthes als das ähnlichste Mittel.

Erscheinungsbild: Blass und abgemagert. Es besteht Steifheit, Lähmigkeit und offensichtliche Unlust zu aktiver Bewegung. Auf der anderen Seite ist eine unbehagliche Ruhelosigkeit vorhanden beim Niederlegen, und zwar infolge des Gefühls von Unbequemlichkeit und eines zu harten Bettes. Hält die befallenen Teile mit den Händen fest, insbesondere beim Husten.

Psychologie: Die Patienten sind mißtrauisch, still, reserviert und unbegreiflich reizbar gegenüber Kleinigkeiten. Ruhelos, unbehaglich, oftmals mit Wahnvorstellungen von Verfolgung. Angst vor dem Alleinsein, vor Geistern, fürchtet die Nacht. Neigung, Selbstmord durch Ertränken zu begehen.
RAL-Symptom Nr.142: Den ganzen Tag Gemüts-Unruhe und Ängstlichkeit, voll Mißtrauen, als wenn er mit lauter falschen Menschen zu tun hätte.
Symptom Nr.143: Höchst unruhiges, trauriges Gemüt, den ganzen Tag - er glaubte, von tückischen, neidischen Menschen hintergangen zu werden.
Symptom Nr. 144: Still und verschlossen, mit Ängstlichkeit - er befürchtete stets, etwas Unangenehmes zu erfahren.
Symptom Nr. 145: Ängstlichkeit, als wenn ihm seine Feinde keine Ruhe ließen, ihn beneideten und verfolgten.
Symptom Nr. 147: Er ist niedergeschlagen über Anfeindungen von anderen, von allen Seiten, und zugleich mutlos und besorgt über die Zukunft.
Symptom Nr. 148: Ängstlichkeit, vorzüglich abends (um 7, 8 Uhr), als wenn es ihn dazu triebe, ins Wasser zu springen, um sich durch Ersäufen das Leben zu nehmen - zu keiner anderen Todesart triebs ihn.
Symptom Nr. 149: Ängstlichkeit und Einsamkeit, er wünschte, beständig jemand um sich zu haben, wollte durchaus nicht ohne Menschen seyn oder ruhiger, wenn er jemand sprechen konnte; aber wenn sie ihn wieder allein ließen, war er desto ängstlicher, bis zum Einschlafen; erwachte er, so kam die Ängstlichkeit wieder (sechs Abende nacheinander).

Physiologie: Die Patienten sind immer zu kalt. Sie frieren sogar im Bett. Sie zittern und schaudern, wenn sie in der Ruhe sind.
RAL-Symptom Nr.112: Während er ruht und auch gehörig warm am Körper anzufühlen ist, schauderts ihn dennoch, und er kann sich selbst im Bette des Schauders und der Kälteempfindung nicht erwehren.
Symptom Nr.113: Es ist ihm immer wie zu kalt; er kann sich nicht erwärmen.
Symptom Nr.114: Er hat die Empfindung von Kälte in der Nacht im Bette, doch ohne Schauder.
Symptom Nr. 115: Gesicht, Nase und Hände sind kalt. (Kälte der linken Gesichts-Hälfte mit stechenden Schmerzen darin, während die rechte Gesichtshälfte heiß und trocken ist, nach Mitternacht.)
Kopf und Gesicht sind möglicherweise heiß und der Rest des Körpers kalt. Es besteht eine Abneigung gegen saure Dinge und Schweinefleisch. Der Durst ist deutlich während des Fieberstadiums. Der Schlaf wird durch Erwachen infolge von Schreck unterbrochen. Schnarchen. Schwitzt stark, insbesondere nachts.

Symptomatologie allgemein: Ein Gefühl von zerschlagenem Wundsein
(RAL-Symptom 101: Alle Glieder sind wie zerschlagen und sind auch äußerlich schmerzhaft.
Symptom 104: Wehtun aller Glieder, auf denen er liegt, als wenn das Lager allzu hart und nicht Betten genug untergelegt wären.)
ist begleitet von einer Überempfindlichkeit gegen alle Stimulantien und einer erheblichen Schwäche. Spasmen, Hitzewallungen, stechende oder schießende Schmerzen. Eine Neigung zu Krämpfen, Zusammenschnürungsgefühl in Hals, Oesophagus, Abdomen und an den Händen, wenn sie einen Gegenstand ergreifen. Ist leicht erschöpft.

Kopf: Schwindel, schlimmer an der frischen Luft mit Neigung, nach links zu fallen. Ein drückender oder stechender Kopfschmerz, schlimmer beim Bewegen der Augen. Etwas Erleichterung durch festes Halten des Kopfes zwischen den Händen. Die Kopfschmerzen sind begleitet von einem Verstopfungsgefühl und von Übelkeit, schlimmer morgens. Verschlimmert durch Hitze und durch Bücken. Ein besonderes Symptom ist Kältegefühl der linken Gesichtsseite mit stechenden Schmerzen, begleitet von einer trockenen Hitze der rechten Seite.

Augen: Nach außen schießende Schmerzen im Augapfel insbesondere beim Bücken. Der Visus ist unscharf mit dem Gefühl eines Netzes vor den Augen. Blenden der Augen ist schmerzhaft.

Ohren: Schießende und quetschende Schmerzen in den Ohren, schlimmer beim Schlucken. Tinnitus mit summenden, brausenden und brummenden Geräuschen.

Atemsystem: Nasenbluten insbesondere abends. Flüssiger Schnupfen, begleitet von viel Niesen. Blut im Taschentuch beim Naseschneuzen. Starkes Brennen und Kratzen mit stechenden Schmerzen im Hals, der dunkelrot oder purpurfarben ist. Ein krabbelndes oder kitzelndes Gefühl im Kehlkopf ist begleitet von Blässe und Lähmung der Stimmbänder, Röte der Mukosa über den Stimmknorpeln und einer erheblichen Aphonie. Die Stimme ist tief und rauh, es findet sich ein gelblicher, schleimiger Auswurf. Die Heiserkeit ist begleitet von Erstickungsattacken beim Sprechen oder Husten. Ein heftiger Kitzelhusten kommt in Anfällen und ist begleitet von Würgen, Erbrechen und kaltem Schweiß. Er ist schlimmer beim ersten Hinlegen, die Kinder fangen an zu husten, sobald der Kopf das Kissen berührt. Ebenso ist es schlimmer nach Mitternacht, insbesondere um 2 Uhr, sowie vom Sprechen, Essen oder Trinken von kalten Flüssigkeiten. Der Patient hält oftmals die Brust beim Husten. Das Sputum ist gelb, blutgestreift oder eitrig und hat einen bitteren oder faulen Geschmack.

Verdauungssystem: Schießende Schmerzen in den Zähnen nach heißen Getränken. Geschwüre an der Zunge und im Gaumen. Die Speisen schmecken bitter, insbesondere Brot. Sodbrennen, Würgen und Erbrechen. Dysenterische Stühle sind begleitet von schneidenden Schmerzen. Der Entleerung von Stuhl folgen Schmerzen im Bauch und in der Lumbalregion.

Lymphatisches System: Ein wichtiges Gebiet dieses Mittels insbesondere in Beziehung zur tuberkulösen Drüsenentzündung, einschließelich Tabes mesenterica.

Harnsystem: Häufiges Urinieren, aber nur geringe Mengen bei der Entleerung.

Genitalsystem: Die Menstruationen sind verspätet oder fehlen ganz. Ausfluß ist begleitet von Schmerzen ähnlich denen bei der Geburt.

Bewegungssystem: Ausgedehnte Muskelschmerzen mit Steifigkeit und Zittern in der Ruhe. Schmerzen von nagendem oder stechendem Charakter in den langen Knochen, insbesondere nahe den Gelenken. Schlimmer in der Ruhe und gebessert durch Bewegung. Das Mittel muß bei rheumatischen Erkrankungen in Betracht gezogen werden. Ebenso bei Tuberkulose der Knochen und der Gelenke.

Modalitäten: Verschlimmerung durch Hinlegen, beim Trinken, beim Singen oder Lachen, gegen Abend und in der 2. Hälfte der Nacht. Es ist besser an der frischen Luft und beim Gehen oder bei aktiver Betätigung jeder Art.

Klinische Bemerkungen: Das Mittel ist von deutlichem Wert beim Keuchhusten und jeglichem Husten von anfallartigem Charakter. Wie bemerkt, ist es von Wert bei Tuberkulose des Kehlkopfes, der Lymphknoten und anderen Gewebes. Es ist stark indiziert, wenn in der Familievorgeschichte oder in der eigenen Geschichte Tuberkulose vorkommt oder Kontakt zu Personen mit aktiver Tuberkulose bestanden hat. Auf hohe Potenzen sollte bei der Behandlung der aktiven Tuberkulose verzichtet werden.

Gruppenprüfung

Am 20.9.89 wurde während der Homöopathiewoche eine Gruppen-Arzneimittelprüfung mit Drosera C30 durchgeführt, wobei das Prüfmittel nur dem Prüfungsleiter bekannt war. Zusätzlich wurde erstmalig eine Imaginationsübung des unbekannten Heilmittels unter der Leitung von Andreas Holling durchgeführt. Auf Grund der Ergebnisse wurde von der Teilnehmerschaft Drosera als das Prüfmittel erkannt. Folgende Themenbereiche wurden in den Imaginationen wahrgenommen:

Friedhof :"Alter verwahrloster Friedhof in der Landschaft. (von Gräbern) Gräber mit Steineinfassungen, alles wild mit Synagoge, grasbewachsen. Friedhof mit etwa meterhohenm Buchsbaumhecken, die die einzelnen Grabstätten umgeben." (RAL: Gegen diese fürchterliche Krankheit, welche nicht wie andere akute Krankheiten von selbst vergeht, ohne in den Tod überzugehen oder zwanzig bis zweiundzwanzig Wochen lang zu martern, konnte begreiflich die Allopathie bisher nichts ausrichten und mußte eine Menge Kinder daran sterben lassen, wo sie nicht gar ihren Tod mit großen Gaben unpassenderer Arzneien beförderten.)
"Bin plötzlich vor dem jüdischen Friedhof in Prag. Dann denk' ich mir: Ja, diesmal gehe ich mal rein. Gehe rein, und die Gräber sind sehr durcheinander, aber nach der Hälfte habe ich Lust, in eine Synagoge zu gehen, wo der Golem zum ewigen Schlaf gelegt wurde, und ich komm' dann in die Synagoge, wo die Kuppe aus mosaikartigem Glas besteht, und ein Schleier hing da oben."

Totenschädel: "Auf dem Waldboden: Totenschädel. Es lag dort ein Mensch, Arme und Beine von sich gestreckt und dreht sich auf den Bauch, sinkt dann ein. Dort ragt ein nilpferd- krokodilähnlicher Kopf heraus - stierende Augen - fixiert geradeaus geschaut. Knochenschädel von hinten."

Irrgarten: "In einem leeren Haus, total dunkler Tunnel (vom Tunnel), am anderen Ende sieht man den Ausgang sehr hell. Dann bin ich durch einen Tunnel in die Erde runtergesaust, dann sah ich Leichen, die mit Tüchern bedeckt waren - die fingen an zu brennen, waren danach auch verkohlt."

Höhen: "Ich seile mich an einem Haus nach unten ab (von Höhen). Ist aber ganz normal, nicht gefährlich. Ich stütze abwärts mich mit den Füßen an der Wand ab. Ich denke über Hyperventilation und Atemnot nach. Eine Urlaubssituation in Mexiko auf 4.500 m Höhe mit starken Atembeschwerden taucht auf."

Treppe: "Eine Kellertreppe mit durchhängendem Geländer, sie rutscht auf dem Gesäß die Treppen runter. Es liegen dort vier große Kartoffelkörbe voll Kartoffeln.
Eine Straße, auf der ich mit einer Art Schlitten in großen Kurven einen Berg herunterfahre. Es macht Spaß, sich richtig in die Kurven zu legen. Immer rechts, links, serpentinenartig, nur nicht so steile Kurven, so daß man relativ schnell fahren kann.
Dann sind Baumstämme eine Serpentinenstraße heruntergerutscht. Sie haben sich auch entzündet und sind nach und nach verkohlt.
Eine Wendeltreppe ging in den Himmel. Diese wurde perspektivisch nicht kleiner, sondern größer.
Eine Treppe von der Seite gesehen, sehr breit, nur zwei Stufen.
Weiße Gestalt hat eine Himmelsleiter heruntergelassen."

Antike: "Bin im Wald - ich laufe durch Wald - weiter durch Wald, es geht etwas nach unten und plötzlich kommt ein ganz schmaler Fußweg, und vor mir läuft noch eine Person mit, und dann ist es unheimlich steil, so daß ich von der Person nur den Oberkörper sehen kann.
Gelände wie Olympia. Hohe, leicht nach links gebogene Brücke, grün bewachsen, mehrere Bögen, schau von der Brücke in üppige, grüne, felsige Landschaft, nahe Olympia.
Nach links führt ein Weg in kargere Landschaft, wie Auvergne - Weg auf den Puy de Dome, wo römische Tempelreste stehen (von Ruinen). (Name der Göttin, der der Tempel geweiht ist, fällt mir nicht ein).
Enge Gasse; am Ende sieht man durch einen Torbogen auf einen heiligen Berg (Natursteinaltar, der mit Girlanden umbunden ist).
Große, unpolierte, viereckige Marmorbrücke, waren in einem ägyptischen Tempel (von Ägypten), weißes helles Licht."

Kugeln: "Hände reichen goldene Kugeln nach oben von einer Hand in die andere.
Aus dem Meer ragt ein Rohr und führt hoch auf eine Bergspitze, mündet dort oben in eine Art Domspeier (Öffnung) daraus fallen schwarze sandsteinartige Kugeln wieder nach unten. Sie werden von einer Hand, die aus dem Berg herausgreift, abgefangen und in den Berg hineingezogen.
Es lagen große weiße Kugeln auf Treppen; riesengroßer Marmorbruch zwei bis drei Kilometer, in den Spalten, Einschnitten arbeiten viele kleine fleißige Männchen mit Pickeln.
Eine Szene, in der es um glupschige Kugeln (von Kugeln und Augen) geht (etwa wie Froschlaich), die mich an ein Auge erinnert. Farbig glänzend, schillernd. Diese gallertartigen Kugeln flutschten aus einer Öffnung heraus. Es kamen immer mehr heraus, so daß schließlich 5 - 10 solcher Kugeln dalagen, in so einem Haufen. Wie durchsichtige Flummies. Eine schneeweiße Wolke, Winterlandschaft, ein schöner grüner Garten mit roten, glitzernden, leuchtenden Beeren in den Bäumen."

Rotkäppchen: "Am Anfang ein Gitter wie im Gefängnis. Dann eine (vom Gefängnis) abgewandelte Rotkäppchengeschichte: Rotkäppchen hat ein weißes Spitzenhäubchen auf. Hat ein schönes Kleid mit rot und weiß an. Sie geht in den Wald. Dort sitzt ein kleines, liebes Wölfchen. Es hat Augen, die so rauskommen, Stilaugen, wie Flammen herauskommen, Speere, etwas teuflische Augen. Sie nimmt ihn - das Wölfchen ist lieb - legt es über die Schulter. Sie kommt zu einer knorrigen Weide, wo oben von einer Plattform die Ruten so weggehen. Sie setzt sich darauf - das Wölfchen legt sie in den Schoß. Plötzlich waren dort lauter Schlangen im Schoß, eine kommt etwas rauf - ist sehr bedrohlich. Dann kommen schwarze, bedrohliche Gewitterwolken. Sie geht weiter zum Haus der Großmutter. Sie hat keinen Kuchen und Brot mit. Ein dicker, kräftiger, stark behaarter Mann (tierisch) kommt aus dem Haus. Im Bett liegt die Großmutter mit weißem Spitzenhäubchen - es war aber eine Katze, die auf dem Rücken liegt und die Beine auseinanderspreizt. Dann am Ende wieder das Gefängnisgitter wie am Anfang."

Muschel: "Mir ist es beim Meditieren ganz gut gegangen, es war ein schönes Bild, es war ein herrlicher Glanz und glitzernd alles, und ich selber bin eine ungefähr 30 m hohe Muschel, also ich bin selber eine riesige Muschel, die übers Meer ragt (von der Sonne und dem Meer). In meiner Öffnung (von einer muschelartigen Öffnung), also nach unten rein, spült das Meer, und auf das schaue ich herunter. Da glitzert das Wasser, ich bin völlig ruhig und stehe da, geöffnet über der Wasseroberfläche des Meeres, das blinkt und glitzert im Sonnenlicht (Sonnentau). Ich bin der am weitesten und am dichtesten am Meer gelegene Teil eines Berges oder Hügels. Also da geht an meinem Rücken der Hügel los. Ein herrlicher Blick auf das Meer, dann geht kurz die Sonne weg. Ich bin traurig, weil ich hier fest bin, fest stehen muß und nicht weg kann, wo ich doch immer los will und Bewegung brauche. Da kommt schon wieder die Sonne, und es glitzert schon wieder in meinem Bauch der Muschel, die also mit Rillen bis oben hin ist, oder ein Kristall liegt rechts in meinem Bauch, und der glitzert; der ist ungefähr einen halben Meter über der Wasseroberfläche, und er glitzert in allen Spektralfarben. Und mein Gefühl ist so ungefähr: Ich brauche hier gar nicht weg. Ich brauch' gar nicht woanders hin', und diese Idee ist für mich sehr tröstlich. Also, da geht's mir wahnsinnig gut dabei, daß ich gar nicht weg muß.

Aus den Träumen:
"Bei mir war das Auffälligste, daß ich einen ganz schlimmen Traum hatte. Zwischen 4 und 5 Uhr wachte ich auf und hatte das Gefühl, ein männlicher Arm schlingt sich um mich von hinten und zieht mich immer weiter runter, und ich hatte ganz schlimme Atembeklemmungen und Herzklopfen (Umschlingung wie vom Arm der Drosera). Ich bin dann aufgewacht und habe das Licht angemacht und konnte das Gefühl nicht loswerden, daß jemand im Zimmer ist."
"Nach dem Märchen ging ich dann zu meiner Pension, und es war ein so wunderschöner Abend und ich kam mir vor, als wenn ich in Acapulco wäre, da war ich nämlich schon mal, also so was von frei und fröhlich, und die Sterne am Himmel - obwohl ich ganz alleine war, und das war wunderschön."
"Und dann, in der nächsten Nacht, träumte ich dann, also so was merkwürdiges, ich sitze da und ein Kind hustet und wenn es hustet (Husten der Kinder), halte ich ihm die Hand so in 5 cm davor und aus dem Husten werden Federn, und zwar eine große und eine kleine, wie so ein kleines Ästchen mit so einem Blatt, wie Hühnerfedern (Gefühl einer Feder), aber flauschiger. (RAL-Symptom Nr. 86: Kribbeln im Kehlkopfe, was ihn zum hüsteln reizt, mit Gefühl, als wenn dort selbst ein weicher Körper sich befände, mit feinen Stichen darin bis zur rechten Schlundseite.)
"Ich habe mit einer Frau geschlafen, also das ist eine Freundin von mir (lesbische Liebe), zu der ich aber keine sexuelle Beziehung habe, und es war sehr schön, und wir haben immer versucht, die Türe abzusperren, also sie hat das vor allem versucht. Und dann in der zweiten Nacht, habe ich geträumt, daß ich von einem Mann angeflirtet worden bin (Flirt, locken), was mir irgendwie total unangenehm war, weil er so unsicher war, und ich hab' mir gedacht, entweder ganz oder gar nicht, aber nicht so ein bißchen. Und dann, in der dritten Nacht habe ich geträumt, daß ich mich von dir, Jürgen, verabschiedet hab' mit einem Küßchen auf die Wange. Und dann, in der vierten Nacht habe ich von einer Reise geträumt (Reise), da hab' ich eine Wanderung gemacht und bin der Verwandtschaft begegnet. Und dann haben wir so in Windeseile Kirchen besichtigt, sind da ganz schnell durchgegangen, und in den Kirchen waren die Wände naß (Nässe), und ich habe da noch ein Taufbecken in Erinnerung, und das Wasser tropfte von den Wänden herunter (Tropfen).

Bericht von Max Mustermann (Name von der Redaktion geändert:

Traum:"Ich warte auf eine Gerichtsverhandlung, um mein Lektoratshonorar einzuklagen. Sitze mit einer Handtasche auf dem Schoß im Warteraum, warte darauf, aufgerufen zu werden. Ich habe auf einmal das Gefühl, ich sei der Schuldige, die angeklagte Person, dabei will ich doch nur mein Recht einfordern. Sitze da wie jemand, der gefaßt sein Urteil erwartet."
RAL-Symptom Nr.144: Still und verschlossen, mit Ängstlichkeit - er befürchtete stets, etwas Unangenehmes zu erfahren.

Ein zweiter Traum nach C 200: "Jemand sagt mir, ein Bekannter hätte Kunstgegenstände gestohlen. Ich bin ganz entsetzt, denke: Daß der so geldgierig ist, hätte ich nicht gedacht! Doch dann kommen mir Zweifel: Wer weiß, ob das wirklich stimmt? Vielleicht ist er ja auch unschuldig. Man muß ihn doch erstmal zu Wort kommen lassen. Man muß es erst beweisen, bevor man ihn anklagt."

Philosophie am Tage: Kann man es vermeiden, schuldig zu werden? In dem Moment, wo ich mich für meine Interessen einsetze, d.h. an meine Freiheit denke, schränke ich auch die Freiheit eines anderen ein. Mir fallen die Menschen ein, die auf ihr persönliches Glück verzichten, sich anderen unterordnen, sich aufopfern, d.h. zu wenig Egoismus, "zu wenig Biß" entwickeln - das andere Extrem gegenüber der 'Robinson-Freiheit'. Hier zeigen sich z.B. einige Parallelen zu Causticum, die ich öfter gefunden habe.

So könnte man auch das Lied von Sacco und Vanzetti, das während der Boller Woche auf einmal auftauchte und das wir immer wieder summten, beiden Mitteln zuordnen. Das Verrückte war, daß alle die Melodie kannten, niemand wußte aber, warum es eigentlich ging. "Detektivarbeit"mußte ich nachher in Freiburg leisten, um das herauszufinden. Das Lied wurde oft auf Demonstrationen gespielt, auf deutsch, englisch, französisch, u.a. von Joan Baez gesungen und entstand aus einem Film, der 50 Jahre nach dem Tode von Sacco und Vanzetti gedreht wurde. Nicola Sacco und Bart Vanzetti waren zwei aus Italien nach Amerika eingewanderte Arbeiter. Als aktive Mitglieder der linken Gewerkschaftsbewegung hatten sie Streiks und Demonstrationen organisiert. 1920 wurden sie wegen eines Mordes angeklagt, mit dem sie nichts zu tun hatten (!) . Nach einem äußerst zweifelhaften Gerichtsverfahren wurden sie zum Tode verurteilt. Proteste und Solidaritätskampagnen im In- und Ausland blieben ohne Erfolg; obwohl Hunderttausende wegen des ungerechten Urteils demonstrierten und die Freilassung forderten, wurden sie am 22.August 1927 hingerichtet. Um also die Gewerkschaftsbewegung einzuschüchtern, wurden zwei 'Unbequeme' zum Verschwinden gebracht.

Traum nach C 200: "Im Altenpflegeheim (wo ich arbeite) warten wir darauf, nach Hause gehen zu können. Das ist abhängig davon, wann die Leute in der Küche fertig sind. Normalerweise können wir um 19.30 Uhr gehen, niemand garantiert aber dafür, daß es nicht 21.30 Uhr wird. Zwei Stunden nur rumhocken und warten und auf den Goodwill der anderen angewiesen zu sein, ist eine schreckliche Vorstellung. Ich ärgere mich darüber und bin erstaunt, daß die Kollegen das so hinnehmen. Ich fühle mich in dieser Situation wie ein Dienstmädchen (hat auch eine weiße Haube auf wie das Rotkäppchen in der Boller Meditation). Denke: Dafür gibt es doch Gewerkschaften! Ich muß zur Gewerkschaft gehen, unser Recht einfordern (sich für die eigenen Rechte einsetzen, auf etwas warten müssen; Bezug zu Italien taucht öfter auf, italienische Widerstandskämpfer, italienische Frauennamen, die auf "a" enden: Francesca, Katharina kommen vor).

Weitere Themen im Leben dieser Teilnehmerin waren: sich für jemanden einsetzen und dafür kein Verständnis entgegengebracht bekommen; Quälerei anderer Menschen. Bewegung, Wunsch nach Veränderung; Angst vor Bindungen; Bindung wie Gefangenschaft erleben: "Da kommt man nicht mehr raus"; aber auf der anderen Seite positiv: leichter Kontakt finden (was auch andere Prüfer aus der Boller Woche erlebt haben). "Ich hatte Zugang gefunden zu einer inneren 'glücksenden' (statt 'glucksenden') Quelle und hatte das Gefühl, an die Stelle des Sumpfes tritt klar sprudelndes Wasser."
RAL Symptom Nr.155: Fröhlicher, bester Mut; er befürchtet gar nichts Böses, weil er sich bewußt war, rechtschaffen gehandelt zu haben. Symptom Nr.153: Er fühlt innere Ruhe und Heiterkeit.
Symptom Nr. 154: Gemütsruhe.

"Ich hatte einen Traum nach C 200, wo ich den Sonnentau vor mir sah. Er war halb Tier, halb Pflanze. Das Tier sah ganz zottelig aus und war unten, die Pflanze oben. Meine Assoziation: Das zottelige (Nachlässigkeit ?) Tier symbolisiert die "verschlingende " Sexualität, dieser Aspekt hat was Unheimliches. Am Tanzabend in Boll sah ich, wie eine Frau ihrem Tanzpartner die Arme um den Hals legte, und fand das zu meinem eigenen Erstaunen unheimlich. Jetzt erinnert es mich an die insektenfangende Pflanze ('män-nermordender' Vamp?). Wenn der Mann nicht mehr zu gebrauchen ist, wird er links liegengelassen (wie das, was die Pflanze von dem Insekt übrigläßt). Es gibt übrigens ein Sonnentaugewächs, eine Verwandte unserer Drosera, das in den Mooren Nordamerikas wächst, mit dem Namen Venusfliegenfalle.

Die Sexualität tauchte auch in meinen Träumen auf, oft ging es um die erste Annäherung, verliebt und verspielt. Es paßte eher zum Wölfchen als zum Wolf, eher dazu, daß das Rotkäppchen bei Drosera mehr eine weiße Haube trägt, also eher noch unschuldigen Charakter hat (interessant der Ausspruch: "Ich habe meine Unschuld verloren"). Eine andere Beobachtung, die sich auf den zwischenmenschlichen Kontakt bezieht, fand ich ebenfalls sehr spannend. Es heißt von Drosera: argwöhnisch, "voll Mißtrauen, als wenn er mit falschen Menschen zu tun hätte ..., glaubte von tückischen, neidischen Menschen hintergangen zu werden". Es ist aber die Frage, ob es immer Wahnideen sein müssen. Ich habe da eine Erfahrung gemacht, hatte aber unter Drosera ein sehr feines Gespür dafür, wer es ehrlich meint; sonst bin ich eher gutgläubig, gehe auch öfter mal jemandem auf den Leim, zu der Zeit war ich jedoch hellfühlend, nicht hellsichtig oder hellhörig, sondern wirklich hellfühlend. Das hatte zur Folge, daß eine Freundschaft, in der es schon kriselte, in die Brüche ging. Irgendwann später habe ich mir die Frage gestellt, was zu Drosera passen würde, habe dann die Bibel aufgeschlagen, und mein Blick fiel auf den Psalm 139/23: "Erforsche mich, Gott, und erfahre mein Herz; prüfe mich, und erfahre, wie ich`s meine." (Jemanden auf Herz und Nieren prüfen). In Emil Schlegels "Religion der Arznei" las ich im Anhang über die Anwendung von Drosera als Heilmittel folgende Sätze: "Ein zartes Wesen war durch außer ihm liegende Umstände gezwungen, die gerade für sein Wesen bedeutungsvolle pflanzenhafte Schicht seines Inneren zu verleugnen und animalisch aggressive Kräfte zu entwickeln. Es galt nun, das dieser Situation entsprechende Heilmittel zu finden, und es fand sich in dem Pflänzchen Drosera. Dies ist ein zartes kleines Pflänzchen, das auf Mooren und feuchten Waldwiesen gedeiht und dazu übergegangen ist, weil ihm der torfige Boden nur mangelhaft Nährstoffe bietet, mit seinen Blättern kleine Insekten zu fangen und diese mittels eines pepsinähnlichen Ferments zu verdauen. Dabei hat es die Bildung des grünen Pflanzenfarbstoffs, des Chlorophylls vernachlässigt und seine Blätter sind an diesem Stoff ärmer als die anderer Pflanzen. Die Pflanze hat also die Grenze ihres eigenen Wesens überschritten und eine Art tierischer Nahrungsaufnahme und tierischer Verdauung aus sich heraus entwickelt ... "

Von diesen Sätzen fühle ich mich sehr angesprochen, es hätte auch von mir die Rede sein können. Ich habe lange mein Wesen, das so wenig animalisch aggressiv ist, verleugnet, gerade in der Kindheit und der Pubertät, wo mir Drosera sicher gutgetan hätte. Bei Drosera geht es um Gefängnis. Die Frage, die man stellen könnte, wäre vielleicht: Was ist ein inneres Gefängnis? Dadurch, daß ich immer anders ein wollte, eben so wie die anderen, viel frecher, draufgängerischer etc., habe ich mir mein neues Gefängnis gebaut. Die zentrale Figur für mich bei Drosera ist das Schaf oder das Lamm, die ja beide an dem Verzehr dieser Pflanze zugrunde gehen. Aber was sie tötet, wird sie in anderer Form auch heilen.

Die Attribute eines Lamms z.B. (die ich manchmal zu hören bekam: "Du wirkst so unschuldig, so rein wie ein Lamm") sind nicht gerade das, womit man sich in der Pubertät identifizieren möchte. Noch jetzt wird mir abwechselnd heiß und kalt, wenn ich daran zurückdenke. Ich habe mich dann bemüht, diese Eigenschaften abzulegen, nach dem Motto: "Liebe ist langweilig" und habe mir das Rauchen angewöhnt - eine Angewohnheit, die sich immerhin bis vor einem Vierteljahr hielt. (Drosera war das Mittel - logischerweise, kann ich jetzt sagen - unter dem ich mir das Rauchen abgewöhnt habe, aber wie der Zusammenhang ist, ist mir erst vor kurzem bewußt geworden.)
Von Tuberkulinum heißt es oft, es sei der Wolf im Schafspelz, Drosera ist eher das Schaf im Wolfspelz. Denn die Schafe haben es nicht so leicht in dieser Welt."
(Ende Bericht)

 

Weitere Symptome der Gruppenprüfung:
An körperlichen Symptomen war das allgemein vorherrschende Hüsteln sehr auffällig. Ferner hatten viele Teilnehmer das Gefühl, ständig klebrige Hände und klebrige Schweißfüße zu haben. In der Cafeteria wurde sehr viel kalte Milch verlangt. Hüftgelenkschmerzen links, beim Laufen ziehendes knorpliges Gefühl. Übler Mundgeruch. Von etlichen Teilnehmern Erlebnisse mit Katzen geschildert, die ihnen sehr auffielen. Sie hatten sonst noch nie in diesem Ausmaß mit Katzen zu tun. Eine Teilnehmerin hatte Erlebnisse mit einer läufigen Hündin und einer Katze gleichzeitig.

Margret Tyler beschreibt in ihrem Aufsatz die erfolgreiche Behandlung tuberkulöser Knochenerkrankungen, die sie anfangs mit Tuberculinum, Calcium und Sulfur behandelt hatte. Es handelte sich um Tuberkulose der Wirbelsäule eines kleinen Jungen, der dann zu seinem Glück Keuchhusten bekam, weswegen Frau Tyler Drosera 200 gab. Dieses wirkte dann so auf den übrigen Gesundheitszustand, daß die Wirbelsäule vollständig ausheilte. Später gab sie noch in anderen Fällen von Knochentuberkulose Drosera - mit sehr gutem Erfolg. Ebenso erfolgreich war sie bei der Behandlung einer tuberkulösen Nebenhöhlenerkrankung. "Es war die Tibia, die mir glänzend zeigte, daß Hahnemann richtig lag, als er in seiner reinen Arzneimittellehre unter Drosera die Schmerzen in den langen Knochen fett druckte, jene aber, die Materia medicas zusammenstellen, und dieses Symptom als eine Beziehung zu Knochen und Gelenken bezeichneten, falsch lagen. Sie haben uns viele ausgezeichnete Ergebnisse geraubt, durch Reduzierung dessen, was Hahnemann als wichtig betonte."
RAL Symptom Nr. 123 unter Beobachtung anderer: Ein aus Nagen und Stichen zusammengesetzter Schmerz in den Knochenröhren der Arme und der Ober- und Unterschenkel, besonders stark an den Gelenken, mit starken Stichen in den Gelenken, beim Bewegen weniger merkbar als in der Ruhe.
Sie führt dann noch einen Fall von abdomineller Tuberkulose und von tuberkulösen Cervicaldrüsen auf, ferner Fälle von Kropf und Morbus Basedow.

Nach der Homöopathiewoche schrieb mir A. einen Brief. Sie hatte keine Kügelchen genommen, aber intensiv "auf die Schwingungen" reagiert. Sie bekam zu Hause hohes Fieber und lag drei Tage im Bett, hatte dabei Husten und Knochenschmerzen: "ich konnte in Boll kaum sitzen, weil jeder Stuhl zu hart war". Appetitlosigkeit. Sie hatte ständig das Gefühl, der Magen sei verknotet.
RAL Symptom Nr.50: Bei Husten, Schmerzen in den Hypochondern, als wenn diese Gegend mit Gewalt zusammengeschnürt würde.
Sie hatte einen Traum: "Ich aß eine Mohrrübe, und als ich sie aufgegessen hatte und überlegte, wovon ich nun sattwerden sollte, hörte ich eine Stimme, die sagte: Sei ganz ruhig, es wird für dich gesorgt!" Sie schreibt dazu: "Sich sorgen um andere und das Vertrauen haben, daß für einen gesorgt wird - auch der Sonnentau, die einzige insektenfressende Pflanze in der Homöopathie, muß wohl dieses Vertrauen haben. Wie ein Tier ernährt sie sich von Fleisch, kann aber nicht selbst auf die Jagd gehen, sondern muß darauf warten, daß die Nahrung zu ihr kommt." Sie erinnerte sich an einen Ausspruch von mir: "Da kommt man nicht mehr raus" und hörte dann in dieser Zeit, wo sie sich mit Drosera beschäftigte, ein Gespräch, "wie sich zwei Leute über Dartmoor unterhielten, über das Gefängnis für Schwerverbrecher dort inmitten der Moore, aus dem niemand entfliehen könnte. Auch wenn jemand im Moor versinkt, ist derjenige für immer verschwunden". Sie schickte mir ein Märchen, das wohl ganz gut zum Thema Drosera paßt:

"Der Prophet und die langen Löffel"

( aus "Der Kaufmann und der Papagei, Orientalische Geschichten als Medien in der Psychotherapie" von Dr.med. Nossrat Peseschkian, Fischer Verlag)
"Ein Rechtgläubiger kam zum Propheten Elias. Ihn bewegte die Frage nach Hölle und Himmel, wollte er doch seinen Lebensweg danach gestalten. "Wo ist die Hölle - und wo ist der Himmel?" Mit diesen Worten näherte er sich dem Propheten, doch Elias antwortete nicht. Er nahm den Fragesteller an der Hand und führte ihn durch dunkle Gassen in einen Palast. Durch ein Eisenportal betraten sie einen großen Saal. Dort drängten sich viele Menschen, arme und reiche, in Lumpen gehüllte, mit Edelsteinen geschmückte. In der Mitte des Saales stand auf offenem Feuer ein großer Topf voll brodelnder Suppe, die im Orient Asch heißt. Um den Topf herum drängten sich hohlwangige und tiefäugige Menschen, von denen jeder versuchte, sich seinen Teil Suppe zu sichern. Der Begleiter des Propheten Elias staunte, denn die Löffel, von denen jeder dieser Menschen einen trug, waren so groß wie sie selbst. Nur ganz hinten hatte der Stiel des Löffels einen hölzernen Griff. Der übrige Löffel, dessen Inhalt einen Menschen hätte sättigen können, war aus Eisen und durch die Suppe glühend heiß. Gierig stocherten die Hungrigen im Eintopf herum. Jeder wollte seinen Teil, doch keiner bekam ihn. Mit Mühe hoben sie ihren schweren Löffel aus der Suppe, da dieser aber zu lang war, bekam ihn auch der Stärkste nicht in den Mund. Gar zu Vorwitzige verbrannten sich Arme und Gesicht oder schütteten in ihrem gierigen Eifer die Suppe ihren Nachbarn über die Schulter. Schimpfend gingen sie aufeinander los und schlugen sich mit denselben Löffeln, mit deren Hilfe sie ihren Hunger hätten stillen können. Der Prophet Elias faßte seinen Begleiter am Arm und sagte: "Das ist die Hölle!" Sie verließen den Saal und hörten das höllische Geschrei bald nicht mehr. Nach langer Wanderung durch finstere Gänge traten sie in einen weiteren Saal ein. Auch hier saßen viele Menschen. In der Mitte des Raumes brodelte wieder ein Kessel mit Suppe. Jeder der Anwesenden hatte einen jener riesigen Löffel in der Hand, die Elias und sein Begleiter schon in der Hölle gesehen hatten. Aber die Menschen waren wohlgenährt und man hörte in dem Saal nur ein leises, zufriedenes Summen und das Geräusch der eintauchenden Löffel. Jeweils zwei Menschen hatten sich zusammengetan. Einer tauchte den Löffel ein und fütterte den anderen. Wurde einem der Löffel zu schwer, halfen zwei andere mit ihrem Eßwerkzeug, so daß jeder doch in Ruhe essen konnte.War der eine gesättigt, kam der nächste an die Reihe. Der Prophet Elias sagte zu seinem Begleiter:"Das ist der Himmel!"

Durch das Märchen wird man an folgende Symptome aus der RAL erinnert:
Symptom Nr. 146: Er ist traurig und niedergeschlagen über die Beschwerden des Lebens, die sich die Menschen untereinander und ihm selbst verursachen, worüber er ängstlich und besorgt ist; dabei Mangel an Eßlust.
Symptom 147: Er ist niedergeschlagen über die Anfeindungen von anderen von allen Seiten und zugleich hilflos und besorgt über die Zukunft.

Ich hoffe, daß uns durch unsere Arbeit an Drosera der Sinn für dieses großartige Mittel geöffnet worden ist. Margret Tyler hat schon auf die sicher ungenutzten Möglichkeiten dieses Mittels hingewiesen. An uns ist es nun, durch die feineren seelisch-geistigen Beobachtungen an unseren Patienten öfter an dieses Mittel zu denken. Es fehlen uns noch die entsprechenden Krankengeschichten, nachdem hier die Geschichten der Erzähler und Träumer einen großen Raum eingenommen haben.


Dr.med. Gerhardus Lang, Homöopatischer Arzt,
Klinge 10, 7325 Boll