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Eine Studie über Drosera rotundifolia, den Sonnentau (Drosos (Gr.) = Tau). Der rundblättrige Sonnentau wächst - wie auch andere "fleischfressende" Planzen - nicht auf "gewöhnlicher" Erde, d.h. auf den Abbauprodukten der die Erdkruste bildenden Mineralien, sondern auf dem Moor, d.h. auf Abbauprodukten pflanzlicher Herkunft. So schreibt Pelikan (Wilhelm Pelikan, Heilpflanzenkunde, Dornach 1958, S.129): "Aus der eben skizzierten Anschauung fällt auch ein Licht auf das, was in der Auswahl der den carnivoren Pflanzen zusagenden Bodenbeschaffenheit und in ihrer Verbreitung über die Erde hin zum Ausdruck kommt. Sie lieben nämlich nicht die mineralisierte Erde. Ihre Wurzeln sind überhaupt als verkümmert anzusehen. Wie leicht bleibt ein Fettkraut, ein Sonnentau einem an den Fingern, wenn man sie nur berührt. Moore, Sümpfe, allenfalls von täglichen tropischen Regengüssen durchweichter Boden - von Wäßrigem durchquollenes Erdiges, Entmineralisiertes: Das ist ihr Lebengebiet. Gewisse Arten haben sich ganz als Wasserpflanzen gehalten, schwimmen frei in stehenden Gewässern. Die Würzelchen sind zart und klein, und so haftet die Pflanze nur leicht auf ihrem Grund. Geringe Kraft ist nötig, um sie zu entwurzeln, sie bleibt durch ihre klebrigen Blätter schon an dem hängen, der sie berührt." Am Boden bildet sich eine Rosette von zahlreichen haarigen, grünen oder roten Blättern, die sich schmal stempelartig von dem eigentlich völlig fehlenden Stengel der Pflanze gleich oberhalb der Wurzel kreisförmig am Boden liegend ausbreiten und sich ihrem Ende zu löffelförmig erweitern. Dort bilden sich dann am Rand braunrote, reizbare Haare, die am Ende aus einer Drüse tauglänzende Tropfen absondern, die jedoch nicht an der Sonne vergehen, wie das "anständige" Tautropfen tun (deshalb Sonnentau). Die Tropfen zeigen insofern noch weitere Eigenschaften tierischer Drüsenabsonderungen als sie keinesfalls so harmlos wäßrig sind, wie sie aussehen, sondern zäh und klebrig wie vielleicht frischer Uhu-Klebstoff. Nähert sich diesen verlockend glänzenden "Tautropfen" ein "süßen Nektar" ahnendes (oder vielleicht seinen Durst löschen wollendes) Insektentierchen, so wird es alsbald gewahr, wem es da auf den Leim gekrochen ist: Unschuldig und schön ist das kleine, harmlose Pflänzchen, das zu allem Überfluß noch kleine, weiße Blütchen auf zarten Blütenstengelchen zwischen seiner Blattrosette bildet, womit es seine Harmlosigkeit doppelt kundtut, und nun das: Man klebt nicht nur fest, sondern nun beginnt das Pflänzchen, an seinen Drüsenhaaren zu wachsen; sie wachsen unaufhaltsam auf das kleine Tierchen zu, bedecken es ganz und gar und entwicklen dazu noch die Fähigkeit, dasselbe sozusagen bei lebendigem Leibe mit Hilfe von Verdauungssekret aufzulösen. Die Eiweißprodukte werden aufgesogen, lediglich der Chininpanzer bleibt wie ein fleischloses Gerippe zurück. Nach der "Sättigung" richten sich die "Haare", die sich zum Mahl tief herabgebeugt hatten wie fressende Tiere, wieder auf und erscheinen so unschuldig wie zuvor. Wenn man das Sekret auf die Haut bekommt, so brennt es. Die vorhin schon erwähnten kleinen weißen, sternförmigen Blüten stehen in einseitwendiger, anfangs schneckenförmig aufgerollter Scheintraube. Sie blühen nur einen Tag im Juli und August (Hochsommer) und werden von Insekten bestäubt; auch Selbstbestäubung kommt vor. Die Frucht ist eine vielsamige, eiförmige Kapsel. Das Pflänzchen kommt in den gemäßigten bis arktischen Zonen von Europa , Asien und Nordamerika vor. Volkstümliche Namen: Himmelslöffelkraut, Widdertod, Red-Rot = Rotfäule, Youth-Wort = Jugendkraut, Moorgras. Es wächst auf toten Pflanzen (Pflanzenleichen) = Moor. Merken wir uns die wichtigsten äußeren Zeichen: Leicht entwurzelt, scheinbare Taufrische, klebrige Absonderung, tierische Gier, fleischfressend, Reizbarkeit, Bewegungsfähigkeit, Drüsenbildungen mit Verdauungsferment bildenden Zellen in den Blättern, löffelartige Blätter, auf taktile Reize reagierende Blätter, wundmachendes Sekret. Dies ist eine ganze Reihe von Eigenschaften, die "normalerweise" bei Tieren vorkommt. In der Volksheilkunde wurde Drosera arzneilich verwendet: bei Husten,
Lungenleiden, Schwindsucht, Epilepsie, Geisteskrankheit, Nieren- und
Blasenleiden und Keuchhusten. Dabei konnten die Ärzte feststellen,
daß diejenigen Lungenschwindsüchtigen, die den Droserasaft einnahmen,
rascher starben als jene, die ihn nicht nahmen. In Schweden benutzt man
die verdauungsfermentartigen Säfte von Drosera auch dazu, aus frischer
Milch sogenannte Zäh- oder Langmilch zu machen, ein säuerlich
schmeckendes, schleimiges Getränk mit langer Haltbarkeit (Leeser,
S. 759/I). Widdertod heißt es, weil Schafe, die es gefressen
haben, davon einen tiefklingenden Husten bekommen, an dem sie eingehen.
Wie die Leute auf Himmelslöffel gekommen sind, ist nicht überliefert,
aber der Name erinnert an ein Märchen, auf das wir später zu sprechen
kommen. Die Toxikologen haben sich auch mit Drosera beschäftigt, was
bei Leeser zu finden ist und was ich im folgenden einfach
abgeschrieben habe: An diesen Artikel wurde ich durch eine Übersetzung erinnert, die im Band 8 /I des Deutschen Journals für Homöopathie erschien. Dort sagt M. Tyler im Wesentlichen das gleiche, was sie schon in Drug Pictures über Drosera ausgeführt hat. Aber ich hatte gerade Probleme mit unserem Haustier, einem total schwarzen Kater, 7 Jahre alt, der schon allerhand schwere Verletzungen und eine Vergiftung hinter sich hatte und zäh, wie Katzen nun mal sind, dieses alles mit homöopathischem Beistand überwunden hatte. Nun war er trotz guter Pflege zunehmend abgemagert, appetitlos und verlor sein schönes Fell: Er sah aus wie ein räudiger Hund und hatte am Unterkiefer einen exophytisch wachsenden Tumor, der ihm zwar immer wieder bei Kämpfen abgerissen wurde, der aber mit immer breiter werdender Basis nachwuchs. So ein "schwindsüchtiger Zustand" schien mir gut auf Drosera zu passen, und ich gab dem Tier ein Globulum Drosera C 30. Von da ab gedieh er wieder, zeigte sich bald im schönsten schwarzen Fell, der Tumor ging zurück, und er verlor seine große Scheu vor früher gerne akzeptierten Personen (deren es nur 4 gibt, nämlich meine Frau, meine Kinder und mich). Dieses Ergebnis und ein anderer gutgelaufener Droserafall bei einer tuberkulinischen Patientin weckten mein Interesse an dem Mittel. Das Moor, auf dem Drosera wächst, ist mir gut bekannt aus Worpswede bei Bremen, das vom Teufelsmoor umgeben ist. Dort bin ich aufgewachsen. Worpswede liegt auf einem 50 m hohen Sandberg inmitten dieser Moorniederungen, die vor ca. 200 Jahren von entlassenen Sträflingen kultiviert worden waren: den Moorbauern. Auf dem Berg siedelte sich dann um die Jahrhundertwende ein Völkchen von Malern an, die Worpswede berühmt machten, insbesondere Paula Becker-Moderson, die so früh nach der Geburt ihres Kindes sterben mußte. Die Maler waren von dem eigentümlichen Licht über den Moorniederungen fasziniert. Das ist auch eine Besonderheit. Ein Licht, das eine sehr klare Landschaft entstehen läßt, klare Farben, helle Himmel mit sehnsüchtig ziehenden Wolken. Romantisch, etwas dekadent. Jugendstil. Tuberculinische Verhältnisse einer Bohème besonderer Art, für die v.a. der Name Heinrich Vogler steht. Vögel haben etwas mit Tuberculinum zu tun, da die Reiselust, die Leichtigkeit, der Leichtsinn, das Flüchtige, das Lustige, das feurige Blut, der rasche Puls viel davon enthalten. Es gibt auch Vogeltuberkulose und Tuberculinum aviaire. "Die Natur ist unsere Lehrerin, und danach müssen wir handeln", notierte Otto Moderson, der Mann von Paula Becker-Moderson. Auch hier der Name Moder-Son, der Sohn des Modrigen, des Moores, wie unsere Drosera eine Tochter des Moores ist. Das Verlangen dieser Künstler war, hinaus in die Natur zu gehen, sie zu malen, ihr Spiel mit Licht und Schatten, die sich in ihr widerspiegelnde Sehnsucht nach dem Licht, so viel tausendfach von jedem Naturwesen verwirklicht, einzufangen. Weg von der akademischen Malerei des Ausgangs des 19.Jahrhunderts, weg vom Rationalismus der Wissenschaft und der aufkommenden Industrialisierung. Fritz Overbeck schreibt 1985: "Worpswede ist ein bescheidenes Örtchen, zwischen Bremen und Hamburg gelegen, in einer Gegend, deren landschaftliche Reize Baedecker, so viel mir bekannt ist, mit keinem Wort Erwähnung tut. Ein Hauch leiser Schwermut liegt ausgebreitet über der Landschaft. Ernst und schweigend umgeben weite Moore und sumpfige Wiesenpläne das Dorf, das, als suche es einen Zufluchtsort gegen unbekannte Schrecknisse, sich an den steilen Hängen einer alten Düne, dem Weyerberg zusammendrängt. Wirr und regellos durcheinander zerstreut, liegen Häuser und Hütten, beschirmt von schwerer Last, von moosüberkleideten Strohdächern und knorrigen Eichen, an deren weitausladenden Wipfeln sich machtlos die Stürme brechen. Von der einsamen Höhe schweift weithin der Blick ins Land hinaus, über Moor und Heide, Felder und Wiesen. Dunkle Eichenkämpe, die in ihrem Schatten spärliche Gehöfte der Bauern bergen, unterbrechen hin und wieder die Monotonie der großen Ebene. Wasserläufe blitzen auf und der Spiegel der schlangengleich gewundenen Hamme, darauf in stiller, geheimnisvoller Fahrt schwarze Segel durchs Land ziehen. Darüber spannt sich der Himmel aus, der Worpsweder Himmel . . . Was hülfen uns unsere Strohhütten, Birkenwege und Moorkanäle, wenn wir diesen Himmel nicht hätten, welcher alles, selbst das Unbedeutendste, adelt, ihm seinen unsagbar coloristischen Reiz verleiht, der Worpswede schließlich erst zu dem macht, was es ist." So eine Landschaft entringt sich dem Moor, dessen Schwere die Moorbauern hinabzieht in ihre Natrium- Sulfuricum-Welt. Aber die Landschaft erhebt sich über das Moor wie Drosera, sie lebt nur leicht verwurzelt auf den Pflanzenleichen, und sie fängt die leichtlebigen Insekten ein, um sich ihre Fähigkeiten einzuverleiben, nämlich abzuheben und wie ein Vogel davonzuschweben, was ihr letztlich nicht gelingt. Eine Dichterin, Annette von Droste-Hülshoff, hat auch die Silbe Dros in ihrem Namen. Sie litt an Tuberculose und wurde von Bönninghausen homöopathisch behandelt. Leider ist der Briefwechsel, der ihre Korrespondenz mit Bönninghausen enthält, nicht vollständig veröffentlicht; sie schickte in zahlreichen Briefen genaue Symptomschilderungen an Bönninghausen, aus denen man vielleicht ihre homöopathische Krankengeschichte rekonstruieren könnte. Vielleicht war Drosera eines ihrer Mittel, wer weiß! Sie selbst schrieb jedenfalls ein Gedicht, in dem sie das Unheimliche dieser Welt eingefangen hat: die Welt der Moorgeister, die für den Menschen tödliche Gefahren in sich birgt.
Wahnideen aus dem Repertorium nach Kent: Angst beim Alleinsein
Der Knabe im Moor Wenn es wimmelt vom Heiderauche, Voran, als wollt es ihn holen! Der Knabe springt wie ein wundes Reh;
Die Annette hat wahrscheinlich diese Zwischenwelt, die von der Ver-Wesung lebt, wo die phosphorischen Irrlichter entstehen, beschrieben. Im Brief an Clemens Maria von Bönninghausen schreibt sie 1830 (Brief Nr. 75 der historisch-kritischen Ausgabe VIII,1, Briefe 1805 - 1838 (Niemaier Verlag) ):" Seit gestern, lieber Vetter, haben sich einige Symptome bey mir eingestellt, die vielleicht bey Bestimmung der passenden Arzney Einfluß haben könnten, - bin nämlich, nach dem ich, wie sie wissen, schon einige Tage Husten gehabt, gestern Abend so heiser geworden, daß ich eine Stimme habe, wie der beste Bassist". Einige Züge der Annette von Droste-Hülshoff , aus ihrer Biographie entnommen: verträumt, lebhafte Phantasie, Hang zum Übersinnlichen (sie las gerne im "Liber Mirabilis"), musikalisch, Gespenstergeschichten, exzentrisch, gefühlsüberschwenglich, erstes Gedicht mit 7 Jahren, Fernweh, wechselvolle Stimmungen, romantische Todessehnsucht, unentschieden (zwischen zwei Männern), Angst vor Hunden, Verlangen nach frischer Milch, Heimweh, Eifersucht, Stolz, hochmütig, liebt Tiere und Pflanzen, Mineraliensammlung.
Drosera Klinische Erkrankungen: Amblyopie, Asthma, Bronchitis, Katarrh, Tuberkulose, Husten, Coxalgie, Epilepsie, Blutungen, Kopfschmerzen, Laryngitis, Masern, Übelkeit, Lungentuberkulose, Ischias, Erbrechen, Keuchhusten. Charakteristika: Ein Hauptzug von Drosera ist der spastische Husten, der dem Keuchhusten so ähnelt, bei dem es eines der führenden Mittel ist. RAL (Reine Arzneimittellehre): So reicht z.B. eine einzige solche
Gabe zur homöopathischen, völligen Heilung des epidemischen
Keuchhustens. Die Heilung erfolgt sicher binnen 7 oder 9 Tagen, bei
unarzneilicher Diät. Man hüte sich, unmittelbar nach der ersten eine
zweite Gabe davon zu reichen (und ebenso wenig, irgendein anderes
Mittel), denn sie würde unfehlbar nicht nur den guten Erfolg hindern,
sondern auch beträchtlichen Schaden anrichten, wie ich aus Erfahrung
weiß. Die Indikationen, die Drosera bei einem Vorstadium der Tuberkulose indizieren, sind: Blässe, Schwäche, Appetitverlust, trockener Husten, Abmagerung. Drei laryngoskopische Indikationen sind : Unter den Charakteristika von Drosera sind folgende zu nennen: spastische und zusammenziehende Schmerzen in Bauch, Larynx, Hals, Brust, Hypochondrien. Krabbeln im Kehlkopf, Gefühl einer weichen Substanz, die im Kehlkopf ist wie eine Feder. Schwieriges Schlucken von festen Speisen. Die Stimme versagt. Stechende Schmerzen in der Brust und allen Teilen; stechende Schmerzen im Hirn. Stiche aus der linken Leiste in den Penis; stechende Schmerzen in der Glans penis. Blutungen von hellrotem Blut aus Nase und Mund (blutiger Speichel); im Erbrochenen und Stuhl, im Auswurf. Nagende, stechende Schmerzen in Gelenken und langen Knochen. Drosera hat viele Schmerzen in den Hüftgelenken, und es hat Ischias mit folgenden Charakteristika geheilt: pressende Schmerzen, schlimmer durch Druck, vom Bücken und Liegen auf der schmerzhaften Seite, besser nach dem Aufstehen aus dem Bett. Ausschläge wie Masern, prickelndes brennendes Jucken; schlimmer
durch Ausziehen; besser durch Kratzen; blutende brennende Ulcera mit
schneidenden Schmerzen. Beziehungen: Antidotiert durch Kampfer. Erscheinungsbild: Blass und abgemagert. Es besteht Steifheit, Lähmigkeit und offensichtliche Unlust zu aktiver Bewegung. Auf der anderen Seite ist eine unbehagliche Ruhelosigkeit vorhanden beim Niederlegen, und zwar infolge des Gefühls von Unbequemlichkeit und eines zu harten Bettes. Hält die befallenen Teile mit den Händen fest, insbesondere beim Husten. Psychologie: Die Patienten sind mißtrauisch, still, reserviert
und unbegreiflich reizbar gegenüber Kleinigkeiten. Ruhelos,
unbehaglich, oftmals mit Wahnvorstellungen von Verfolgung. Angst vor dem
Alleinsein, vor Geistern, fürchtet die Nacht. Neigung, Selbstmord durch
Ertränken zu begehen. Physiologie: Die Patienten sind immer zu kalt. Sie frieren sogar
im Bett. Sie zittern und schaudern, wenn sie in der Ruhe sind. Symptomatologie allgemein: Ein Gefühl von zerschlagenem Wundsein Kopf: Schwindel, schlimmer an der frischen Luft mit Neigung, nach links zu fallen. Ein drückender oder stechender Kopfschmerz, schlimmer beim Bewegen der Augen. Etwas Erleichterung durch festes Halten des Kopfes zwischen den Händen. Die Kopfschmerzen sind begleitet von einem Verstopfungsgefühl und von Übelkeit, schlimmer morgens. Verschlimmert durch Hitze und durch Bücken. Ein besonderes Symptom ist Kältegefühl der linken Gesichtsseite mit stechenden Schmerzen, begleitet von einer trockenen Hitze der rechten Seite. Augen: Nach außen schießende Schmerzen im Augapfel insbesondere beim Bücken. Der Visus ist unscharf mit dem Gefühl eines Netzes vor den Augen. Blenden der Augen ist schmerzhaft. Ohren: Schießende und quetschende Schmerzen in den Ohren, schlimmer beim Schlucken. Tinnitus mit summenden, brausenden und brummenden Geräuschen. Atemsystem: Nasenbluten insbesondere abends. Flüssiger Schnupfen, begleitet von viel Niesen. Blut im Taschentuch beim Naseschneuzen. Starkes Brennen und Kratzen mit stechenden Schmerzen im Hals, der dunkelrot oder purpurfarben ist. Ein krabbelndes oder kitzelndes Gefühl im Kehlkopf ist begleitet von Blässe und Lähmung der Stimmbänder, Röte der Mukosa über den Stimmknorpeln und einer erheblichen Aphonie. Die Stimme ist tief und rauh, es findet sich ein gelblicher, schleimiger Auswurf. Die Heiserkeit ist begleitet von Erstickungsattacken beim Sprechen oder Husten. Ein heftiger Kitzelhusten kommt in Anfällen und ist begleitet von Würgen, Erbrechen und kaltem Schweiß. Er ist schlimmer beim ersten Hinlegen, die Kinder fangen an zu husten, sobald der Kopf das Kissen berührt. Ebenso ist es schlimmer nach Mitternacht, insbesondere um 2 Uhr, sowie vom Sprechen, Essen oder Trinken von kalten Flüssigkeiten. Der Patient hält oftmals die Brust beim Husten. Das Sputum ist gelb, blutgestreift oder eitrig und hat einen bitteren oder faulen Geschmack. Verdauungssystem: Schießende Schmerzen in den Zähnen nach heißen Getränken. Geschwüre an der Zunge und im Gaumen. Die Speisen schmecken bitter, insbesondere Brot. Sodbrennen, Würgen und Erbrechen. Dysenterische Stühle sind begleitet von schneidenden Schmerzen. Der Entleerung von Stuhl folgen Schmerzen im Bauch und in der Lumbalregion. Lymphatisches System: Ein wichtiges Gebiet dieses Mittels insbesondere in Beziehung zur tuberkulösen Drüsenentzündung, einschließelich Tabes mesenterica. Harnsystem: Häufiges Urinieren, aber nur geringe Mengen bei der Entleerung. Genitalsystem: Die Menstruationen sind verspätet oder fehlen ganz. Ausfluß ist begleitet von Schmerzen ähnlich denen bei der Geburt. Bewegungssystem: Ausgedehnte Muskelschmerzen mit Steifigkeit und Zittern in der Ruhe. Schmerzen von nagendem oder stechendem Charakter in den langen Knochen, insbesondere nahe den Gelenken. Schlimmer in der Ruhe und gebessert durch Bewegung. Das Mittel muß bei rheumatischen Erkrankungen in Betracht gezogen werden. Ebenso bei Tuberkulose der Knochen und der Gelenke. Modalitäten: Verschlimmerung durch Hinlegen, beim Trinken, beim Singen oder Lachen, gegen Abend und in der 2. Hälfte der Nacht. Es ist besser an der frischen Luft und beim Gehen oder bei aktiver Betätigung jeder Art. Klinische Bemerkungen: Das Mittel ist von deutlichem Wert beim Keuchhusten und jeglichem Husten von anfallartigem Charakter. Wie bemerkt, ist es von Wert bei Tuberkulose des Kehlkopfes, der Lymphknoten und anderen Gewebes. Es ist stark indiziert, wenn in der Familievorgeschichte oder in der eigenen Geschichte Tuberkulose vorkommt oder Kontakt zu Personen mit aktiver Tuberkulose bestanden hat. Auf hohe Potenzen sollte bei der Behandlung der aktiven Tuberkulose verzichtet werden. Gruppenprüfung Am 20.9.89 wurde während der Homöopathiewoche eine Gruppen-Arzneimittelprüfung mit Drosera C30 durchgeführt, wobei das Prüfmittel nur dem Prüfungsleiter bekannt war. Zusätzlich wurde erstmalig eine Imaginationsübung des unbekannten Heilmittels unter der Leitung von Andreas Holling durchgeführt. Auf Grund der Ergebnisse wurde von der Teilnehmerschaft Drosera als das Prüfmittel erkannt. Folgende Themenbereiche wurden in den Imaginationen wahrgenommen: Friedhof :"Alter verwahrloster Friedhof in der Landschaft.
(von Gräbern) Gräber mit Steineinfassungen, alles wild mit
Synagoge, grasbewachsen. Friedhof mit etwa meterhohenm Buchsbaumhecken,
die die einzelnen Grabstätten umgeben." (RAL: Gegen diese
fürchterliche Krankheit, welche nicht wie andere akute Krankheiten von
selbst vergeht, ohne in den Tod überzugehen oder zwanzig bis
zweiundzwanzig Wochen lang zu martern, konnte begreiflich die Allopathie
bisher nichts ausrichten und mußte eine Menge Kinder daran sterben
lassen, wo sie nicht gar ihren Tod mit großen Gaben unpassenderer
Arzneien beförderten.) Totenschädel: "Auf dem Waldboden: Totenschädel. Es lag dort ein Mensch, Arme und Beine von sich gestreckt und dreht sich auf den Bauch, sinkt dann ein. Dort ragt ein nilpferd- krokodilähnlicher Kopf heraus - stierende Augen - fixiert geradeaus geschaut. Knochenschädel von hinten." Irrgarten: "In einem leeren Haus, total dunkler Tunnel (vom Tunnel), am anderen Ende sieht man den Ausgang sehr hell. Dann bin ich durch einen Tunnel in die Erde runtergesaust, dann sah ich Leichen, die mit Tüchern bedeckt waren - die fingen an zu brennen, waren danach auch verkohlt." Höhen: "Ich seile mich an einem Haus nach unten ab (von Höhen). Ist aber ganz normal, nicht gefährlich. Ich stütze abwärts mich mit den Füßen an der Wand ab. Ich denke über Hyperventilation und Atemnot nach. Eine Urlaubssituation in Mexiko auf 4.500 m Höhe mit starken Atembeschwerden taucht auf." Treppe: "Eine Kellertreppe mit durchhängendem Geländer, sie
rutscht auf dem Gesäß die Treppen runter. Es liegen dort vier große
Kartoffelkörbe voll Kartoffeln. Antike: "Bin im Wald - ich laufe durch Wald - weiter durch
Wald, es geht etwas nach unten und plötzlich kommt ein ganz schmaler
Fußweg, und vor mir läuft noch eine Person mit, und dann ist es
unheimlich steil, so daß ich von der Person nur den Oberkörper sehen
kann. Kugeln: "Hände reichen goldene Kugeln nach oben von einer
Hand in die andere. Rotkäppchen: "Am Anfang ein Gitter wie im Gefängnis. Dann eine (vom Gefängnis) abgewandelte Rotkäppchengeschichte: Rotkäppchen hat ein weißes Spitzenhäubchen auf. Hat ein schönes Kleid mit rot und weiß an. Sie geht in den Wald. Dort sitzt ein kleines, liebes Wölfchen. Es hat Augen, die so rauskommen, Stilaugen, wie Flammen herauskommen, Speere, etwas teuflische Augen. Sie nimmt ihn - das Wölfchen ist lieb - legt es über die Schulter. Sie kommt zu einer knorrigen Weide, wo oben von einer Plattform die Ruten so weggehen. Sie setzt sich darauf - das Wölfchen legt sie in den Schoß. Plötzlich waren dort lauter Schlangen im Schoß, eine kommt etwas rauf - ist sehr bedrohlich. Dann kommen schwarze, bedrohliche Gewitterwolken. Sie geht weiter zum Haus der Großmutter. Sie hat keinen Kuchen und Brot mit. Ein dicker, kräftiger, stark behaarter Mann (tierisch) kommt aus dem Haus. Im Bett liegt die Großmutter mit weißem Spitzenhäubchen - es war aber eine Katze, die auf dem Rücken liegt und die Beine auseinanderspreizt. Dann am Ende wieder das Gefängnisgitter wie am Anfang." Muschel: "Mir ist es beim Meditieren ganz gut gegangen, es war ein schönes Bild, es war ein herrlicher Glanz und glitzernd alles, und ich selber bin eine ungefähr 30 m hohe Muschel, also ich bin selber eine riesige Muschel, die übers Meer ragt (von der Sonne und dem Meer). In meiner Öffnung (von einer muschelartigen Öffnung), also nach unten rein, spült das Meer, und auf das schaue ich herunter. Da glitzert das Wasser, ich bin völlig ruhig und stehe da, geöffnet über der Wasseroberfläche des Meeres, das blinkt und glitzert im Sonnenlicht (Sonnentau). Ich bin der am weitesten und am dichtesten am Meer gelegene Teil eines Berges oder Hügels. Also da geht an meinem Rücken der Hügel los. Ein herrlicher Blick auf das Meer, dann geht kurz die Sonne weg. Ich bin traurig, weil ich hier fest bin, fest stehen muß und nicht weg kann, wo ich doch immer los will und Bewegung brauche. Da kommt schon wieder die Sonne, und es glitzert schon wieder in meinem Bauch der Muschel, die also mit Rillen bis oben hin ist, oder ein Kristall liegt rechts in meinem Bauch, und der glitzert; der ist ungefähr einen halben Meter über der Wasseroberfläche, und er glitzert in allen Spektralfarben. Und mein Gefühl ist so ungefähr: Ich brauche hier gar nicht weg. Ich brauch' gar nicht woanders hin', und diese Idee ist für mich sehr tröstlich. Also, da geht's mir wahnsinnig gut dabei, daß ich gar nicht weg muß. Aus den Träumen: Bericht von Max Mustermann (Name von der Redaktion geändert: Traum:"Ich warte auf eine Gerichtsverhandlung, um mein
Lektoratshonorar einzuklagen. Sitze mit einer Handtasche auf dem Schoß
im Warteraum, warte darauf, aufgerufen zu werden. Ich habe auf einmal
das Gefühl, ich sei der Schuldige, die angeklagte Person, dabei
will ich doch nur mein Recht einfordern. Sitze da wie jemand, der
gefaßt sein Urteil erwartet." Ein zweiter Traum nach C 200: "Jemand sagt mir, ein Bekannter hätte Kunstgegenstände gestohlen. Ich bin ganz entsetzt, denke: Daß der so geldgierig ist, hätte ich nicht gedacht! Doch dann kommen mir Zweifel: Wer weiß, ob das wirklich stimmt? Vielleicht ist er ja auch unschuldig. Man muß ihn doch erstmal zu Wort kommen lassen. Man muß es erst beweisen, bevor man ihn anklagt." Philosophie am Tage: Kann man es vermeiden, schuldig zu werden? In dem Moment, wo ich mich für meine Interessen einsetze, d.h. an meine Freiheit denke, schränke ich auch die Freiheit eines anderen ein. Mir fallen die Menschen ein, die auf ihr persönliches Glück verzichten, sich anderen unterordnen, sich aufopfern, d.h. zu wenig Egoismus, "zu wenig Biß" entwickeln - das andere Extrem gegenüber der 'Robinson-Freiheit'. Hier zeigen sich z.B. einige Parallelen zu Causticum, die ich öfter gefunden habe. So könnte man auch das Lied von Sacco und Vanzetti, das während der Boller Woche auf einmal auftauchte und das wir immer wieder summten, beiden Mitteln zuordnen. Das Verrückte war, daß alle die Melodie kannten, niemand wußte aber, warum es eigentlich ging. "Detektivarbeit"mußte ich nachher in Freiburg leisten, um das herauszufinden. Das Lied wurde oft auf Demonstrationen gespielt, auf deutsch, englisch, französisch, u.a. von Joan Baez gesungen und entstand aus einem Film, der 50 Jahre nach dem Tode von Sacco und Vanzetti gedreht wurde. Nicola Sacco und Bart Vanzetti waren zwei aus Italien nach Amerika eingewanderte Arbeiter. Als aktive Mitglieder der linken Gewerkschaftsbewegung hatten sie Streiks und Demonstrationen organisiert. 1920 wurden sie wegen eines Mordes angeklagt, mit dem sie nichts zu tun hatten (!) . Nach einem äußerst zweifelhaften Gerichtsverfahren wurden sie zum Tode verurteilt. Proteste und Solidaritätskampagnen im In- und Ausland blieben ohne Erfolg; obwohl Hunderttausende wegen des ungerechten Urteils demonstrierten und die Freilassung forderten, wurden sie am 22.August 1927 hingerichtet. Um also die Gewerkschaftsbewegung einzuschüchtern, wurden zwei 'Unbequeme' zum Verschwinden gebracht. Traum nach C 200: "Im Altenpflegeheim (wo ich arbeite) warten wir darauf, nach Hause gehen zu können. Das ist abhängig davon, wann die Leute in der Küche fertig sind. Normalerweise können wir um 19.30 Uhr gehen, niemand garantiert aber dafür, daß es nicht 21.30 Uhr wird. Zwei Stunden nur rumhocken und warten und auf den Goodwill der anderen angewiesen zu sein, ist eine schreckliche Vorstellung. Ich ärgere mich darüber und bin erstaunt, daß die Kollegen das so hinnehmen. Ich fühle mich in dieser Situation wie ein Dienstmädchen (hat auch eine weiße Haube auf wie das Rotkäppchen in der Boller Meditation). Denke: Dafür gibt es doch Gewerkschaften! Ich muß zur Gewerkschaft gehen, unser Recht einfordern (sich für die eigenen Rechte einsetzen, auf etwas warten müssen; Bezug zu Italien taucht öfter auf, italienische Widerstandskämpfer, italienische Frauennamen, die auf "a" enden: Francesca, Katharina kommen vor). Weitere Themen im Leben dieser Teilnehmerin waren: sich für jemanden
einsetzen und dafür kein Verständnis entgegengebracht bekommen;
Quälerei anderer Menschen. Bewegung, Wunsch nach Veränderung; Angst
vor Bindungen; Bindung wie Gefangenschaft erleben: "Da kommt man
nicht mehr raus"; aber auf der anderen Seite positiv: leichter
Kontakt finden (was auch andere Prüfer aus der Boller Woche erlebt
haben). "Ich hatte Zugang gefunden zu einer inneren 'glücksenden'
(statt 'glucksenden') Quelle und hatte das Gefühl, an die Stelle des
Sumpfes tritt klar sprudelndes Wasser." "Ich hatte einen Traum nach C 200, wo ich den Sonnentau vor mir sah. Er war halb Tier, halb Pflanze. Das Tier sah ganz zottelig aus und war unten, die Pflanze oben. Meine Assoziation: Das zottelige (Nachlässigkeit ?) Tier symbolisiert die "verschlingende " Sexualität, dieser Aspekt hat was Unheimliches. Am Tanzabend in Boll sah ich, wie eine Frau ihrem Tanzpartner die Arme um den Hals legte, und fand das zu meinem eigenen Erstaunen unheimlich. Jetzt erinnert es mich an die insektenfangende Pflanze ('män-nermordender' Vamp?). Wenn der Mann nicht mehr zu gebrauchen ist, wird er links liegengelassen (wie das, was die Pflanze von dem Insekt übrigläßt). Es gibt übrigens ein Sonnentaugewächs, eine Verwandte unserer Drosera, das in den Mooren Nordamerikas wächst, mit dem Namen Venusfliegenfalle. Die Sexualität tauchte auch in meinen Träumen auf, oft ging es um die erste Annäherung, verliebt und verspielt. Es paßte eher zum Wölfchen als zum Wolf, eher dazu, daß das Rotkäppchen bei Drosera mehr eine weiße Haube trägt, also eher noch unschuldigen Charakter hat (interessant der Ausspruch: "Ich habe meine Unschuld verloren"). Eine andere Beobachtung, die sich auf den zwischenmenschlichen Kontakt bezieht, fand ich ebenfalls sehr spannend. Es heißt von Drosera: argwöhnisch, "voll Mißtrauen, als wenn er mit falschen Menschen zu tun hätte ..., glaubte von tückischen, neidischen Menschen hintergangen zu werden". Es ist aber die Frage, ob es immer Wahnideen sein müssen. Ich habe da eine Erfahrung gemacht, hatte aber unter Drosera ein sehr feines Gespür dafür, wer es ehrlich meint; sonst bin ich eher gutgläubig, gehe auch öfter mal jemandem auf den Leim, zu der Zeit war ich jedoch hellfühlend, nicht hellsichtig oder hellhörig, sondern wirklich hellfühlend. Das hatte zur Folge, daß eine Freundschaft, in der es schon kriselte, in die Brüche ging. Irgendwann später habe ich mir die Frage gestellt, was zu Drosera passen würde, habe dann die Bibel aufgeschlagen, und mein Blick fiel auf den Psalm 139/23: "Erforsche mich, Gott, und erfahre mein Herz; prüfe mich, und erfahre, wie ich`s meine." (Jemanden auf Herz und Nieren prüfen). In Emil Schlegels "Religion der Arznei" las ich im Anhang über die Anwendung von Drosera als Heilmittel folgende Sätze: "Ein zartes Wesen war durch außer ihm liegende Umstände gezwungen, die gerade für sein Wesen bedeutungsvolle pflanzenhafte Schicht seines Inneren zu verleugnen und animalisch aggressive Kräfte zu entwickeln. Es galt nun, das dieser Situation entsprechende Heilmittel zu finden, und es fand sich in dem Pflänzchen Drosera. Dies ist ein zartes kleines Pflänzchen, das auf Mooren und feuchten Waldwiesen gedeiht und dazu übergegangen ist, weil ihm der torfige Boden nur mangelhaft Nährstoffe bietet, mit seinen Blättern kleine Insekten zu fangen und diese mittels eines pepsinähnlichen Ferments zu verdauen. Dabei hat es die Bildung des grünen Pflanzenfarbstoffs, des Chlorophylls vernachlässigt und seine Blätter sind an diesem Stoff ärmer als die anderer Pflanzen. Die Pflanze hat also die Grenze ihres eigenen Wesens überschritten und eine Art tierischer Nahrungsaufnahme und tierischer Verdauung aus sich heraus entwickelt ... " Von diesen Sätzen fühle ich mich sehr angesprochen, es hätte auch von mir die Rede sein können. Ich habe lange mein Wesen, das so wenig animalisch aggressiv ist, verleugnet, gerade in der Kindheit und der Pubertät, wo mir Drosera sicher gutgetan hätte. Bei Drosera geht es um Gefängnis. Die Frage, die man stellen könnte, wäre vielleicht: Was ist ein inneres Gefängnis? Dadurch, daß ich immer anders ein wollte, eben so wie die anderen, viel frecher, draufgängerischer etc., habe ich mir mein neues Gefängnis gebaut. Die zentrale Figur für mich bei Drosera ist das Schaf oder das Lamm, die ja beide an dem Verzehr dieser Pflanze zugrunde gehen. Aber was sie tötet, wird sie in anderer Form auch heilen. Die Attribute eines Lamms z.B. (die ich manchmal zu hören bekam:
"Du wirkst so unschuldig, so rein wie ein Lamm") sind nicht
gerade das, womit man sich in der Pubertät identifizieren möchte. Noch
jetzt wird mir abwechselnd heiß und kalt, wenn ich daran zurückdenke.
Ich habe mich dann bemüht, diese Eigenschaften abzulegen, nach dem
Motto: "Liebe ist langweilig" und habe mir das Rauchen
angewöhnt - eine Angewohnheit, die sich immerhin bis vor einem
Vierteljahr hielt. (Drosera war das Mittel - logischerweise, kann ich
jetzt sagen - unter dem ich mir das Rauchen abgewöhnt habe, aber wie
der Zusammenhang ist, ist mir erst vor kurzem bewußt geworden.)
Weitere Symptome der Gruppenprüfung: Margret Tyler beschreibt in ihrem Aufsatz die erfolgreiche Behandlung
tuberkulöser Knochenerkrankungen, die sie anfangs mit Tuberculinum,
Calcium und Sulfur behandelt hatte. Es handelte sich um Tuberkulose der
Wirbelsäule eines kleinen Jungen, der dann zu seinem Glück Keuchhusten
bekam, weswegen Frau Tyler Drosera 200 gab. Dieses wirkte dann so auf
den übrigen Gesundheitszustand, daß die Wirbelsäule vollständig
ausheilte. Später gab sie noch in anderen Fällen von
Knochentuberkulose Drosera - mit sehr gutem Erfolg. Ebenso erfolgreich
war sie bei der Behandlung einer tuberkulösen Nebenhöhlenerkrankung.
"Es war die Tibia, die mir glänzend zeigte, daß Hahnemann richtig
lag, als er in seiner reinen Arzneimittellehre unter Drosera die
Schmerzen in den langen Knochen fett druckte, jene aber, die Materia
medicas zusammenstellen, und dieses Symptom als eine Beziehung zu
Knochen und Gelenken bezeichneten, falsch lagen. Sie haben uns viele
ausgezeichnete Ergebnisse geraubt, durch Reduzierung dessen,
was Hahnemann als wichtig betonte." Nach der Homöopathiewoche schrieb mir A. einen Brief. Sie
hatte keine Kügelchen genommen, aber intensiv "auf die
Schwingungen" reagiert. Sie bekam zu Hause hohes Fieber und lag
drei Tage im Bett, hatte dabei Husten und Knochenschmerzen: "ich
konnte in Boll kaum sitzen, weil jeder Stuhl zu hart war".
Appetitlosigkeit. Sie hatte ständig das Gefühl, der Magen sei
verknotet. "Der Prophet und die langen Löffel" ( aus "Der Kaufmann und der Papagei, Orientalische Geschichten
als Medien in der Psychotherapie" von Dr.med. Nossrat Peseschkian,
Fischer Verlag) Durch das Märchen wird man an folgende Symptome aus der RAL
erinnert: Ich hoffe, daß uns durch unsere Arbeit an Drosera der Sinn für dieses großartige Mittel geöffnet worden ist. Margret Tyler hat schon auf die sicher ungenutzten Möglichkeiten dieses Mittels hingewiesen. An uns ist es nun, durch die feineren seelisch-geistigen Beobachtungen an unseren Patienten öfter an dieses Mittel zu denken. Es fehlen uns noch die entsprechenden Krankengeschichten, nachdem hier die Geschichten der Erzähler und Träumer einen großen Raum eingenommen haben.
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