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Lachesis
Lachesis, der Stoff, das Tier

Lachesis, dieses aggressive Ungeheuer, das bis zu 3,60 Meter lang wird und über auffallend große Fangzähne verfügt, der "Buschmeister" süd- und zentralamerikanischer Tropen, auch Surukukuschlange genannt, wurde homöopathisch im Jahr 1828 von Hering entdeckt, der einem halberschlagenen Tier, welches man ihm gebracht hatte, Gift entnahm, mit dem er dann zunächst Arzneimittelprüfungen an sich selbst vornahm. Die Intensität dieser Selbstversuche ist daran ersichtlich, daß Hering seine Frau anwies, all das, was er, im Bett liegend, delirierend von sich gab, aufzuschreiben. Er selbst war nach Gifteinnahme dazu nicht mehr fähig. Hering setzte sich der Lachesis-Vergiftung bis an die Grenze des Erträglichen aus, stieg so tief hinab, wie es eben ging, und behielt als Folge zeitlebens einen gelähmten Arm zurück. Diese Form von Existentialismus ist bereits charakteristisch für Lachesis, dieses Bestreben, eine Sache bis zum Exzeß auszuhalten, um alles bis zum letzten Rest in ganzer Tiefe zu erfassen.

Julius Metzger, der eine große Verwandtschaft sämtlicher Schlangengifte untereinander feststellte, unterscheidet neurotoxische, gerinnungsfördernde und histologische (also auch hämolytische) Wirkung. "Während bei den Colubriden (Nattern), zu denen Naja und Elaps gehören, die neurotoxische Wirkung am stärksten hervortritt und dementsprechend der Tod bei den Gebissenen durch Nervenlähmung (Atemlähmung) erfolgt, steht bei den Viperiden (Lachesis, Crotalus, Bothrops lanceolatus, Vipera Berus) die Wirkung auf das Blut durch Hämolyse und endovasculäre Gerinnung (Thrombose) im Vordergrund."

Interessanterweise bildet sich beim Menschen durch Impfung eine Immunität gegen Schlangengifte. Im übertragenen Sinne läßt sich daraus bereits schließen, daß die Überwindung des "Bösen" ( die Schlange als Symbol des Sündenfalls) nur durch das "Böse" selbst erfolgen kann. Wenn Artus den Merlin also fragte: "Wo liegt das Böse dieser Welt?" und Merlin antwortete: "Dort, wo es am wenigsten vermutet wird!", so läßt sich dies, lachesistypischerweise, auch problemlos in sein Gegenteil verkehren. Dementsprechend liegt das Gute der Welt natürlich auch da, wo man es am wenigsten vermutet, wie zum Beispiel im Zentrum des Bösen selbst, also auch im Gift von Schlangen.
Der Name Buschmeister rührt übrigens einfach daher, daß Lachesis, über die beeindruckende Größe ihres Körpers und ihrer Fangzähne hinaus, auch die giftigste aller Schlangen ist. Die Wirkungen eines Lachesisbisses lassen sich Grob in zwei Ebenen unterteilen. Zum einen die lokalen Veränderungen an der Bißstelle selbst und zum anderen die systemischen Folgen für den Gesamtorganismus. Das in organischer Hinsicht zentrale Thema von Lachesis ist der Blutkreislauf. "Der jähe Stichschmerz kann sich von der Bißstelle entlang dem betroffenen Glied zum Rumpf erstrecken und sehr heftig, gar unerträglich werden. Die Umgebung der Wunde wird ödematös und durch Blutaustritte verfärbt; sie kann mit Bläschen bedeckt sein, schließlich kann es zu Nekrose und selbst Gangrän kommen . Auffallend ist oft eine dunkle Sickerblutung. Das Fehlen von Eiterabsonderung weist auf ein Darniederliegen der Abwehrreaktion im Gewebe hin. Das Gift verbreitet sich so schnell (wie Lachesis redet), daß fast sogleich Allgemeinerscheinungen folgen: äußerste Hinfälligkeit, kalter Schweiß, ein beschleunigter, schwacher Puls, Dyspnoe, Übelkeit, Erbrechen und zuweilen Durchfall, wiederholter Kollaps und schließlich Tod."

Nach Lewin können die örtlichen Veränderungen an der Bißstelle fehlen, wenn kein Gift in die Cutis gelangt. Er beschreibt sowohl die örtliche wie auch die systemische Komponente von Schlangengiften allgemein wie folgt: "Die Vergiftungssymptome stellen sich bei Menschen durch getrennt oder mannigfach kombiniert auftretende örtliche und resorptive Symptome dar. Die örtlichen Veränderungen an der Bißstelle, die bisweilen dann meiner Ansicht nach ganz fehlen, wenn kein Gift in die Cutis gelangt ist, gehen einher mit: strahlenden Schmerzen, aber Gefühllosigkeit an der Bißstelle, weit sich verbreitender Anschwellung, Lymphangitis, Lymphadenitis, blauroter Hautverfärbung, Entzündung der Weichteile, die zentralwärts fortschreitet, evtl. eitriger Phlegmone mit Öffnungen, Fistelgängen, Brandblasen, Gangrän. Hineingelangen von Gift in das Auge veranlaßt heftige Entzündung. Die resorptiven Wirkungen erscheinen bisweilen schon nach einigen Minuten, selten sofort als Ohnmacht. Meist werden zunächst Beängstigung, Unruhe, Präcordialangst und Kopfschmerzen wahrgenommen. Dann folgen Kälte und Schweiß an der Haut, selten das Gegenteil, kaltes Schaudern, Verlangsamung und Schwäche des Herzens, Durst, Erbrechen, Schluckbeschwerden, Schlundkrampf, Schwellung des Leibes, Durchfall, Ikterus, Strangurie (= Harnzwang, schmerzhaftes Harnlassen), meistens Verminderung der Harnmenge, auch wohl Albuminurie und Glykosurie, Kopfschmerzen, Benommenheit, Schwindel, Amblyopie (Schwachsichtigkeit) bzw. bleibende Blindheit, Mydriasis, Ptosis (nach Biß der Naja tripudians), Akkommodationslähmung, Schmerzen in Stirnhöhle und Augen, Abort bei Schwangeren, Verfallen der Gesichtszüge, Ohnmachten mit kleinem, flatterndem Puls, gesunkener Körperwärme und Atembeschwerden, so daß der Kranke bisweilen nur aufrecht sitzend atmen kann, Aphasie, Schluchzen und mimischer Krampf. Dabei entsteht bald eine starke Empfindlichkeit am ganzen Körper, bald auch eine vollständige Anästhesie. Selten und von böser Vorbedeutung sind Blutungen aus Mund, Nase, Ohren, Augen bzw. Blase, Darm, sowie Petechien an der Haut. In schweren Fällen erscheint Koma mit Delirien und Konvulsionen. Nach längerem Bestehen können die Krämpfe in Lähmung (Zunge, Kehlkopf, Schließmuskeln) übergehen. Der Tod erfolgt unter Erstickungskrämpfen, häufig bei völligem Bewußtsein.

Als Nachwirkung des Schlangenbisses beobachtet man : Ikterus, der monatelang bestehen kann, Gelenksteifigkeit, Lähmung von Gliedern oder Schließmuskeln, Schwäche, Ödeme, Hämorrhagien, auch periodisches Erscheinen von Beklemmungen, Neuralgien, Kopfschmerzen und krampfhaften Flexionen, Wiederaufbrechen der Bißstelle und langwierige Eiterungen selbst noch nach vielen Jahren."

Alle Schlangengifte enthalten nach Metzger folgende Grundgifte: Neurotoxin, Cytolysin, Hämorrhagin, Hämolysin, Koagulin und Antikoagulin. Je nachdem, um welches Schlangengift es sich speziell handelt, kommen diese Substanzen in wechselnden Verhältnissen zueinander vor. Lachesis, wie erwähnt stärkstes Schlangengift, enthält sämtliche der genannten Stoffe in starker Konzentration. Die (homöopathische) Anwendung eines anderen Schlangengiftes als Lachesis ist im angezeigten Fall also weniger von den Informationen der Einzelstoffe geprägt als vielmehr von ihrer Gesamtaussage im jeweiligen Wechselspiel unterschiedlicher Relationen.

Die proteolytische Wirkung von Schlangengiften und insbesondere auch von Lachesis kann ganze Gliedmaßen gangränös werden lassen und dazu führen, daß Leichen von an Schlangenbissen Verstorbenen sich ungemein rasch zersetzen. Der Bezug von Schlangengift zum Ikterus ist hämolytischer Natur. Über den Zerfall roter Blutkörperchen hinaus bewirkt beispielsweise Lachesisgift auch noch deren Agglutination (Koagulation), was die Bezüge zum thrombotischen Geschehen erklärt. Das Hämorrhagin wiederum ist verantwortlich für Schädigungen der Gefäßendothelien, Grundlage also für die möglichen, vielfältigen Blutungen. Der proteolytische Aspekt macht natürlich auch nicht vor den weißen Blutkörperchen halt und bewirkt die ebenfalls schon angesprochene Lahmlegung der Immunfunktionen. Daß Lachesis auch bei schlecht heilenden, lokalen Infektionen sowie bei septischen Geschehen, Schock und Kollapsneigung zu erwägen ist, sei an dieser Stelle als Zusammenfassung des bisher Gesagten grob vorweggenommen.

Wenn Metzger Lachesis den Viperiden zuordnet, so bedarf dies noch einer Präzisierung. Viperiden und Crotaliden werden als Solenoglysühodonten (Solenoglyphen) zusammengefaßt. Genaugenommen gehört Lachesis der Familie der Crotaliden an, den giftigen Grubenottern. Ottern wiederum werden als Vipern bezeichnet - kurzum, die Klassifizierungen sind mitunter etwas verwirrend. Grob lassen sich Schlangen fogendermaßen spezialisieren : Nattern (Colubriden), Ottern (Vipern) und Klapperschlangen (Crotaliden), diesen drei Formen ist die Ausbildung eines Bißgiftapparates gemein. Für unsere Zwecke reicht es vollkommen aus zu wissen, daß es die Viperiden und Crotaliden sind, die unter den Schlangen den spezialisiertesten und wirkungsvollsten Giftapparat besitzen. Der gemeinsame Oberbegriff Solenoglyphen besagt, "daß der Kanal in dem langen, etwas gekrümmten Hauzahn zu einer Röhre geschlossen ist. Durch diesen Röhrenzahn spritzen die Schlangen das giftige Sekret wie durch eine Injektionsnadel in die gesetzte Wunde ein. Des kann so blitzschnell vor sich gehen, weil der Giftzahn in einem beweglichen Sockel des Oberkiefers sitzt; gleichzeitig mit dem Zuschnappen der Kiefer werden die Speicheldrüsen durch die Muskelkontraktion ausgepreßt und entleeren ihren Inhalt durch den Ausführungsgang und die Röhre des Fanges."

Die Lachesis muta die also den Crotaliden (Klapperschlangen) angehört, ist schon allein von ihrer Namensgebung her ein einziger Widerspruch. Denn muta heißt soviel wie stumm - es handelt sich bei Lachesis um eine stumme Klapperschlange. Eine Klapperschlange, die deshalb nicht klappern kann, weil ihre Endglieder zu einem hornigen Ende verwachsen sind. Sie wird 2,50 - 3,80 Meter lang und ist gelblich braun mit dunkelbraunem Rhombenmuster. Lachesis liebt feuchte Gebiete und frißt gern Nage- und andere Kleintiere. Wie andere Schlangen auch verzehrt sie ihre Opfer unzerkleinert mit Haut und Haaren; der Bezug zum Symptom "Engegefühl im Halse" ist hier ein polarer. Bei den Speicheldrüsensekreten handelt es sich also nicht nur um Kampfgifte, sondern - wahrscheinlich in erster Linie sogar - um hochleistungsfähige Verdauungsenzyme.
(Proteolytischer Aspekt, Gangrän etc.) Die eingangs erwähnten neurotoxischen Bestandteile der Schlangengifte sind demgegenüber diejenigen, welche als Kampfstoff im Sinne einer Lähmung des Opfers fungieren. Vipern und Crotaliden, Solenoglyphen also, mit hochspezialisiertem Bißgiftapparat und deutlicher Akzentuierung der proteolytischen Komponente - hier ist Lachesis als stumme Klapperschlange anzusiedeln.
Es sind mehrfach Überlegungen angestellt worden, ob Schlangengifte, auch wenn sie homöopathisch verabreicht werden sollen, nicht besser zu injizieren seien, da dies eine größere Ähnlichkeit zu einem Schlangenbiß aufweise. Die Erfahrung zeigte und zeigt jedoch, daß oral verabreichte homöopathische Schlangenmittel, wenn sie passend sind, eine tiefgreifende Wirkung besitzen, so daß auf parenterale Gaben weitestgehend verzichtet wird.

DIE IDEE
Beim Versuch, den Hauptwesenskern, die zentrale Idee des Themas Lachesis in wenigen Worten zu benennen, scheint mir der Begriff 'Zweifel' von besonderer Bedeutung zu sein.
Mein Lehrer Andreas Krüger sprach in diesem Zusammenhang von einem Konflikt zwischen "Weisheit und Verführung". Hier klingt bereits der Bezug zum Sündenfall an. Als die Schlange Adam und Eva nahelegte, doch ruhig den Apfel vom verbotenen Baum zu essen und der Biß in diesen Apfel dann der Vertreibung aus dem Paradies gleichkam, da obsiegte vermeintlich zunächst die Verführung über die Weisheit. Die Menschen standen und stehen seitdem vor dem Dilemma, "zwar zum Guten entschlossen zu sein, aber das Böse trotzdem nicht lassen zu können". Das liegt daran, daß es so schwer fällt, das Gute im Bösen zu erkennen. Die meisten schaffen dies ein ganzes Leben lang nicht und müssen wiederkommen (Reinkarnationsgedanke). Doch irgendwann ist es geschafft, und es stellt sich heraus, daß nur kraft der Verführung Weisheit erlangt werden kann. Das Böse befreien - und damit das Gute im Bösen - sind auch charakteristische Aspekte einer Lachesis-Heilung. Das Prinzip des wiederkehrenden Sohnes. Er ist dem daheimgebliebenen Bruder überlegen, der zwar unbefleckt und gut geblieben ist, aber auch nichts anderes kennt. Auf diese Weise wird er immer nur Erzengel bleiben können, ohne Entdeckung seines Selbst und ohne Entwicklung von Selbstgewahrsein. "Betrachtet es als einen Grundsatz, daß das Wesen des Menschen in der Theose (Rückkehr zum Vaterhaus) allen Erzengelrängen weitaus überlegen ist. Deshalb gibt es am Ende keine ewige Bestrafung. Es gibt nur das Erwerben von Erfahrung in der Materie, das uns die Selbstbewußheit entwickelt. Um es mit den Worten des Paulus auszudrücken : "Tod, wo ist dein Stachel? Hölle, wo ist dein Sieg?"
Die Erkenntnis, daß die Hölle des einen des anderen Paradies sein kann, läßt keinen Dogmatismus mehr zu. Auf der Suche nach dieser Einsicht befindet sich Lachesis.
Wenngleich Zweifel und Zwiespalt einer Lachesispersönlichkeit schwer zu schaffen machen können, eben weil die Neigung, so tief als möglich hinabzusteigen so unwiderstehlich ist, so bewahrt sich Lachesis doch eine tiefe Abneigung gegenüber Dogmatismus jeglicher Art. Lachesis kann durchaus Zuflucht im Fanatismus suchen, um ein angemessenes Ventil für seine tiefen, heftigen inneren Kämpfe zu haben, bleibt aber belehrbar und läßt sich mittels triftiger Argumente auch von anderen Meinungen überzeugen. Der Fanatismus ist hier Ausdruck einer stark ausgeprägten Intensität, mit der Lachesis zu denken, fühlen und handeln pflegt, jedoch nicht als Borniertheit mißzuverstehen. "Typisch : großes Mitteilungsbedürfnis, denkt laut, begeistert sich für Ideen, philosophische Systeme oder religiöse Doktrinen bis zum Fanatismus und will jedermann davon überzeugen. Läßt sich aber durch triftige Gründe belehren, denkt darüber nach und, wenn er sich von der Unrichtigkeit seiner Theorien überzeugt hat, vertritt er mit ebenso großem Eifer die gegenteilige Lehre." (7) Philosophische Systeme, Religiosität, daß diese beiden Begriffe Schlüsselpositionen im Lachesis-Leben einnehmen, unterstreicht einmal mehr die intensiv-existentialistische Grundhaltung der Schlangen-Persönlichkeit. Die Auseinandersetzung mit solchen Themen vollzieht sich bei Lachesis zudem in ungeheurer Geschwindigkeit. Ein Tatbestand, der immer wieder in Einsamkeit enden kann. Lachesis ist zu schnell für seine Umwelt, wird nicht verstanden, fühlt sich unverstanden, und suhlt sich dann unter Umständen gern in einsamem Schmerz. Die Umwelt ist ihm zu langsam, mitunter gar zu blöd. Kurioserweise hat Lachesis tatsächlich oft recht und kommt viel schneller zu gleichen Ergebnissen wie die Anderen - nur in viel kürzerer Zeit eben. Zu allem Überfluß verstehen sie es auch im nachhinein nicht, daß Lachesis schon vorher alles genau so angeregt hatte. Lachesis ist für sie ein verrückter, ausgeflippter chaotischer Themenspringer geblieben, der wirres Zeug geredet hat. Lachesis wird hier nicht rehabilitiert und verharrt in der Position des nicht zu verstehenden bedrohlichen Bösen oder zumindest eines Befremden verursachenden Menschen. Kein Wunder, daß letzterer die Neigung entwickelt, Götter als angemessenere Gesprächspartner zu empfinden. Da können diese "langsamen Blöden" überhaupt nicht mitreden.
Im Gespräch mit Göttern wird Lachesis noch schneller. Die Gedanken und Gefühle können dann maschinengewehrartig so schnell nacheinander und auch gleichzeitig einschlagen, daß Lachesis selbst nicht mehr versteht, was er denkt. Dies sind die göttlichen Eingebungen, die man nur noch festhalten kann , so gut es eben geht. Das Verständnis bleibt späteren Zeitpunkten vorbehalten . In einer solchen Situation würde Lachesis auch von anderen nicht erwarten, verstanden zu werden. Ein gemeinsames Verständnis darüber, daß es völlig in Ordnung ist, jetzt nichts zu verstehen, ohne daß dies befremden muß, wäre Verständnis genug.
Philosophische Systeme und Religiosität lassen sich ausgesprochen gut mit Göttern diskutieren. Ich erwähnte bereits, daß Lachesis eher fanatisch denn dogmatisch ist. Ein anstrengendes, ungezogenes geliebtes Kind Gottes. Nach Einnahme von Lachesis C 10 000 erlebte ich an eigenem Leibe, wie mein bisheriger Gott regelrecht geschlachtet wurde und einem anderen Platz machen mußte. Schließlich stellte sich heraus, daß es derselbe war. Ich hatte ihn bis dato lediglich falsch verstanden
. Das viele Reden ist ein wichtiges Ventil für Lachesis. Lachesis kann sich in einen regelrechten Rederausch hineinsteigern. Dabei liebt es auch das Spiel mit den Worten. Ein Freund nannte diese Form von Ventilation 'Verbalakrobatik'. Wie eine Schlange ihr Opfer geradezu hypnotisiert, so kann Lachesis seine Zuhörer mit Worten fesseln. Spürt Lachesis, daß es klappt, redet es sich in Selbstfaszination hinein. Es ist dann tatsächlich faszinierend.
Es liegt nahe, daß Narzißmus und Eitelkeit zentrale Probleme für Lachesis werden können, v.a. dann wenn die Eitelkeit immer wieder gekränkt wird - ob der vielen Mißverständnisse. Der Pfad zwischen kreativer Selbstliebe und gekränkter sowie kränkender Eitelkeit ist schmal.
Die größte und tragischste Kränkung für Lachesis ist eine immer wiederkehrende:
bewundert statt geliebt zu werden. In diesem Zusammenhang empfiehlt sich die Betrachtung der Modalitäten 'Berührung verschlechtert' und 'Druck bessert'. Genauso geht Lachesis auch mit dem Thema Liebe und Sexualität um. Lachesis ist hier ganz Schlange:
ganz Schwanz, ganz Maul - phallisch, oral. Angst und Unfähigkeit, Nähe auszuhalten, treiben Lachesis dazu, einmal mehr ein Ventil zu suchen. Es lautet hier: Sexismus. Polar hierzu ist Lachesis natürlich auch ein Hauptmittel bei Folgen von ungelebter Sexualität.
Im sexistischen Zustand bewegt sich Lachesis zwischen `Schlangen', Alkohol, Verführung, Sucht, Underground, Philosophie, Religion, Subkultur, Homosexualität und Moral. Sexistisch will Lachesis alles kosten und nichts unberührt lassen, alles ausprobieren, sich niemals einlassen. Lachesis ist nicht nur in der Liebe promisk. Vithoulkas spricht von 'einer Überreiztheit des Gehirns, die einen Ausweg sucht und zugleich Anerkennung wünscht. Es geht um 'die nach einem Ausweg suchende Überreizung.'
Die Gratwanderung zwischen gesunder Selbstliebe und kranker Eitelkeit läßt Lachesis manchmal ungewöhnlich stark und manchmal ungewöhnlich schwach sein. Hauptsache: heftig stark oder heftig schwach. Auch in seiner Langeweile ist Lachesis ungewöhnlich heftig. Lachesis kann so unglaublich langweilig sein, wie es an anderer Stelle brillierend zu faszinieren versteht. Man denke nur an die Langweiligkeit einer vollgefressenen Schlange in einem Terrarium. Die kann ja auch faszinierend sein, die Langeweile.
Schnapp. Lachesis hat immer das letzte Wort. Es kann andere schlecht ausreden lassen. Die sind so langweilig langsam. Wo Lachesis doch so viel mehr so viel schneller durch den Kopf geht. Lachesis sonnt sich gern in seinem Erfolg und leidet heftig, wenn er ausbleibt. Die Stärke von Lachesis liegt in seiner Belastbarkeit. Kaum ein anderes Mittel kann soviel Angst aushalten wie Lachesis. Das muß es allerdings auch, denn es hat sehr viel davon.
Dieses destruktive Gefühl Angst, das Lachesis in großer Menge und heftiger Wucht aushalten muß, ist auch für Lachesis' Schwäche verantwortlich. Lachesis tanzt ständig auf einem heißem Vulkan, lebt sein Schicksal, ununterbrochen 'auf heißer Herdplatte hüpfen zu müssen', aus. Eine bedrohliche, instabile, schwankende und schwache Situation. Damit fertig zu werden ist Lachesis' Aufgabe, und je mehr es diesen Tanz auf der heißen Herdplatte, dieses 'Braten am Spieß der Hölle im Sud der Angst' (eine typische Lachesis-Formulierung) für sich als Lebensschicksal annehmen kann, desto mehr wird das Gute selbst im Kern der Angst entdeckt. Will Lachesis Erlösung, muß es den Weg, 'da, wo die Angst sitzt, gehts lang', gehen. Kaum ein anderes Mittel kann dann soviel Angst und andere Gefühlsexplosionen aushalten wie Lachesis.
Polare Gegensätze, Dualismus, Zweifel, Zwietracht, Weisheit. Durch die Hölle hin zum Göttlichen. Oder, wie eben schon gesagt, 'wo das eine ist, muß auch das andere sein', 'des einen Hölle kann das Paradies des anderen sein'. An diesem Punkt setzt Lachesis' Befreiung an: Genuß und Freude am höllischen Dasein zu finden!
Das ist natürlich nicht ganz ungefährlich, weil satanisch, muß aber keinesfalls schlimm sein. Wenn es schlimm wird, ist es grausam.
An dieser Stelle sei eine erneute Betrachtung zweier Modalitäten erlaubt: 'Schlaf verschlechtert' und 'Alkohol verschlechtert'. Das hat gleichermaßen damit zu tun, daß die 'sinistra-Seite' sowohl im Schlaf als auch im Alkoholrausch emporkommt. Die Seite der Emotionen wie Angst und Liebe und Angst davor. Lachesis kann ein hervorragender Liebhaber sein, ohne jemals zu lieben. Das macht es so gefährlich, zum Beispiel in angetrunkenem Zustand. Wenn es am nächsten Morgen aufwacht - Schlaf und Alkohol haben sich zu einem natürlich besonders heftigen Kater zusammengefunden - dann nagt auf seelischer Ebene ein besonders heftig quälendes schlechtes Gewissen. "Was hab' ich nur alles angerichtet?" Angetrunken, auf linkem Fuß erwischt (sinistra), reagiert Lachesis wie eine in die Enge getriebene Schlange und kontert mit seelischen Grausamkeiten. Da Lachesis auch die Neigung zur Entwicklung hellseherischer Fähigkeiten hat, kann es ausgesprochen schonungslos sein. Es mutet dem Opfer genauso viel Angst zu, wie es selbst aushalten muß, und das kann für einen relativ Ungeübten fatal sein. Mit hellseherischer Treffsicherheit seziert Lachesis, einmal in Rage gekommen, einen Schwachpunkt des Gegners nach dem nächsten. Bringt Lachesis sich nicht wieder unter Kontrolle, so richtet es unter Umständen entsetzlichste Scherbenhaufen an. Lachesis' Spezialgebiet: die seelisch grausame Zerlegung des liebenden Partners. Von dem verlangt es allen Ernstes, sich für seine Liebe zu rechtfertigen. Mit dem Vorwurf, 'wie Kannst du es nur wagen, mich zu lieben', läßt Lachesis sein Opfer für die eigene Liebesunfähigkeit leiden. Es ist dann zynisch, eifersüchtig, grausam, neidisch und gemein.
Umso schlimmer ist das Erwachen danach. Ein Lachesis-Kater nach Schaffung eines seelischen Trümmerfeldes produziert besonders heftige Reue. Schuld- und Sühnegefühle peinigen jetzt bis aufs letzte, bis auf den Grund. Das 'Was-hab-ich-nur-angerichtet' steht mit bedrückender Wahrheit im Raum. Lachesis hat wirklich viel angerichtet, von der Vertreibung des Menschen aus dem Paradies mal ganz zu schweigen.
Entsprechend wichtig ist für Lachesis ein gut funktionierender, leistungsstarker Kontrollmechanismus. Die Lachesis-Befreiung kann nicht oberflächlicher Natur sein.
Loslassen allein ist es bei Lachesis nicht. Es hat wirklich gute Gründe, sich zu kontrollieren. Und die Fähigkeit, Angst aus- und in Schach zu halten ist es doch, die seine Stärke ausmacht. Das Wechselspiel von Öffnung und Verschlossenheit ist hier besonders heikel. Wenn es sich öffnet und die ganze wahre Grausamkeit ans Tageslicht tritt, muß es sich auch wieder verschließen. Es geht also um die Durchbrechung des Teufelskreislaufs :
'Ich habe den Anspruch, offen zu sein. Bin ich offen, bin ich grausam. Bin ich grausam. Bekomm ich ein schlechtes Gewissen (danach)'. Die Frage, 'warum ist mein Inneres so abgrundtief häßlich?', kann bis zur Verzweiflung und zum Suizid führen. Denn Lachesis kann nicht verschlossen sein. Lachesis muß sich abreagieren, muß sich Luft verschaffen - reden, Menses, Schwitzen, Absonderungen überhaupt und Geld ausgeben bessern. Schreitet die Lachesis-Pathologie weiter fort, so kann Lachesis bis hin zum polaren Gegenstück, zum anderen Extrem, hinabsteigen und sich in stumme, zurückgezogene, völlige Aphathie begeben (vollgefressene Schlange im Terrarium). Diszipliniert und regelmäßig ausgeführte Meditationsübungen können gerade für Lachesis eine große, segensreiche Hilfe sein, 'die Angst vorm Guten' zu verlieren. Lachesis muß die Fähigkeit, sich unter Kontrolle zu halten, wirklich gut trainieren, da seine Befürchtungen tatsächlich böse zu sein und Schaden anrichten zu können, fatalerweise allzu oft berechtigt sind. Lachesis steht am Scheideweg, denn es geht darum zu lernen, 'das Böse' zu beherrschen. Gelingt es, entwickelt sich eine Persönlichkeit, die Chancen hat, wesentliche Bereiche und Fragen des Lebens in großer Tiefe zu erfahren, und so zu einem Menschen zu werden, der viel Wahrheit erkennt. Gelingt es nicht, ist Lachesis imstande, ein besonders tragisches Opfer seiner selbst zu werden.
Die Ausbildung der für Lachesis so wichtigen Disziplin und Kontrolle fällt mitunter besonders Kindern schwer. Catherine R. Coulter beschreibt den inneren Kampf eines Lachesis-Kindes folgendermaßen: "Ich möchte ja lieb sein. Ein Teil in mir will gut sein und gibt sich große Mühe, aber irgendetwas in mir macht , daß ich böse bin. Ich hasse diesen schlechten Teil, aber ich kann einfach nichts dagegen tun..." Die Autorin, die dieses Kind zitiert, unterscheidet zwischen dem Gefühl, welches Lachesis beherrscht und so schwer unter Kontrolle zu bekommen ist, der Vernunft, die um Ausgleich und Kontrolle bemüht ist, und der Sinnlichkeit, die, je nachdem, auch zur Genußsucht verkommen kann. Das hängt davon ab, wie sich diese drei Kräfte untereinander verhalten - in jedem Fall schleppt Lachesis "feine heikele Fracht" mit sich herum. "Diese drei starken Kräfte kämpfen ständig miteinander um die Vorherrschaft, und der Körper des Patienten ist das vom Kampf zerrissene Schlachtfeld... Wo logos (der Geist) gegen bios (die Triebe) kämpft, begegnet man der Pathologie der Schlange."

Erkrankt Lachesis auf dieser Ebene, so ist diese Erkrankung destruktiver Natur, denn ungelebte, unterdrückte Sexualität beispielsweise gehört bei Lachesis, genau wie das entsprechende Gegenstück 'Sexismus', ein und derselben Medaille an. Es besteht hier wirklich ein nur minimaler Unterschied zwischen puritanisch moralisierender Entrüstung und dem Genuß hemmungsloser Lasterhaftigkeiten. Das Pendeln zwischen Extremen ist Ausdruck der Intensität des Kampfes zwischen bios und logos und zeigt, wie hart sich beide Instanzen bei Lachesis bekämpfen können. Beide Kontrahenten sind gleich stark, es entscheidet immmer nur die jeweilige Tagesform, und das macht die ganze Sache so unwägbar und anstrengend. Der Begriff Zweifel entfaltet hier seine lähmende Unentschlossenheit. Wenn genau 50% der Argumente von der einen und exakt 50% der Argumente von der anderen Seite gestellt werden, ist keine Entscheidung möglich. Deshalb ist der Lachesis-Patient so oft dazu verdammt, endlos und bis zum Exzeß das Für und Wider einer Sache abwägen zu müssen, ohne zu einer Entscheidung zu kommen. Es handelt sich um Situationen, in denen viel geredet und wenig gehandelt wird.
Daß Lachesis im allgemeinen viel redet, soll aber nun keinesfalls bedeuten, daß es auch allgemein wenig handelt. Im Gegenteil. Lachesis ist zu ungeheurem Arbeitseifer fähig und kann stundenlang hintereinander arbeiten, ohne zu schlafen. Arbeitswut kann ein funktionierendes Mittel für Lachesis sein, "sich abzureagieren", sich "Luft zu verschaffen". Ventile dazu sucht sich Lachesis auf allen Ebenen, aber, und auch das ist ja schon mehrfach angeklungen, wenn Lachesis zu ungeheurer Arbeitswut imstande ist, so dürfte inzwischen auch klar sein, daß ebenso das krasse Gegenstück, nämlich gelähmte Apathie und Entscheidungsunfähigkeit, zum Verhaltensspektrum von Lachesis gehören können. Endlose Für-und-Wider-Abwägungen ohne Entscheidungsfindung entsprechen zudem dem Prinzip grenzenlosen Zweifels.

Ich möchte noch ein weiteres Mal auf den Kontrollmechanismus von Lachesis zu sprechen kommen. Denn die Frage, wie gut oder wie unzureichend dieser funktioniert, ist von wesentlicher Bedeutung dafür, wie erlöst oder krank die jeweilige Lachesis-Persönlichkeit ist. Es handelt sich hier, um es noch einmal ganz deutlich zu sagen, um keine Verdrängungsmechanik, von der es Lachesis zu befreien gilt. Lachesis hat nicht das Problem, von vornherein abzublocken und nichts zu spüren, sondern alles spüren und aushalten zu müssen.

Wird Lachesis mit dieser Aufgabe nicht fertig, kann es Harmonie (bei anderen) nicht ertragen und wird destruktiv. In erlöstem Zustand verfügt Lachesis über die Qualität, sofort die Lüge sehen zu können, wo immer sie lauert. Lachesis hat es nicht leicht, doch hat es endlich seinen Weg gefunden und gelernt, diesen zu handhaben, dann hat es sehr viel (Wahrheitsstiftendes) zu geben. Es wird vom ursprünglich Beteiligten beim "Gegenangriff Luzifers auf den lieben Gott" zu dessen Gehilfen, Menschen schließlich und endlich zu Göttern werden zu lassen.

Die Figur des Merlin in der Artus-Sage hat viel mit Lachesis zu tun, denn auch Merlin erlag - auf den ersten Blick betrachtet - dem Konflikt von Weisheit und Verführung, dem bios contra logos. Merlin galt als größter Zauberer seiner Zeit. Er begegnete Vivianne, einer Fee, und verliebte sich in sie. Diese erwiderte seine Liebe, forderte dafür jedoch Stück für Stück die Preisgabe von Merlins Zauberkünsten. Merlin gab sich diesem Tausch hin, sämtlichen Warnungen seiner Freunde, sich von dieser Frau doch nicht entmachten zu lassen, zum Trotz. Als Vivianne schließlich alles wußte, was Merlin an Zauberkunst zu geben hatte, legte sie ihn mit seinen eigenen Mitteln in einen neunfachen Bannkreis. Merlin war gefangen in einem dunklen Verlies. Ein Opfer der Verführung.
Andreas faßte die Erlösungsaufgabe von Lachesis zusammen, indem er einmal formulierte:
"Ist der Teufel in mir erkannt (die Schlange), akzeptiert und begriffen, dann kann ich auch wieder zu ihm zurück. Ich brauche ihn dann nicht mehr länger ängstlich zu meiden."
Phosphor kann in bestimmtem Zustand ebenfalls Probleme beim Kontakt mit seinen Schattenseiten haben. Diese Probleme sind jedoch anderer Natur. Phosphor möchte immer ausschließlich edel, schön und gut sein, in grenzenlosem Glimmer schwelgen und ist deshalb häufig nicht in der Lage, auch seine unschönen häßlichen Anteile zu akzeptieren. Das Böse wird hier verdrängt zum Zwecke schönender Seelenkosmetik. Bei Lachesis geht es wie gesagt auch hier nicht um Verdrängung, sondern um Kontrolle. Das "Böse" kann von Lachesis gar nicht verdrängt werden, weil es permanent präsent ist. Nicht die Verdrängung, sondern "es ertragen und handhaben zu können", es überhaupt auszuhalten, ist hier Thema.
Interessant ist, das sowohl Phosphor als auch Lachesis "Hellsichtigkeitsmittel" sind. Dies kann als Indiz dafür verstanden werden, daß die Auseinandersetzung mit der Frage: "Wie handhabe ich das Böse in mir?" "Will ich es wahrhaben und wenn ja, wie?", mit der Entwicklung hellsichtiger Fähigkeiten in Verbindung steht.
Es bedarf großer Konzentration, Lachesis' Verführungskünsten nicht zu erliegen, denn Lachesis liebt das Spiel mit der Macht und auch das mit der Macht von Worten. Wenn ein Schlangendompteur beispielsweise sein Höchstmaß an Konzentration auch nur einen Moment lang verliert, kann er bereits verloren sein. Der erste Schritt ist die Lachesiskontrolle, der zweite dann die liebevolle Verbindung. Wer hier den zweiten vor dem ersten wagt, ist schon Opfer. Dann ist Lachesis bestenfalls ein guter Liebhaber und umso weiter von der Liebe entfernt, je besser er liebt. Und schon ist man gefressen. Die zentrale Bedeutung der Sexualität bei Lachesis zieht sich wie ein roter Faden durch alle Lebensbereiche. Ist Lachesis asexuell, ist dies zwangsläufig ein Problem, denn gerade Lachesis wird niemals folgenlos ein so entscheidendes Ventil wie Sexualität negieren können. Die Erscheinungsform der Schlange an sich ist bereits eine überaus phallische. Die sich aufrichtende, züngelnde Schlange umfaßt ein ähnliches Wirkungsspektrum aus Hypnose, Faszination und Angst wie ein erigiertes Glied. Schlangenzungen sind bekanntermaßen gespalten. Die Erreichung des Zustandes, sich verselbständigter Extase bedarf gewisser Verführungskünste. Der verbale Orgasmus, die Verführung durch Reden gehören genauso dazu, wie bewußt verführerisches Zurückhalten des körperlichen Orgasmus zur Spannungssteigerung. Polar dazu kann Lachesis bei Ejaculatio präcox und Impotenz angezeigt sein, wenn "die nach einem Ausweg suchende Überreizung" derart gesteigert ist, daß das Bedürfnis nach Ausweg und Entlastung seine eigene Befriedigung nicht mehr zuläßt.
Manchem mag diese Betrachtung von Sexualität zu mechanisch und lieblos erscheinen, aber genau dieser "sexistische Notstand" ist so typisch für Lachesis. Garniert ist das Ganze mit schubweise auftretenden moralischen Anwandlungen, schlechtem Gewissen und heftigen Reuegefühlen.
Auf verbal-erotischer Ebene ist Lachesis - kontrastierend zum schnellen Reden - Meister taktierenden Schweigens, ebenfalls zur Macht- und Spannungssteigerung. Lachesis schweigt genauso durchdringend und tief, wie es reden kann.
Es geht um Luzifer, Verführung und um Attacken gegen Gott. Daß Gott in letzter Konsequenz überhaupt nicht attackierbar ist, ist die Erkenntnis, die Lachesis erlöst. Lachesis muß "in den Strudel hinein", muß ganz hinein, muß ganz durch, nur dann ist Transformation möglich. Betrachtet man das Symbol der um den Äskulapstab gewundenen Schlange, so gibt es ein Oben und ein Unten. Polar stehen sich Intellekt und Sexus gegenüber, und nur deren Vereinigung kann die Mitte, das Herz, befreien. Vereinigung, Liebe und Herz sind auch die heilenden Botschaften des Äskulapstabes. Hin zur Polarität, bios contra logos, und dann wieder eins werden. "Es geht um Knoten, die es zu knüpfen statt zu lösen gilt." In vereinigtem, erlöstem Zustand ist Lachesis androgyn. Die Schlange, die sich in den eigenen Schwanz beißt, frißt ihre eigene Schwäche und verwandelt sie so in Qualität.
Die Überwindung einer so tiefen, existentiellen Spaltung bedarf eines guten Therapeuten, eines starken Begleiters, der mit hoher Konzentration wachsam alle Tricks und Listigkeiten wahrnimmt, ohne seinerseits in Mißtrauen abzugleiten. Tief verstanden und begriffen, verliert Lachesis seine Gefährlichkeit und Bedrohliches transformiert zu Wertvollem.
Im Zustand der List will Lachesis nicht den Menschen, es will dessen Fleisch. Sex und Druck bessern; Berührung, Nähe, Liebe verschlechtern. Man stelle sich eine erstmalig romantisch-zärtlich verliebte Person vor, die einen Lachesis-Menschen in ihr Herz geschlossen hat. Lachesis kommt mit dem ersten Zweifel in der Form des Zungenkusses (züngeln).
Lachesis muß lernen, im Sex mehr zu sehen als Befriedigung bloßer Fleischeslust. In erlöstem Zustand verschmelzen Sexualität und Erotik zu einer Verbindung, zu einem Anschluß an göttliche Urenergie, die auch auf anderer Ebene in der Beschäftigung mit Musik, Natur oder Meditation erfahrbar wird. Liebkosung und die Zärtlichkeit gewinnen Wert an sich und werden aus ihrer orgasmusfixierten Beklemmung herausgelöst. (Der Hals wird frei).
Lachesis ist nicht selten begehrenswert. Die Gefahr, der Verführung zu erliegen, andere mit bloßer Attraktivität zu verführen, ist groß. Es bedarf einer tatsächlichen Katharsis, einer 'Läuterung durch geistiges Feuer', damit Lachesis lernt, daß es, in übertragenem Sinne, nicht nötig ist, Drogen zu nehmen, um das Problem Drogen zu bewältigen.
Es ist im Grunde wie bei einer Teufelsaustreibung. Nur die unerschütterliche Liebe, selbst in schrecklichsten Situationen aufrechterhalten, kann heilen; starke Liebe, die hier, weniger denn je, mit Nachgeben verwechselt werden darf. Und wieder ist das Schwere im Grunde so einfach: Nur wer nein sagen kann, ist auch in der Lage, wirklich ja zu sagen. Eine solche Liebe braucht Lachesis.
Die Figur des Merlin beinhaltet die Dualität des Zweifels schon von ihrer Herkunft her gesehen. Einerseits war Merlin Sohn teuflischer Magie und Zauberkraft, andererseits jedoch auch Sohn einer fast Heiligen. In seinem Lebenswerk sagte er denn auch ja zu Christus, aber er behielt den Kontakt zur mystischen Welt. Vivianne, Repräsentantin der alten, mystischen (überholten?!) Welt, schickte ihn zur Hölle, die ihr Paradies war. Merlin war, beziehungsweise ist, Vermittler zwischen beiden Welten. Seine Botschaft ist Vereinigung. Das Besondere seines Postulates ist, daß nicht nur das Böse erlöst werden muß, sondern auch das Gute!
"Lachesis flüstert uns destruktive Dinge ins Ohr, wenn wir uns veredeln wollen." Es ist, ganz platt gesagt, die Kraft, die jemandem, der sich das Rauchen abgewöhnt, in schwachen Momenten zuzischelt: "Rauch doch, wenn's dir schmeckt."
Die Angst, die Lachesis zu erzeugen imstande ist, wird mit Hilfe von Angst erzeugt, über die Lachesis ja in so reichem Maße verfügt. Die kontrollierte Angst, Dreh- und Angelpunkt der Hypnose. Dem Tod ins Auge sehen, aber leben wollen. Ein Schlangenbiß ist wie ein Strudel. Wir sind wie gelähmt. Befinden wir uns erstmal in der Krankheit (der Vergiftung), kommen wir ohne fremde Hilfe nicht mehr heraus. Es bedarf eines 'erneuten Bisses'. Wer den Lachesis-Weg geht, muß zum Angstaushalten viel Energie und Kraft haben, um bis zum Grund zu kommen, denn erst dann ist Wiederauftauchen möglich. Dieser Weg kann vielerlei Gestalt annehmen. Es kann sich zum Beispiel um einen 'in subkulturellem Sumpf sich lüstern windenden, rauchenden, trinkenden, promissken, zur Homosexualität neigenden, attraktiven Mann in enganliegenden Hosen' handeln, der über Lachesis Gefallen an 'gemütlichem Heim mit festem Freund, Harmonie, Pflanzen und Wellensittichen' findet. Wem dies allzu klischeehaft klingt, dem sei gesagt, daß gerade Klischees ein hohes Maß an Wahrheit beinhalten.
Auch in der Geburt begegnen wir einem Lachesis-Zustand. "Wir mußten durch oder sterben". Ich erinnere noch einmal an das "Alles oder Nichts". Aber: "Das Alles ist Nichts" und deshalb "ist das nicht schlimm" (10). Auch die Hölle führt zum Paradies. Ein Kind, das tot, mit um den Kopf gewickelter Nabelschnur, zur Welt kommt, hätte vielleicht Lachesis gebraucht, um zu inkarnieren. Lebend geboren, sollte man es daraufhin beobachten. Auf der anderen Seite gehört Lachesis auch zu den Arzneien, die im Prozeß des Sterbens Erleichterung verschaffen können. Das 'Eintauchen in den Strudel' finden wir bei denen wieder die dem Tot durch Ersticken (Sauerstoffmangel, z.B. Lähmung der Atmungsorgane oder mangelnde Herzleistung) begegnen müssen (Arsen wenn die Angst im Vordergrund steht).

Lachesis kann auch für Mütter indiziert sein, die Schwierigkeiten haben, ihre Kinder loszulassen, sich eben auch ihrerseits von diesen abzunabeln. Die 'geschwätzige Klimakterikerin', klassische Lachesisfigur, fällt häufig zeitlich mit solchem Abnabelungsprozeß zusammen. Zur hormonellen Umstellung kommt noch der 'Verlust' der 'flügge' gewordenen Kinder. Das ist anders als bei Pulsatilla, das große Traurigkeit empfindet, nicht mehr 'Mama' sein zu dürfen und die beste Oma der Welt wird, wenn sie darf; Lachesis versucht es 'auf ihre alten Tage' eher nochmal im Mondänen. Sie wird dann unter Umständen zum alternden 'steilen Zahn in Stöckelschuhen'.
Lachesis mischt sich zwanghaft ein, kann andere nicht ausreden lassen und muß allen immer zuvorkommen. Mütter, die sich mit geradezu lüsterner Neugier in das Sexualleben ihrer (pubertierenden) Söhne einmischen, von denen sie begehrt werden wollen, dieser ödipale Homosexualitätsklassiker sowie das Bild der alternden doch ewig vital bleibenden 'Schwulenmami'gehören dazu.
Die hellseherische Fähigkeit von Lachesis, Gedanken anderer vorwegzunehmen und auszusprechen, kann deutliche Verärgerung auslösen. "Auch wenn das, was Lachesis sagt, durchaus scharfsichtig und zutreffend ist, kann sein Gegenüber doch am liebsten ausrufen wollen: "Lassen Sie es mich doch umm Himmels willen selbst sagen!"
Niemand kann so verführend 'verführe mich' sagen, Unschuld zerstören und entjungfern wie Lachesis. Glückliche Beziehungen anderer können für Lachesis unerträglich sein. Wer in der Hölle verharrt, kann Harmonie nicht ertragen. Überwindung der Hölle heißt, daß Mißtrauen und Lüge, konsequent zu Ende gebracht, in Weisheit münden. Erlöstes Lachesis lügt nicht und läßt sich nicht belügen, sondern enttarnt. Aufgesetzte, vorgeheuchelte Harmonie und Eintracht werden der Lüge überführt, tiefempfundene, echte Harmonie hingegen nun ausgehalten. Wenn der Teufel nicht mehr angstvoll vorm Weihwasser zurückschreckt, ist er geheilt.
Die größte Gefahr unerlöster Lachesis-Energien liegt darin begründet, daß Lachesis eigenen Schatten so unvorstellbar gern wie geschickt auf andere projiziert. 'Nicht ich verführe dich, sondern die anderen verführen dich. Ich will dir nur helfen'. Es geht darum, das Gift zu erkennen, das in solcher Atmosphäre liegt. Wird es soweit erkannt, daß es ausgesprochen werden kann, ist es entschärft. Es muß ausgesprochen werden. Nicht ausgesprochenes Gift tobt weiter im ganzen Organismus, in ganzer Blutbahn, auf allen Ebenen, psychisch, seelisch, geistig und kann zum Herzinfarkt führen, wenn das Opfer am Zweifel zerbricht; wenn bios und logos sich nicht vereinigen und die Mitte stirbt.
Der Tod gehört der sinistra-Seite an, vor derem Emporsteigen Lachesis so flüchtet (heiße Herdplatte). So schreckt Lachesis bei entsprechender Disposition nicht einmal davor zurück, selbst und gerade auf Beerdigungen ununterbrochen zu reden. Es ist imstande, nicht zu bemerken, wie es lügt und auch nicht, wie geschmacklos sein Reden ist. Lachesis' Ziel ist Wahrheit, heißt Überwindung der Lüge. Überwindung der Lüge heißt Überwindung der Krankheit. Hier werden Grundsätze des Arztseins, des Äskulapstabes berührt. Erleuchtung und Hellsichtigkeit beenden das Leid des Zweifelns.
Die Lüge als Krankheit hat unterschiedliche Ausdrucksformen. Phosphor glaubt seine Lügen, Lycopodium hingegen lügt machtbewußt und gezielt. Sulfur flunkert, während Lachesis taktierend, gezielt-verführend lügt.
Der Name Lachesis ist griechischer Mythologie entlehnt und heißt 'Schicksalsgöttin'. Geburt, Leben und Tod: Klotho spinnt den Schicksalsfaden, Lachesis teilt ihn zu und Atropos schneidet ihn schließlich ab. Das zugeteilte Lebensschicksal zu meistern, bedeutet, Liebe zu entdecken. Die Konfliktstelle zwischen Herz und Verstand, dieser etwas schmalere Kanal zwischen Intellekt und Seele, ist der Hals. Kein Wunder, daß der Hals im Sinne von Engegefühl und Beschwerden allgemein, wunde Stelle und Angriffspunkt bei Lachesis ist. Der Hals muß einiges aushalten im Kampf zwischen Gefühl und Ratio, diesem ständig nach Entlastung drängenden Konflikt von Bewußtsein und Unterbewußtsein. Ständig werden die Gewichte zwischen Extremen radikal hin und her geschoben. Entweder lehnt Lachesis den Alkohol kategorisch ab, oder es ist Trinker. Es ist ja bekannte Tatsache, daß man mit dem Hals schluckt. Sind Lachesis-Frauen mit einem Alkoholiker liiert, so halten sie diesem nicht selten "demütigend die Stange".
Die verbale Abladung sexueller Energien treibt Lachesis zu Höchstleistungen. Es ist oft hochintelligent und fast nie langweilig. Schweigsames Lachesis entlarvt sich durch blitzschnell vorgetragene, plötzlich einschlagende, supersarkastische Kommentare. Schlangen schleimen nicht, aber sie schleichen. Dann schnappen sie zu.
Einige Begriffe, die eine Lachesis-Atmosphäre umschreiben helfen, sind: Vitalität, Pulsation (pulsierender Kopfschmerz, Blut). Gesteigerte Sexualität und intellektuelle Kapazität, getrennt nebeneinander existierend, bei Druck der die Leistungsfähigkeit steigert. Die Peitsche, Schlange, Domina. Das gezückte Messer, der steile Zahn, der Penis. Feucht - enge Labberbegrüßungen mit Auf-den-Mund-küssen-ohne-vorher-zu-fragen. Vor Intelligenz sprühende Stöckelschuhe.
Lachesis-Lehrer sind faszinierend, engagiert und unterhaltsam mit permanent sexuellem Verlangen auf ihre Schüler.
Wenn ein solch vitales Bündel an Lebenslust und Energie zusammenbricht, kann es zum Verlust jeglicher geistiger Fähigkeiten kommen. Leere, Aphathie, Lustlosigkeit - alles bricht zusammen, auch das Immunsystem (Aids, Promiskuität). Bis hin zu massiven Todessehnsüchten und Suizid.
Lachesis ist, wie erwähnt, sensibilisierbar für alles, was mit Religiosität und Glaubenskraft zu tun hat. Wer sich ständig inmitten tobender innerer Kämpfe befindet und seinen Körper als Schlachtfeld feilbietet, muß einfach ein Bedürfnis nach Anschluß an irgendwelche 'höheren Quellen' (!) entwickeln, um dem Wahnsinn zu entgehen. Lachesis' Kampf ist der der Vermeidung des Wahsinns. Das ist die Hochspannungsleitung, auf welcher Lachesis gratwandelt. Lachesis kann wirklich streitbar für seinen Glauben kämpfen, das heißt, etwas tun und nicht nur faseln. Es kann auch zum großem Beter werden, mit unerschütterlichem Glauben daran, daß beten hilft, Probleme zu bewältigen. Bricht dieser unerschhütterliche Glaube zusammen, ist unerschütterlicher Nihilismus angesagt.
Lachesis' unerschütterlicher Drang zu Enthusiasmus und Dramatik läßt es nach Antworten suchen auf Fragen wie die nach dem Schicksal der Menschheit. Es ist im übrigen egal, ob man Lachesis mit 'der', 'die' oder 'das' bezeichnet. Es kann alle Formen annehmen (Androgynität). Lachesis ist ein intensiv und gründlich wechselndes Chamäleon, das von Geschlecht zu Geschlecht wie von Thema zu Thema springt. Menschen, die sich für das Schicksal der Menschheit interessieren, neigen mitunter dazu, sich einen Meister, einen Guru zu suchen, der ihnen bei der Suche hilft. Lachesis-Gurus wiederum bevorzugen Einweihungsrituale, bei denen sie ihre neuankommenden Jünger ans Genital fassen. Religiöse Verwirrung bis zum Wahnsinn nach dem Muster: 'Ich bin kontrolliert, verdammt und satanisch besetzt', sind nicht ausgeschlossen - genauso wenig wie militanter Atheismus, wenn ein Jünger von seinem Guru allzusehr enttäuscht wurde. Natrium muriaticum, Acidum nitricum, Anacardium und nicht zuletzt Lachesis sind die schlimmsten Hasser, die es gibt. Vierwertige Indikation für Lachesis bei Zynismus. Chronische Lachesisten sind Skeptiker, die für und gegen alles Argumente haben. Sich selbst widerlegende Verbalakrobaten. Hinter jedes Pro und Contra legen sie ihre ganze Kraft, Leidenschaft und ihr Selbstbewußtsein; positive und negative Regungen haben gleichermaßen Bedeutung. Deshalb kann Lachesis auch so gerecht sein. Es ist so bedingungslos offen in seinem Wissen um die Tragik des Lebens. Je kränker, desto ungeordneter und wütender ist Lachesis. Mit dem Schwinden der Weisheit steigen Mißtrauen, Leid, Eifersucht und Zynismus empor. Die Eifersucht kann sich auf Menschen, Dinge und Taten beziehen. Halluzinatorisch fühlt sich Lachesis im Eifersuchtsrausch neidvoll ständig betrogen.

In seinem Verhältnis zu Geld ist Lachesis der Devise treu, daß Absonderungen jeglicher Art, wie gesagt, bessern. Lachesis liebt wie alle Räusche auch den Kaufrausch. Ebenso Glücksspiele mit vollem Risiko. Regelrecht begeistern kann es sich für erotisches Roulett. Lachesis hat Macht und übt gerne Macht aus, weil es die Macht liebt. Es läßt sich dann auch nicht korrumpieren wie Lycopodium oder Sulfur. Zu anspruchsvollen Autoritäten entzieht sich Lachesis ohne Getöse, rein mit Intuition. Genau dies meint Vithoulkas, wenn er schreibt: "Bei der Arbeit leistet er dem Druck (!) seines Chefs Widerstand. Daher ist er in der Regel ziemlich intelligent und fähig; indes neigt er jedoch nicht zum Rebellen oder Revolutionär wie Causticum... Ein Lachesis-Patient mag seinen Arbeitsplatz aufgeben, um unabhängig zu sein, aber der schlägt dabei keinen Lärm. Im Gegensatz zum Causticum-Typus liefert er keinen Eklat, keine persönlichen "Szenen". Lachesis hat keine Szenen nötig. Es benutzt seine intellektuelle Brillanz. Diese Brillanz ist es auch, welche so oft Distanz zur Umwelt schafft und dieses Gemisch aus Faszination und Angst erzeugt. Lachesis verursacht Abwehr oder Faszination aber kein Mitleid. Es ist selbst zu Christusmorden befähigt - als Täter, wie auch als Opfer; als Opfer insofern, als es dann Plattform darstellt und bietet für Abneigungen und Haßgefühle, die Lachesis ja nicht nur in die Welt setzen, sondern darüber hinaus auch noch absorbieren muß.
Tiefe und Intensität seiner Empfindungsebenen lassen Lachesis bei geeigneter Stimmung außerordentlich situationskomisch sein. Mit Witz und Sarkasmus entkommt es selbst verzwicktesten Augenblicken. Das ist der Unterschied. Lachesis entkommt: Lycopodium (und Arsen) hingegen machen mit Witz andere machtvoll klein.
Lachesis-Kinder wirken sehr früh sehr abgeklärt und damit altklug, aber anders altklug als Lycopodium-Kinder. Letztere sind altklug im Sinne alteingeborener Seelen. Lachesis-Kinder sind altklug, weil sie so hellwach so viel fühlen und spüren, ohne entrinnen zu können. Umso faszinierender, daß sie bei alledem nicht zu greifen sind. Nicht zu greifen, mit sehr lebendigen, Katzenhaft funkelnden Augen. Diese Augen geben dem Lachesis-Kind bereits außerordentlich früh Macht. Mit pfeilschnellen Blicken aus den Augenwinkeln oder wahlweise mißtrauischem Starren hält es seine Umwelt in Atem.
Lachesis läuft Gefahr, sich selbst zu vergiften. Vergiftung (der Umwelt) als Krankheit und Giftspritzer in der Form von Sarkasmus schüren Lachesis'Angst vor Eigenvergiftung. Denn alles wirkt ja zurück, was man in die Welt setzt.
Die Instabilität eines seelischen Schlachtfeldes, welche Lachesis zu verwalten hat, treibt dazu, sich hilflos und trickreich zugleich an andere zu klammern. Lachesis nimmt gern Menschen in Beschlag, verwehrt sich aber dagegen, selbst in Beschlag genommen zu werden. Und wieder haben wir ein düsteres Gebräu aus Zweifel, Mißtrauen und Angst. Mit all' diesen Negativ-Schwingungen, die unerlöstes Lachesis in die Welt setzt, vergiftet es sich, wie gesagt, rückwirkend selbst. Wir sind beim Wechselspiel von Sucht und Eigenvergiftung angelangt. Süchtiges Lachesis ist nicht selten. Akohol, andere Drogen und Sucht sind vom lachesistischen Prinzip der Verführung genau so wenig zu trennen wie rot-blau-cyanotische Verfärbungen der Haut vom Staugeschehen im Blutkreislauf. Varizen sind, in übertragenem Sinne, hängengebliebene Gefühle, die Lachesis in seiner Angst vor Nähe und daraus resultierender Flucht zu Selbstvergiftung sowie azidotischer Sauerstoffschuld nicht zu leben imstande war.
Schlangen schleimen nicht, aber sie schmeicheln sich häutend (wechselnde Gestalten annehmend) ein. Merkt es das Opfer, ist es meist schon zu spät. Man ist süchtig geworden, der Verführung erlegen und vergiftet nun unablässig sein eigenes Blut. Da können auch schon mal schlangengleich Krampfadern auf die Hautoberfläche treten. Lachesis ist zu geschwätzig, um Geheimnisse zu wahren, und zu offen, um seine inneren Störungen, im Blutkreislauf oder sonstwo, für sich zu behalten. "Es muß alles raus", sonst dreht Lachesis zwangsläufig durch. Ich sage es noch einmal, weil es so prägnant und wichtig ist: Wutausbrüche, Schweiß, jegliche Absonderungen, Orgasmen, Geldausgaben, reden, malen, schreiben - alles, was Lachesis von sich geben kann, muß es von sich geben, um sich besser zu fühlen. Nur über die Glättung innerer Wogen kann die Fähigkeit entstehen, Dinge für sich zu behalten, ohne daran Schaden zu nehmen. Ansonsten braucht Lachesis Freiraum (nicht nur am Hals) und wird auch in erlöstem Zustand schon rein konstitutionell immer eine gewisse Betätigungsplattform beanspruchen. Da es jedoch 'fast nie langweilig' ist, wird es höchst selten Schwierigkeiten haben, Aufmerksamkeit für seine Mitteilungsbedürfnisse zu erlangen. Dabei steht aber selbst mehr oder weniger harmonisiertes Lachesis immer wieder vor der Aufgabe, nicht in unbescheidene Selbstüberschätzung und krampfhafte Sucht nach Anerkennung zu verfallen, die es dann sehr rasch anstrengend oder gar unerträglich werden lassen können.
Die Lachesis-Befürchtung, möglicherweise etwas 'Furchtbares getan zu haben',ist untrennbar mit der Unfähigkeit, Dinge für sich zu behalten, verknüpft. Lachesis-Handlungen sind durch Triebe bestimmt. Dabei ist Lachesis nicht etwa so angstfrei, sich selbstbewußt zu seinen Trieben zu bekennen, sondern angstvoll getrieben, seinen Trieben zu gehorchen. Um nichts Furchtbares zu tun, dreht Lachesis den Spieß der Angst irgendwann schlagartig um und 'steigt aus'. Das kann z.B. eine Beziehung sein, die sehr sehr schnell (!) viel zu eng (!) zu werden droht. In umgekehrtem Falle ist Lachesis maßlos ungehalten und in seiner Eitelkeit gekränkt, wenn das Opfer seiner Begierde 'aussteigt'. Es zweifelt dann an allem und, was das Schlimmste ist, an seiner Fähigkeit zur Faszination. Und wieder droht der Absturz in totale Hinfälligkeit, die, einmal mehr, fremder Hilfe bedarf, um überwunden zu werden.
Geht es Lachesis wieder gut, kann es aber sogleich wieder nicht umhin, wider besseren Wissens zu handeln - sämtliche guten Ratschläge haben plötzlich keine Bedeutung mehr, und die nächste Katastrophe wird programmiert, um dann entweder bis zum Grunde ausgekostet, oder aber, so gerade eben noch, haarscharf, auf Messers Schneide, abgewendet zu werden. Hauptsache, das Ganze geht extrem vonstatten.
Das Übel ist sichtbar, und das ist Lachesis' Fluch und Chance. Es geht im Grunde auch um Auflösung einer orgonomischen Blockade: Immer mehr zu wollen, ohne jemalige, wirklich tiefe Befriedigung. Bei all diesen Zerrissenheiten kann Lachesis Lösung bringen, egal, wie diese aussieht, hier sind alle Formen möglich; aber die Findung einer Entscheidung ist entscheidend.
Die syphilitische, zerstörerische Diathese, die dem Thema Lachesis zugrunde liegt, kann sich auch in der Form schwarzer Messen ausdrücken. Satanische Rituale, Teufelsanbetungen, Okkultes überhaupt, Zeremonien, bei denen man am besten auch Blut lassen kann (Ausflüsse bessern), vermögen Lachesis zu faszinieren - wie Lachesis selbst hervorragend in der Lage ist, solche Messen spannungsvoll zu zelebrieren. Gefeiert wird 'der Verlust der Unversehrtheit', alles, was 'heil und rein' ist, soll verletzt werden. Das ist der Kontakt zur Materie, der uns schließlich und endlich das Göttliche und damit Unzerstörbare in uns entdecken lassen wird. "Ein Teil von jener Kraft, die stets das Böse will und Gutes schafft."
"Beide Geschlechter können sehr dramatisch reden. Der Redner, der sein Publikum mit emotionsgeladener Sprache aufwühlt, der Prediger, der geradewegs in das Innerste seiner Zuhörer zielt, der Lehrer, dessen Unterricht etwas Ekstatisches an sich hat, oder einer, der sich von seiner eigenen Eloquenz davontragen läßt, ungeheuer flüssig spricht und leidenschaftlich seinen Überzeugungen Ausdruck verleiht - sie alle sind häufig Lachesis."

Typologie
Catherine R. Coulter beschreibt Lachesis als "ein Wesen, das gegen sich selbst ankämpft". Wer mit voller Intensität und Leidenschaft mal 'gut', mal 'böse' ist, der schwankt zwischen "Maßlosigkeit und Zurückhaltung, Arroganz und Bescheidenheit, Liebe und Haß, Vertrauen und Zynismus... Diese Spaltung ist besonders verwirrend für den Betreffenden selbst, der sich nie auf die Beständigkeit seiner eigenen Gefühle und seines Verhaltens verlassen kann. Er spürt, daß seine momentane Stimmung sich leicht in ihr darunterliegendes Gegenteil verkehren kann, und fürchtet sich vor Unbeständigkeit und vor Umschwüngen, die er nicht mehr unter Kontrolle hat". Der Aphorismus von Oscar Wilde, "das eigentliche Leben eines Menschen ist häufig gerade das, welches er nicht lebt", erlangt hier vollste Bedeutung.
"Jeder Konstitutionstyp kann mit seinem Triebleben in Konflikt geraten, wenn er seine persönliche Moral weiterentwickelt. Was Lachesis unterscheidet, ist: 1. die Intensität dieses Konfliktes, 2. seine Stetigkeit (der Konflikt kann unvermindert ein ganzes Leben lang anhalten), und 3. ist Lachesis sich dieses Kampfes bewußt."
Ein Lachesis-Patient muß seine Konflikte lieben lernen. Konfliktfreiheit ist gerade für ihn unerfüllbarer Wunsch. Es geht vielmehr um das Erlernen einer vergleichsweise distanzierten Haltung den eigenen inneren Schlachten gegenüber. Die tobenden Kämpfe möglichst gelassen zu betrachten und abwarten können, bis sich das Ganze von selbst wieder einigermaßen beruhigt hat. In solchem Zustand kann kaum ein anderes Mittel sich derart köstlich über sich selbst lustig machen wie Lachesis. Für diese verhältnismäßig entspannte Stimmung muß Lachesis sich aufraffen, Denken und Handeln klar voneinander getrennt zu betrachten. Lachesis kann gar nicht anders, als immer wieder soviel 'Schlechtes'zu denken, daß es sich sofort umbringen müßte, wollte es allen Ernstes für jeden schlechten Gedanken büßen. Natürlich stellen auch Gedanken Energien dar, aber es besteht doch ein Unterschied, ob man etwas nur denkt oder wirklich tut. Lachesis läuft jedoch Gefahr gerade diesen Unterschied zu verwischen. Das darf es nicht, weil sich sofort grausamste Schuldkomplexe auftürmen würden. Möglicherweise ließe Lachesis sich jetzt gar dazu verführen, 'sich für sämtliche Schuld der Welt' verantwortlich zu fühlen. Ein heftiger, eitler Leidenskampf wäre wieder einmal vom Zaun gebrochen. Wenn Lachesis 'böses denken darf', ohne deswegen 'böse handeln zu müssen', so ist es einen großen Schritt weiter. "Er ist durchs Feuer gegangen, hat innere Kämpfe und Versuchungen bestanden und so ein Ausmaß an Mitgefühl und heiterer Gelassenheit erlangt, wie es auf andere Weise kaum möglich ist."
Lachesis' Phantasie ist derart lebhaft, daß selbst erfundene Geschichten absolut authentisch erzählt werden können. Die Grenze zwischen Wahrheit und Lüge fließt. Lachesis kann sich dabei regelrecht in Verstrickungen hineinmanövrieren. Von außen gestellte Fragen provozieren neue Erfindungen. Klar, daß Lachesis nicht zu greifen ist. Es redet sich rein aber auch wieder raus, so daß es am Schluß selber vergessen hat, was wahr und was falsch ist. Catherine R. Coulter hat ein wundervolles Beispiel für die Schlange, die sich nach oben genanntem Prinzip selbst in den Schwanz beißt, gegeben, das ich im folgenden wiedergeben möchte: "Wenn ich einem Mitmenschen helfe, wird man mich als Wohltäter ansehen, aber innerlich bin ich stolz auf mich. Vielleicht tue ich es hauptsächlich deshalb, weil ich will, daß man mich lobt, und nicht aus reiner Freundlichkeit. Umgekehrt, wenn ich etwas Verwerfliches getan habe, bereue ich es aufrichtig und werde so vom moralischen Standpunkt aus gesehen besser. Ich weiß einfach nicht, ob ich ein besserer Mensch bin, wenn ich gutes tue und stolz darauf bin, oder wenn ich falsch handele, es jedoch bereue... Ich frage mich aber doch, ob ich wirklich bescheiden und reuig bin, wenn ich denke, daß ich es bin, oder ob ich mir dann nur einen bescheidenen Anschein gebe..."
Und so weiter und so fort. Es ist eine Kette ohne Ende. Wenn plötzlich Grundsätzliches in Zweifel gerät, haben wir eine Lachesis-Situation. Wenn fundamentale Basen fallen, ist nichts mehr da, was noch Halt geben könnte. Es gibt dann kein Halten mehr. Auch für Ehen nicht. Lachesisten sind Spezialisten im Nichteingehen oder Brechen von Ehen. Lachesis-Ehen halten nicht. Und wenn doch, dann bis in alle Ewigkeit. Aber rastlos, nur rastlos halten sie. Es müssen rastlose Ehen sein, wenn überhaupt. Im Grunde sind Ehen für Lachesis liebestötende, einengende Institutionen, die nur in Lug und Trug enden können. Deshalb sind sie zu meiden.
Lachesis sagt und verspricht vieles, aber nichts richtig, weil ja auch das Gegenteil der Fall sein könnte. Verläßlich ist Lachesis nur in seiner Unverläßlichkeit, und welcher Ehepartner ist glaubwürdig bereit und in der Lage, solchen Ansprüchen zu genügen?! Natürlich kann eine Lachesis-Ehe ausgesprochen kurzweilig und unterhaltsam sein.
Unbedingte Loyalität sind wichtig für Lachesis. Lachesis selbst kann sehr loyal sein. Wer dieses Mittel in all seinen Widersprüchen aushält und schätzen lernt, kann sich einer dankbaren, treuen und tiefen Freundschaft sicher sein. Den größten Gefallen, den ein Freund Lachesis erweisen kann, ist, ihm nicht in die Falle zu gehen und trotzdem und gerade deshalb zu ihm zu stehen. Solche Qualitäten weiß Lachesis sehr zu schätzen, und es läßt dies den Freund auf vielfältige Weise spüren. Lachesis ist ein Seismograph, fängt subtilste Schwingungen auf und kann sensationell zuvorkommend sein. So lästig seine vorschnelle Art ja auch manchmal ist, so umwerfend charmant erfüllt es an anderer Stelle unausgesprochene Wünsche in der Form unerwartet und überraschend erwiesener Gefallen. Problematisch wird dies, wenn Lachesis die gleiche Zuvorkommenheit für sich beansprucht und damit den anderen überfordert. Lachesis fühlt sich einsam und unverstanden und windet sich in einsamem Schmerz, worin es ja bekanntermaßen Übung hat. Das geht so lange, bis es wieder zuvorkommend ist.
Es kann aber auch zu Streit und Zank kommen. In entsprechender Laune genießt Lachesis heftige Auseinandersetzungen und zieht sogar Kraft daraus, weil endlich mal wieder etwas los ist, was der inneren Spannung angemessen erscheint.
Die Neigung, 'Gift zu verspritzen,' entspricht der Angewohnheit, "harmlosesten Vorkommnissen abscheulichste Bedeutung zuzuschreiben".(Allen) Übertreiben, lästern, verdrehen und das Ganze mit Halbwahrheiten garnieren - mit diesen Mitteln entscheidet Lachesis manchen Kampf für sich, doch hier ist der Sieger dann sein eigenes Opfer. Ein wirklich guter Freund hält hier stand! Das ist eine schwere Aufgabe, vor allem, wenn Lachesis einen mit Mißtrauen, der haltlosen Furcht, betrogen zu werden und ungeheuren Unterstellungen, sowie absolut an den Haaren herbeigezogenen Vorwürfen bombardiert. Und gerade weil Lachesis in anderen Momenten als diesen so hellsichtig und treffsicher in seinen Beobachtungen ist, ist es so schwierig, mit diesem Gift umzugehen, zumal selbst in Wut heraus geschleuderte Halbwahrheiten von Lachesis zwar verdreht aber immer noch prägnant ausgewählt worden sind. Der Pfad zwischen Unschlüssigkeit und souverän-geschickter Flexibilität ist ebenfalls ein schmaler. Jemand, der sich nicht ohne weiteres festlegen läßt und vielfältigste Situationen mit einem weitreichenden Spektrum unterschiedlichster Reaktionen beantworten kann, ist imstande, hohe Machtpositionen lange Zeit zu bekleiden. Der Sturz eines solchen Herrschers dürfte dramatisch sein. (Gorbatschow)
"Mir selbst mag ich widersprechen, der Wahrheit nicht."(Montaigne) Dieser Satz kennzeichnet Lachesis' Sehnsucht nach Wahrheit, die so zerreißend und stark ist, 'wie die Lüge kursiert'. Es ist das Prinzip, "aufrichtig zu sein und gleichzeitig zu täuschen."
Die Qualität von lachesistischen Arbeiten und Leistungen umschreibt Catherine Coulter mit "originell aber unsystematisch." Lachesis zerbricht sich lieber den Kopf über Geni(t)alitäten, als sich auf ein solides Mittelmaß einzupendeln...
Vithoulkas geht in seiner Beschreibung der geistigen, seelischen und körperlichen Lachesis-Ebenen durchgehend vom Blutkreislauf aus. "Eine überaus starke Reaktion, ein ungeheurer Aufruhr findet im Organismes ja auch statt, wenn durch den Biß einer Schlange tödliches Gift in die Blutbahn gelangt. Über den Blutkreislauf erfaßt ein solcher Aufruhr den gesamten Organismus." Daher auch das Prinzip der 'nach einem Ausweg suchenden Überreizung'. Kreislauflabilität, Hitzewallungen, Blutungen, Blutstauungen, Krampfadern, Herzbeschwerden, hoher Blutdruck, cyanotische Hautverfärbungen, Engegefühle, drückender Kopfschmerz, Beschwerden durch Hormon-, Temperatur-, Wetter-, Stimmungs-, Zyklus- und sonstige -wechsel, Kältegefühle in einzelnen Körperteilen, Entzündungen, Infektionskrankheiten, (Mandelentzündung, Erysipel), gesteigerter Geschlechtstrieb, Kollaps, Sepsis, Schock, Nierensteine (linksseitige), Tumoren und Zysten (vor allem im linken Eierstock), Hirnüberreizung, Schmerzen an der Nasenwurzel, Linkslateralität, weil Lachesis so linkisch ist, von links nach rechts ziehende, abdominale Schmerzen, Blutwallungen in der Menopause, linksseitige Anginen, Sensibilität des Rachens, Kehlkopfs und der Trachea bei der geringsten Berührung, Luftschnappen nach plötzlichem Auffahren im Schlaf, Rheuma, aber Ischias rechts, haben hier ihren Ursprung beziehungsweise ihr Betätigungsfeld, genau wie Neid, Eifersucht, Haß, Zweifel an Existentiellem, große Mitteilungsbedürfnisse, lautes Denken, Begeisterung für Ideen und philosophische Systeme oder religiöse Doktrinen bis zum Fanatismus mit unbedingtem Überzeugungswillen, gepaart mit der Fähigkeit, sich durch triftige Gründe belehren zu lassen, sowie dem Eifer, alsdann die gegenteilige Lehre zu vertreten, Verschlimmerung der Beschwerden nach Schlaf, Anerkennungssucht, Apathie, Furcht, geisteskrank zu werden, Erleichterung durch Einsetzen der Menses, Empfindsamkeit kombiniert mit dem dem Verlangen, andere hart zu kritisieren, Überdruck, Rededrang, Gehirnblutungen, Schwindel vor allem nach Schlaf, stechender Blick, drückende Augenschmerzen, Heuschnupfen im Frühling, unterdrückter Schnupfen, kloßige Sprache, glänzende Zunge, die beim Herausstrecken zittert, Atemnot, Husten, Hämorrhoiden, Ungeschicklichkeit, Gliederschmerzen, Hautausschläge, Ohnmachten, Bäder in Schweiß, Schwellungsgefühle, Schüttelfrost, Schreibfehler, Verwirrung, Verschlimmerung durch Alkohol, Zigaretten, Drogen, Frühling, Herbst, feuchtwarmes Wetter und Schlaf, Wahnideen, Bewußtlosigkeiten, Ungeduld, Erregung, Argwohn, Wollust, Schwermut, Furcht, vergiftet zu werden, Angst um die ewige Seeligkeit, Loyalität und Sexismus, von hochfliegender Extase, religiösen Affektionen, Trunksucht, Hellsehen, Tadelsucht, Abscheu vor dem Leben, Impotenz und Sarkasmus ganz zu schweigen. Lachesis kann chamäleongleich nicht nur alles sein, sondern auch (fast) alles haben. Es sind insgesamt über 3800 Lachesis-Symptome allein von Hering festgestellt worden, und es würde sicherlich zu weit führen, jedes einzelne zu behandeln. Entscheidender vielmehr ist die Art, wie und warum Lachesis seine Symptome auslebt. Der Gedanke des giftigen Schlangenbisses, der sich, teils lähmend, teils zersetzend über den Blutweg des gesamten Organismuses bemächtigt, auf allen seinen Seinsebenen, zieht sich wie ein roter Faden durch das komplette Lachesis-Thema.
Das Symbol des Uroboros, mit dem der Schlange untrennbar verbunden, ist das der Ewigkeit des Lebens. Ewigkeit des Lebens entspricht dem nie versiegenden Lebensstrom. Der (Blut-)Kreislauf ist geschlossen. Ohne Blut kein Kreislauf, kein Lebensstrom, kein Leben, keine Ewigkeit.

Unterdrückter Lebensstrom, unterdrückte Triebkräfte; schreien nach Auswegen (Ausflüssen). Eine Lachesis-Erschöpfung oder gar Apathie kann daher immer nur Folge eines vorhergegangenen Zuviels an Unterdrückung sein. Lachesis ist in seinem Wesenskern nicht apathisch, sondern allenfalls dann, wenn ab einem bestimmten Zeitpunkt, die Energie zur Aufrechterhaltung der Kontrolle über allzu heftig wogende Triebkräfte nicht mehr aufgebracht werden kann und die Vitalfunktionen schlagartig kollabieren, weil der Deich gebrochen ist und nichts mehr wogen kann. Dann versiegen Drang, Verlangen und Begierde, das Leben (die Materie, den Apfel) lernend zu kosten. Es versiegt ganz plötzlich, was vorher noch so sehr getobt hatte. Das ist die Lachesis-Apathie, der Kollaps, der Tod; die Wiederauferstehung gehört dazu, denn lange wird sich ein selbst in der Apathie so heftiges Mittel wie Lachesis mit einem solchen Zustand nicht abgeben (können).

Die triebhaft ausgerichtete Neigung, Leben, also Materie, zu kosten, ist materialistisch. Ein zentraler Vertreter materialistischer Weltanschauung war Karl Marx. Das Motto, erst das Fressen, dann die Moral, real und grausam zugleich, rief die Diktatur des Proletariats auf den Plan. Insbesondere im Wirtschaftswunderland Amerika gedieh die Hysterie und Angst vor 'dem Reich des Bösen'. Der verführerischen linken Schlange, die, als Bär getarnt, subtil und intrigant bisher gültige Ordnungen kollabieren lassen wollte. Und wer weiß, was selbst ein 'so netter Mann wie Gorbatschow nicht vielleicht doch noch an Hinterlist für geeignete Augenblicke, in denen er womöglich sein wahres Gesicht zeigt, zurückhält! Das Mißtrauen jedenfalls ist noch immer groß.

Lachesis ist links, linksseitig, linkisch, also sinistra. Sinistra kommt aus dem Lateinischen und heißt nichts weiter als 'links'. Das ihm ähnliche 'sinister' entstammt der englischen Sprache und heißt ganz einfach 'böse'. Doch der Trost, daß Gutes nur durch Böses erreicht werden kann, ja diese gegensätzlichen Begriffe sich, da sie im Grunde identisch sind, gar irgendwann in Bedeutungslosigkeit verwandeln, vermag viele noch immer nicht zu überzeugen. So lange müssen Zweifel und Mißtrauen eben noch ihr Unwesen treiben. Wer so Großes wie 'Unwesen zu treiben', vorhat, der muß stets hellwach, scharfsinnig, gut beobachtend und 'immer ein bißchen schneller' sein. Kein Wunder, daß Lachesis den Kaffee liebt und mit seiner Hilfe ganze Nächte hindurch arbeiten kann. Catherine Coulter spricht im Zusammenhang mit Kaffee von einer Art 'Nüchternrausch', den es umso mehr sucht, je seltener es nüchtern ist. Daß Kaffee gerade an einem Morgen mit Kater und Kopfschmerz wahre Wunder wirken kann, daran sei hier nur am Rande erinnert.

Wir wissen inzwischen auch, daß Lachesis, bei Ablehnung von Berührung, Druck braucht. Es steht unter Druck und braucht Druck. Lachesis braucht terminbefristete Arbeitsaufträge, da es nur unter Zeitdruck arbeiten kann - dann aber ununterbrochen, nächtelang und mit Unmengen von Kaffee. Das zu erfüllende Arbeitssoll muß sich bis auf den letzten Drücker, das heißt bis zu dem Zeitpunkt anstauen, von dem ab alles gerade so eben noch bei ununterbrochenem Akkordarbeitseinsatz zu erledigen ist. Dann, erst dann begiebt Lachesis sich in einen Arbeitsrausch. In diesem kann sowohl Geniales als auch Verworrenes entstehen.

Die Grenzen bei Lachesis sind fließend (Wahnsinn und Genie). Es handelt sich also um fließende Grenzen, womit wir wieder beim Blutstrom wären. Wer nun meint, die fließenden Grenzen des Blutstromes seien die Adern und das seien doch feste Grenzen, dem möchte ich an dieser Stelle widersprechen. Der Blutkreislauf selbst ist eine einzige fließende Grenze. Zum einen, weil die Blutgefäße für viele Substanzen fließende Grenzübergänge bereithalten (Grenzüberschreitungen sind wesentlich für Lachesis), zum anderen aber auch, weil das Blut eine sogenannte lamellenartige Strömung hat. Das sind wirklich fließende Grenzen, welchen die physiologische Aufgabe zukommt, dafür zu sorgen, daß die fließenden Erythrozyten nicht strudelnd aneinanderstoßen, woran sie Schaden nähmen und was ihr Leben vorzeitig beenden würde. Stattdessen haben wir eine laminare Strömung, eben fließende Grenzen, innerhalb derer die roten Blutkörperchen, wie in übereinandergeschichteten Etagen, schwimmen. Daß Lachesis empfänglich für und empfindlich gegen Strudel aller Art ist, ist ja auch schon an anderer Stelle erwähnt worden. Alkohol, Verführung und Sucht sind allesamt Phänomene, die dadurch charakterisiert sind, daß sie Sogwirkung im Strudel erzeugen. Delirium, Begierde und Abhängigkeit.

Abhängigkeit des Sohnes der Lachesis-Mutter nicht nur im Strudel der physiologischen Nabelschnur, sondern selbstverständlich auch später, in psychologischer Hinsicht in Form des vielzitierten 'Ödipus-Komplexes', dieser sogenannten 'überintensiven Mutterbindung'. Der Sohn einer solchen hohe Erwartungen hegenden Mutter spürt den permanenten Druck, etwas Besonderes, Überdurchschnittliches leisten zu müssen. Gelingt es ihm nicht, diese Ansprüche zu erfüllen, entwickelt sich unter Umständen jene Lachesis-Pathologie, die Vithoulkas folgendermaßen umschreibt:"Er ist überaus empfindlich gegenüber äußeren Eindrücken, egal, ob gefühlsmäßiger oder materieller Art. Außerdem fängt er an, jeden, dem er begegnet, zu beneiden. Er betrachtet sich als Versager, obwohl er vielleicht gesellschaftlich oder finanziell gut dasteht. Denn er meint stets, das Erreichte entspreche nicht seinen eigentlichen Fähigkeiten."

Heilungsbemühungen eines Lachesisten im Anschluß an einen Kollaps in der Form von Selbstbetrachtungen und Erkenntnissen: "Was wäre es doch schön, wenn ich doch endlich einmal einer Ausnahme meiner fatalen Regeln begegnete. Sicher, die Psychologen (und nicht nur die) sagen, es gibt keinen Zufall. Nichts passiert ohne Grund. Das, was einem widerfährt, die Situationen, die man erlebt, sind eben auch ein Spiegelbild der inneren Verfassung, der inneren Gedanken- und Gefühlswelt, die sich in Handlungen, Folgewirkungen und jeweils erlebten Situationen niederschlägt. Aber trotzdem gibt es doch so etwas wie Unwägbarkeiten, wie eben Ausnahmen die Regeln bestätigen. Einbrüche, unerwartete Ereignisse. Weichenstellungen von außen sozusagen, schicksalsbedingt. Ich rechne damit, daß ich irgendwann einmal einer solchen Ausnahme begegne, und ich hoffe, es wird eine positive Ausnahme sein. Ich hoffe sogar, daß mein Liebesleben davon betroffen sein wird, denn das ist wichtig. Das ist wichtig, daß ich da endlich mal etwas Erbauliches, Konstruktives, Stabilisierendes erlebe. Etwas, das mein Selbstvertrauen stärkt, mir Mut macht und mir meine Lebenslust zurückgibt. Etwas, das mich von diesem Abgrund wegbringt, von diesem Grenzgängertum, von diesem ständigen 'In-den-Abgrund-schauen-Müssen'. Und wenn ich mal kurz wegschaue, dann schau'ich ja mal nur kurz weg, aber meinen Standort verlaß' ich doch nicht! Daß ich einfach mal einen Schritt weg von diesem Abgrund mache. Hin zur Mitte, nur einen Schritt. Ich bin dankbar, meine dramatischen Einbrüche erlebt haben zu dürfen, aber nun bin ich ausgehungert. Daran ändern meine vordergründigen Vergnügungen nichts, daran ändert auch meine Beliebtheit nichts, daran ändert auch meine Wortgewandtheit nichts, daran ändert auch nichts das Interesse und die Faszination, die ich mitunter zu erregen imstande bin. Verdammt nochmal, und noch immer ist es so, daß, wann immer ich stark, selbstbewußt und überzeugend wirke, ich mir selbst nicht glaube, mich Zweifel überkommen. Ich mich mitunter sogar hinreißen lasse, darauf hinzuweisen, 'daß dem ja gar nicht so ist', und was weiß ich nicht noch alles. Ich muß über eine längere Strecke, über einen längeren Zeitraum, kontinuierlich relativ stark und stabil sein, sonst gehe ich baden, sonst mach' ich die Bauchlandung meines Lebens. Wenn ich jetzt nicht aufstehe und stehen bleibe, dann 'ziehe ich mir einen Einbruch rein', von dem ich mich möglicherweise zeitlebens nicht mehr erhole. Einen Einbruch, der mich prägen wird. Einen Einbruch, der mir einen empfindlichen Zacken aus der Krone bräche, der mein Leben bescheidener gestalten würde, was nicht unbedingt negativ sein muß, mir aber Einfluß, Macht und Selbstvertrauen nähme. Ein nochmaliger psychischer Zusammenbruch wäre ein Luxus, der mit empfindlichen Konsequenzen einherginge. Diesem Druck muß ich standhalten!"

Quellen:
Julius Metzger, Gesichtete Hoöopathische Arzneimittellehre, Haug-Verlag, Otto Leeser, Lehrbuch der Homöopathie. Spezieller Teil: Arzneimittellehre. C: Tierstoffe, Haug-Verlag,
Lewin, Gifte und Vergiftungen, Berlin 1928,
Schömer, Schlangengifte und ihre Bedeutung für die Therapie, München, tierärztliche Wochenschrift, 1937
'Tierstoffe', Seite 183
Kyriacos C. Markides zitiert Daskalos in: Der Magus von Strovolos. Die faszinierende Welt eines spirituellen,Heilers, Knaur-Verlag, Seite 153
Adolf Voegeli, Leit- und wahlanzeigende Symptome der Homöopathie, Haug-Verlag,
Catherine R. Coulter: Portraits homöopathischer Arzneimittel, Zur Psychosomatik ausgewählter Konstitutionstypen, Haug- Verlag,
G. Vithoulkas: Essenzen homöopathischer Arzneimittel,
Auszüge einer Tonbandaufzeichnung eines Gespräches, das ich mit jemandem führte, dem Lachesis half

Einfluß hatten auch folgende Quellen:
Dr. H. Voisin: Praktische Homöopathie. Übersetzt, verlegt und herausgegeben von Dr.med. F. und Dr.med. P. Stockebrand, 47 Hamm/Westfalen, Markgrafenufer 23 Herbert Fritsche: Erlösung durch die Schlange. Mysterium, Menschenbild und Mirakel homöopathischer Heilkunst. Klett-Verlag
Diverse Unterrichtsaufzeichnungen homöopathischer Stunden mit Andreas Krüger in der Samuel Hahnemann Schule.
Edward C. Whitmont: Psyche und Substanz. Essays zur Homöopathie im Lichte der Psychologie C.G. Jungs, Ulrich Burgdorf-Verlag

Andreas Krüger, Heilpraktiker
Rüdiger Lamprecht, Heilpraktiker
Samuel-Hahnemann-Schule, Mommsenstr. 45,
Berlin

Anmerkung
Zu den Artikeln aus der Samuel-Hahnemann-Schule in Berlin möchte ich bemerken, daß diese Arbeiten von Heilpraktikerschülern oder ehemaligen Heilpraktikerschülern (Heilpraktikern) aus eigenem Interesse oder durch einen Auftrag von Andreas Krüger als ihren Lehrer entstanden sind. Dabei ist zu beachten, daß die Autoren jeweils einen besonderen Bezug zu ihren niedergeschriebenen Arzneimittelbildern besitzen und durch das umfangreiche Material und den intensiven Unterricht bei Andreas Krüger einen tiefen, intensiven Einblick in das Wesen der Arznei und somit in sich erfahren haben, der diesen brillianten Arbeiten ihre Aussagekraft verleiht.

Die Auseinandersetzung mit dem Wesen einer Arznei bedeutet nicht nur ihre Symptome zu verstehen (Intellekt), sondern beinhaltet auch ein ihr ähnlich werden - jeder mit den Anteilen seiner eigenen Struktur die ihn mit dieser Arznei verbinden. Daher werden Arzneimittel an dieser Schule nicht nur besprochen sondern auch durchlebt. Durch z.T. wochenlange Auseinandersetzung mit dem Wesen dieser Arznei baut sich eine Atmosphäre auf, die nicht nur die kranken Züge dieses Mittels offenbart, sondern auch deutlich erkennen läßt welche Aufgabe, welche Sinnhaftigkeit in diesem Wesen verborgen liegt. Damit wird klar, daß "nach Beseitigung aller Symptome"(Hahnemann) eines z.B. kranken Arsenikers ein gesunder oder wie wir sagen erlöster Arseniker seine Aufgabe in dieser Welt übernehmen kann. Rückhalt finden diese Erkenntnisse durch z.T. zusätzliche Arzneimittelprüfungen und durch die Behandlung von Patienten aus der Sicht dieser lebendigen Homöopathie im Ambulatorium der Samuel-Hahnemann-Schule

(Aude sapere).

(Hans-Jürgen Achtzehn)


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