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Naja


Naja gegen Maja oder Wahnidee, sein Kopf sei verletzt.

Um unter dem Einfluß von Naja etwas über Naja zu sagen, gibt es nur zwei Möglichkeiten:

Entweder man deutet stumm mit dem Finger auf die Schlange oder man beschreibt das wunderbare Chaos, das diese Welt ist. Und das brächte selbst die Göttin der Gelehrsamkeit nicht zustande, mit den Bergen als Tintenpulver, mit dem Meer als Tintenfaß, mit dem Weltenbaum als Schreibfeder und mit der ganzen Welt als Papier.

Es ist unmöglich, das Licht zu beschreiben, man kann nur die Staubkörnchen beschreiben, die es reflektieren. Und welche Staubkörnchen man da herauspickt, ist letztendlich egal.

Begnügt Euch also mit den wenigen zusammengetragenen Mosaiksteinchen, sucht Euch die Euch fehlenden dazu - auf jeden Fall wird es ein Bild ergeben, so bunt und verwirrend wie Indien.

Naja tripudians (Naja naja)

Naja (auch Kobra, Brillenschlange, Hutschlange, Schildotter) gehört zur Gattung der Giftnattern. Die eigentliche Brillenschlange, die Naja naja, kommt vor in Südasien, auf den Sundainseln und Philippinen. Sie ist neben der Krait die gefährlichste Giftschlange Indiens und, wie ihr Name (naja = Sanskrit: Schlange) schon sagt, in Indien die Verkörperung des Symbols Schlange schlechthin.
Sie wird 1,4 - 1,8 m lang, ist oberseits meist gelbbraun, unterseits weißlich, mitunter schwärzlich gefleckt, ist dämmerungs- und nachtaktiv und lebt in Erdlöchern. Kobras sind die von Schlangenbeschwörern hauptsächlich benutzten Schlangen.
Naja und Elaps gehören zu den Proteroglyphen, d.h. sie haben zwei starre Giftzähne mit Vorderfurchen, durch die das Gift in die Wunde fließt - im Gegensatz zu den Solenoglyphen Crotalus, Lachesis und Bothrops, die wegklappende Röhrenzähne haben, mit denen sie das Gift injizieren.
Ein Gramm Kobragift reicht theoretisch aus, um 166.660 Mäuse, 83 Hunde oder 154 Menschen zu töten, und sie hat zweieinhalb Gramm davon verfügbar. Dennoch liegt die Sterblichkeitsrate statistisch bei nur 32%. Die Widerstandsfähigkeit gegen ihr Gift scheint also unterschiedlich groß zu sein.
Hauptbestandteil ihres Giftes sind Neurotoxine. Sie wirken lähmend, hauptsächlich auf den Nervus vagus. Es ist dem Curare, dem Pfeilgift der Indianer, ähnlich - man stirbt durch Atemlähmung, bei vollem Bewußtsein. Kobragift enthält außerdem noch Cardiotoxine, was Najas ausgeprägte Wirkung auf das Herz erklärt, und wirkt hämolytisch.

Gehen wir in die Heimat der Naja, nach Indien, und versuchen wir, sie in ihrem eigenen Reich zu verstehen. Wir müssen zu Morgenlandfahrern werden.
In Indien ist die Schlange ein Gott, oder vielmehr, die Göttin schlechthin. Sie wird verehrt - und gefürchtet. Mythologisch dargestellt wird sie als Shakti, die weibliche Kraft Shivas, des obersten männlichen Prinzips.

Überall findet man ihre Symbole, das Linga, oder göttlicher Phallus, um den sich die Kundalini, die Schlange oder Shakti, windet, eingefügt in das mit der Spitze nach unten weisende (weibliche) Dreieck, die Yoni, oder göttlicher Schoß.
"Guru" war das erste, was mir spontan zu Indien einfiel. Der Guru ist die Instanz, an die sich die Gott- oder Wahrheitssucher wenden, die den östlichen Weg wählen. Es ist nicht der einzige Weg, aber für viele von uns ein Geschenk. Dieser Guru kann uns Naja sein. Nag heißt im Sanskrit auch "der Weise".
Im Volksglauben ist viel Weisheit erhalten. So schreibt man der Naja einen Einfluß auf die Fruchtbarkeit unfruchtbarer Paare zu. Hierzu später ein Märchen, das Jürgen aus Indien mitbrachte.
Trotz hartnäckigen Abstreitens aller Zoologen hält der Volksglaube fest an der Behauptung, daß Schlangen Milch mögen, und die Menschen versuchen, sie damit freundlich zu stimmen. Hier ist wohl das Symbol stärker als die Fakten: Milch ist das Produkt der fruchtbaren Mutter Erde in Gestalt der Kuh - die in Indien als solche auch verehrt wird.

Da die Kobra in Erdlöchern lebt, ist sie durch die plötzlich hereinbrechenden Regenfälle und Überschwemmungen besonders gefährdet. Im Repertorium finden wir das Symbol "Angst vor Regen" - auch gleichzusetzen mit Angst vor der Überflutung mit Gefühlen. Als natürliche Feinde der Kobra werden angesehen: der Mungo (köstlich dargestellt in der Geschichte von Rikki-Tikki-Tavi in den Dschungelbüchern von Rudyard Kipling) - von uns als Phosphor-Ego verdächtigt-, der Mensch, der Adler und der Pfau- wobei ich letzteren wieder weniger dem materiellen Bereich zuordnen würde, zumal der Pfau auch unser aufgeblähtes Ego repräsentiert.

Der Ausdruck Schlange wird in Indien außerdem angewendet für Menschen, die nicht das sind, was sie scheinen (Redensart:" Gib nie einer Schlange Milch"), und er wird benutzt, um ein außergewöhnliches Glücksgefühl zu beschreiben. Der wichtigste Aspekt, der die Naja im indischen Bewußtsein allen Erfahrungen der Statistik und der Zoologie zum Trotz auszeichnet, ist, daß sie die einzigen Schlangen sind, die sich bei der Paarung ganz aufrichten und, umeinandergeschlängelt, sozusagen nur auf zwei Punkten den Boden berühren. Hier haben wir den stärksten Hinweis auf ihr Prinzip - nennen wir es die Erhöhung der Schlange, die Erweckung der Kundalini, die Aufhebung der Dualität in der Sexuellen Vereinigung - das Tantra-Yoga - in dem die Verbindung mit dem göttlichen Geist angestrebt wird.

Der göttliche Geist als männliches Prinzip, das auf die Erde strömt und erschafft ( mit der Energie der Schlange) könnte als Aurum angesehen werden (auch in der Praxis gehören Aurum und Naja zusammen). Aurum ist der Baum des Lebens, an dem Naja wieder aufsteigt. Aurum schafft das Individuum, mit dem feurigen Löwenherzen. Der Kampf der Kundalini mit dem Löwen löst die Herzsymptomatik im Naja-Menschen aus. Der Mensch auf dem geistigen Weg braucht Herzensruhe - aber die Vitalkraft der Sexualität. Die Leidenschaften des Herzens müssen besänftigt werden, man darf sein Herz an nichts mehr hängen. Dazu gehört Mut und Schicksalsergebung. In unserem Märchen verwandelt sich der erlöste Löwe in eine Lerche, ein "Löweneckerchen", das mit einem dankbaren Jubilieren aufsteigt. In der mittelalterlichen Mystik verbindet sich der Löwe mit dem Adler und wird zum Vogel Greif. In der Symbolik anderer Kulturkreise bekommt die Schlange Flügel.

Bei Naja-Prüfungen in Indien, so wurde berichtet, erschienen oft die Themen Geburt, Hochzeit und Tod. Alle drei Ereignisse sind in Indien (von Ausnahmen abgesehen) Zeitpunkte, wo man vor vollendete Tatsachen gestellt wird - auch bei der Eheschließung haben die am direktesten Betroffenen kein Mitspracherecht. Also, Das-was-Ist muß akzeptiert werden, was besonders in der Rolle der Frau ( und Naja scheint das Mittel für die indische Frau zu sein) für unsere Begriffe hart sein dürfte.

Aber was geben uns die Zen-Meister mit auf den harter-essenen Weg zur Erleuchtung? Das Unannehmbare annehmen! Und die indische Frau lebt diesen Weg (und spätestens hier gehen die westlich-geprägten Egos auf die Barrikaden!). Und das alles wegen eines simplen semantischen Irrtums. Selbstverwirklichung sollen wir anstreben. Darin sind sich Ost und West einig. Bloß, der Westen identifiziert sein göttliches Selbst mit dem Ego und betreibt Egoverwirklichung. Die östliche Weisheit empfielt "Egomord" als Weg der Glückseligkeit - und wir machen aus unserem Leben oft einen lebenslangen versuchten Selbstmord.

Prüfungssymptome nach C 30

Hyperästhesie der Haut, alles, was uneben ist und reizt, wird als störend empfunden, z. B. Nähte, Reißverschlüsse, Falten, Etiketten, Einschnürungen, Wolle. Auch Narben werden als Unebenheit empfunden. Jucken und Stechen. Am liebsten trüge man eine glatte Schlangenhaut.
Energiestau zum Kopf, besonders bei Erregung, schlimmer links, schlimmer abends und in warmen Räumen, ausgehend vom 2. BW, mit Verspannung im Schulter-Nackenbereich.
Trockene Schleimhäute, schmerzhaft. Extreme Geruchsempfindlichkeit - kann am Geruch erkennen, wer wann wo entlanggegangen ist.
Ohrenschmerzen links, << Wärme.
Husten von Stauungsbronchitis, verbunden mit punktuellem Rückenschmerz zwischen den Schulterblättern. Schnelle Ermüdbarkeit.
Empfindliche Reaktion auf Alkohol, was sich im Verlauf der Prüfung zur absoluten Intoleranz steigert. Empfindlich auf Kaffee und Tee (Tachykardie, Arrhythmien, hektische Flecken auf Wangen, schlimmer links). Nach stark gepfefferten Speisen Husten mit schaumigem Auswurf. Ausgeprägtes Verlangen nach Geflügel, besonders Hähnchen. Verlangen nach Milch.
Bei bestimmten Körperbewegungen stechender Schmerz im linken Ovar.
Schlaf reptilartig, wache vom eigenen Röcheln auf. Unbeweglich, Rechtslage, die Körperteile, auf denen man liegt, sterben ab. Tiefe Träume, aus denen man nur schwer erwachen kann.
Absterben der Extremitäten, besonders der rechten Seite, bis zum Lähmungsgefühl. Kältegefühl, das nur durch äußere Wärmeanwendung zu beheben ist. Wärmeintoleranz.
Energiestau im Analbereich.
Empfindlich, reizbar, impulsiv.

Prüfungssymptome nach C 200

Sofortige Wirkung auf Herz und Lungen. Herz hat zu viel Kraft. Lungen bekommen so viel Luft, daß man nicht weiß, wohin damit. Vergleichbar mit der Wirkung von Theophyllin.
Emotionale Auseinandersetzung mit Familie und Partner. Besonders die weibliche Linie der Generationsfolge wird aktiviert. Es geht um das Prinzip Großmutter (oder Große Mutter?). Völlige Abwendung von (und innerlich vollzogene Tötung) meiner subtil machtausübenden alten Mutter, Übernahme ihrer Rolle als Großmutter - 3 Tage nach Einnahme der C 200 eröffnete mir meine Tochter, daß ich Oma werde, das Kind wird übrigens ein Mädchen und soll Natascha heißen - Auflösung von Abhängigkeiten von Familie und Partner. Herzsymptomatik läßt daraufhin nach, Rückenschmerzen ebenfalls. Gefühl von heiterer Gelassenheit.
Verstärktes Hitzegefühl im Analbereich und Wirbelkanal. Hautsymptomatik verschwindet. Energiestau zum Kopf.

Prüfungssymptome nach C 1000

Schlaf wie narkotisiert. Tiefe Träume.
Reaktive Depression, die aus dem Impuls heraus zum Selbstmord hätte führen können. Keine tiefe Hoffnungslosigkeit wie bei Aurum, sondern der Wunsch, sich aus einer unangenehmen Situation davonzuschlängeln. Beim Bedrängtwerden der Impuls, andere zu töten - nicht aus Zerstörungssucht oder Rache, sondern aus einem unbeteiligten Impuls heraus, gleichermaßen ein Reflex.
Starker Wahrheitsdrang. Fremdmanipulationen werden glasklar durchschaut. Freimachen von aufoktroierten Moralvorstellungen, Auseinandersetzung mit dem Schuldprinzip. Schuld wird nicht mehr empfunden, man gibt sich dem Gesetz von Ursache und Wirkung hin. Das Bewußtsein ist unbeteiligter Beobachter, ohne Be- und Verurteilung. Gefühl von Freiheit.
Kopf fühlt sich an wie eine Energiebombe von einem Meter Durchmesser. Kalte Dusche bessert.
Absolutes Wohlbefinden. Energiestaus aufgelöst.
Herzleistung besser denn je. Schaffe 7 Stockwerke am Stück im Laufschritt
Ab hier treten keine körperlichen Symptome mehr auf, es geht auf einer anderen Ebene weiter.

Prüfungssymptome nach C 10.000

Hitzegefühl im Wirbelkanal verstärkt, jedoch ohne Staus.
Gefühl von Lähmung, was das Wollen und Handeln angeht, auch die Gedanken sind zur Ruhe gekommen, dabei geistige Klarheit und verstärkte Wahrnehmung.
Ernährungsgewohnheiten ändern sich von selbst, der Körper weiß, was er braucht und was ihm schadet. Alkohol wird total abgelehnt, "tote" Lebensmittel ebenfalls. Das Verlangen nach Hähnchen bleibt vorerst.
Bekomme Schwierigkeiten mit der Erfüllung meiner "Pflichten". Stelle sie immer mehr in Frage. Das Gefühl, ich sollte etwas tun, aber etwas lähmt mich. Mir gefällt es auf der ruhenden Nabe des Rades zur Zeit besser als auf dem herumwirbelnden Karussel des Lebens. Aber ich weiß, daß ich wieder hineingehen werde.
Bei dem Versuch, sich wieder im Alltag zu integrieren, entsteht das, was ich ab jetzt als die zentrale Wahnidee von Naja bezeichnen würde: "delusion, head is being injured" - "Wahnidee, sein Kopf ist verletzt". Es ist physisch das Gefühl, der Kopf sei in Scheitelhöhe wie mit einer Axt gespalten und man verströmt sich. Es kann sich auch so äußern, daß man seine Gedanken nicht mehr zusammenhalten kann, daß der Verstand "eins abgekriegt hat". Man kann seinen Kopf nicht mehr durchsetzen - siehe auch die spätere erwähnte Allegorie von der aufgeschlagenen Kokosnuß.
Wache schreiend auf, weil ich träume, mein Kopf wird angesägt. (Diese Operation hat vor 25 Jahren tatsächlich stattgefunden.)

Wiederhole die C 10.000 - und von jetzt an beginnt eine Gratwanderung. Mir wird die Gretchenfrage gestellt und es wird eine eindeutige Antwort verlangt.

"Die Tochter: Willst Du denn nicht die Befreiung?
Der Dichter: Doch gewiß will ich sie, aber nicht jetzt...und nicht im Wasser!"
(Ein Traumspiel)

Fühle mich wie der Zauberlehrling. Wie geht man gleichzeitig in zwei verschiedene Richtungen? Bemerke, wie sich die Strukturen auflösen und was dies beinhaltet: Wir leben in einer strukturierten Welt - unser Verstand, unsere Persönlichkeit, unser Alltag, unsere Arbeit, Familie, Gesellschaft, die Art miteinander umzugehen und sich mitzuteilen... Konzepte, Planungen, Spielregeln...Was passiert, wenn sich einer aus diesem Verband ausklinkt? Man paßt nicht mehr hinein in diese Welt - also, entweder man wird zum Morgenlandfahrer, sucht sich ein Umfeld, wo man ganz entspannt im Hier und Jetzt leben kann - oder man wird zu Aurum.
Ich lebe sehr intensiv in der Gegenwart. Kann ganz in der banalsten Tätigkeit aufgehen. Aber Planung, Struktur und Strategie sind mir abhanden gekommen. Mein Alltag ist darauf abgestimmt, daß ich funktioniere. Ich war stolz darauf, drei Dinge gleichzeitig erledigen zu können, dabei zwei Sachen von gestern und letztem Jahr zu analysieren und die nähere und weitere Zukunft zu planen. Das funktioniert nicht mehr. Ich wäre im Moment wohl ein schlechter Schachspieler. Eigentlich fühle ich mich ganz wohl so. Nur meine Umgebung hat Probleme mit mir. Und dadurch entstehen Probleme für mich. Das eigentliche Problem ist die Veränderung. Es geht um die Auflösung patriarchaler Strukturen.
Die Schwierigkeit zu konzeptualisieren unterläuft alles zielgerichtete Handeln und wird von Naja im Dienste der Selbstverwirklichung hervorgerufen. Während der gesamten Naja-Prüfung genügte es, etwas sehr bestimmt zu wollen, damit recht wunderliche Dinge geschahen. Für diesen Artikel wollte ich Kobras im Zoo besuchen, es waren keine da. Auch kein Informationsmaterial über sie. Ich wollte bestimmte Bücher zu bestimmten Zeiten - sie waren vergriffen, verloren, verliehen, nicht existent. Je hartnäckiger ich suchte, desto mehr foppte mich die Schlange. Ich gab nicht auf. In einer Buchhandlung war der Computer abgestürzt. Dharma-Buchladen, dachte ich - der Name verpflichtet. Letzter Versuch. Ich schlage das Branchenfernsprechbuch auf, um die Nummer zu suchen. Ein Griff genügt: Ich habe die ganzseitige Anzeige der Detektei Kobra aufgeschlagen, "Die richtige Wahl für Ihren Fall", wie mir versichert wird. Ich gebe auf. Und in diesem Moment werde ich mit Material überschüttet.
Ich verschlinge es - und fühle mich immer unwohler. Etwas stimmt hier nicht. Das ist alles Maya, nicht Naja! Das geht in die falsche Richtung..."Die Wahrheit, wenn sie konzeptualisiert und in Worte gefaßt wird, ist nicht länger die Wahrheit, sondern wird zum Konzept". Dieser Artikel dürfte nie geschrieben werden. Klage einem lieben Kollegen mein Leid. Vielleicht hilft mir "ein Lycopodium" beim Systematisieren des Chaos? Zähle in bunter Reihenfolge auf, was für Literatur ich mir einverleibt habe, um dem Verstand den einfachsten Weg zur Selbsterkenntnis mit viel zu vielen Worten verständlich zu machen. "Wie willst du da jemals Struktur reinkriegen?" war seine besorgte Frage. Und "Nimm eine Aurum C 1000 - sonst drehst du durch" seine unausgesprochene Empfehlung.

Meine Uhren haben seit der Naja-Prüfung ein indisches (?) Eigenleben angenommen. Ich habe mittlerweile drei Wecker, die sporadisch völlig unvorhersehbare Macken entwickeln, so daß ich alle drei stelle und morgens den mittleren Durchschnitt nehme.

Gerade habe ich wohl das zwanzigste Glas während der Naja-Prüfung zerbrochen - in den Träumen waren es noch einige mehr -, in der Wohnung sind Überschwemmungen an der Tagesordnung, und die Reifen meines Autos mußten - oh Wunder - wegen Strukturauflösung erneuert werden. Jetzt darf ich die Erfahrung machen, daß es sich mit Struktur auf unseren eingefahrenen Wegen besser fährt.

Fahre von Berlin nach Bremen - über Hamburg - um pflichtschuldigst kranke Verwandte zu besuchen. Das heißt, ich habe die Absicht, über diese Route dorthin zu fahren. Es ist ein schöner Tag, und ich genieße die Fahrt und die Landschaft. Erst an der Ostsee merke ich, daß irgendetwas nicht stimmt - ich war so in der Gegenwart, daß ich mein Ziel aus den Augen verloren hatte. Fahre jetzt durch mir völlig neue Gegenden und wunderschöne Landschaften ("Sie fahren natürlich über Goldberg!" sagte mir die Frau an der Tankstelle) - und bis Goldberg hatte ich einen vollen Lieferwagen mit Geflügel vor mir...

Kurz nach Beginn der Prüfung wurde vor dem Fenster meines Büros ein Riesenkran aufgestellt mit der Aufschrift "Maxi Mum" (auch eine Art, Große Mutter zu schreiben!).

So weit die anekdotischen Zu-fälle.

Das Prinzip von Naja, so wie ich es empfinde, ist das Auflösen patriarchaler Strukturen, die Wiedergeburt des Weiblichen und seine Vereinigung mit dem geistigen männlichen Prinzip, das Streben nach Ganzheit, Wahrheit, Heiligkeit.

Das Leben - ein Traum

Naja - oder das Traumspiel

"...die unzusammenhängende, aber scheinbar logische Form des Traumes...
Alles kann geschehen, alles ist möglich und wahrscheinlich. Die Gesetze von Raum und Zeit sind aufgehoben; die Wirklichkeit steuert nur eine geringfügige Grundlage bei, auf der die Phantasie weiter schafft und neue Muster webt: ein Gemisch von Erinnerungen, Erlebnissen, freie Erfindungen, Ungereimtheiten und Improvisationen.
Personen spalten sich, verdoppeln sich, vertreten einander, gehen in Luft auf, verdichten sich, zerfließen, treten wieder zusammen. Aber ein Bewußtsein steht über allem: das des Träumers. Für dieses gibt es keine Geheimnisse, keine Inkonsequenz, keine Skrupel, kein Gesetz. Es verurteilt nicht, es spricht nicht frei, es berichtet nur."

In Strindbergs "Traumspiel", in dem ich viel von Naja wiedererkannt habe, ist Indras Tochter auf die Erde niedergestiegen, um zu erfahren, wie es die Menschen eigentlich haben. Lehm an den Schwingen, Kot an den Füßen, bereitet sie sich vor, wieder zu ihrem Vater aufzusteigen, nachdem sie alle Leiden der Menschen durchlitten hat, "aber hundertfältig, denn mein Empfindungsvermögen war viel feiner..." Ihr irdischer Ehemann, der Advokat, versucht sie zurückzuhalten, indem er an ihr Gewissen appelliert:

Der Advokat (tritt hinzu und faßt die Tochter am Arm): "Hast du deine Pflicht vergessen?"
Die Tochter: "O Gott nein! Aber ich habe höhere Pflichten!"
Der Advokat: "Und dein Kind?"
Die Tochter: "Mein Kind! Was noch?"
Der Advokat: "Dein Kind ruft nach dir."
Die Tochter: "Mein Kind! Weh mir, ich bin an die Erde gefesselt!...Und diese Qual in meiner Brust, diese Angst...was bedeutet das?"
Der Advokat: "Weißt du es nicht?"
Die Tochter: "Nein!"
Der Advokat: "Das sind Gewissensbisse!"
Die Tochter: "Die Gewissensbisse?"
Der Advokat: "Ja! Und sie stellen sich immer ein, wenn man seine Pflicht versäumt hat; nach jeder Freude, selbst nach der unschuldigsten; wenn es überhaupt unschuldige Freuden gibt, was zu bezweifeln ist; und nach jedem Leid, das man seinem Nächsten zugefügt hat."
Die Tochter: "Und es gibt keine Sühne dafür?"
Der Advokat: "Doch, aber nur eine: sofortige Pflichterfüllung!"
Die Tochter: "Wenn du das Wort Pflicht aussprichst, siehst du aus wie ein böser Geist! Aber wenn jemand so wie ich - zwei Pflichten zu erfüllen hat?"
Der Advokat: "So erfüllt man zuerst die eine und dann die andere!"
Die Tochter: "Die höchste zuerst...deshalb, sieh du nach meinem Kind, dann kann ich meine Pflicht erfüllen..."
Der Advokat: "Dein Kind leidet, weil du ihm fehlst...kannst du es ertragen, daß ein Mensch deinetwegen leidet?"
Die Tochter: "Nun ist der Friede meiner Seele dahin...sie ist entzweigerissen, und es zerrt mich nach zwei Seiten!"
Der Advokat: "Siehst du, das sind so die kleinen Disharmonien des Lebens!"
Die Tochter: "Oh, wie es zerrt!"


Träume unter C 30

1) Gehe eine kleine Geschäftsstraße entlang, durch die Mauern hindurch, durch Korridore und Räume. In einem Raum legt sich eine weißgekleidete Frau in ein Bett. Ihr Bauch schwillt an, sie wird gleich gebären. Gehe weiter, am Ende der Straße finde ich ein spitznasiges hundeähnliches Tier (im nachhinein identifiziere ich ihn als Mungo). Er jault ängstlich, ich nehme ihn mit. Ein wenig später befinde ich mich auf einer Leiter vom 2. oder 3. Stock abwärts, als mir jemand diese unter den Füßen wegstößt. Halte mich an einem Fensterrahmen fest und denke, irgendwer wird mir schon helfen. Sehe statt dessen, daß der Mann, von dem ich Hilfe erwarte, wertvolles Porzellan aus einer Glasvitrine räumt, damit ich es beim Abstürzen nicht zerschlage. Versuche, mir die Leiter aus eigener Kraft zu angeln, dabei fällt sie völlig um und zerbricht. Denke, irgendwann wirst du loslassen müssen, weil deine Kraft nachläßt. Was passiert dann? Hänge immer noch da, als der Wecker klingelt.
Das Gefühl der "Abhängigkeit" klingt nach.

Naja ist ein Mittel für Unfruchtbarkeit - die Inderinnen wenden sich in solchen Fällen an den Schlangengott - darauf weist wohl die schwangere Frau im Traum hin. Der Mungo, Hauptfeind der Kobra, könnte unser phosphorhaftes Ego repräsentieren, das seine Zerstörung durch das aufsteigende Bewußtsein fürchtet.

Trennendes und auch zerbrechendes Glas kommt während der Naja-Prüfung laufend vor, nicht nur in den Träumen. Es ist die Form, die uns vom Inhalt - oder vom Ganzen - trennt, auch wieder unser abgrenzendes Ich.

2) Im Traum ruft jemand zweimal deutlich meinen Namen - ich wache davon auf.

Dieses Symptom ist im Repertorium nur für Sepia bekannt.

3) Träume von Sexualität ohne Erotik. Paare in den merkwürdigsten Kombinationen, die eigentlich gar nicht zusammenpassen, die Atmosphäre ist nicht sinnlich-schwül, sondern eher nüchtern-sachlich.

4) Konzert der Masse - bin irgendwo in Nordspanien, eine teilweise barocke Anlage am Hang (wie ein Schloßgarten), ohne Symmetrie und doch harmonisch, halb in irgendwelchen Gebäuden, halb draußen, auf Treppen, im Park. Es findet alles gleichzeitig auf verschiedenen Ebenen statt, und die Mauern dazwischen sind eigentlich keine. Gehe einen steinigen Weg vom Garten nach oben. Suche von Anfang an den Ausgang, habe vergessen, wo ich reingekommen bin. Die Anlage füllt sich, das Konzert geht los, wobei die Zuschauer gleichzeitig die Interpreten sind, jeder singt, wie er kann, meistens kann er nicht, vor jedem Grüppchen steht ein Dirigent, der unwirsch wird, wenn Unterbrechungen oder Ablenkungen sind. Ich lande schließlich in einem überdachten Raum, links geht eine Treppe nach oben, rechts eine nach unten zum Garten, an der Rückwand steht eine Riesenorgel. Wenn jemand sie spielte, würde ich gern ein Weilchen bleiben. Versuche ausfindig zu machen , wo der nächste Ausgang ist, will zu meinem Auto, das ich draußen irgendwo geparkt habe. Aber das Konzert geht los, vor mir ein Dirigent, neben mir trällert eine Oma, ein Mann setzt sich neben mich auf Tuchfühlung, meint, es müsse sein, zu Hause liefe nichts mehr. Teile ihm mit, daß ich kein Interesse habe. Er holt eine haarige schwarze Raupe aus der Tasche, streicht mit einem Pinsel darüber, da verwandelt sie sich in eine schwarze Katze. Inzwischen ist eine Pause eingetreten, es strömen wieder Menschen herein. Ich sage mir, wo man reinkommt, geht's auch wieder raus, gehe die Treppe nach oben, da werden zwei Mauern hochgeklappt - wie Garagentore -, und ich kann raus ans Licht.

Die Qualität meiner Träume, besonders unter Naja, beinhaltet eine Aufhebung von Zeit und Raum. Sie läßt sich unserem linear denkenden Tagesbewußtsein schwer vermitteln. Dieser "Park" im Traum, wo alles gleichzeitig auf verschiedenen Ebenen stattfindet, und wo die Mauern eigentlich keine sind, ist wie das Leben, in das wir irgendwie hineingeraten sind, wir haben vergessen, wo und wie, und aus dem wir irgendwie auch wieder hinaus müssen, denn unser Auto, unser eigentliches Selbst, ist irgendwo draußen. In diesem Leben, diesem Konzert der Massen, machen alle mit: Die Zuschauer sind gleichzeitig die Interpreten (die beobachteten Beobachter).
Musik ist ein Geschenk der Götter, sie erreicht den Menschen unter Umgehung seines Verstandes. Obwohl die Naja, wie alle Schlangen, in der Realität taub ist, wird sie als einzige von den Schlangenbeschwörern benutzt, um den Zauber der Musik zu demonstrieren. Für Orgelmusik bin ich während der Naja-Prüfung besonders empfänglich.

Der Mann, der sich neben mich setzt - wieder diese Sexualität ohne Erotik, ohne Bindung im Herzen - demonstriert mir, wie man durch Stimulierung der Sexualkraft das Tier (Tiere sind die Vehikel für göttliche Kräfte) der schwarzen Göttin erlösen kann.
Als ich Leute hereinkommen sehe, wird mir klar: Wo man reinkommt, geht's auch wieder raus - die Frage von Geburt und Tod. Das Hinausgehen war ein erlösender Augenblick, man geht hinaus ins Licht, wo das eigentliche Leben stattfindet.

5) Sitze in einem Auto rechts am Steuer (auch in Indien ist Linksverkehr wie in England) und fahre - mit Beifahrerin - eine Straße bergauf. Links neben mir ist eine Bahnstrecke. Die Straße wird immer enger, ich kreuze das Bahngleis einige Male, um nicht in den Schienen hängenzubleiben. Die Straße wird immer steiler, zum Schluß fast und dann ganz senkrecht, und es ist nur noch das Bahngleis da. Ich gebe Vollgas, wir machen einen Salto rückwärts und sind nach einer weichen Landung wieder unten.

Wenn ich bisher noch Zweifel hatte, daß Naja mir etwas über die Kundalini mitteilen will, so sind diese jetzt ausgeräumt. Da ich von all diesen Dingen zwar schon gehört hatte, aber keineswegs vertraut mit ihnen war, ist jetzt ein Blitzkurs in Kundalini-Yoga, Tantra, indischer Geschichte und Mythologie und Guru-Weisheiten für mich angesagt. Versuche, etwas Gleichwertiges bei unseren abendländischen "Weisen" zu finden, verschlinge C.G. Jung, Erich Neumann, Herrmann Hesse, Werner Bohm, Rudolf Meyer und letztlich August Strindbergs Traumspiel, wo ich viele Elemente wiederfinde. Aber letztendlich scheint auch hier die Polariät zu existieren, mit der Wasserscheide im Hochland von Iran, zwischen östlicher und westlicher Lebensbewältigung. Im Westen ist man dem patriarchalischen Prinzip noch mehr verbunden, die Abgrenzung der Persönlichkeit und das Leben in der Dualität werden als wünschenswert bejaht, während man im Osten die Dualität als Ursache allen Leidens zu überwinden anstrebt.

6) Sturm an der Küste: hohe Wellen an einer Hafenanlage, wo Autos auf ein Schiff verladen werden. Bei dem Seegang wird fast jedes Auto beschädigt, was aber niemanden zu stören scheint. Ich schwimme im Wasser und werde auch bei jeder Welle hochgehoben. Ob ich strande, an der Hafenmauer zerschelle, ins Meer hinausgetrieben werde, ist von rein akademischem Interesse. Lasse mich treiben.

Im Sturm des Lebens kriegen nur die äußeren Hüllen Beulen. Das Bewußtsein ist unzerstörbar und unverletzlich. Das Gefühl des absoluten Vertrauens: Dein Wille geschehe.

Unter der C 200 nur schwer erinnerbare Träume, die viel mit Glas zu tun hatten.

Dafür findet unter dieser Potenz am Tage die massive Auseinandersetzung mit der Umwelt statt. Sehr impulsive Reaktionen, ambivalent: Angriff oder Flucht. Stehe irgendwie darüber oder daneben als Beobachter. Sehe die möglichen Folgen meiner möglichen Handlungen - und es ist im Grunde egal.

Träume unter C 1000

7) Ein Mensch (Straßentheater?) mußte sich dauernd umziehen, immer ein anderes Kostüm, eine andere Verkleidung - das ging schon endlos lange so, und er war schon etwas müde, andere halfen ihm. Mein Gedanke beim Aufwachen: steter Wechsel.

Das Bewußtsein inkarniert sich immer wieder in verschiedenen Rollen. Nichts ist beständig.

8) Habe in einem nicht abschließbaren Durchgangszimmer eine zärtlich-stürmische Liebesbeziehung mit einem jüngeren Kollegen. Wir rollen übermütig über den Fußboden. Denke, das könnte ja mein Sohn sein. Versuche vergeblich, das Licht dunkler und das Radio leiser zu machen, da mich beides stört. Aber sowie ich mich umdrehe, ist es wieder hell und laut.

Dies könnte das mythologische Thema der schwarzen Mutter mit ihrem Sohngeliebten sein, die regelmäßig vor der Sonne des Verstandes (Ratio) weichen müssen.

9) Es folgt noch ein Traum, in dem die Umwandlung der Liebe von Eros in Philia - wenn schon nicht Agape - für mich vorweggenommen wird: Die Anfangsszene mit meinem verheirateten Freund - in der Gestalt von Placido Domingo - ist begehrlich-sexuell - Endstation Küchenherd, was nicht nur der Hinweis auf eine "heiße" Sache ist, sondern auch, von Material und Form her, auf das Reich der Materie. Die nächste Szene wird mit süßem Schmerz im Herzen gefühlt: Ich lasse ihn los, und seine Frau wird in die Liebe mit eingeschlossen. Hinweis auf Agape, die allumfassende geistige Liebe, ist eine Uhr mit dem Symbol eines halben Regenbogens - sie wird erreicht sein, wenn der Regenbogen "heil" ist.

Am nächsten Tag fällt mir Hesses "Stufen"-Gedicht in die Hände, was mich sehr berührt:

Stufen

Wie jede Blüte welkt und jede Jugend
Dem Alter weicht, blüht jede Lebensstufe,
Blüht jede Weisheit auch und jede Tugend
Zu ihrer Zeit und darf nicht ewig dauern.
Es muß das Herz bei jedem Lebensrufe
Bereit zum Abschied sein und Neubeginne,
Um sich in Tapferkeit und ohne Trauern
In andre, neue Bindungen zu geben.
Und jedem Anfang wohnt ein Zauber inne,
Der uns beschützt und der uns hilft, zu leben.
Wir sollen heiter Raum um Raum durchschreiten,
An keinem wie an einer Heimat hängen,
Der Weltgeist will nicht fesseln uns und engen,
Er will uns Stuf'um Stufe heben, weiten.
Kaum sind wir heimisch einem Lebenskreise
Und traulich eingewohnt, so droht Erschlaffen,
Nur wer bereit zu Aufbruch ist und Reise,
Mag lähmender Gewöhnung sich entraffen.
Es wird vielleicht auch noch die Todesstunde
Uns neuen Räumen jung entgegensenden,
Des Lebens Ruf an uns wird niemals enden...
Wohlan denn, Herz, nimm Abschied und gesunde!

In Träumen und in der Realität geht es jetzt um Abschaffung von Heimlichkeiten und Aufdeckung der Wahrheit.

10) Werde wieder von Musik angelockt, finde meine Mutter am Klavier. Blättere in den Noten, finde das Begleitheft zu einem Plattenalbum von Pavarotti. Im Album eine Landkarte von seinem Wohnsitz: eine Landzunge in einem runden See (ruft in mir das Bild vom menschlichem Schädel mit Medulla oblongata hervor). Blicke drauf und bin auch schon da, mit mir eine Gruppe von neugierigen Journalisten. Die Landzunge ist abgeriegelt, bewacht, zwei Wachttürme, ein Tor, davor vier abenteuerlich aussehende Gestalten (Legionäre, Musketiere) als Wächter. Wir lassen uns von den vermeintlichen Wächtern abschrecken, versuchen aber, sie wegzulocken. Inzwischen werde ich aber abgelenkt: Ein kräftiger Hund zieht mich an einer langen Leine in die entgegengesetzte Richtung. Am Ende der Straße ist eine öffentliche Toilette. Es ist dunkel. Einer der Wächter ist mir gefolgt, umstreicht das Gebäude, in dem der Hund und ich sind, und ruft "Polyester" (Kunststoff = Maya). Mein Hund nimmt Reißaus. Wir finden uns später in einer Gerichtsverhandlung wieder, wo dieser Wächter angeklagt wird, einem Kind etwas angetan zu haben. Indiz ist "Polyester". Ich trete als Zeuge auf. Mir geht es darum, daß die Wahrheit ans Licht kommt.

Pavarotti - in einem vorigen Traum Placido Domingo - was sollen diese Heldentenöre in meinen Träumen? Jemand fragt mich: "Was ist Pavarotti für dich?" Ich antworte spontan: "Eine göttliche Stimme!" Und Domingo? Auch ganz nett.

Aber offensichtlich lasse ich mich auf der Suche nach der göttlichen Stimme noch von falschen Autoritäten und Kräften ablenken. Schon als Kind wurde uns der Blick durch den Kunst-stoff verschleiert. Und der Hund, der in die andere Richtung zieht? Einerseits Sinnbild für das Triebhafte - andererseits gilt der Hund als Hüter unterweltlicher Geheimnisse. Er hat einen guten "Riecher" für die niederen Motive menschlichen Handelns. Wenn man ihm folgt, verfällt man leicht dem Zynismus und vergißt das Göttliche im Menschen.
11) Träume von Gelähmtsein.

12) Wieder ein Traum von einer Massenveranstaltung auf mehreren Ebenen, Treppen, Glaswände, Mauern, Gärten, Hörsäle - es ging wohl darum, etwas zu lernen. Am Anfang ist mir mein schlechtes Gedächtnis peinlich, als ich Leute nicht wiedererkenne. Ich komme in einen Hörsaal mit Glaswand nicht hinein, als ich die Treppe hinuntergehe, sehe aber, wie eine Jüdin mit panierten oder kandierten Kleiderbügeln als Unterrichtsbeitrag hineingeht ( die hebräischen Buchstaben sehen aus wie Kleiderhaken = an der Kabbala ist was dran...). Treffe auch eine verstorbene Freundin wieder, der ich über eine Mauer helfe. Sie hat ein Kliniktagebuch bei sich mit Bildern der sieben Zwerge von Schneewittchen, Walt-Disney-Ausgabe (auch sie gehören dem Land der Illusionen an).

Die Elementargeister (die Zwerge), die die junge Seele geprägt haben, werden machtlos zu dem Zeitpunkt, an dem Schneewittchen in den giftigen Apfel beißt, d. h. der Sinnenwelt verfällt. Hier erstarrt die reine Geistesgestalt, der unsterbliche Teil des Menschen, über dem die Zwerge noch Wacht halten, aber den sie nicht erlösen können. Um das Erwachen zu bewirken, bedarf es höherer Kräfte, der des Prinzen.

13) Eine junge Negerin liegt aufgerollt in einem Wäschekorb im Schilf. "Scheuch sie hoch", sagt eine Stimme.

Aufforderung, die Kundalini hochzujagen?

14) Verschiedene Träume vom Aufstieg auf Berggipfel, meist mit Auto. Serpentinen, Berggipfel verschneit, einmal mit meiner Mutter, die einen roten, großkrempigen Hut trägt, und einen zweiten mit einer Hutschachtel vor sich herrollt.

15) Oben auf dem Gipfel ist einmal eine Glaskuppel, die ich mit einem Wasserschlauch reinigen soll, bringe die Scheiben zum Vibrieren, ein herrliches Konzert!

16) Ein anderes Mal sitze ich oben auf dem Berggipfel in meinem Auto und warte auf irgendwen oder -was. Mein Auto ist leicht staubig von innen, und ich vertreibe mir die Zeit damit, die Fenster zu putzen. Mein Auto wird durchlässig, es ist nur noch die Glasscheibe da. Ich sehe, wie Frauen von diesseits der Scheibe sich mit Männern von jenseits treffen, Erkennungszeichen ist jeweils ein Tier aus Metall, das sie dort zurücklassen.

17) In der Fleischerei meines Großvaters ist jetzt ein Blumenladen. Es gibt Blumen mit wunderschönen zart pastellfarbenen Blüten. Ich suche eine aus und pflanze sie in einen Topf.

Tags darauf lese ich "Der goldene Topf" von E.T.A. Hoffmann.

18) Hund, der ein kleines Spielzeugauto in eine Schlucht wirft, wo es der Fluß davonträgt. Diesen Hund habe ich an der Leine.

Das lächerlich kleine Spielzeug-Selbst über Bord werfen, damit es Teil wird vom großen Ganzen.

19) Eine Bühne, auf der sieben Marktstände sind, der erste ein Fleischstand (der schon geschlossen hat), der zweite ein Brotstand, wo komischerweise keiner die köstlichen frischgebackenen Brote, die paarweise lose in Papier eingeschlagen sind, kauft, weil sie nicht fest eingeschweißt sind zum Einfrieren (auf den köstlichen Geschmack des frischgebackenen Brotes des Augenblicks verzichten wir, weil er nicht von Dauer ist...).
Es sind noch weitere Stände da, der letzte ist ein Glaskasten, eine Art Boutique, auch geschlossen, davor ein schwuler (androgyner) Kunde, der sich die Haare schneiden läßt.

Träume unter C 10.000

Am nächsten Morgen bekomme ich kurz vor dem Aufwachen ein Koan eingebleut:

20) Das Unüberwindliche der Wand überwinden!

Bin erst einmal wie vor den Kopf gestoßen - und der war ja auch wohl gemeint: Das Unüberwindliche existiert nur in meinem Kopf! Das Glas! Immer wieder tauchte während der Naja-Prüfung-Heilung Glas auf, am Tag und in den Träumen. Mir fällt die Frage des Gurus ein: "Wenn der irdene Topf zerbricht, zerbricht dann auch der Raum innerhalb des Topfes?"

Die Form, die mich vom Ganzen trennt! Zwar durchsichtig, zeitweise sulfurisch verunreinigt, aber noch da. Mein Ego.
Zerschlag`s und sing die Hymne an die Freude.
Ob Schiller sie aus gleicher Erfahrung schrieb?
Ob Beethoven sie aus gleicher Erfahrung vertonte?

Traum, ein Tag später:

21) Ich gehe auf eine Party - ursprünglich eine gewöhnliche 3-Zimmer-Altbauwohnung, Holzfußboden, erlesene Gesellschaft - "Platin", denke ich - und "Ich war schon einmal hier." Das Merkwürdige an diesem Traum war, daß ich a) mich selbst schlafend gesehen habe, b) ganz im Traumgeschehen drin war und c) mein Verstand nach beiden Seiten kommentiert hat.
Also, mein Verstand kommentierte einmal: "Man sollte immer Urlaub haben und ausschlafen können" (Es war nämlich früher Vormittag).
Auf der Traumebene ging's weiter: Eine Gruppe weiß-goldener Harlekine führt einen artistisch/ästhetischen Tanz auf, sehr lebhaft, mitreißend, mit Gesang, der Sänger im Refrain das Publikum zum Mitmachen annimierend, wobei er und wir die Kleider abwerfen. Die Tänzer haben wunderschöne Körper (wobei mein Verstand gleich bedauerte: "Ach wärst du doch weiterhin ins Fitness-Studio gegangen!").
Die Räume beginnen sich auszudehnen, mittlerweile habe ich den Eindruck eines Theaters. Es steht ein weißbedecktes Lager da, ich lümmele mich drauf, neben mir ein Mann, der für den Rest des Traumes mein Begleiter sein soll. Er berührt mich begehrlich/ehrfurchtsvoll mit der Hand. Irgendwann stehen wir auf, ich habe ein Bettuch umgeschlagen, auf griechische Art, das die Brust freiläßt. Wir mischen uns unter's Volk, es sind alles schöne, festlich gekleidete Menschen, die sich und alles, was vorgeht, nicht sehr ernst nehmen. Man hat den Eindruck eines großen Gesellschaftsspieles. Es wird gelacht und gescherzt. Ein dunkelhaariger Mann kommt auf mich zu und umarmt mich. Die ganze Zeit ist mein Begleiter im Hintergrund. Jemand sagt hinter mir her: "Ach, Pallas Athene!" (Der Verstand gleich: "Kein Wunder, mit dem Bettlaken und den hochgesteckten Haaren!")
Wir gehen hoch auf die Empore. Inzwischen sind die Räume zu einem Palast angewachsen. Wir setzen uns auf ein Lager, mein Begleiter verhält sich ehrfurchtsvoll abwartend, es ist klar, daß wir zusammenkommen werden, aber es ist keine Eile - erst wird gespielt...Da kommen zwei Mädchen, ehemalige "Gespielinnen" meines Begleiters. Aus Rücksicht auf mich - hatte ich das Gefühl - schickt er sie mit ziemlich groben Worten weg, überlegt es sich dann im letzten Augenblick aber doch anders, schnappt sich beide, verschwindet in einem brokatverkleideten Séparée, wo es sofort lautstark und erfolgreich zur Sache geht, daß buchstäblich die Wände wackeln. (Mein Verstand kommentiert:"Na, Junge, wenn du mit mir noch was vorhast, solltest du dich nicht so verausgaben!") Und ich beschließe, erst einmal kräftig zu schmollen, was ich auch tue, als er sich bald darauf wieder nackt auf mein Lager wirft. Ich drehe ostentativ den Kopf zur Seite, um ihn nicht ansehen zu müssen. Das war sowieso noch etwas Merkwürdiges: Ich habe nie sein Gesicht gesehen, es war immer ausgeblendet, wenn ich ihn ansah, so als hätte ich vorher in die Sonne gesehen, und da war nur ein blinder Fleck.
Wir schauen von der Empore hinunter auf den Innenhof: Da sind inzwischen die Fußbodenbretter entfernt worden, und ein Wasserbecken in der Form von drei sich überschneidenden Kreisen - mit Springbrunnen an den zwei Schnittstellen - ist dort. (Aha", sagt mein Verstand, "so bringt man also einen Swimmingpool in einer 3-Zimmer-Wohnung unter!")

Man wartet offensichtlich, daß die Becken voll Wasser laufen - der Boden ist schon feucht - ,um die Spiele im Wasser fortzusetzen. Ich wende mich meinem Begleiter zu. Der steht auf und füllt an einer Quelle oben auf der Empore einen Glasbecher mit einem rubinroten Getränk - Grenadinennektar (der Liebestrank oder Amrita, der Trank der Unsterblichkeit?) -, sieht mich fragend an. "Ist das süß?", frage ich, und er läßt mich kosten. Es ist unsagbar köstlich, unbeschreiblich, und ich leere das ganze Glas. Er füllt das seine und leert es auch.

Ist dies der umgekehrte Sündenfall?
Verführt hier Adam Eva mit dem aufgelösten Paradiesapfel?
Am nächsten Tag lese ich "Das Eleusische Fest" von Schiller.

Die Ehefrau der Schlange (Märchen aus Indien)

In einem Dorf lebte ein Brahmane und seine Frau. Sie hatten keine Kinder, deshalb waren sie sehr unglücklich. Jeden Tag beteten sie deshalb und machten viele Opfergaben.
Nach einiger Zeit ging ihr Wunsch in Erfüllung, und sie bekamen ein Kind. Dieses Kind war aber kein Kind, sondern eine Schlange. Als die Nachbarn von diesem Ereignis hörten, erstaunten sie sehr. Die Verwandten und Freunde der Brahmanen berieten sich, daß der Brahmane sich sofort von der Schlange befreien sollte. Aber die Frau des Brahmanen wollte dies nicht einsehen und meinte, gleich ob ihr Kind eine Schlange sei oder nicht, dieses sei ihr Sohn, und sie liebe diesen Sohn genau so, wie eine andere Mutter ihr Kind liebe. Deshalb wolle sie der Schlange keinen Schaden zufügen, und sie pflegte ihren Sohn sehr liebevoll. Jeden Tag badete sie ihn und gab ihm das beste Essen und legte ihn in einen sehr schönen Kasten mit einem weichen Bett.

So wurde die Schlange langsam groß und erwachsen. In der Nachbarschaft feierten die Leute die Hochzeit ihres Kindes. Da wünschte die Frau auch eine Ehefrau für ihren Sohn. Aber wo bekam man eine Ehefrau für einen Sohn, beziehungsweise eine Schlange?

Eines Tages, als der Brahmane nach Hause kam, sah er, daß seine Frau in der Ecke saß und heulte. Der Brahmane fragte sie: "Warum heulst du?" Anstatt die Frage zu beantworten, heulte sie stärker. Zum Schluß sagte sie: "Ich weiß, daß du weder mein Kind noch mich liebst, weil du ihn nicht beachtest und nicht gemerkt hast, daß er groß und erwachsen geworden ist und endlich eine Frau benötigt." Der Brahmane erstaunte sehr und fragte: "Was? Du willst eine Frau für deinen Sohn? Begreifst du nicht, daß niemand einen Schlangensohn heiraten möchte?" Aber als sie noch mehr weinte, entschloß er sich, eine Frau für ihn zu suchen.

Er suchte überall, und deshalb reiste er in verschiedenste Dörfer. Er ging in eine Stadt, wo sein Freund lebte, den er lange nicht gesehen hatte, und wollte ihn besuchen. Die beiden Freunde freuten sich sehr, als sie einander begegneten. Als sie sich wieder trennten, erzählte der Brahmane, daß er auf der Suche nach einer Frau für seinen Sohn sei. "Warum hast du mir das nicht vorher erzählt? Ich habe eine Tochter und möchte sie sehr gern mit deinem Sohn verheiraten. Sie ist sehr schön und hat Fähigkeiten." Als der Brahmane das hörte, zweifelte er sehr und sagte: "Mein lieber Freund, bevor du die Entscheidung triffst, schau dir bitte mal meinen Sohn an." "Nein,nein, das ist nicht nötig. Ich kenne dich und deine Frau, wozu sollen wir die Zeit verschwenden? Nimm meine Tochter und verheirate sie!"

Der Brahmane machte sich ein bißchen Sorgen. Aber trotzdem freute er sich sehr, endlich eine Frau für seinen Sohn gefunden zu haben. Zu Hause angekommen, bereiteten sie die Hochzeit vor. Als die Nachbarn das hörten, versuchten sie das Mädchen umzustimmen, und warnten sie davor, eine Schlange zu heiraten. Aber das Mädchen sagte: "Ich mache nichts gegen den Willen meines Vaters. Wenn der Brahmanensohn eine Schlange ist, dann heirate ich eben eine Schlange." Am nächsten Tag heirateten sie und zogen in ein Zimmer. Sie liebte ihren Ehemann und pflegte ihn sehr. Eines Nachts, als sie schlafen ging, sah sie, daß ein wunderschöner Mann auf dem Bett saß, dem sie nie zuvor begegnet war. Weil sie nachts einen Fremden in ihrem Zimmer sah, wurde sie unsicher und wollte wegrennen. Als sie weglaufen wollte, sagte der junge Mann: "Geh nicht weg, kennst du mich nicht? Ich bin doch dein Ehemann." Die Frau glaubte ihm nicht. Und um es ihr zu beweisen, schlüpfte der junge Mann noch einmal in seinen Schlangenkörper. Als er wieder als junger Mann erschien, glaubte sie ihm und fiel ihm zu Füßen.

Jede Nacht, als die Leute schliefen, erschien der junge Mann aus dem Schlangenkörper, und bis zum Morgengrauen blieb er bei ihr. Morgens früh wurde er wieder zur Schlange und schlief in seinem Kasten. So vergingen die Tage.
Eines Nachts hörte der Brahmane die Stimme seines Sohnes aus dem Zimmer. Leise stand er auf und schaute nach. Er sah, wie aus dem Schlangenkörper ein junger Mann erschien. In dem Moment eilte der Brahmane in das Zimmer, hob den leblosen Schlangenkörper auf und schmiß ihn ins Feuer. Sofort wurde der Körper zu Asche verbrannt. Der junge Mann sagte zu seinem Vater: "Vielen Dank, Vater. Ich war wegen einer Verzauberung eine Schlange. Ich hätte so lange eine Schlange bleiben müssen, bis jemand ohne meine Erlaubnis meinen Schlangenkörper vernichtet hätte. Du hast mich befreit, indem du den Schlangenkörper zerstört hast."
Seitdem blieb er ein Mensch, und die Brahmanenfamilie lebte glücklich.

Man kann dieses Märchen als die Entwicklungsgeschichte des Bewußtseins ansehen. Die Urmutter bringt ihren Sohn hervor, in tierischer Gestalt (Reptiliengehirn). Sie unterscheidet nicht zwischen Gut und Böse, denn sie liebt alle ihre Kinder.
Der Vater, das patriarchalische Bewußtsein, unterscheidet zwischen akzeptabel und nicht akzeptabel. Er orientiert sich an der Umwelt. Er möchte das Böse, das Triebhafte abspalten und vernichten oder verstecken.
Irgendwann werden aber die Bedürfnisse so laut, daß sie an sein Ohr dringen, und er versucht Abhilfe zu schaffen. Er muß in "viele Dörfer reisen", um das zu finden, was eine Lösung zu sein verspricht. Er verschafft der Seele, die sich vom Verstand nicht beeinflussen läßt, Zugang zum Reich der Triebe. Durch liebevolle Annahme erwacht die Schlangennatur, erst im Unbewußten, und verwandelt sich.

Liebevolle Hingabe löst Begrenzungen auf.
Aber noch muß er im Tageslicht des Verstandes in die Hülle seines triebhaften Egos zurück. Er identifiziert sich noch mit ihr. Das Ego muß letztendlich - ohne seine Erlaubnis - geopfert werden. Das wahre Selbst wird aufgenommen vom universellen Bewußtsein.

Naja oder Midlife-Crisis

Während meiner Naja-Prüfung traten massiv Aussteigergedanken auf, die konkrete Formen anzunehmen drohten, und die von meiner Umwelt fachkundig als Midlife-Crisis diagnostiziert wurden. Auch aus der Praxis wurde von Fällen berichtet, wo starke Herzprobleme, die durch ähnliche Lebensumstände hervorgerufen wurden, auf Naja ansprachen. Hervorragendes Symptom war jedesmal das Verschwinden der Symptomatik bei neubelebter Sexualität (die Vitalkraft wurde angefacht). Die Heilung war Naja entweder in Form von Kügelchen oder in Form einer jüngeren, hingebungsvollen Geliebten vom Typ Naja - und, das ist meine persönliche Vermutung, das erfolgreiche Loslassen dessen, woran das Herz vormals gehangen hatte.

Erich Neumann stellt diese Lebensphase als Prozeß der Osirifizierung und Wandlung, der dem Individuationsprozeß entspricht, hin. Es ist die Herstellung "des Reiches, das nicht von dieser Welt" ist, die Geburt des Königs.

"Der selbstzeugerischen Tat, in der am Beginn des Lebens das Ichbewußtsein sich aus der umschlingenden Gewalt des Drachens des Unbewußten befreit, entspricht in der zweiten Lebenshälfte der selbstzeugerische Akt der Wiedergeburt des Ich zum Selbst, in der es sich aus der umschlingenden Gewalt des Drachens der Welt befreit. Der Drachenkampf der ersten Lebenshälfte beginnt mit dem Weg durch die Welt des Unbewußten und endet mit der Heldengeburt des Ich. Die Nachtmeerfahrt der zweiten Lebenshälfte beginnt mit dem Weg durch die Welt und endet mit der Heldengeburt des Selbst." Wie im Mikrokosmos so im Makrokosmos. Die Schriften erzählen von der Kundalini, die, nachdem sie mit ihrer Kraft den letzten Teil der Schöpfung, die Schaffung der Materie, vollbracht hat, sich zusammenrollt und schläft bis zu ihrer Wiedererweckung nach drei und einer halben Zeit. Da sieben die Zahl der Zeit ist, können wir hier unschwer die kosmische Midlife-Crisis erkennen.

Das Leben - ein Spiel

In der tantrischen Tradition wird die Welt oft auch als lîlâ (Spiel) bezeichnet. Gott spielt, und sein Spiel ist die Welt.

Aus der Nicht-Identifikation mit dem Ego entsteht ein Gefühl von Freiheit und des Nicht-verantwortlich-Seins für die Früchte unseres Tuns. Man gibt sie hin - ob gut oder schlecht. Man ist sich bewußt, daß die Gegensätze einander bedingen, und akzeptiert beide Seiten. Man begreift sich und sein Tun als Teil des Spiels, dessen Regeln die von Ursache und Wirkung sind. Man ist frei von Verlangen, denn alles ist gut wie es ist. Ich bin Beobachter, Zuschauer und Schauspieler zugleich. Das Leben wird leicht, ein Spiel, ein Tanz. Unsere kleinen Theater lehren uns, was im großen Welttheater geschieht: Tragödien, Komödien, Dramen, Lehrstücke, Unsinniges und Erbauliches - alles hat Platz. Und Schauspieler und Zuschauer verlassen das Theater unversehrt, so wie sie hereingekommen sind - um irgendwann die Rolle zu wechseln, ein Come-back zu feiern oder auszusteigen.

Die Erde läuft gut

...Die Welt sagt: " Die Erde läuft gut, wie sie läuft, sie läuft gut."
"Seit Milliarden Jahren", sagt die Erde, "läuft die Welt gut, wie sie läuft!" Ja, aber haste denn nicht Auschwitz gesehen - "Die Erde läuft gut, wie sie läuft, die Welt läuft gut." Und jetzt kommen wir, wir Jungen, wir Alten, wir Menschen und sagen: "Aber Fortschritt muß doch sein!" Da sagt die Erde: "Die Welt läuft gut, wie sie läuft, die läuft gut. Das ist die Tatsache, ein Gesetz. Das ist der Urgeist, und da ist nichts zu rütteln. Die Erde läuft gut, wie sie läuft."...
(aus Paukenschläge, W. Neuss)

Naja und die Moral

Naja wurde uns zuerst präsentiert als das Mittel der Dreiecksbeziehungen. Wir hörten vor einigen Jahren einen sehr interessanten Beitrag in Bad Boll zu diesem Thema. Aus meiner eigenen Erfahrung kann ich dies nur bestätigen. Dreiecksbeziehungen dienen nicht nur der Auflösung festgefahrener Formen, sondern verhindern auch das Anhaften und Abhängigsein.

Die Moral ist eine höhere, nicht unbedingt die der Gesellschaft. Für die erlöste Naja ist nicht nur das Streben nach Macht vorbei, es wird auch fremde Macht nicht anerkannt. Daher ist Naja auch frei von Schuldgefühlen. Schuld läßt sich nur in Verbindung mit Moral fassen. Durch Moral wird das Zusammenleben in unserer Gesellschaft überhaupt erst möglich. Andererseits ist Moral zugleich die subtilste, gewalttätigste Form der Machtausübung - weil sie an der Seele des Menschen angreift. Die zugrundeliegenden Wertesysteme und Wertvorstellungen sind wandelbar und dienen dem jeweiligen herrschenden Kollektiv. Kreuzritter, die für den rechten Glauben in den Krieg ziehen, sind im Gefühl höchster Moralität. Ist der Glaube weg, ist Mord wieder Mord. Naja entzieht sich den Wertsystemen dieser Welt. Naja ist der Transzendenz verpflichtet.

Naja gegen Maya


Der Weg der Naja ist der Weg von der Vielheit zur Einheit.

OM Volle Fülle im Einen - volle Fülle im Vielen.
Aus der Fülle des Einen strömt die Fülle des Vielen.
Von der Fülle wurde die Fülle genommen -
und doch bleibt die Fülle erfüllt.

Vielfältig sind auch die Bilder, mit denen die Vielheit beschrieben wird, die Maya. Es ist das reine Bewußtsein, das sich in bunte Kleider hüllt, das wir sind, und mit dessen Kleidern wir uns nicht identifizieren dürfen. Es gibt die Legende von dem Gott, der hinabstieg in seine Schöpfung und sich in seinen Kleidern verstrickte und so verwirrt wurde, daß er seine Göttlichkeit vergaß.
Naja gegen Maya war der Therapievorschlag.

Shiva Nataraja tanzt die Welt. Er tanzt das Anandatandava, den Tanz der Seligkeit. Parvati, seine göttliche Gemahlin, erhält die Erleuchtung, als sie ihn tanzen sieht.
Shiva und Shakti - der Tänzer und sein Tanz, keiner existiert ohne den anderen. Es ist das Duett der Einheit, an dem wir teilhaben, nein, das wir sind.

Unser Streben nach Einheit, nach Ganzheit, nehmen wir zuerst wahr als unsere Sehnsucht nach dem Partner, der uns ergänzt. In der Suche nach der Wahrheit mag diese Sehnsucht sich dann als Wahnidee manifestieren: am Verhungern zu sein (Naja als einziges Mittel 1-wertig). Die Wahnideen, Unrecht erduldet zu haben und vernachlässigt zu werden, beruhen wohl auch auf dem mangelnden Verständnis der Situation von uns selbst oder von unserer Umgebung. Die Wahnidee, sein Kopf wird verletzt - Naja einziges Mittel -, obwohl bei allen Schlangen der Kopf die empfindlichste Stelle sein dürfte, ist wohl auch nicht nur materiell zu verstehen. Der Kopf ist die Burg unseres harten kleinen Egos, von den indischen Priestern symbolisch dargestellt durch die Kokosnuß, die sie aufschlagen und opfern.

Jedes Verlangen ist Bindung, auch das Verlangen nach Erleuchtung.


Verlangen liegt an der Wurzel der Unwissenheit, und solange Verlangen besteht, muß das Gefühl für das Annehmbare und Nichtannehmbare, das die Zweige und Knospen vom Baume des Samsara sind, notwendigerweise bestehen.

Wie kann es etwas Vergleichbares zu einem Befreiten geben, in dessen Herz es keine Spur von Verlangen irgendwelcher Art mehr gibt, der zufrieden und völlig gleichgültig gegenüber allen Objekten ist?
Kann es irgend jemand anderen geben, außer demjenigen, der aller persönlichen Wünsche beraubt ist, der weiß und doch nicht weiß, der empfängt und doch nicht empfängt, der spricht und dennoch nicht spricht?
Sei er ein Bettler oder König, glorreich ist der, der völlig ungebunden und völlig frei von der konzeptionellen Dualität der miteinander verbundenen Gegensätze von gut und schlecht ist.
Für den Yogi, der seine wahre Natur erkannt hat und der daher die Verkörperung von Unschuld und Aufrichtigkeit ist, wo gibt es für ihn eine Frage von Zügellosigkeit oder Einschränkung; wo ist die Frage einer Entscheidung zwischen dem, was wahr ist, und was nicht? Wie und wem kann die innere Erfahrung desjenigen, der völlig wunschlos ist, der alle Sorgen transzendiert hat, der fortwährend im Selbst verweilt, beschrieben werden?
Der Selbst-Verwirklichte schläft nicht, selbst wenn er schläft, er liegt nicht, selbst wenn er träumt, er ist nicht wach, selbst im Wachzustand. Dies ist der Zustand dessen, der unter allen Gegebenheiten zufrieden ist.
(aus dem Ashtavakra Gita Dialog)

"...ihr Verlangen nach Gold entspricht der Sehnsucht nach sonnenhafter Wahrheit und Erkenntnis." (Goethe über die Schlange)

Hoch oben auf dem Wipfel des Weltbaumes thront der Vogel mit goldenem Gefieder, ruhig und erhaben, in seine Glorie versunken. Die Geschäftigkeit in den Ästen der Welt kann seine Ruhe nicht stören. Dort unten hüpft der andere Vogel, auch er goldglänzend. Er kennt keine Ruhe. Er sucht unter all den Früchten des Baumes die süße Feige, die amrita birgt, den Trank Todlos, der ihn allen Kummer, alle Schmerzen vergessen läßt. Er pickt in allen Früchten. Manche schmecken süß. Dann vergißt er für einen Moment seine Suche. Andere schmecken bitter. Dann hält er erschreckt inne. Und jedesmal wenn er anhält, sieht er den Goldvogel hoch oben im Wipfel, still, in seine Glorie versunken. Sehnsüchtig schaut er hinauf zu ihm, der nichts sucht, der ânanda, die ewige Glückseligkeit kennt. Aber seine Unruhe treibt ihn weiter. Die Früchte duften so verlockend, viele schmecken süß, doch keine stillt den Durst nach Glück.
Die Welt ist ein Gleichnis. Wir sind wie der goldene Vogel, der weiß, daß es die süße Feige nicht gibt. Amrita ist nirgends - und überall.
Jede Feige enthält das Wasser des Lebens, die süße und die bittere. Alle Welt ist durchdrungen vom Göttlichen. Die Welt ist das Kleid, in das sich der Herr gehüllt hat. Die Welt ist die Geschichte, die sich der Herr erzählt: das Gleichnis von der Herabkunft des Gottes, der die Welt schafft und sich in ihr verirrt, der seine Heimat sucht, die er nie verloren hat, und der eines Tages von seinem Irrtum läßt und sich wieder als Einheit erkennt, aus der alles fließt. Die Welt ist ein Gleichnis. Wir sind wie der goldene Vogel, der ruhelos auf der Suche nach Ruhe ist. Wir sind auf der Suche nach der süßen Feige, die glücklich macht. Wir spüren, daß es dieses Glück gibt, doch wir wissen nicht wo. Wir spüren seine Nähe, doch wir wissen nicht, in welcher Hülle es sich verborgen hält. Der andere Goldvogel bleibt unberührt. Wir warten auf ein Zeichen von ihm. Aber er hüllt sich in Schweigen.
Der Goldvogel auf dem Wipfel des Baumes hüllt sich in Schweigen. Was könnte er auch sagen, wo jedes Wort Hülle für die Wahrheit ist? Welches Zeichen könnte er geben, wo alles Zeichen ist?
Die ganze Welt ist ein Gleichnis. Sie ist nicht die Wahrheit, aber sie erzählt von ihr. Die Welt ist wie der Weltenbaum, in dessen Wipfel der goldglänzende Vogel sitzt und reglos in sich selbst versunken ist. Und die Welt ist wie der goldglänzende Vogel, wie der verlorene Sohn, der in den Zweigen des Baumes nach amrta, der glückbringenden göttlichen Speise sucht. Es ist das Göttliche selbst, das sich vergißt, das sich verirrt, sich wiederfindet. Eines Tages kehrt der verlohren geglaubte Sohn wieder nach Hause zurück, eines Tages hüpft der suchende Vogel zur Spitze des Baumes. Dann wird er erkennen: Es gab nie zwei goldene Vögel, es gab nie den Schmerz der Trennung, nie das Glück der Vereinigung. Es gab immer nur das Eine.
(aus "Umgang mit der Lysanishad)

"Auf dem Wipfel des Baumes...ist die süße Feige. So sagen sie. Die Feige kann nicht erlangen, wer den Vater nicht kennt." (rigveda X 164,20-22)

 

Ellen Böning, Heilpraktikerin,
Grußdorfstr. 12, 1000 Berlin 27

 

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