Naja
Um unter dem Einfluß von Naja etwas über Naja zu sagen, gibt es nur zwei Möglichkeiten: Entweder man deutet stumm mit dem Finger auf die Schlange oder man beschreibt das wunderbare Chaos, das diese Welt ist. Und das brächte selbst die Göttin der Gelehrsamkeit nicht zustande, mit den Bergen als Tintenpulver, mit dem Meer als Tintenfaß, mit dem Weltenbaum als Schreibfeder und mit der ganzen Welt als Papier. Es ist unmöglich, das Licht zu beschreiben, man kann nur die Staubkörnchen beschreiben, die es reflektieren. Und welche Staubkörnchen man da herauspickt, ist letztendlich egal. Begnügt Euch also mit den wenigen zusammengetragenen Mosaiksteinchen, sucht Euch die Euch fehlenden dazu - auf jeden Fall wird es ein Bild ergeben, so bunt und verwirrend wie Indien. Naja tripudians (Naja naja) Naja (auch Kobra, Brillenschlange, Hutschlange, Schildotter) gehört
zur Gattung der Giftnattern. Die eigentliche Brillenschlange, die Naja
naja, kommt vor in Südasien, auf den Sundainseln und Philippinen. Sie
ist neben der Krait die gefährlichste Giftschlange Indiens und, wie ihr
Name (naja = Sanskrit: Schlange) schon sagt, in Indien die Verkörperung
des Symbols Schlange schlechthin. Gehen wir in die Heimat der Naja, nach Indien, und versuchen wir, sie
in ihrem eigenen Reich zu verstehen. Wir müssen zu Morgenlandfahrern
werden. Überall findet man ihre Symbole, das Linga, oder göttlicher
Phallus, um den sich die Kundalini, die Schlange oder Shakti, windet,
eingefügt in das mit der Spitze nach unten weisende (weibliche)
Dreieck, die Yoni, oder göttlicher Schoß. Da die Kobra in Erdlöchern lebt, ist sie durch die plötzlich hereinbrechenden Regenfälle und Überschwemmungen besonders gefährdet. Im Repertorium finden wir das Symbol "Angst vor Regen" - auch gleichzusetzen mit Angst vor der Überflutung mit Gefühlen. Als natürliche Feinde der Kobra werden angesehen: der Mungo (köstlich dargestellt in der Geschichte von Rikki-Tikki-Tavi in den Dschungelbüchern von Rudyard Kipling) - von uns als Phosphor-Ego verdächtigt-, der Mensch, der Adler und der Pfau- wobei ich letzteren wieder weniger dem materiellen Bereich zuordnen würde, zumal der Pfau auch unser aufgeblähtes Ego repräsentiert. Der Ausdruck Schlange wird in Indien außerdem angewendet für Menschen, die nicht das sind, was sie scheinen (Redensart:" Gib nie einer Schlange Milch"), und er wird benutzt, um ein außergewöhnliches Glücksgefühl zu beschreiben. Der wichtigste Aspekt, der die Naja im indischen Bewußtsein allen Erfahrungen der Statistik und der Zoologie zum Trotz auszeichnet, ist, daß sie die einzigen Schlangen sind, die sich bei der Paarung ganz aufrichten und, umeinandergeschlängelt, sozusagen nur auf zwei Punkten den Boden berühren. Hier haben wir den stärksten Hinweis auf ihr Prinzip - nennen wir es die Erhöhung der Schlange, die Erweckung der Kundalini, die Aufhebung der Dualität in der Sexuellen Vereinigung - das Tantra-Yoga - in dem die Verbindung mit dem göttlichen Geist angestrebt wird. Der göttliche Geist als männliches Prinzip, das auf die Erde strömt und erschafft ( mit der Energie der Schlange) könnte als Aurum angesehen werden (auch in der Praxis gehören Aurum und Naja zusammen). Aurum ist der Baum des Lebens, an dem Naja wieder aufsteigt. Aurum schafft das Individuum, mit dem feurigen Löwenherzen. Der Kampf der Kundalini mit dem Löwen löst die Herzsymptomatik im Naja-Menschen aus. Der Mensch auf dem geistigen Weg braucht Herzensruhe - aber die Vitalkraft der Sexualität. Die Leidenschaften des Herzens müssen besänftigt werden, man darf sein Herz an nichts mehr hängen. Dazu gehört Mut und Schicksalsergebung. In unserem Märchen verwandelt sich der erlöste Löwe in eine Lerche, ein "Löweneckerchen", das mit einem dankbaren Jubilieren aufsteigt. In der mittelalterlichen Mystik verbindet sich der Löwe mit dem Adler und wird zum Vogel Greif. In der Symbolik anderer Kulturkreise bekommt die Schlange Flügel. Bei Naja-Prüfungen in Indien, so wurde berichtet, erschienen oft die Themen Geburt, Hochzeit und Tod. Alle drei Ereignisse sind in Indien (von Ausnahmen abgesehen) Zeitpunkte, wo man vor vollendete Tatsachen gestellt wird - auch bei der Eheschließung haben die am direktesten Betroffenen kein Mitspracherecht. Also, Das-was-Ist muß akzeptiert werden, was besonders in der Rolle der Frau ( und Naja scheint das Mittel für die indische Frau zu sein) für unsere Begriffe hart sein dürfte. Aber was geben uns die Zen-Meister mit auf den harter-essenen Weg zur Erleuchtung? Das Unannehmbare annehmen! Und die indische Frau lebt diesen Weg (und spätestens hier gehen die westlich-geprägten Egos auf die Barrikaden!). Und das alles wegen eines simplen semantischen Irrtums. Selbstverwirklichung sollen wir anstreben. Darin sind sich Ost und West einig. Bloß, der Westen identifiziert sein göttliches Selbst mit dem Ego und betreibt Egoverwirklichung. Die östliche Weisheit empfielt "Egomord" als Weg der Glückseligkeit - und wir machen aus unserem Leben oft einen lebenslangen versuchten Selbstmord. Prüfungssymptome nach C 30 Hyperästhesie der Haut, alles, was uneben ist und reizt, wird als
störend empfunden, z. B. Nähte, Reißverschlüsse, Falten, Etiketten,
Einschnürungen, Wolle. Auch Narben werden als Unebenheit empfunden.
Jucken und Stechen. Am liebsten trüge man eine glatte Schlangenhaut. Prüfungssymptome nach C 200 Sofortige Wirkung auf Herz und Lungen. Herz hat zu viel Kraft. Lungen
bekommen so viel Luft, daß man nicht weiß, wohin damit. Vergleichbar
mit der Wirkung von Theophyllin. Prüfungssymptome nach C 1000 Schlaf wie narkotisiert. Tiefe Träume. Prüfungssymptome nach C 10.000 Hitzegefühl im Wirbelkanal verstärkt, jedoch ohne Staus. Wiederhole die C 10.000 - und von jetzt an beginnt eine Gratwanderung. Mir wird die Gretchenfrage gestellt und es wird eine eindeutige Antwort verlangt. "Die Tochter: Willst Du denn nicht die Befreiung? Fühle mich wie der Zauberlehrling. Wie geht man gleichzeitig in zwei
verschiedene Richtungen? Bemerke, wie sich die Strukturen auflösen und
was dies beinhaltet: Wir leben in einer strukturierten Welt - unser
Verstand, unsere Persönlichkeit, unser Alltag, unsere Arbeit, Familie,
Gesellschaft, die Art miteinander umzugehen und sich mitzuteilen...
Konzepte, Planungen, Spielregeln...Was passiert, wenn sich einer aus
diesem Verband ausklinkt? Man paßt nicht mehr hinein in diese Welt -
also, entweder man wird zum Morgenlandfahrer, sucht sich ein Umfeld, wo
man ganz entspannt im Hier und Jetzt leben kann - oder man wird zu Aurum. Meine Uhren haben seit der Naja-Prüfung ein indisches (?) Eigenleben angenommen. Ich habe mittlerweile drei Wecker, die sporadisch völlig unvorhersehbare Macken entwickeln, so daß ich alle drei stelle und morgens den mittleren Durchschnitt nehme. Gerade habe ich wohl das zwanzigste Glas während der Naja-Prüfung zerbrochen - in den Träumen waren es noch einige mehr -, in der Wohnung sind Überschwemmungen an der Tagesordnung, und die Reifen meines Autos mußten - oh Wunder - wegen Strukturauflösung erneuert werden. Jetzt darf ich die Erfahrung machen, daß es sich mit Struktur auf unseren eingefahrenen Wegen besser fährt. Fahre von Berlin nach Bremen - über Hamburg - um pflichtschuldigst kranke Verwandte zu besuchen. Das heißt, ich habe die Absicht, über diese Route dorthin zu fahren. Es ist ein schöner Tag, und ich genieße die Fahrt und die Landschaft. Erst an der Ostsee merke ich, daß irgendetwas nicht stimmt - ich war so in der Gegenwart, daß ich mein Ziel aus den Augen verloren hatte. Fahre jetzt durch mir völlig neue Gegenden und wunderschöne Landschaften ("Sie fahren natürlich über Goldberg!" sagte mir die Frau an der Tankstelle) - und bis Goldberg hatte ich einen vollen Lieferwagen mit Geflügel vor mir... Kurz nach Beginn der Prüfung wurde vor dem Fenster meines Büros ein Riesenkran aufgestellt mit der Aufschrift "Maxi Mum" (auch eine Art, Große Mutter zu schreiben!). So weit die anekdotischen Zu-fälle. Das Prinzip von Naja, so wie ich es empfinde, ist das Auflösen patriarchaler Strukturen, die Wiedergeburt des Weiblichen und seine Vereinigung mit dem geistigen männlichen Prinzip, das Streben nach Ganzheit, Wahrheit, Heiligkeit. Das Leben - ein Traum Naja - oder das Traumspiel "...die unzusammenhängende, aber scheinbar logische Form des
Traumes... In Strindbergs "Traumspiel", in dem ich viel von Naja wiedererkannt habe, ist Indras Tochter auf die Erde niedergestiegen, um zu erfahren, wie es die Menschen eigentlich haben. Lehm an den Schwingen, Kot an den Füßen, bereitet sie sich vor, wieder zu ihrem Vater aufzusteigen, nachdem sie alle Leiden der Menschen durchlitten hat, "aber hundertfältig, denn mein Empfindungsvermögen war viel feiner..." Ihr irdischer Ehemann, der Advokat, versucht sie zurückzuhalten, indem er an ihr Gewissen appelliert: Der Advokat (tritt hinzu und faßt die Tochter am Arm): "Hast du
deine Pflicht vergessen?"
1) Gehe eine kleine Geschäftsstraße entlang, durch die Mauern
hindurch, durch Korridore und Räume. In einem Raum legt sich eine
weißgekleidete Frau in ein Bett. Ihr Bauch schwillt an, sie wird gleich
gebären. Gehe weiter, am Ende der Straße finde ich ein spitznasiges
hundeähnliches Tier (im nachhinein identifiziere ich ihn als Mungo). Er
jault ängstlich, ich nehme ihn mit. Ein wenig später befinde ich mich
auf einer Leiter vom 2. oder 3. Stock abwärts, als mir jemand diese
unter den Füßen wegstößt. Halte mich an einem Fensterrahmen fest und
denke, irgendwer wird mir schon helfen. Sehe statt dessen, daß der
Mann, von dem ich Hilfe erwarte, wertvolles Porzellan aus einer
Glasvitrine räumt, damit ich es beim Abstürzen nicht zerschlage.
Versuche, mir die Leiter aus eigener Kraft zu angeln, dabei fällt sie
völlig um und zerbricht. Denke, irgendwann wirst du loslassen müssen,
weil deine Kraft nachläßt. Was passiert dann? Hänge immer noch da,
als der Wecker klingelt. Naja ist ein Mittel für Unfruchtbarkeit - die Inderinnen wenden sich in solchen Fällen an den Schlangengott - darauf weist wohl die schwangere Frau im Traum hin. Der Mungo, Hauptfeind der Kobra, könnte unser phosphorhaftes Ego repräsentieren, das seine Zerstörung durch das aufsteigende Bewußtsein fürchtet. Trennendes und auch zerbrechendes Glas kommt während der Naja-Prüfung laufend vor, nicht nur in den Träumen. Es ist die Form, die uns vom Inhalt - oder vom Ganzen - trennt, auch wieder unser abgrenzendes Ich. 2) Im Traum ruft jemand zweimal deutlich meinen Namen - ich wache davon auf. Dieses Symptom ist im Repertorium nur für Sepia bekannt. 3) Träume von Sexualität ohne Erotik. Paare in den merkwürdigsten Kombinationen, die eigentlich gar nicht zusammenpassen, die Atmosphäre ist nicht sinnlich-schwül, sondern eher nüchtern-sachlich. 4) Konzert der Masse - bin irgendwo in Nordspanien, eine teilweise barocke Anlage am Hang (wie ein Schloßgarten), ohne Symmetrie und doch harmonisch, halb in irgendwelchen Gebäuden, halb draußen, auf Treppen, im Park. Es findet alles gleichzeitig auf verschiedenen Ebenen statt, und die Mauern dazwischen sind eigentlich keine. Gehe einen steinigen Weg vom Garten nach oben. Suche von Anfang an den Ausgang, habe vergessen, wo ich reingekommen bin. Die Anlage füllt sich, das Konzert geht los, wobei die Zuschauer gleichzeitig die Interpreten sind, jeder singt, wie er kann, meistens kann er nicht, vor jedem Grüppchen steht ein Dirigent, der unwirsch wird, wenn Unterbrechungen oder Ablenkungen sind. Ich lande schließlich in einem überdachten Raum, links geht eine Treppe nach oben, rechts eine nach unten zum Garten, an der Rückwand steht eine Riesenorgel. Wenn jemand sie spielte, würde ich gern ein Weilchen bleiben. Versuche ausfindig zu machen , wo der nächste Ausgang ist, will zu meinem Auto, das ich draußen irgendwo geparkt habe. Aber das Konzert geht los, vor mir ein Dirigent, neben mir trällert eine Oma, ein Mann setzt sich neben mich auf Tuchfühlung, meint, es müsse sein, zu Hause liefe nichts mehr. Teile ihm mit, daß ich kein Interesse habe. Er holt eine haarige schwarze Raupe aus der Tasche, streicht mit einem Pinsel darüber, da verwandelt sie sich in eine schwarze Katze. Inzwischen ist eine Pause eingetreten, es strömen wieder Menschen herein. Ich sage mir, wo man reinkommt, geht's auch wieder raus, gehe die Treppe nach oben, da werden zwei Mauern hochgeklappt - wie Garagentore -, und ich kann raus ans Licht. Die Qualität meiner Träume, besonders unter Naja, beinhaltet eine
Aufhebung von Zeit und Raum. Sie läßt sich unserem linear denkenden
Tagesbewußtsein schwer vermitteln. Dieser "Park" im Traum, wo
alles gleichzeitig auf verschiedenen Ebenen stattfindet, und wo die
Mauern eigentlich keine sind, ist wie das Leben, in das wir irgendwie
hineingeraten sind, wir haben vergessen, wo und wie, und aus dem wir
irgendwie auch wieder hinaus müssen, denn unser Auto, unser
eigentliches Selbst, ist irgendwo draußen. In diesem Leben, diesem
Konzert der Massen, machen alle mit: Die Zuschauer sind gleichzeitig die
Interpreten (die beobachteten Beobachter). Der Mann, der sich neben mich setzt - wieder diese Sexualität ohne
Erotik, ohne Bindung im Herzen - demonstriert mir, wie man durch
Stimulierung der Sexualkraft das Tier (Tiere sind die Vehikel für
göttliche Kräfte) der schwarzen Göttin erlösen kann. 5) Sitze in einem Auto rechts am Steuer (auch in Indien ist Linksverkehr wie in England) und fahre - mit Beifahrerin - eine Straße bergauf. Links neben mir ist eine Bahnstrecke. Die Straße wird immer enger, ich kreuze das Bahngleis einige Male, um nicht in den Schienen hängenzubleiben. Die Straße wird immer steiler, zum Schluß fast und dann ganz senkrecht, und es ist nur noch das Bahngleis da. Ich gebe Vollgas, wir machen einen Salto rückwärts und sind nach einer weichen Landung wieder unten. Wenn ich bisher noch Zweifel hatte, daß Naja mir etwas über die Kundalini mitteilen will, so sind diese jetzt ausgeräumt. Da ich von all diesen Dingen zwar schon gehört hatte, aber keineswegs vertraut mit ihnen war, ist jetzt ein Blitzkurs in Kundalini-Yoga, Tantra, indischer Geschichte und Mythologie und Guru-Weisheiten für mich angesagt. Versuche, etwas Gleichwertiges bei unseren abendländischen "Weisen" zu finden, verschlinge C.G. Jung, Erich Neumann, Herrmann Hesse, Werner Bohm, Rudolf Meyer und letztlich August Strindbergs Traumspiel, wo ich viele Elemente wiederfinde. Aber letztendlich scheint auch hier die Polariät zu existieren, mit der Wasserscheide im Hochland von Iran, zwischen östlicher und westlicher Lebensbewältigung. Im Westen ist man dem patriarchalischen Prinzip noch mehr verbunden, die Abgrenzung der Persönlichkeit und das Leben in der Dualität werden als wünschenswert bejaht, während man im Osten die Dualität als Ursache allen Leidens zu überwinden anstrebt. 6) Sturm an der Küste: hohe Wellen an einer Hafenanlage, wo Autos auf ein Schiff verladen werden. Bei dem Seegang wird fast jedes Auto beschädigt, was aber niemanden zu stören scheint. Ich schwimme im Wasser und werde auch bei jeder Welle hochgehoben. Ob ich strande, an der Hafenmauer zerschelle, ins Meer hinausgetrieben werde, ist von rein akademischem Interesse. Lasse mich treiben. Im Sturm des Lebens kriegen nur die äußeren Hüllen Beulen. Das Bewußtsein ist unzerstörbar und unverletzlich. Das Gefühl des absoluten Vertrauens: Dein Wille geschehe. Unter der C 200 nur schwer erinnerbare Träume, die viel mit Glas zu tun hatten. Dafür findet unter dieser Potenz am Tage die massive Auseinandersetzung mit der Umwelt statt. Sehr impulsive Reaktionen, ambivalent: Angriff oder Flucht. Stehe irgendwie darüber oder daneben als Beobachter. Sehe die möglichen Folgen meiner möglichen Handlungen - und es ist im Grunde egal. Träume unter C 1000 7) Ein Mensch (Straßentheater?) mußte sich dauernd umziehen, immer ein anderes Kostüm, eine andere Verkleidung - das ging schon endlos lange so, und er war schon etwas müde, andere halfen ihm. Mein Gedanke beim Aufwachen: steter Wechsel. Das Bewußtsein inkarniert sich immer wieder in verschiedenen Rollen. Nichts ist beständig. 8) Habe in einem nicht abschließbaren Durchgangszimmer eine zärtlich-stürmische Liebesbeziehung mit einem jüngeren Kollegen. Wir rollen übermütig über den Fußboden. Denke, das könnte ja mein Sohn sein. Versuche vergeblich, das Licht dunkler und das Radio leiser zu machen, da mich beides stört. Aber sowie ich mich umdrehe, ist es wieder hell und laut. Dies könnte das mythologische Thema der schwarzen Mutter mit ihrem Sohngeliebten sein, die regelmäßig vor der Sonne des Verstandes (Ratio) weichen müssen. 9) Es folgt noch ein Traum, in dem die Umwandlung der Liebe von Eros in Philia - wenn schon nicht Agape - für mich vorweggenommen wird: Die Anfangsszene mit meinem verheirateten Freund - in der Gestalt von Placido Domingo - ist begehrlich-sexuell - Endstation Küchenherd, was nicht nur der Hinweis auf eine "heiße" Sache ist, sondern auch, von Material und Form her, auf das Reich der Materie. Die nächste Szene wird mit süßem Schmerz im Herzen gefühlt: Ich lasse ihn los, und seine Frau wird in die Liebe mit eingeschlossen. Hinweis auf Agape, die allumfassende geistige Liebe, ist eine Uhr mit dem Symbol eines halben Regenbogens - sie wird erreicht sein, wenn der Regenbogen "heil" ist. Am nächsten Tag fällt mir Hesses "Stufen"-Gedicht in die Hände, was mich sehr berührt: Stufen Wie jede Blüte welkt und jede Jugend In Träumen und in der Realität geht es jetzt um Abschaffung von Heimlichkeiten und Aufdeckung der Wahrheit. 10) Werde wieder von Musik angelockt, finde meine Mutter am Klavier. Blättere in den Noten, finde das Begleitheft zu einem Plattenalbum von Pavarotti. Im Album eine Landkarte von seinem Wohnsitz: eine Landzunge in einem runden See (ruft in mir das Bild vom menschlichem Schädel mit Medulla oblongata hervor). Blicke drauf und bin auch schon da, mit mir eine Gruppe von neugierigen Journalisten. Die Landzunge ist abgeriegelt, bewacht, zwei Wachttürme, ein Tor, davor vier abenteuerlich aussehende Gestalten (Legionäre, Musketiere) als Wächter. Wir lassen uns von den vermeintlichen Wächtern abschrecken, versuchen aber, sie wegzulocken. Inzwischen werde ich aber abgelenkt: Ein kräftiger Hund zieht mich an einer langen Leine in die entgegengesetzte Richtung. Am Ende der Straße ist eine öffentliche Toilette. Es ist dunkel. Einer der Wächter ist mir gefolgt, umstreicht das Gebäude, in dem der Hund und ich sind, und ruft "Polyester" (Kunststoff = Maya). Mein Hund nimmt Reißaus. Wir finden uns später in einer Gerichtsverhandlung wieder, wo dieser Wächter angeklagt wird, einem Kind etwas angetan zu haben. Indiz ist "Polyester". Ich trete als Zeuge auf. Mir geht es darum, daß die Wahrheit ans Licht kommt. Pavarotti - in einem vorigen Traum Placido Domingo - was sollen diese Heldentenöre in meinen Träumen? Jemand fragt mich: "Was ist Pavarotti für dich?" Ich antworte spontan: "Eine göttliche Stimme!" Und Domingo? Auch ganz nett. Aber offensichtlich lasse ich mich auf der Suche nach der göttlichen
Stimme noch von falschen Autoritäten und Kräften ablenken. Schon als
Kind wurde uns der Blick durch den Kunst-stoff verschleiert. Und der
Hund, der in die andere Richtung zieht? Einerseits Sinnbild für das
Triebhafte - andererseits gilt der Hund als Hüter unterweltlicher
Geheimnisse. Er hat einen guten "Riecher" für die niederen
Motive menschlichen Handelns. Wenn man ihm folgt, verfällt man leicht
dem Zynismus und vergißt das Göttliche im Menschen. 12) Wieder ein Traum von einer Massenveranstaltung auf mehreren Ebenen, Treppen, Glaswände, Mauern, Gärten, Hörsäle - es ging wohl darum, etwas zu lernen. Am Anfang ist mir mein schlechtes Gedächtnis peinlich, als ich Leute nicht wiedererkenne. Ich komme in einen Hörsaal mit Glaswand nicht hinein, als ich die Treppe hinuntergehe, sehe aber, wie eine Jüdin mit panierten oder kandierten Kleiderbügeln als Unterrichtsbeitrag hineingeht ( die hebräischen Buchstaben sehen aus wie Kleiderhaken = an der Kabbala ist was dran...). Treffe auch eine verstorbene Freundin wieder, der ich über eine Mauer helfe. Sie hat ein Kliniktagebuch bei sich mit Bildern der sieben Zwerge von Schneewittchen, Walt-Disney-Ausgabe (auch sie gehören dem Land der Illusionen an). Die Elementargeister (die Zwerge), die die junge Seele geprägt haben, werden machtlos zu dem Zeitpunkt, an dem Schneewittchen in den giftigen Apfel beißt, d. h. der Sinnenwelt verfällt. Hier erstarrt die reine Geistesgestalt, der unsterbliche Teil des Menschen, über dem die Zwerge noch Wacht halten, aber den sie nicht erlösen können. Um das Erwachen zu bewirken, bedarf es höherer Kräfte, der des Prinzen. 13) Eine junge Negerin liegt aufgerollt in einem Wäschekorb im Schilf. "Scheuch sie hoch", sagt eine Stimme. Aufforderung, die Kundalini hochzujagen? 14) Verschiedene Träume vom Aufstieg auf Berggipfel, meist mit Auto. Serpentinen, Berggipfel verschneit, einmal mit meiner Mutter, die einen roten, großkrempigen Hut trägt, und einen zweiten mit einer Hutschachtel vor sich herrollt. 15) Oben auf dem Gipfel ist einmal eine Glaskuppel, die ich mit einem Wasserschlauch reinigen soll, bringe die Scheiben zum Vibrieren, ein herrliches Konzert! 16) Ein anderes Mal sitze ich oben auf dem Berggipfel in meinem Auto und warte auf irgendwen oder -was. Mein Auto ist leicht staubig von innen, und ich vertreibe mir die Zeit damit, die Fenster zu putzen. Mein Auto wird durchlässig, es ist nur noch die Glasscheibe da. Ich sehe, wie Frauen von diesseits der Scheibe sich mit Männern von jenseits treffen, Erkennungszeichen ist jeweils ein Tier aus Metall, das sie dort zurücklassen. 17) In der Fleischerei meines Großvaters ist jetzt ein Blumenladen. Es gibt Blumen mit wunderschönen zart pastellfarbenen Blüten. Ich suche eine aus und pflanze sie in einen Topf. Tags darauf lese ich "Der goldene Topf" von E.T.A. Hoffmann. 18) Hund, der ein kleines Spielzeugauto in eine Schlucht wirft, wo es der Fluß davonträgt. Diesen Hund habe ich an der Leine. Das lächerlich kleine Spielzeug-Selbst über Bord werfen, damit es Teil wird vom großen Ganzen. 19) Eine Bühne, auf der sieben Marktstände sind, der erste ein
Fleischstand (der schon geschlossen hat), der zweite ein Brotstand, wo
komischerweise keiner die köstlichen frischgebackenen Brote, die
paarweise lose in Papier eingeschlagen sind, kauft, weil sie nicht fest
eingeschweißt sind zum Einfrieren (auf den köstlichen Geschmack des
frischgebackenen Brotes des Augenblicks verzichten wir, weil er nicht
von Dauer ist...). Träume unter C 10.000 Am nächsten Morgen bekomme ich kurz vor dem Aufwachen ein Koan eingebleut: 20) Das Unüberwindliche der Wand überwinden! Bin erst einmal wie vor den Kopf gestoßen - und der war ja auch wohl gemeint: Das Unüberwindliche existiert nur in meinem Kopf! Das Glas! Immer wieder tauchte während der Naja-Prüfung-Heilung Glas auf, am Tag und in den Träumen. Mir fällt die Frage des Gurus ein: "Wenn der irdene Topf zerbricht, zerbricht dann auch der Raum innerhalb des Topfes?" Die Form, die mich vom Ganzen trennt! Zwar durchsichtig, zeitweise
sulfurisch verunreinigt, aber noch da. Mein Ego. Traum, ein Tag später: 21) Ich gehe auf eine Party - ursprünglich eine gewöhnliche
3-Zimmer-Altbauwohnung, Holzfußboden, erlesene Gesellschaft -
"Platin", denke ich - und "Ich war schon einmal
hier." Das Merkwürdige an diesem Traum war, daß ich a) mich
selbst schlafend gesehen habe, b) ganz im Traumgeschehen drin war und c)
mein Verstand nach beiden Seiten kommentiert hat. Ist dies der umgekehrte Sündenfall? Die Ehefrau der Schlange (Märchen aus Indien) In einem Dorf lebte ein Brahmane und seine Frau. Sie hatten keine
Kinder, deshalb waren sie sehr unglücklich. Jeden Tag beteten sie
deshalb und machten viele Opfergaben. So wurde die Schlange langsam groß und erwachsen. In der Nachbarschaft feierten die Leute die Hochzeit ihres Kindes. Da wünschte die Frau auch eine Ehefrau für ihren Sohn. Aber wo bekam man eine Ehefrau für einen Sohn, beziehungsweise eine Schlange? Eines Tages, als der Brahmane nach Hause kam, sah er, daß seine Frau in der Ecke saß und heulte. Der Brahmane fragte sie: "Warum heulst du?" Anstatt die Frage zu beantworten, heulte sie stärker. Zum Schluß sagte sie: "Ich weiß, daß du weder mein Kind noch mich liebst, weil du ihn nicht beachtest und nicht gemerkt hast, daß er groß und erwachsen geworden ist und endlich eine Frau benötigt." Der Brahmane erstaunte sehr und fragte: "Was? Du willst eine Frau für deinen Sohn? Begreifst du nicht, daß niemand einen Schlangensohn heiraten möchte?" Aber als sie noch mehr weinte, entschloß er sich, eine Frau für ihn zu suchen. Er suchte überall, und deshalb reiste er in verschiedenste Dörfer. Er ging in eine Stadt, wo sein Freund lebte, den er lange nicht gesehen hatte, und wollte ihn besuchen. Die beiden Freunde freuten sich sehr, als sie einander begegneten. Als sie sich wieder trennten, erzählte der Brahmane, daß er auf der Suche nach einer Frau für seinen Sohn sei. "Warum hast du mir das nicht vorher erzählt? Ich habe eine Tochter und möchte sie sehr gern mit deinem Sohn verheiraten. Sie ist sehr schön und hat Fähigkeiten." Als der Brahmane das hörte, zweifelte er sehr und sagte: "Mein lieber Freund, bevor du die Entscheidung triffst, schau dir bitte mal meinen Sohn an." "Nein,nein, das ist nicht nötig. Ich kenne dich und deine Frau, wozu sollen wir die Zeit verschwenden? Nimm meine Tochter und verheirate sie!" Der Brahmane machte sich ein bißchen Sorgen. Aber trotzdem freute er sich sehr, endlich eine Frau für seinen Sohn gefunden zu haben. Zu Hause angekommen, bereiteten sie die Hochzeit vor. Als die Nachbarn das hörten, versuchten sie das Mädchen umzustimmen, und warnten sie davor, eine Schlange zu heiraten. Aber das Mädchen sagte: "Ich mache nichts gegen den Willen meines Vaters. Wenn der Brahmanensohn eine Schlange ist, dann heirate ich eben eine Schlange." Am nächsten Tag heirateten sie und zogen in ein Zimmer. Sie liebte ihren Ehemann und pflegte ihn sehr. Eines Nachts, als sie schlafen ging, sah sie, daß ein wunderschöner Mann auf dem Bett saß, dem sie nie zuvor begegnet war. Weil sie nachts einen Fremden in ihrem Zimmer sah, wurde sie unsicher und wollte wegrennen. Als sie weglaufen wollte, sagte der junge Mann: "Geh nicht weg, kennst du mich nicht? Ich bin doch dein Ehemann." Die Frau glaubte ihm nicht. Und um es ihr zu beweisen, schlüpfte der junge Mann noch einmal in seinen Schlangenkörper. Als er wieder als junger Mann erschien, glaubte sie ihm und fiel ihm zu Füßen. Jede Nacht, als die Leute schliefen, erschien der junge Mann aus dem
Schlangenkörper, und bis zum Morgengrauen blieb er bei ihr. Morgens
früh wurde er wieder zur Schlange und schlief in seinem Kasten. So
vergingen die Tage. Man kann dieses Märchen als die Entwicklungsgeschichte des
Bewußtseins ansehen. Die Urmutter bringt ihren Sohn hervor, in
tierischer Gestalt (Reptiliengehirn). Sie unterscheidet nicht zwischen
Gut und Böse, denn sie liebt alle ihre Kinder. Liebevolle Hingabe löst Begrenzungen auf. Naja oder Midlife-Crisis Während meiner Naja-Prüfung traten massiv Aussteigergedanken auf, die konkrete Formen anzunehmen drohten, und die von meiner Umwelt fachkundig als Midlife-Crisis diagnostiziert wurden. Auch aus der Praxis wurde von Fällen berichtet, wo starke Herzprobleme, die durch ähnliche Lebensumstände hervorgerufen wurden, auf Naja ansprachen. Hervorragendes Symptom war jedesmal das Verschwinden der Symptomatik bei neubelebter Sexualität (die Vitalkraft wurde angefacht). Die Heilung war Naja entweder in Form von Kügelchen oder in Form einer jüngeren, hingebungsvollen Geliebten vom Typ Naja - und, das ist meine persönliche Vermutung, das erfolgreiche Loslassen dessen, woran das Herz vormals gehangen hatte. Erich Neumann stellt diese Lebensphase als Prozeß der Osirifizierung und Wandlung, der dem Individuationsprozeß entspricht, hin. Es ist die Herstellung "des Reiches, das nicht von dieser Welt" ist, die Geburt des Königs. "Der selbstzeugerischen Tat, in der am Beginn des Lebens das Ichbewußtsein sich aus der umschlingenden Gewalt des Drachens des Unbewußten befreit, entspricht in der zweiten Lebenshälfte der selbstzeugerische Akt der Wiedergeburt des Ich zum Selbst, in der es sich aus der umschlingenden Gewalt des Drachens der Welt befreit. Der Drachenkampf der ersten Lebenshälfte beginnt mit dem Weg durch die Welt des Unbewußten und endet mit der Heldengeburt des Ich. Die Nachtmeerfahrt der zweiten Lebenshälfte beginnt mit dem Weg durch die Welt und endet mit der Heldengeburt des Selbst." Wie im Mikrokosmos so im Makrokosmos. Die Schriften erzählen von der Kundalini, die, nachdem sie mit ihrer Kraft den letzten Teil der Schöpfung, die Schaffung der Materie, vollbracht hat, sich zusammenrollt und schläft bis zu ihrer Wiedererweckung nach drei und einer halben Zeit. Da sieben die Zahl der Zeit ist, können wir hier unschwer die kosmische Midlife-Crisis erkennen. Das Leben - ein Spiel In der tantrischen Tradition wird die Welt oft auch als lîlâ (Spiel) bezeichnet. Gott spielt, und sein Spiel ist die Welt. Aus der Nicht-Identifikation mit dem Ego entsteht ein Gefühl von Freiheit und des Nicht-verantwortlich-Seins für die Früchte unseres Tuns. Man gibt sie hin - ob gut oder schlecht. Man ist sich bewußt, daß die Gegensätze einander bedingen, und akzeptiert beide Seiten. Man begreift sich und sein Tun als Teil des Spiels, dessen Regeln die von Ursache und Wirkung sind. Man ist frei von Verlangen, denn alles ist gut wie es ist. Ich bin Beobachter, Zuschauer und Schauspieler zugleich. Das Leben wird leicht, ein Spiel, ein Tanz. Unsere kleinen Theater lehren uns, was im großen Welttheater geschieht: Tragödien, Komödien, Dramen, Lehrstücke, Unsinniges und Erbauliches - alles hat Platz. Und Schauspieler und Zuschauer verlassen das Theater unversehrt, so wie sie hereingekommen sind - um irgendwann die Rolle zu wechseln, ein Come-back zu feiern oder auszusteigen. Die Erde läuft gut ...Die Welt sagt: " Die Erde läuft gut, wie sie läuft, sie
läuft gut." Naja und die Moral Naja wurde uns zuerst präsentiert als das Mittel der Dreiecksbeziehungen. Wir hörten vor einigen Jahren einen sehr interessanten Beitrag in Bad Boll zu diesem Thema. Aus meiner eigenen Erfahrung kann ich dies nur bestätigen. Dreiecksbeziehungen dienen nicht nur der Auflösung festgefahrener Formen, sondern verhindern auch das Anhaften und Abhängigsein. Die Moral ist eine höhere, nicht unbedingt die der Gesellschaft. Für die erlöste Naja ist nicht nur das Streben nach Macht vorbei, es wird auch fremde Macht nicht anerkannt. Daher ist Naja auch frei von Schuldgefühlen. Schuld läßt sich nur in Verbindung mit Moral fassen. Durch Moral wird das Zusammenleben in unserer Gesellschaft überhaupt erst möglich. Andererseits ist Moral zugleich die subtilste, gewalttätigste Form der Machtausübung - weil sie an der Seele des Menschen angreift. Die zugrundeliegenden Wertesysteme und Wertvorstellungen sind wandelbar und dienen dem jeweiligen herrschenden Kollektiv. Kreuzritter, die für den rechten Glauben in den Krieg ziehen, sind im Gefühl höchster Moralität. Ist der Glaube weg, ist Mord wieder Mord. Naja entzieht sich den Wertsystemen dieser Welt. Naja ist der Transzendenz verpflichtet. Naja gegen Maya
OM Volle Fülle im Einen - volle Fülle im Vielen. Vielfältig sind auch die Bilder, mit denen die Vielheit beschrieben
wird, die Maya. Es ist das reine Bewußtsein, das sich in bunte Kleider
hüllt, das wir sind, und mit dessen Kleidern wir uns nicht
identifizieren dürfen. Es gibt die Legende von dem Gott, der hinabstieg
in seine Schöpfung und sich in seinen Kleidern verstrickte und so
verwirrt wurde, daß er seine Göttlichkeit vergaß. Shiva Nataraja tanzt die Welt. Er tanzt das Anandatandava, den Tanz
der Seligkeit. Parvati, seine göttliche Gemahlin, erhält die
Erleuchtung, als sie ihn tanzen sieht. Unser Streben nach Einheit, nach Ganzheit, nehmen wir zuerst wahr als
unsere Sehnsucht nach dem Partner, der uns ergänzt. In der Suche nach
der Wahrheit mag diese Sehnsucht sich dann als Wahnidee manifestieren:
am Verhungern zu sein (Naja als einziges Mittel 1-wertig). Die
Wahnideen, Unrecht erduldet zu haben und vernachlässigt zu werden,
beruhen wohl auch auf dem mangelnden Verständnis der Situation von uns
selbst oder von unserer Umgebung. Die Wahnidee, sein Kopf wird verletzt
- Naja einziges Mittel -, obwohl bei allen Schlangen der Kopf die
empfindlichste Stelle sein dürfte, ist wohl auch nicht nur materiell zu
verstehen. Der Kopf ist die Burg unseres harten kleinen Egos, von den
indischen Priestern symbolisch dargestellt durch die Kokosnuß, die sie
aufschlagen und opfern. Jedes Verlangen ist Bindung, auch das Verlangen nach Erleuchtung.
Wie kann es etwas Vergleichbares zu einem Befreiten geben, in dessen
Herz es keine Spur von Verlangen irgendwelcher Art mehr gibt, der
zufrieden und völlig gleichgültig gegenüber allen Objekten ist? "...ihr Verlangen nach Gold entspricht der Sehnsucht nach sonnenhafter Wahrheit und Erkenntnis." (Goethe über die Schlange) Hoch oben auf dem Wipfel des Weltbaumes thront der Vogel mit goldenem
Gefieder, ruhig und erhaben, in seine Glorie versunken. Die
Geschäftigkeit in den Ästen der Welt kann seine Ruhe nicht stören.
Dort unten hüpft der andere Vogel, auch er goldglänzend. Er kennt
keine Ruhe. Er sucht unter all den Früchten des Baumes die süße
Feige, die amrita birgt, den Trank Todlos, der ihn allen Kummer, alle
Schmerzen vergessen läßt. Er pickt in allen Früchten. Manche
schmecken süß. Dann vergißt er für einen Moment seine Suche. Andere
schmecken bitter. Dann hält er erschreckt inne. Und jedesmal wenn er
anhält, sieht er den Goldvogel hoch oben im Wipfel, still, in seine
Glorie versunken. Sehnsüchtig schaut er hinauf zu ihm, der nichts
sucht, der ânanda, die ewige Glückseligkeit kennt. Aber seine Unruhe
treibt ihn weiter. Die Früchte duften so verlockend, viele schmecken
süß, doch keine stillt den Durst nach Glück. "Auf dem Wipfel des Baumes...ist die süße Feige. So sagen sie. Die Feige kann nicht erlangen, wer den Vater nicht kennt." (rigveda X 164,20-22)
Ellen Böning, Heilpraktikerin,
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